Von König Salomon heißt es, er habe einen Diener gehabt, der ihm stets, ob die Dinge nun gut liefen oder schlecht, zuflüsterte: "Auch dies geht vorbei." Krisen gehen vorüber, auch die schwersten. Nach der gegenwärtigen weltweiten Wirtschaftskrise wird es aber keine Rückkehr zum Status quo ante geben. Die Erschütterung des Glaubens an den Markt ist der Ausgangspunkt für eine neue Weltordnung. Es mag einige hartnäckig Zuversichtliche geben, die glauben, dass wir zum business as usual zurückkehren. Doch die Weltgemeinschaft erwartet von den Lenkern des Kapitalismus Reue und von den Politikern Handeln.

Die derzeitige Krise ist die umfassendste und gefährlichste Finanzkrise seit 1929. Sie könnte zu einem der großen Wendepunkte in der Geschichte der modernen Welt werden, einem epochalen Ereignis. Der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Marktes hat, wie der Vorsitzende des National Economic Council der USA, Lawrence Summers, ein großer Verfechter der freien Märkte, im Frühjahr 2009 erklärte, "einen tödlichen Stoß" erhalten. Zugleich hat das öffentliche Ansehen der Banker einen Tiefpunkt erreicht. Zorn hat sich breitgemacht angesichts der Beobachtung, dass einige von ihnen Bezüge und Boni erhielten, die ein Vielfaches der Vergütung gewöhnlicher, hart arbeitender Menschen ausmachten – dafür, dass sie sich einer Alchemie hingaben, die ihnen um die Ohren flog und Rettungsaktionen mit gewaltigen Kosten für Steuerzahler nötig machte.

Wie sollte diese neue Weltordnung aussehen?

Erstens: Es gibt keine Alternative! Im schlimmsten Falle ist der Markt ungerecht, destruktiv und krisenanfällig. Diese Seite entdecken wir jetzt alle schmerzlich. Im besten Falle ist der Markt hocheffizient und in der Lage, Kapital an den richtigen Ort zu lenken. Davon hat die Menschheit enorm profitiert. Die Bedeutung des Kapitalismus für den Wohlstand ist daran erkennbar, wie er die chinesische oder die indische Volkswirtschaft revolutioniert hat, nachdem marktbasierte Reformen eingeführt wurden.

Selbst wenn die Finanzkrise dazu führt, dass das Weltsozialprodukt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sinkt, so haben die letzten beiden Jahrzehnte des globalisierten Marktkapitalismus für Hunderte Millionen Menschen in früher armen Volkswirtschaften außerordentliche Vorteile mit sich gebracht. Das gilt auch für Deutschland. Wenn die wirtschaftliche Erholung kommt, werden Deutschlands offene Volkswirtschaft und seine wettbewerbsfähigen Unternehmen zu den Hauptgewinnern gehören. Die Dominanz des Exports, die in der Krise eine Belastung ist, wird wieder zu einer Stärke werden. Churchills berühmte Verteidigung der Demokratie "Die schlechteste Regierungsform, wenn man von allen anderen Formen absieht, die im Laufe der Zeiten ausprobiert wurden" gilt ebenso für den Markt.

Zweitens können wir die Uhr nicht zurückdrehen. Wir können nicht in die 1970er Jahre, in die Zeit vor den globalen Kapitalmärkten, zurückkehren – genauso wenig wie in ein "Goldenes Zeitalter" mit einer einfacheren, weniger vernetzten Lebensweise. Solche Gedanken sind völlig unrealistisch in einer nunmehr dicht bevölkerten und urbanisierten Welt. Der Geist ist aus der Flasche, und die damaligen Kontrollmechanismen würden nicht mehr angemessen erscheinen. Es gibt keine Alternative zu Fortschritt und Reformen. Und dazu brauchen wir moderne Kapitalmärkte.

Drittens sind staatliche Aufsicht, Regulierung und staatliche Interventionen von wesentlicher Bedeutung. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Märkte stabil bleiben und sich selbst regulieren werden. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Führer der Welt eine gemeinsame Vision einer globalen Wirtschaftsordnung finden werden, welche die Dynamik der Marktkräfte bewahrt und gleichzeitig ihre Exzesse eindämmt. Dazu ist ein internationaler Rahmen nötig.