Pedro Almodóvar "Eine Art Gott"Seite 3/3
ZEIT: In Ihrem Film Das Gesetz der Begierde haben Sie den Regisseur als eine Art Gott gezeigt. Zu Beginn gibt seine Stimme aus dem Off einem jungen Mann Regieanweisungen beim Onanieren…
Almodóvar: Ja, dieser Regisseur ist zwar eine Art Gott, aber am Ende muss er den jungen Onanisten bezahlen. So ist das im Kino.
ZEIT: Wie lebt es sich eigentlich als Regiegott?
Almodóvar: Ich lebe ziemlich einsam. In Spanien gibt es keine professionelle Gemeinschaft der Regisseure, nur Individualisten ohne wirkliche Zusammenhänge. Früher hatte ich ein bewegtes Leben und ging viel aus. Seit zehn, elf Jahren ist mein Leben aber nun privater. Ich habe viel mit meinem Bruder zu tun, der meine Filme produziert. Und mit einer kleinen Gruppe von Freunden, die ich schon lange kenne. Aber ich bin ein Süchtiger. Süchtig nach Kino. Ich brauche es, so wie sich andere Süchtige Drogen in ihre Venen spritzen. Ich habe mich mit dieser Sucht eingerichtet und eine gewisse Balance gefunden. Das Problem daran ist aber, dass man den Rest des Universums ausblendet und geistig ein wenig verarmt, so wie ein Heroinabhängiger, der sich nur noch für Heroin interessiert. Hin und wieder habe ich versucht, dieser Sucht zu entkommen und anders zu leben. Trotzdem dreht sich mein Dasein vor allem ums Filmemachen.
ZEIT: In Alles über meine Mutter sagt der Transvestit: »Wir sind umso authentischer, je ähnlicher wir dem Traum werden, den wir von uns selbst haben.«
Almodóvar: Das gilt auch für mich. Aber nicht jeder muss einen Traum von sich haben.
ZEIT: Was ist Ihr Traum von sich?
Almodóvar: Als kleiner Junge habe ich immer fabuliert. Erzählen war meine Erfüllung und mein Traum. Dann entdeckte ich das Kino und erträumte mich als Regisseur, der Schauspieler und Drehbuch zu einer eigenen Fantasiewelt verbindet. Heute ist mein Traum, die Effekte des Alters, die Spuren der Jahre auszulöschen. Diese Fantasie werde ich wohl nicht verwirklichen können.
Das Gespräch führte Katja Nicodemus
- Datum 02.09.2009 - 13:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.08.2009 Nr. 33
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