Finanzkrise Moral für Banker

Es ist an der Zeit, das ethische Fundament des Kapitalismus zu erneuern. Das Plädoyer eines Spitzenbankers

Von König Salomon heißt es, er habe einen Diener gehabt, der ihm stets, ob die Dinge nun gut liefen oder schlecht, zuflüsterte: "Auch dies geht vorbei." Krisen gehen vorüber, auch die schwersten. Nach der gegenwärtigen weltweiten Wirtschaftskrise wird es aber keine Rückkehr zum Status quo ante geben. Die Erschütterung des Glaubens an den Markt ist der Ausgangspunkt für eine neue Weltordnung. Es mag einige hartnäckig Zuversichtliche geben, die glauben, dass wir zum business as usual zurückkehren. Doch die Weltgemeinschaft erwartet von den Lenkern des Kapitalismus Reue und von den Politikern Handeln.

Die derzeitige Krise ist die umfassendste und gefährlichste Finanzkrise seit 1929. Sie könnte zu einem der großen Wendepunkte in der Geschichte der modernen Welt werden, einem epochalen Ereignis. Der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Marktes hat, wie der Vorsitzende des National Economic Council der USA, Lawrence Summers, ein großer Verfechter der freien Märkte, im Frühjahr 2009 erklärte, »einen tödlichen Stoß« erhalten. Zugleich hat das öffentliche Ansehen der Banker einen Tiefpunkt erreicht. Zorn hat sich breitgemacht angesichts der Beobachtung, dass einige von ihnen Bezüge und Boni erhielten, die ein Vielfaches der Vergütung gewöhnlicher, hart arbeitender Menschen ausmachten – dafür, dass sie sich einer Alchemie hingaben, die ihnen um die Ohren flog und Rettungsaktionen mit gewaltigen Kosten für Steuerzahler nötig machte.

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Wie sollte diese neue Weltordnung aussehen?

Erstens: Es gibt keine Alternative! Im schlimmsten Falle ist der Markt ungerecht, destruktiv und krisenanfällig. Diese Seite entdecken wir jetzt alle schmerzlich. Im besten Falle ist der Markt hocheffizient und in der Lage, Kapital an den richtigen Ort zu lenken. Davon hat die Menschheit enorm profitiert. Die Bedeutung des Kapitalismus für den Wohlstand ist daran erkennbar, wie er die chinesische oder die indische Volkswirtschaft revolutioniert hat, nachdem marktbasierte Reformen eingeführt wurden.

Selbst wenn die Finanzkrise dazu führt, dass das Weltsozialprodukt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sinkt, so haben die letzten beiden Jahrzehnte des globalisierten Marktkapitalismus für Hunderte Millionen Menschen in früher armen Volkswirtschaften außerordentliche Vorteile mit sich gebracht. Das gilt auch für Deutschland. Wenn die wirtschaftliche Erholung kommt, werden Deutschlands offene Volkswirtschaft und seine wettbewerbsfähigen Unternehmen zu den Hauptgewinnern gehören. Die Dominanz des Exports, die in der Krise eine Belastung ist, wird wieder zu einer Stärke werden. Churchills berühmte Verteidigung der Demokratie »Die schlechteste Regierungsform, wenn man von allen anderen Formen absieht, die im Laufe der Zeiten ausprobiert wurden« gilt ebenso für den Markt.

Zweitens können wir die Uhr nicht zurückdrehen. Wir können nicht in die 1970er Jahre, in die Zeit vor den globalen Kapitalmärkten, zurückkehren – genauso wenig wie in ein "Goldenes Zeitalter" mit einer einfacheren, weniger vernetzten Lebensweise. Solche Gedanken sind völlig unrealistisch in einer nunmehr dicht bevölkerten und urbanisierten Welt. Der Geist ist aus der Flasche, und die damaligen Kontrollmechanismen würden nicht mehr angemessen erscheinen. Es gibt keine Alternative zu Fortschritt und Reformen. Und dazu brauchen wir moderne Kapitalmärkte.

Drittens sind staatliche Aufsicht, Regulierung und staatliche Interventionen von wesentlicher Bedeutung. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Märkte stabil bleiben und sich selbst regulieren werden. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Führer der Welt eine gemeinsame Vision einer globalen Wirtschaftsordnung finden werden, welche die Dynamik der Marktkräfte bewahrt und gleichzeitig ihre Exzesse eindämmt. Dazu ist ein internationaler Rahmen nötig.

Leser-Kommentare
  1. "Es gibt keine Alternative!"

    Das ist falsch, es gibt immer eine. Wenn Leute mit TINA anfangen, gehen ihnen normalerweise die Argumente aus.

    "Die Bedeutung des Kapitalismus für den Wohlstand ist daran erkennbar, wie er die chinesische oder die indische Volkswirtschaft revolutioniert hat, nachdem marktbasierte Reformen eingeführt wurden."

    Ach? Von Indien höre ich immer wieder, dass der Hunger zurückgekehrt ist und China hat mit seinem Währungsdumping die Welt geplündert und Leute wie Sie haben das vermutlich unterstützt und kräftig mitverdient, wider dem eigenen Gewissen.

    "Marktkapitalismus für Hunderte Millionen Menschen in früher armen Volkswirtschaften außerordentliche Vorteile mit sich gebracht."

    Was Sie bitte auch belegen sollten. Ich bin gerne bereit Fakten zu aktzeptieren, aber ich kann diese Behauptungen von den aufblühenden glücklichen Schwellenländern nicht mehr hören. Alle Reportagen die von dort kommen zeichnen ein anderes Bild. Klar, gesellschaftliche Erstarrung und Unterdrückung löst der Kapitalismus auf, dafür baut er neue Barrieren und zerstört idR auch soziale Netzwerke recht nachhaltig. Ob das jetzt insgesamt positiv oder negativ ist, kann man nur in einer Einzelbetrachtung feststellen.

    "Deutschlands offene Volkswirtschaft und seine wettbewerbsfähigen Unternehmen zu den Hauptgewinnern gehören."

    Hab ich "Bürger" überlesen, oder kommt der in Ihrer Betrachtung schlicht nicht vor? Oder folgen Sie noch immer dem neoliberalen Mantra: geht es der Wirtschaft gut, dann auch den Leuten? Sollte ein Banker angesichts der Außenhandelsungleichgewichte nicht auch ein bisschen skeptisch sein?

    "Zweitens können wir die Uhr nicht zurückdrehen. Wir können nicht in die 1970er Jahre, in die Zeit vor den globalen Kapitalmärkten, zurückkehren..."

    Schon wieder TINA? Wie langweilig! Wir können alles, wenn wir nur wollen und es für sinnvoll halten.


    "Der Geist ist aus der Flasche..."

    Ja Sachzwänge schaffen, denen die Polit-Pragmatiker dann brav hinterherhecheln. Auch dafür ist die Bankenbranche ja bekannt.


    "Die entscheidende Frage wird sein, ob die Führer der Welt eine gemeinsame Vision einer globalen Wirtschaftsordnung finden werden, welche die Dynamik der Marktkräfte bewahrt und gleichzeitig ihre Exzesse eindämmt. Dazu ist ein internationaler Rahmen nötig."

    Na klar, und Sie wollen uns erklären was realistisch ist. Wieviele Jahre bis zu diesem Ziel veranschlagen Sie denn so?

    "Vielmehr gibt es eine Debatte um das Profil eines neuen, gemäßigten Kapitalismus."

    Wenn man auf Leute wie Sie hört, wird es im Wesentlichen auch ein Debatte bleiben. Bisher kann ich nicht den geringsten Umschwung in der Politikerkaste erkennen (schon gar nicht international) , da geht es von totaler Naivität bis hin zum "weiter so". Debattieren kann man lange, warten wir mal bis nach der Wahl, dann wird sich zeigen, wer die Zügel im "gemäßigten Kapitalismus" in der Hand hält, das zinskassierende und krisenprofitierende Großkapital oder der Bürger.

    "Wir, Aufsichtsräte, Manager und Aktionäre gleichermaßen, müssen erkennen, dass es um mehr geht, als sich zu nehmen, was man kriegen kann. Dass Werte letzten Endes den Wert ausmachen."

    Nein, es ist nicht notwendig, dass diese Leute das einsehen. Da können wir lange warten, bis eine Mehrheit von denen das tut. Es ist notwendig das wir, bzw. die Politik das einsieht und entsprechende Grenzen setzt.

    "Doch es kann eine Kultur der Werte nicht ersetzen. "

    Die Bürger haben ihre Werte nie verloren, warum glauben Sie sind die jetzt so über die Auswüchse empört? Als Banker leben Sie aber wahrscheinlich in einem anderen Milieu und der Bürger hat in diesem Land keinen Einfluß (und kommen Sie mir jetzt nicht mit Wahlen und anderem pseudo-demokratischen Kram).

    Fazit: ich hab schon schlechtere Artikel gelesen, aber wer in erster Linie unkonkret an das Schuldbewußtsein der Täter appelliert und sich im Wesentlichen grundlos dem Optimismus an internationale Gremien hingibt, der wird in meiner Beurteilung keine Gnade erfahren... denn das bedeutet letztlich auch nichts weiter als "weiter so" nur etwas distanzierter formuliert.

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    Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer pointierten Analyse!
    Danke schön!

    Chapeau für diesen Beitrag!

    Denken wir Positiv, scheinen wohl einige Angst um Ihren Hintern zu bekommen.

    Hallo Johaupt

    Ich war noch nie in Indien - nur in Thailand und Tunesien. Vielleicht gibt es dort viel Armut. Das war schon immer so in der Vergangenheit. Unsere Mutter erzählte uns die Inder lebten von einer Schüssel Reis pro Tag. Heute ist die indische Reisschüssel eine Delikatesse für Gourmets. Sicher dauert es noch lange bis Indien so aussieht wie Deutschland - Autobahnen, asphaltierte Strassen, Kanalisation, saubere Städte und malerische Dörfer. Vielleicht ist es aber in Indien auch zu heiss um so viel zu arbeiten wie die Deutschen. Ein mörderisches Klima lässt Indien so aussehen wie es aussieht. Wahr ist aber auch dass die Maharadschas schon immer in extremem Luxus gelebt haben und ihre Elefanten mit Gold verzierten. Die Heiligsprechung der Kuh verhindert ein Angebot an Rindfleisch. Das ist Weltfremdheit. Die Marktwirtschaft ist vielleicht dabei das zu überwinden - ein erster Schritt dem der Sozialstaat folgen muss. Wahrscheinlich ist auch der Hinduismus falsch.

    Gruss

    Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer pointierten Analyse!
    Danke schön!

    Chapeau für diesen Beitrag!

    Denken wir Positiv, scheinen wohl einige Angst um Ihren Hintern zu bekommen.

    Hallo Johaupt

    Ich war noch nie in Indien - nur in Thailand und Tunesien. Vielleicht gibt es dort viel Armut. Das war schon immer so in der Vergangenheit. Unsere Mutter erzählte uns die Inder lebten von einer Schüssel Reis pro Tag. Heute ist die indische Reisschüssel eine Delikatesse für Gourmets. Sicher dauert es noch lange bis Indien so aussieht wie Deutschland - Autobahnen, asphaltierte Strassen, Kanalisation, saubere Städte und malerische Dörfer. Vielleicht ist es aber in Indien auch zu heiss um so viel zu arbeiten wie die Deutschen. Ein mörderisches Klima lässt Indien so aussehen wie es aussieht. Wahr ist aber auch dass die Maharadschas schon immer in extremem Luxus gelebt haben und ihre Elefanten mit Gold verzierten. Die Heiligsprechung der Kuh verhindert ein Angebot an Rindfleisch. Das ist Weltfremdheit. Die Marktwirtschaft ist vielleicht dabei das zu überwinden - ein erster Schritt dem der Sozialstaat folgen muss. Wahrscheinlich ist auch der Hinduismus falsch.

    Gruss

  2. Glaube war und ist schwer zu erschüttern...

    Es fragt sich, nun mit etwas Ironie, wo den dieser "kritische" Artikel seine Grundlagen hatte. Erkannt und verfasst auf einer der vielen Steueroasen oder vieleicht auf einer Parkbank sitzend weil man dank Jobverlust plötzlich viel Zeit zum reflektieren hat?

    Man überlege, das generell die angedachten Massnahmen nur Mässigung des Kapitals nicht dem Schutz der Menschen dienen sondern wie gehabt dem Schutz des Grosskapitals und deren Eigentümer.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  3. 3. Toll!

    Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer pointierten Analyse!
    Danke schön!

    Antwort auf "Doch Herr Green..."
    • ohopp
    • 09.08.2009 um 15:17 Uhr

    jeder Mopedfahrer verliert die Betriebserlaubnis wenn er für mehr Leistung, sprich Ertrag, den Auspuff frisiert und in Bereichen, die für die Gesellschaft systemrelevant sind, sollen es plötzlich wabbleliche undefinierbare ethische Grundsätze richten.
    Gehts denn noch dümmer!

  4. Kulturen und Gesellschaften gründen sich auf Werte, es gibt überhaupt keine Kulturen oder Gesellschaften oder Systeme ohne Werte, die Kategorien ausfüllen. Wahrscheinlich muss man bei solchem Käse ab und an darauf hinweisen. Auf der letzten Seite verstand ich erst, woher Green die haarsträubende Idee einer gegenwärtigen Gesellschaft ohne Werte schöpft. Dieser Mann ist ja Laienprediger einer Kirche, und Kirchenmenschen oder Gläubigen neigen nun mal, ganz einfach ihrer weltfremden Ideologien, dazu der Gesellschaft oder Kultur oder Gegenwart Werte abzusprechen oder vorzuschlagen, die sie für sich beanspruchen.

    Mich wundert, dass das in einem Massenmedium wie Die Zeit solchen Anklang findet, und dass es bis in die Printausgabe Eingang fand. Was Green behauptet ist schließlich nur, dass wir eine Gesellschaft ohne ordentliche Werte haben, und dass seine Kirche oder die Werte seines Wertherstellungsapparates zweckdienlich sind – gleich wie selbstreferenziell und weltfremd und dampfend-pathetisch das Ganze ist.

    Demnächst lässt Die Zeit weitere Romantiker zu Wort kommen, die sich in der Verteidigung oder Rettung der Welt zurecht-suchen, gerne Punks oder junge Gänse, deren Geistesspektrum von ewige Liebe bis schöne Reisen reicht. Ich habe lange keinen solchen Unsinn gelesen.

    Der Zeit täte gut, wenn sie mal dazu übergehen würde, auf gesellschaftliche Fragen nicht nur die Subjektivkeule, die ja eine Boulevardkeule ist, zu schwingen, sondern mal Geistes- oder Gesellschaftswissenschaftler zu Wort kommen lassen, die solchen Unsinn mit wenigen Handgriffen widerlegen. Natürlich müsste man ihre Aussagen erst mit etwas Recherche auslegen.

    Ich zeige Ihnen etwas, heute Morgen exzerptiert, eher wissenschaftliche Sprache, mehrere Male lesen:

    „Systemdifferenzierung ist nichts anderes als die Wiederholung der Differenz von System und Umwelt innerhalb von Systemen. Das Gesamtsystem benutzt dabei sich selbst als Umwelt für eigene Teilsystembildungen und erreicht auf der Ebene der Teilsysteme dadurch höhere Unwahrscheinlichkeiten durch verstärkte Filterwirkungen gegenüber einer letztlich unkontrollierbaren Umwelt. Danach besteht ein differenzierten System nicht mehr einfach aus einer gewissen Zahl von Teilen und Beziehungen zwischen Teilen; es besteht vielmehr aus einer mehr oder weniger großen Zahl von operativ verwendbaren System/Umwelt-Differenzen, die jeweils an verschiedenen Schnittlinien das Gesamtsystem als Einheit von Teilsystem und Umwelt rekonstruieren. Differenzierung wird so nach dem allgemeinen Muster von Systembildung behandelt, und die Frage, in welchen Formen und bis zu welcher Komplexität Systemdifferenzierung möglich ist, kann rückgebunden werden an die Ausgangsdifferenz, die das Gesamtsystem konstruiert.“

  5. "Es ist an der Zeit, das ethische Fundament des Kapitalismus zu erneuern."

    Der Kapitalismus hat kein ethisches Fundament. Sein Fundament ist und bleibt das Kapital, also die Profitmaximierung. In dieser Beschränkung liegt sein globaler "Erfolg". Die Bank investiert das Geld des Kunden nicht, um ihm eine Wohltat zu erweisen oder dgl.

    Das sollte aber doch bekannt sein.

    rheinelbe

  6. Chapeau für diesen Beitrag!

    Antwort auf "Doch Herr Green..."
  7. Zitat:

    Wir, Aufsichtsräte, Manager und Aktionäre gleichermaßen, müssen erkennen, dass es um mehr geht, als sich zu nehmen, was man kriegen kann. Dass Werte letzten Endes den Wert ausmachen.

    Das ist der größte Unsinn, den ich seit langem gelesen habe. Es ging, geht und wird immer darum gehen, den eigenen Profit zu maximieren. Jeder Fonds-Chef wird zu Recht geköpft, wenn er nicht die maximale Rendite aus seinen Investments heraus holt! Niemand wird freiwillig auf seine Gewinne verzichten, genauso wenig wie jemand ohne Gegenleistung auf Gehalt verzichten wird - als letzte wohl diejenigen aus den Banken, die einerseits am wenigsten realwirtschaftliche Wertschöpfung betreiben, die aber andererseits durch die Möglichkeit der Manipulation von Informationen an allen Stellen sowohl der Real- wie auch der Finanzwirtschaft die größte Macht besitzen.

    Aber genau hier, bei den Informationsmonopolisten in der Finanzwirtschaft müssen wir ansetzen - und zwar nicht(!) dadurch, dass nun alle Menschen lieb zueinander sein sollen. Die Arbeiter und Angestellten kann man vielleicht noch durch unfähige oder gekaufte Gewerkschaften für dumm verkaufen und ihnen ein ums andere Mal Lohnverzicht ohne Gegenleistung abringen. Sowie die Menschen aber etwas Grips in der Birne haben, werden sie sich ihre Rechte wie jeder normale Investor als Anteile am zukünftigen Unternehmenserfolg zzgl. Risiko-Aufschlag abkaufen lassen.

    Und daher liegt in der Aufhebung der Informations-Asymmetrie bei der Finanz-Kriegsführung das Rezept für das Überleben des Kapitalismusses: Nur wenn Intransparenz und Desinformationen der Finanzwirtschaft zu drastischsten Sanktionen (Verstaatlichung, Austausch des Managements schon bei geringen Verstößen, ..) durch Aufsichtsbehörden führen, die Aufsichtsbehörden massive Durchgriffsrechte zur Validierung von vertraulichen Finanz-Informationen besitzen und im Falle kleinster Abweichungen diese 1. konsequent verfolgen und 2. drakonisch sanktionieren, hat das Prinzip Kapitalismus eine Überlebenschance. Andernfalls ist der Weg in einen scheinkapitalistischen Feudalismus doch schon vorgezeichnet.

    Die gegenwärtige Krise ist eine Informationskrise des Kapitalismus und keine Kapitalismuskrise an sich. Die westlichen Staaten haben eigentlich nur dann eine Chance ihre Marktwirtschaft zu retten, wenn sie eine Informationsangleichung von Interessent und Anbieter erzwingen können und so das Modell(!) "Homo Oeconomicus" insofern wieder stimmig wird, dass der Interessent sich vollumfänglich über die tatsächlichen Risiken der angebotenen Produkte informieren kann, und dadurch einen realen Gegenwert für die in den Produkten enthaltenen Risiken ermittelt. Hier brauchen wir ganz neue Transparenz-Regeln, die durch freie und standardisierte Veröffentlichungen im Internet implementiert werden müssen. In dem Maße, in dem Aufsichtsbehörden erzwingen, tatsächliche Risiken offen zu legen und Intransparenzen hart bestrafen, in dem Maße werden auch (betrügerische) Arbitrage-Geschäfte zwangsläufig weniger lukrativ, als Geschäfte, die auf schöpferischer Leistung und konkretem Kundennutzen beruhen und das muss das Ziel sein! Dieses gegenwärtige Missverhältnis der Informiertheit, das ganz offensichtlich zu Betrug, Veruntreuung und Verdummung einlädt und offenbar auch staatlicherseits unbeanstandet weiter akzeptiert wird, ist der Mörder unserer Marktwirtschaft und unseres Kapitalismusses.

    Findet man hierfür eine Lösung, dann braucht man auch wahrlich keine künstlichen Wesen zu schaffen, die als bessere Menschen in Aufsichtsräten, bei Managern und Aktionären simmulieren. Dann regelt der Markt ganz real den Betrugsversuch nämlich wieder selber - so wie es sich im Kapitalismus auch gehört. Denn dort ist der Aktionär eben genauso wenig Gutmensch, wie der angestellte Geschäftsführer oder der Arbeiter: Jeder strebt nach Profitmaximierung und jedem muss jedes Mittel recht sein, den Wohlstand der anderen anzuzapfen um den eigenen Wohlstand zu mehren. Wichtig ist dabei nur, dass jeder die Macht und die Folterwerkzeuge der anderen kennt und dass diese ihre Grenzen in der Legalität finden (also z.B. kein Einsatz der Mafia zu Erpressung von Zugeständnissen o.ä.).

    Heute haben wir das Problem, dass es nicht illegal zu sein scheint, wenn man betrügt und erpresst und man nur groß im Sinne einer "systemischen Größe" ist. Eben das gehört aber an die große Glocke gehängt. Die Mafiosi und Finanzterroristen, die das ausnutzen, gehören geteert, gefedert und aus dem globalen Dorf getrieben!

    F. Mayer

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • vlad
    • 09.08.2009 um 18:01 Uhr

    ... aber sie argumentieren etwas einseitig aus Sicht des Aktienbesitzers. Solange ein Ungleichgewicht Angebot/Nachfrage bezueglich Arbeitskraft und Geld besteht, solange wird es weiterhin Probleme geben. Besseren Informationszugang (der ungemein wichtig ist), reicht leider nicht alleine.

    Der Kapitalismus steckt nicht in einer Informationskrise - er kann im Gegenteil nur funktionieren wenn es Informationsdefizite gibt, ohne Informationsdefizite hätten Wetten auf die Zukunft keinen Sinn. Das wesentliche Merkmal auf der obersten Ebene des Kapitalismus - der Ebene des Handels mit Geld (ohne Rücksicht auf die darunterliegenden Ebenen des Warenhandels und der Produktion) - ist das Streben nach größtmöglicher kurzfristiger Vermehrung des Geldbesitzes. Dies kann nur funktionieren, in dem eine Teilmenge der Akteure mehr Informationen besitzt als andere, ansonsten wäre es ein Nullsummenspiel. Dieses Streben nach größtmöglichem Gewinn bestimmt worin das Geld investiert wird und nicht die unteren Ebenen. Gäbe es kein Informationsdefizit und eine "von unten" gesteuerte Interessenslage an Investitionen, wären die Investitionen rein zufällig (mit einem Gleichgewicht zwischen Fehlinvestitionen und Gewinn) und es gäbe keinen Gewinnzuwachs. Diesen kann es nur geben, in dem die Investitionen von der oberen Ebene gesteuert werden, unter Informationsvorsprung und mit dem Nichtwissen der Mehrheit. Die Frage nach einem stabileren, vielleicht sogar einem System mit weniger negativen Auswirkungen auf Ökologie und Entwicklungsländer lässt sich daher innerhalb des Systems nicht beantworten. Sie verlangt zuerst einmal eine grundlegende Betrachtung dessen, was Geld überhaupt ist und warum es so ist wie es ist. Der Satz "es gibt keine Alternative" gilt auch nur innerhalb des Systems, schließlich ist das System kein unveränderbares Naturgesetz sondern von Menschenhand aus bestimmter Interessenlage heraus geschaffen worden. Historisch gesehen hatte es bestimmt auch einen Sinn, dieses System so zu gestalten, allerdings erscheint es heute (trotz der Ablenkungsmanöver durch hochkomplexe Finanzkonstruktionen) insgesamt viel zu eindimensional und viel zu wenig komplex um die tatsächlichen hochkomplexen Vorgänge auf der Welt abzubilden. Eine Diskussion der Weiterentwicklung dieses Systems hin zu anderen Maßeinheiten und eine Diskussion über Geld an sich wäre notwendig. So ist doch Geld heute schon viel mehr Information als konkreter Besitz an Zahlungsmitteln. Nur bildet diese Information zu wenig das tatsächliche Geschehen ab und bildet nach wie vor ein Subsystem mit eigenem Code anstatt ein System zu sein, dass andere Systeme nicht ausklammert...

    • vlad
    • 09.08.2009 um 18:01 Uhr

    ... aber sie argumentieren etwas einseitig aus Sicht des Aktienbesitzers. Solange ein Ungleichgewicht Angebot/Nachfrage bezueglich Arbeitskraft und Geld besteht, solange wird es weiterhin Probleme geben. Besseren Informationszugang (der ungemein wichtig ist), reicht leider nicht alleine.

    Der Kapitalismus steckt nicht in einer Informationskrise - er kann im Gegenteil nur funktionieren wenn es Informationsdefizite gibt, ohne Informationsdefizite hätten Wetten auf die Zukunft keinen Sinn. Das wesentliche Merkmal auf der obersten Ebene des Kapitalismus - der Ebene des Handels mit Geld (ohne Rücksicht auf die darunterliegenden Ebenen des Warenhandels und der Produktion) - ist das Streben nach größtmöglicher kurzfristiger Vermehrung des Geldbesitzes. Dies kann nur funktionieren, in dem eine Teilmenge der Akteure mehr Informationen besitzt als andere, ansonsten wäre es ein Nullsummenspiel. Dieses Streben nach größtmöglichem Gewinn bestimmt worin das Geld investiert wird und nicht die unteren Ebenen. Gäbe es kein Informationsdefizit und eine "von unten" gesteuerte Interessenslage an Investitionen, wären die Investitionen rein zufällig (mit einem Gleichgewicht zwischen Fehlinvestitionen und Gewinn) und es gäbe keinen Gewinnzuwachs. Diesen kann es nur geben, in dem die Investitionen von der oberen Ebene gesteuert werden, unter Informationsvorsprung und mit dem Nichtwissen der Mehrheit. Die Frage nach einem stabileren, vielleicht sogar einem System mit weniger negativen Auswirkungen auf Ökologie und Entwicklungsländer lässt sich daher innerhalb des Systems nicht beantworten. Sie verlangt zuerst einmal eine grundlegende Betrachtung dessen, was Geld überhaupt ist und warum es so ist wie es ist. Der Satz "es gibt keine Alternative" gilt auch nur innerhalb des Systems, schließlich ist das System kein unveränderbares Naturgesetz sondern von Menschenhand aus bestimmter Interessenlage heraus geschaffen worden. Historisch gesehen hatte es bestimmt auch einen Sinn, dieses System so zu gestalten, allerdings erscheint es heute (trotz der Ablenkungsmanöver durch hochkomplexe Finanzkonstruktionen) insgesamt viel zu eindimensional und viel zu wenig komplex um die tatsächlichen hochkomplexen Vorgänge auf der Welt abzubilden. Eine Diskussion der Weiterentwicklung dieses Systems hin zu anderen Maßeinheiten und eine Diskussion über Geld an sich wäre notwendig. So ist doch Geld heute schon viel mehr Information als konkreter Besitz an Zahlungsmitteln. Nur bildet diese Information zu wenig das tatsächliche Geschehen ab und bildet nach wie vor ein Subsystem mit eigenem Code anstatt ein System zu sein, dass andere Systeme nicht ausklammert...

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