SchweinegrippeMutter, Baby und ein VirusSeite 2/2

In Bezug auf die Impfung ist Schäfer unentschieden. Ja, man habe mit dem Wirkstoffverstärker AS03 wenig Erfahrungen. Und man wisse auch gar nicht, ob die Impfung bei Schwangeren genauso gut wirke wie bei Nichtschwangeren. Eine adäquate Risiko-Nutzen-Abwägung sei unter diesen Bedingungen schwer. Am Ende sei es eine Typfrage. »Es gibt Leute, die zu schnell Pillen nehmen«, sagt Schäfer, »und welche, die sagen: Niemals ein Medikament, erst wenn ich fast sterbe.« Er empfiehlt den gesunden Mittelweg zwischen den Extremen.

Die Situation führt in ein Dilemma, für das die Wissenschaft und die Zulassungsbehörden nicht gerüstet sind. Aus ethischen Gründen verbieten sich Medikamententests an Schwangeren. Trotzdem müssen die Verantwortlichen jetzt Stellung beziehen. Einerseits rät die europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel von dem Gebrauch des Grippemittels Tamiflu in der Schwangerschaft ab, andererseits kommt sie zum dem Schluss, dass der Nutzen von Tamiflu in einer Pandemie die Risiken überwiege. Auch im Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe (PEI) fühlt man sich in der Klemme. »Was machen wir«, fragt die Sprecherin Susanne Stöcker, »wenn wir sagen, man soll schwangere Frauen nicht impfen, weil der Impfstoff nicht an dieser Personengruppe getestet worden ist – und dann haben wir plötzlich hundert tote Mütter?« Auch die Ständige Impfkommission will mit ihrer Impfempfehlung noch abwarten. »Die letzte Entscheidung kann niemand den Frauen abnehmen«, sagt Stöcker. Eines sei indessen jetzt schon klar: Wenn dann nur eine Frau ein fehlgebildetes Kind bekommt – auch wenn dies statistisch ohnehin zu erwarten ist –, würde es sicher dem Impfstoff angelastet werden.

In Großbritannien und Australien, wo das Grippevirus H1N1/09 heftiger wütet, begegnet man dieser Unsicherheit mit pragmatischen Tipps. Die Frauen sollten entweder mit der Zeugung eines Kindes warten. Oder, wenn sie schwanger sind, sich häufiger die Hände waschen und Menschenansammlungen meiden. Die Aufforderung zur Selbstquarantäne fand nicht überall Anklang. »Jetzt ist es wohl Zeit, anstatt mit der UBahn mit dem Chauffeur zur Arbeit zu kommen – möglichst mit einem, der schon die Schweinegrippe hatte«, ätzte die britische Ärztin Annabel Bently im Internet. Trotzdem flüchten sich auch deutsche Experten in diesen Ausweg. Wichtig sei es, jetzt die »Küsserei« sein zu lassen, sagt der Hamburger Gynäkologe Hackelöer. Der Tübinger Virologe Gerhard Jahn ist radikaler: »Schwangere Kindergärtnerinnen sollten sofort die Arbeit einstellen und lieber Papierarbeit übernehmen.« Und schwangere Lehrerinnen? »Da würde ich ein sofortiges Tätigkeitsverbot aussprechen – ohne Kompromisse.«

Jeder Experte gibt Ratschläge nach eigenem Gusto. Zumindest in einem Punkt besteht halbwegs Einigkeit: Bei Risikoschwangerschaften sind die Medikamente und Impfungen vertretbar. Eine mögliche Lösung wäre es auch, für Schwangere den Impfstoff ohne den Zusatz AS03 anzubieten. Die Behörden spielen auf Zeit und warten mit ihren Empfehlungen ab. Doch die schnell steigenden Infektionszahlen machen es erforderlich, dass sie möglichst bald eine gemeinsame Sprachregelung finden.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. bei Zeit-Online.
    Aber dafür interessiert sich keine Sau. Trotz Überschriften wie "Angst vor der Pandemie", "Impfe sich, wer kann", "Pandemie der Angst in Großbritannien", will sich so recht niemand Angst machen lassen. Nun wird endlich eine hochsensible Gruppe in den Fokus gestellt, die Schwangeren. Irgendwie müssen doch endlich die Ladenhüter Tamiflu und/oder Impfung an den Mann oder hier an die Frau gebracht werden.
    Erbärmlich.
    Neu übrigens, dass man "kurz nach Geburt" immer noch als schwanger gilt. Aber was soll´s, diesmal wird´s schon klappen, mit dem Angstschüren.

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    Woher willst Du wissen, dass sich niemand dafür interessiert? Ich interessiere mich sehr wohl dafür. Nicht aus nackter Panik, sondern einfach, weil ich informiert bleiben möchte. Es wäre also ganz nett, wenn Du es jedem Einzelnen selbst überlässt, ob er es für interessant erachtet oder nicht. Es herrscht meines Wissens immer noch kein Lesezwang einzelner Themen.

    Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass die ZEIT von Panik getrieben versucht, Ihre Artikel unters Volk zu bringen.

  2. Woher willst Du wissen, dass sich niemand dafür interessiert? Ich interessiere mich sehr wohl dafür. Nicht aus nackter Panik, sondern einfach, weil ich informiert bleiben möchte. Es wäre also ganz nett, wenn Du es jedem Einzelnen selbst überlässt, ob er es für interessant erachtet oder nicht. Es herrscht meines Wissens immer noch kein Lesezwang einzelner Themen.

    Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass die ZEIT von Panik getrieben versucht, Ihre Artikel unters Volk zu bringen.

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    • sevens
    • 07. August 2009 13:29 Uhr

    Nein, von Panik getrieben ist die ZEIT sicherlich nicht. Aber verwunderlich ist es schon, daß man hier in stetiger Folge immer wieder zu diesem Krankheitsphänomen informiert wird, das, wäre es vor 10 Jahren aufgetreten, vielleicht noch gar keinem aufgefallen wäre. Immer wieder kommt es zu neuen Varianten von Influenza-Viren. Und sicherlich hätten Katastrophen wie die spanische Grippe mit einer besseren Informationspolitik abgemildert werden können.
    Irgendwie kommt es mir aber nicht so vor, als wolle man hier nur der humanistischen Pflicht nachgehen, die Bevölkerung vor einer drohenden Gefahr zu warnen. Denn dann wäre das mindestens einmal jährlich angebracht.
    Zudem scheint man bei der ZEIT gerne ein bisschen mit Katastrophen-Szenarien zu spielen. Ich erinnere mich an die BSE-Phase: In der gedruckten ZEIT gab es damals eine Prognose, die über eine komplette Druckseite ging und die grafisch den exponenziellen Verlauf der Anzahl der an Creutzfeldt-Jakob Erkrankten darstellte. Bis 2020 müßte jeder zweite in Deutschland die Krankheit haben, so ähnlich wurde das damals beziffert. Was ich damals schon für einen schlechten Scherz erwies sich dann auch als unfreiwilliger solcher. Da liegt es leider nahe, daß man auf den Gedanken kommen könnte, auch bei der ZEIT stünden Angst und Geschäft in einem ungesunden Verhältnis zueinander. So leid es mir tut und soviel Sympathie ich auch für dieses Medium aufbringe - in Sachen Krankheiten mißtraue ich ihm.

    Wie Sie den ALB (Allgemeinen LeseBedingungen) entnehmen können, entscheidet die FLK (Freiwillige LeseKontrolle) hier über das, was Sie lesen dürfen. Meinen Unterlagen entnehme ich, dass Sie sich bei der FLK immer noch nicht angemeldet haben. Dafür ist eine Versäumnisgebühr von inzwischen 7367, 93 € fällig geworden. Diese tragen Sie bitte mit der Packungs(werbe)beilage der ZEIT-Printausgabe wegen der riesigen Nebenwirkungen gemeinsam mit Ihrem Arzt zum nächsten Apotheker.

    • Yuminae
    • 07. August 2009 11:58 Uhr

    Erinnert mich ein wenig an Contergan - keine Nebenwirkungen.
    Sicher - der Impfstoff ist auch schon seit einigen Jahren erprobt!
    Von der Wirkung einer Impfung wird hier gar nichts erwähnt - es gibt keine Studie die beweist, dass Geimpfte weniger anfällig sind für Grippe als Ungeimpfte - liegt vielleicht daran, dass jeder Metabolismus anders ist und theoretisch die Impfung standardisiert jedem gleich hoch verabreicht wird - und keine Studie beweist, dass Impfungen schützen.
    Ja, jeder schwangeren Frau sollte man empfehlen ein wenig Aluminumhydroxid empfehlen - kann bloß Hirnzellen schädigen - ist ja nicht so schlimm für ein Fötus - einige andere Impfzusätze sind auch kaum besser.
    Sorglos wie man die Nebenwirkungen verschweigt - es kann ja nur passieren - muss aber nicht. Klar bei Contergan musste das Kind auch nicht unbedingt betroffen sein.
    Wie wäre es mit einem Artikel von Wolfgang Wodarg (SPD) - immerhin ein Lungenfacharzt (kennt sich mit Grippe aus) und dann wer sich dafür interessiert ein wenig impfkritik.de lesen. Lohnt sich auf jeden Fall mal einen zweiten Blick für die Risiken zu bekommen.

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    • Buker
    • 07. August 2009 13:42 Uhr

    "(...)und keine Studie beweist, dass Impfungen schützen."
    sag mal, geht's noch???
    Massenimpfungen haben die Pocken fast ausgerotet, die erst wieder auf dem Vormarsch sind, seit eine gewisse Impfmüdigkeit über die Weltbevölkerung gekommen ist...
    Ihre Aussagen halte ich höchstem Maße für gefährlich.
    Aber schenken Sie persönlich sich doch einfach die nächsten Tetanusimpfungen, fahren Sie ohne Hepatitisschutz in die Tropen und ich warte einfach ab, bis...

    fassungslos Buker

    • sevens
    • 07. August 2009 13:29 Uhr

    Nein, von Panik getrieben ist die ZEIT sicherlich nicht. Aber verwunderlich ist es schon, daß man hier in stetiger Folge immer wieder zu diesem Krankheitsphänomen informiert wird, das, wäre es vor 10 Jahren aufgetreten, vielleicht noch gar keinem aufgefallen wäre. Immer wieder kommt es zu neuen Varianten von Influenza-Viren. Und sicherlich hätten Katastrophen wie die spanische Grippe mit einer besseren Informationspolitik abgemildert werden können.
    Irgendwie kommt es mir aber nicht so vor, als wolle man hier nur der humanistischen Pflicht nachgehen, die Bevölkerung vor einer drohenden Gefahr zu warnen. Denn dann wäre das mindestens einmal jährlich angebracht.
    Zudem scheint man bei der ZEIT gerne ein bisschen mit Katastrophen-Szenarien zu spielen. Ich erinnere mich an die BSE-Phase: In der gedruckten ZEIT gab es damals eine Prognose, die über eine komplette Druckseite ging und die grafisch den exponenziellen Verlauf der Anzahl der an Creutzfeldt-Jakob Erkrankten darstellte. Bis 2020 müßte jeder zweite in Deutschland die Krankheit haben, so ähnlich wurde das damals beziffert. Was ich damals schon für einen schlechten Scherz erwies sich dann auch als unfreiwilliger solcher. Da liegt es leider nahe, daß man auf den Gedanken kommen könnte, auch bei der ZEIT stünden Angst und Geschäft in einem ungesunden Verhältnis zueinander. So leid es mir tut und soviel Sympathie ich auch für dieses Medium aufbringe - in Sachen Krankheiten mißtraue ich ihm.

  3. Wie Sie den ALB (Allgemeinen LeseBedingungen) entnehmen können, entscheidet die FLK (Freiwillige LeseKontrolle) hier über das, was Sie lesen dürfen. Meinen Unterlagen entnehme ich, dass Sie sich bei der FLK immer noch nicht angemeldet haben. Dafür ist eine Versäumnisgebühr von inzwischen 7367, 93 € fällig geworden. Diese tragen Sie bitte mit der Packungs(werbe)beilage der ZEIT-Printausgabe wegen der riesigen Nebenwirkungen gemeinsam mit Ihrem Arzt zum nächsten Apotheker.

    • Buker
    • 07. August 2009 13:42 Uhr

    "(...)und keine Studie beweist, dass Impfungen schützen."
    sag mal, geht's noch???
    Massenimpfungen haben die Pocken fast ausgerotet, die erst wieder auf dem Vormarsch sind, seit eine gewisse Impfmüdigkeit über die Weltbevölkerung gekommen ist...
    Ihre Aussagen halte ich höchstem Maße für gefährlich.
    Aber schenken Sie persönlich sich doch einfach die nächsten Tetanusimpfungen, fahren Sie ohne Hepatitisschutz in die Tropen und ich warte einfach ab, bis...

    fassungslos Buker

    Antwort auf "Nicht so schlimm..."
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    in der tat besteht ein zusammenhang zwischen den verbesserten lebensumständen von menschen und der ausrottung der pocken - nicht aber zwischen der impfung und letzterer.
    die verabreichung von (quecksilberkonservierten) giftcocktails zur immunisierung führt jedes jahr zu vielen impfschädigungen.

    hier zwickt mich die frage, warum schwangere frauen anders behandelt werden als andere menschen. wenn ein medikament für schwangere nicht gut ist - wie kann es dann für den normalbürger gesund sein ? wir sind doch auch nur große babys. hier ist der gesunde menschenverstand gefragt.

    lassen wir nicht alles mit uns machen, was der pharmaindustrie geld bringt.
    schweinegrippeimpfung - SAY NO !

    • Yuminae
    • 10. August 2009 12:56 Uhr

    Es geht hier in dem Kommentar mehr um die Grippe Impfung - und so leid es mir tut - aus meinem persönlichen Empfinden heraus muss ich Ihnen leider mitteilen, dass jene Freunde die sich impfen öfter krank sind als ich.
    Wie gesagt subjektiver Eindruck - leider gibt es keine Studien die bei der Grippeimpfung das Gegenteil beweisen.
    Was die Pocken und Masern angeht - auch hier gibt es Impfschäden - aber der Vorteil überwiegt, deshalb werde ich mich gegen die Grundlegenden Impfungen eines Kindes auch niemals wehren und diese Impfung schlecht reden.
    Wenn Sie die impfkritik nicht als vertrauenswürdig empfinden, dann reden Sie mal mit den Ärzten (die dort auch auftreten - und demnach nicht alles Laien sind) - und fragen Sie auch mal ihren alten Biolehrer oder Arzt aus der Nachbarschaft, der mit Ihnen kein Geld verdient - sie werden ganz neue Perspektiven erkennen.

  4. Antwort auf "Nicht so schlimm..."
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  5. in der tat besteht ein zusammenhang zwischen den verbesserten lebensumständen von menschen und der ausrottung der pocken - nicht aber zwischen der impfung und letzterer.
    die verabreichung von (quecksilberkonservierten) giftcocktails zur immunisierung führt jedes jahr zu vielen impfschädigungen.

    hier zwickt mich die frage, warum schwangere frauen anders behandelt werden als andere menschen. wenn ein medikament für schwangere nicht gut ist - wie kann es dann für den normalbürger gesund sein ? wir sind doch auch nur große babys. hier ist der gesunde menschenverstand gefragt.

    lassen wir nicht alles mit uns machen, was der pharmaindustrie geld bringt.
    schweinegrippeimpfung - SAY NO !

    Antwort auf "geht's noch???"

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