Anschlag auf Mallorca Gemeint sind wirSeite 3/3
Die Wahrheit über Mallorca erfährt man in Kabul
Es ist vielleicht ein irritierender Platz, um die Demokratie auszuprobieren, aber in einem chaotischen Staat bleibt der Demokratie nicht viel Raum. Auf Mallorca wäre dieses Restaurant nicht der Rede wert, in Kabul ist es eine Sensation. Es ist gefährdet, aber es existiert. Es wurde zur Festung, weil es darauf bestand, unter allen Umständen ein Restaurant sein zu wollen. Es traut sich, die Überlegenheit des Terrors zu leugnen, indem es einfach da ist.
Es wäre leicht, sich über dieses Restaurant lustig zu machen. Es behauptet von sich sogar, italienisch zu sein. Darüber lacht in Kabul niemand. Ich habe dort gelernt zu staunen, zum Beispiel über den unbedingten Willen, sich mit den Mitteln eines Restaurants in den Kampf um die Freiheit überhaupt einzumischen. Erstaunlich ist, wie sensibel man sein muss, um den Kampf gegen den Terror aufzunehmen. Man muss sensibel sein für die Idee dahinter, die Idee von der Freiheit. Man kann dafür aber nicht sensibel sein, wenn man kein Gefühl mehr hat für die Größe der Idee. Wir sind nicht gemeint, wenn eine Bombe die Freiheit bedroht. Das will uns der mallorquinische Begriff von der kostenlosen Freiheit weismachen. Doch, wir sind gemeint, das sagt uns der afghanische Begriff von der kostbaren Freiheit. Wenn wir ihn ernster nähmen, würde uns vielleicht etwas auffallen.
Es wäre doch denkbar, dass auch unsere Demokratie eine Insel ist, viel schützenswerter als unser Urlaub. Aber was ändert das? Was können wir tun, wenn auf Mallorca eine Bombe hochgeht? Nichts können wir tun, nichts, was uns wesentlich vorkäme. Wir könnten versuchen, das Verkehrschaos, das wegen der großen Trauerfeier für die ermordeten Polizisten entsteht, nicht als Ärgernis zu empfinden. Und wir könnten uns vorstellen, dass auch wir gemeint sind.
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- Datum 06.08.2009 - 12:47 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.08.2009 Nr. 33
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Sehr geehter Herr Willeke,
sicher ist es erforderlich sich dem Vorgang irgendwie zu nähern. Um so bedauernswerter ist allerdings die rein deskriptive Herangehensweise. Sowohl im beschriebenen speziellen Fall wie auch in der Unbestimmtheit mit der hier die Termini "Anschlag" und "Terror" durcheinanderpurzeln.
Zudem ist es durchaus möglich mit den Eindrücken vom TO eine Einschätzung der unmittelbaren Zeilsetzung zu gewinnen. Was daraus als Folgewirkung im Beobachter wird, bestimmt dessen Vermögen den Sachverhalt angemessen zu würdigen. Womit die Probleme dann auch einsetzen. Die Frage nach Ursachen und Zielen ist sicher genauso berechtigt wie die Frage nach dem Schutz des Einzelnen. Leider, entgegen mancher Wunschvorstellung, können aber darauf nur perspektivische Antworten gegeben werden. Abseits der Feststellung eines allgemeinen Lebensrisikos eröffnet sich doch an diesem Fall die Feststellung das nur ein relativ kleiner Gefahrenbereich vorhanden war und vom Ansatz her keine erhebliche Gefährdung Dritter geplant war.
Terror ist immer das, was die Wahrnehmung des Rezipienten und der Beobachter daraus macht. Beide sind unterschiedlich stark von den physikalischen Auswirkungen betroffen. Die seelische Wirkung, auch Ihrer Beschreibung zu entnehmen, ist eine andere.
Denn weder ist der "Terrorismus" ein neuartiges Instrument noch sind die "Taliban" für Westeurope eine völlig neue Form der Bedrohung. Wer das so zu sehen meint hat die realen Probleme des kalten Krieges verdrängt oder vergessen. Denn außer einer personellen Verschiebung der Akteure hat sich, entgegen wohlfeiler Hysterie, wenig bei den realen Gewalt-(Tat)mitteln geändert.
Den Bogen vom Mittelmeer nach Kabul zu spannen überdehnt die Zusammenhänge ein wenig. So sehr es sich bei einer USBV mit zwei Toten um eine menschliche Tragödie handelt, so wenig wird damit ein Staat in seinem Bestand bedroht; selbst eine erheblich höhere Opferzahl ist unter diesem Gesichtspunkt irrelevant. Nur wird das gerne von Schönwetterdemokraten vergessen.
In Afghanistan spielt nur eine Minderheit die demokratische Karte, mehrheitlich scheinen die Beteiligten auf Stagnation zu setzen, was von einer spanischen Insel so sicher nicht gesagt werden kann.
Dem, mutmaßlichen, Wahnsinn Normalität entgegenzusetzen ist sicher eine der vernünftigeren Handlungsformen. Spekulationen, wer oder wessen Freiheit gemeint sein könnte, sind dagegen nicht zielführend.
Mfg
Karl Müller
....und die Größe der Idee. Das klingt so nach diesen patriotischen Kriegsfilmen. Mir ist dieses Gerede schon recht. Schließlich lebe ich ganz gut auf unserer demokratischen Insel. Und schließlich haben wir unsere demokratische Insel auch ziemlich ausgedehnt. Klar, dass es denen auf der demokratischen Insel soweit für die Stabilität nötig auch gut gehen soll. Diejenigen, die nicht auf unserer Insel sind, ich denke die wollen einfach nur etwas von unserer Freiheit abhaben. Wir wollen aber nichts hergeben. Wo kämen wir dahin. Wenn wir Kupfer brauchen dann holen wir uns das. Das ist die Freiheit der Demokratie. Ja dann ist China wohl auch eine Demokratie, die haben auch schon erkannt das in Afrika super Rohstoffe lagern. Die Idee der Freiheit ist wirklich eine große Idee. Sie bräuchte nur viele Eingeständinsse.
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