Erziehung Die ElternschuleSeite 3/3
Klaus Hurrelmann glaubt, dass sich bei schulbezogenen Elterntrainings die Schwellenangst einfacher überwinden lasse. »Es ist weniger tabuisiert, über Schule und Leistungen zu reden als über Erziehungsprobleme innerhalb der Familien.« Der Wissenschaftler weiß aber auch, dass die Eltern nicht kommen, wenn sie nicht müssen. Warum, so fragt er, könne die Schulpflicht der Kinder nicht an eine Fortbildungspflicht für Eltern gekoppelt werden? So macht eine Berliner Hauptschule seit einigen Jahren die Zusage des Schulplatzes von der Bereitschaft der Eltern abhängig, an einem Training teilzunehmen. Mehrere Schulen in der Hauptstadt probieren Ähnliches.
Dass jedoch die Lehrer, die vormittags die Schüler unterrichten, abends die Eltern trainieren, hält Adolf Timm für wenig sinnvoll. »Spätestens wenn es um Konflikte geht, wird es kompliziert«, sagt er. »Die Seminare müssen auch Orte sein, an denen Eltern ihre Sorgen mit der Schule loswerden können.« Eigentlich aber wäre es Adolf Timm am liebsten, wenn die Lehrer mit den Eltern gemeinsam in den Seminaren sitzen würden. Denn einen der wichtigsten Grundsätze aus seiner Zeit als Lehrer und Schulleiter hat Timm in das Elterntraining übernommen: »Kein Kind soll beschämt werden.« Weil Beschämung zu Rückzug und Kontaktscheue führe. Und das gelte eben auch für den Umgang zwischen Eltern und Lehrern.
In Bad Schwartau schiebt sich der Schulleiter persönlich ab und an einen Stuhl in die Ecke und hört einfach zu. »Diese Eltern will ich alle haben«, sagt er später. Die seien doch jetzt super ausgebildet. Wobei es Timm natürlich nicht darum geht, den Schulen stromlinienförmige Eltern zuzuspielen. Aber der Einfluss der Eltern auf den Schulerfolg der Kinder wiegt für ihn weit schwerer als der von »Lehrern und Unterricht zusammen«. Deshalb will er sie in die Pflicht nehmen – ebenso wie die Schulen, die noch begreifen müssen, dass Eltern ernst zu nehmende Partner sind und keine Störenfriede. Wer als Lehrer Kontakt zur Hartz-IV-Mutter oder zu dem türkischen Familienvater suche, der müsse sich ernsthaft bemühen und dürfe nicht gleich beim ersten Misserfolg aufgeben.
Das Elterntraining in Bad Schwartau ist indes ein guter Spiegel dessen, was moderne bürgerliche Familien heute bewegt. Die anderen, sogenannten bildungsfernen Eltern würden wohl kaum verstehen, wovon diese Mütter reden, wenn sie sich über »verwaiste Spielplätze« beschweren, über »gemanagte Kindheiten mit prallvollem Terminkalender«, über das »frühfördergeschädigte Kind« und Eltern, die mit Beginn der ersten Klasse die Angst verfolgt, ihr Kind könnte es nicht aufs Gymnasium schaffen. Der noch größere Ehrgeiz anderer Eltern hat für die Seminarteilnehmer etwas Irritierendes. Acht Stunden lang unterziehen sie sich einer Art stiller Selbstbefragung, bei jedem Thema aufs Neue: Wo stehe ich? Warum kann ich das nicht? Warum versage ich gerade da? Britta Spiering, Mutter von drei Kindern zwischen 6 und 14 Jahren, hat am Ende das Gefühl, in vielen Bereichen »anscheinend ganz richtig zu liegen«. Andererseits fragt sie sich jetzt, ob sie zu den »überbehütenden Müttern« gehört und wie sie besser loslassen kann.
Dass Elternseminare funktionieren und durchaus wirksam sind, haben Klaus Hurrelmann und andere Wissenschaftler durch Evaluationen von Programmen wie Step und Triple P bereits nachweisen können. Eltern würden nach den Erziehungsseminaren bereits kurzfristig bestimmte Verhaltensweisen ausschalten können, sagt Hurrelmann. »Die hören auf, ihre Kinder anzuschreien.« Allein das sei für das Klima und das Zusammenleben in einer Familie ein enormer Fortschritt. Adolf Timm reicht das nicht. Es gehe darum, die Kinder dorthin zu stellen, wohin sie gehörten, sagt er, in die Mitte der Gesellschaft, in die Mitte der Schule, in die Mitte der Familie. »Aber davon sind wir weit entfernt.«
- Datum 06.08.2009 - 19:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.08.2009 Nr. 33
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nur, was befähigt eine "normale" Lehrkraft dazu in Abendseminaren Eltern in Erziehungsarbeit zu coachen? Viele Lehrkräfte von gerade Grundschulkindern haben noch nicht einmal selber Nachwuchs. Ihnen spreche ich in vielen Fällen selbst die Fähigkeit ab, Grundschulkinder adäquat pädagogisch zu begleiten, geschweige denn, dass sie eine Ahnung von der Erziehungsarbeit daheim haben. Einem Lehrer mit dreißigjähriger Berufserfahrung und drei eigenen Kindern nehme ich seine Erfahrungswerte ab, der weiß, wovon er spricht, jedoch ist nicht jeder Pädagoge automatisch dazu in der Lage, eine solche "Elternerziehungsarbeit" zu übernehmen, nur weil er irgendwann einmal ein Pädagogikstudium absolviert hat. Jede Förderung der Eltern/Lehrer-Kooperative ist zu begrüßen, weil es dem Wohl der Kinder dient, dazu bedarf es aber in vielen Fällen keiner "Erziehungsseminare" für Eltern, sondern eine Öffnung der Schule für die Belange der Eltern, eine bessere Zusammenarbeit und vor allem Einsichtsfähigkeit auf BEIDEN Seiten. Sicher haben die Eltern den Löwenanteil bei der Erziehung der Kinder und haben auf diesem Gebiet oftmals eine Art Schulungsbedarf. Feststeht aber auch, dass es vielen Lehrern an Einsichtsfähigkeit, Selbstreflektion und Kritikfähigkeit mangelt, sie zwar lehren, aber nicht lernen wollen.
Es ist schon an sich beschämend, dass bei Erziehungsfragen die meisten sich auf Pädagogen und Psychologen berufen müssen. Wir sind nun mal die Kinder unserer Eltern, ihre Fehler geben wir nur allzugern weiter ohne uns dessen bewusst zu sein, aber an sich haben wir das auch überlebt.
Ich persönlich bin erschrocken über diesen Zustand. Es gibt einfach zu viele Leute mit zu gut gemeinten Ratschlägen. Die Angst wird geschürrt und somit kommt es zum Nachfrage nach solchen... Pseudohilfen.
Kinder sind nun mal Kinder, sie sind von uns abhängig und auf unsere Hilfe angewiesen, allein dass sollte doch jedem Elternteil klar sein und ein jeder sollte auch wissen, wie er sein Kind ins Leben begleitet. Wozu also diese Kurse/Bücher/etc.? Um einfach die Verantwortung abzugeben? Die Schuld von sich zu schieben? Oder einfach nur nicht selber darüber nachzudenken?
... bei unseren Verwandten. Die haben nicht so viel Gefühlsschmacht bei der Erziehung ihrer Kinder ( "Wer sind Sie, mir was zur Kindererziehung sagen zu wollen? Haben Sie überhaupt "eigene" Kinder? ), die tuns einfach. Was lernen wir nun aus den Feldbeobachtungen bei unseren Verwandten?
Junge (Schimpansen-)Mütter fassen den Nachwuchs schon mal an den Knöcheln und schleifen ihn hinter sich her ... tonk - tonk - tonk, sie haben manchmal Probleme, den Nachwuchs richtig anzusprechen ( würden wir sagen ), kurz, sie müssen zwar das Kinder-Zeugen und Kinder-Gebären nicht lernen, aber durchaus die adäquate Kindererziehung, learning by doing, und was beim ersten Kind nicht klappt, geht vielleicht beim zweiten oder dritten Nachwuchs besser.
Die Feldbeobachtungen zeigen ferner, dass Mütter am unteren Ende der Sozialskala ( darf man sagen: allein erziehend? ) statistisch (!) mehr Probleme, d.h. weniger großgezogene Kinder haben als die Mütter am oberen Ende, wo schon mal Tanten, Onkel, ältere Geschwister, Cousinen und Cousins helfend und vielleicht korrigierend eingreifen, kurz, diese Kinder werden gewissermaßen mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, aus denen wird statistisch (!) mal was in der (Affen-)Gesellschaft.
Klar, ich habe über Schimpansen geredet, das lässt sich natürlich üüüüberhaupt nicht auf Menschen und die menschliche Gesellschaft übertragen!
,d.h. vor allem in seinem Tempo lernen zu lassen.
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