Verbraucher Konsum kommt nicht in Gang

Trotz Krise ist der Konsum überraschend stabil. Doch der Einzelhandel hat davon wenig. Viele Experten fordern steigende Einkommen

Die eigentliche Sensation ging in der vergangenen Woche fast unter: Im Juli ist die Inflationsrate hierzulande erstmals seit zwei Jahrzehnten unter null gesunken. Die Preise fielen im Schnitt um 0,6 Prozent. Das bedeutet, dass die Verbraucher mehr für ihr Geld bekamen. Und das wussten sie zu schätzen. Trotz Krise ist die Kauflaune der Deutschen ungebrochen, wenn man es im Durchschnitt betrachtet. Doch wie die jüngsten Zahlen zeigen, konnte der Einzelhandel davon nicht profitieren – im Gegenteil.

Flüssiger wurden die Haushalte vor allem wegen der niedrigen Preise für Energie. Laut Mineralölwirtschaftsverband mussten die Bundesbürger zwischen Juni 2008 und März 2009 für Benzin, Diesel und Heizöl stattliche 26 Milliarden Euro weniger berappen. Dass die Verbraucher in Zeiten der Exportschwäche eine – wenn auch kleine – Stütze der Konjunktur wurden, ist aber noch einem weiteren Umstand zu verdanken: Sie hatten mehr Geld im Portemonnaie. Das liegt weniger an wachsenden Löhnen und Gehältern, sondern am Geldsegen aus Berlin.

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Zunächst aber verschafften die Finanzämter Erleichterung. Rund 7,5 Milliarden flossen wegen eines Urteils des Verfassungsgerichts zur Pendlerpauschale an die Steuerzahler zurück. Außerdem wurde der Einheitsbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung herabgesetzt. Auch die Konjunkturpakete spülten Geld in die Kassen der Bundesbürger: So dürften die 100 Euro für jedes Kind ihre Wirkung vor allem in den niedrigen Einkommensschichten kaum verfehlt haben.

Vor allem aber war es die Abwrackprämie, die viele in einen Konsumrausch versetzte. Im ersten Halbjahr 2009 stiegen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland um 26 Prozent. Allein im Juni wurden mit 427.000 Autos über 40 Prozent mehr Fahrzeuge neu zugelassen als im Jahr zuvor.

Nicht alle sind darüber glücklich. So ist der Einzelhandel, der in den vergangenen Monaten mit empfindlichem Umsatzschwund kämpfte, gar nicht begeistert über diesen künstlich angefachten Boom. "Durch die forcierten Autokäufe wird Kaufkraft von bis zu zehn Milliarden Euro gebunden. Das ist Geld, das an anderer Stelle für den Konsum fehlt", kritisiert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Manche Sparten traf es besonders hart. Genths Kollege vom Möbelverband beklagte im April einen drastischen Umsatzeinbruch von rund 20 Prozent – und schimpft ebenfalls über die Abwrackprämie. "Sie hat dem Markt viel Kaufkraft entzogen", so Dirk-Uwe Klaas.

Zu Beginn des Jahres hatten viele Einzelhändler noch darauf gehofft, dass die Umsätze nur stagnieren würden. Doch selbst das war ihnen nicht vergönnt. Im Juni ist ihr Geschäft – wie schon in den Monaten zuvor – wieder einmal geschrumpft; diesmal real um 1,6 Prozent im Vergleich zu Juni 2008.

Damit könnten sich die Konjunkturpakete als Strohfeuer erweisen. Die Euphorie rund um die Abwrackprämie werde schon bald »dem automobilen Alltag weichen«, formuliert der Branchenverband der Autohäuser und Werkstätten vorsichtig. Die Volkswirte bei der Postbank sind konkreter: Sie befürchten, dass die Abwrackprämie den Autokauf vieler Deutscher nur vorgezogen habe und dass sich dies "im späteren Jahresverlauf negativ bemerkbar" machen werde.

Leser-Kommentare
  1. Viele Experten fordern steigende Einkommen

    Na entlich mal Experten denen man zustimmen kann.

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    Steigende Einkommen und sinkende Löhne wohlgemerkt! Dazu noch Haushaltssanierung. Der Arbeitgeberpräsident ist ein Affe.

    Steigende Einkommen und sinkende Löhne wohlgemerkt! Dazu noch Haushaltssanierung. Der Arbeitgeberpräsident ist ein Affe.

  2. Nein! Wenn die Preise sinken oder die Löhne steigen, kaufen die Leute wieder und alle Krise ist beendet. So einfach ist das.

    http://kallewestrich.blog...

    • vlad
    • 10.08.2009 um 20:29 Uhr

    ... Ralph Solveen von der Commerzbank die Gehaltsentwicklung.

    Eine wachsende Zahl von Ökonomen plädiert deshalb für eine Stärkung des Konsums. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs in Deutschland...

    Warum faellt denen das nicht frueher ein? Ich habe den Verdacht nun bekommen sie Angst, dass Ihnen die Steuerzahler komplett abhanden kommen und ganze Staaten kippen.

  3. 4. so

    ein blödsinn. wieder so ein verdi-wahlkampfartikel.

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    • NoG
    • 10.08.2009 um 22:49 Uhr

    das waere der erste hier.
    das thema ist an sich einen besseren artikel wert, nach dem die neoliberale logik doch nicht fuer ein durchsickern der gelder gesorgt hat.

    • keox
    • 11.08.2009 um 1:04 Uhr

    die Exportlastigkeit der hiesigen Wirtschaft auf dem Rücken der Binnenwirtschaft bedeutet den Ausverkauf dieses Landes. Alles muß raus.

    Prinzipiell befinden wir uns in dem Status eines Entwicklungslandes. Alle Wirtschaftskraft wird mit Gewinn verkauft, exportiert, für die Bevölkerung bleibt immer weniger, da sich die Gewinne in den Händen einer winzigen, asozialen Minderheit konzentriert.

    Das ist in den afrikanischen, südamerikanischen - und und und - Ländern nicht anders.

    Oder welche Erklärung haben Sie dafür, daß trotz stetigem Produktivitätswachstum die Lebensbedingungen für den Großteil der hiesigen Bevölkeung schlechter und schlechter werden?

    • NoG
    • 10.08.2009 um 22:49 Uhr

    das waere der erste hier.
    das thema ist an sich einen besseren artikel wert, nach dem die neoliberale logik doch nicht fuer ein durchsickern der gelder gesorgt hat.

    • keox
    • 11.08.2009 um 1:04 Uhr

    die Exportlastigkeit der hiesigen Wirtschaft auf dem Rücken der Binnenwirtschaft bedeutet den Ausverkauf dieses Landes. Alles muß raus.

    Prinzipiell befinden wir uns in dem Status eines Entwicklungslandes. Alle Wirtschaftskraft wird mit Gewinn verkauft, exportiert, für die Bevölkerung bleibt immer weniger, da sich die Gewinne in den Händen einer winzigen, asozialen Minderheit konzentriert.

    Das ist in den afrikanischen, südamerikanischen - und und und - Ländern nicht anders.

    Oder welche Erklärung haben Sie dafür, daß trotz stetigem Produktivitätswachstum die Lebensbedingungen für den Großteil der hiesigen Bevölkeung schlechter und schlechter werden?

  4. .....scheis....schdeuern! hicks. runder. sinn...

    vielssu hoch.

    desshalp wähl äch dä ef dä pä.

    aber mal in ernst: wer allen ernstes als chefvolkswirt der goldmann sachs sagt, dass in den letzten fünf jahren die löhne viel zu wenig gestiegen seien, der hat doch 90% seiner zeit im delirium verbracht.

    • NoG
    • 10.08.2009 um 22:49 Uhr

    das waere der erste hier.
    das thema ist an sich einen besseren artikel wert, nach dem die neoliberale logik doch nicht fuer ein durchsickern der gelder gesorgt hat.

    Antwort auf "so "
  5. wen wundert es, dass es nach Aktionen wie der Abwrackprämie die Menschen nicht reicher geworden sind, wenn sie noch kurz davor vom Staat animiert wurden, gewaltige Mengen an Realwerten zu in die Tonne zu klopfen.
    Ich bin kein Wirtschaftsexperte, aber es ist doch unübersichtlich, dass in Deutschland, dem Land der Ingenieure, nicht die mangelnde Produktionskapazität das Problem ist, um die Bevölkerung mit Gütern zu versorgen. Es stellt sich vielmehr das Verteilungsproblem. Marktwirtschaft ist seit jeher darauf ausgerichtet, die Arbeit des Menschen durch steigende Effizienz zu minimieren. Bei konstantem Absatz bedeutet das, dass weniger Arbeitskraft benötigt wird und so Arbeitsplätze wegfallen. Dieses Phänomen beobachten wir seit der Industrialisierung in großem Maßstab. Hier müsste man als Erstes ansetzen und dafür sorgen, dass der technische Fortschritt nicht die Crux für den Arbeiter wird. Um dies zu realisieren, wären meiner Meinung nach verschiedene Dinge notwendig:
    - Flexiblere Verträge, in denen der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer die Arbeitszeit frei verhandeln kann. Unter Anderem durch den konstanten Arbeitgeberanteil in der Sozialversicherung ist dies zur Zeit für den Arbeitgeber nicht lukrativ.
    - Stärkere Besteuerung von Kapitalerträgen, sofern der Eigner nicht Mitarbeiter im Unternehmen ist
    - Eine Anpassung der Unternehmenssteuer zugunsten der kleinen und mittelständischen Unternehmen
    - Direkte Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer
    - Mindestlöhne (über die Höhe lässt sich streiten), die dafür sorgen, dass der Mitarbeiter auch sein Kuchenstückchen an den in der Volkswirtschaft produzierten Gütern abbekommt.

  6. Der Einzelhandel mit seinen knapp 3 Millionen Arbeitsplätzen schrumpft - im Juni um 1,6 Prozent im Vergleich zu Juni 2008.
    Wer kann all die vielen Firmen noch zählen, die in den letzten Wochen und Monaten pleite gegangen sind oder kurz davor stehen?
    Und woher bitteschön soll unter diesen Umständen das Geld für höhere Löhne kommen? Vom Staat oder was?
    Das ist doch der alte gewerkschaftlich-sozialistische Blödsinn, der wieder mal zum Besten gegeben wird. Wer heute, wie die Gewerkschaften, absurde Lohnforderungen stellt, ruiniert die Wirtschaft vollends.
    Nötig wäre ganz altmodisch maßhalten und haushalten.

    **************
    "Kommunisten sind in Wirklichkeit nur rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten. Beiden ist gemeinsam der Haß gegen die Demokratie und die Vorliebe für Gewalt."
    Kurt Schumacher (SPD)

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    Die Frage ist doch, woher das Geld für die Rettung der zockenden Banken kam. Bezahlen werden dies die Durchschnittsbürger, die in den nächsten Jahren mit noch niedrigeren Einkommen und einem umfangreichen Sozialabbau ihr Scherflein beitragen müssen. Interessant ist, dass jeder, der nicht der neoliberalen Logik folgt, als Sozialist beschimpft wird. Gerade die Gewerkschaften haben in den letzten Jahren (zu) vernünftig agiert und maßgehalten, schließlich sind die Löhne nur äußerst moderat gestiegen, für viele Arbeitnehmer sogar inflationsbereinigt massiv gesunken. Hinzu kommt, dass viele garnicht mehr nach Tarif bezahlt werden oder von Zeitarbeitsfirmen für ein Mikrogehalt versklavt werden. Ihre Forderung nach Maßhalten und Haushalten ist berechtigt, nur geht sie an die falschen Adressaten. Den Gewerkschaften die Schuld an der Krise in die Schuhe zu schieben ist mehr als perfide und zeugt von ausgeprägten idelogischen Scheuklappen.

    • keox
    • 11.08.2009 um 1:22 Uhr

    gar nicht so einfach, gelle.

    Da sehen sie mal, was das maßvolle Haushalten, gerade in der Bildungspolitik so alles anrichtet.

    Bleiben Sie wenigstens gesund.

    Die Frage ist doch, woher das Geld für die Rettung der zockenden Banken kam. Bezahlen werden dies die Durchschnittsbürger, die in den nächsten Jahren mit noch niedrigeren Einkommen und einem umfangreichen Sozialabbau ihr Scherflein beitragen müssen. Interessant ist, dass jeder, der nicht der neoliberalen Logik folgt, als Sozialist beschimpft wird. Gerade die Gewerkschaften haben in den letzten Jahren (zu) vernünftig agiert und maßgehalten, schließlich sind die Löhne nur äußerst moderat gestiegen, für viele Arbeitnehmer sogar inflationsbereinigt massiv gesunken. Hinzu kommt, dass viele garnicht mehr nach Tarif bezahlt werden oder von Zeitarbeitsfirmen für ein Mikrogehalt versklavt werden. Ihre Forderung nach Maßhalten und Haushalten ist berechtigt, nur geht sie an die falschen Adressaten. Den Gewerkschaften die Schuld an der Krise in die Schuhe zu schieben ist mehr als perfide und zeugt von ausgeprägten idelogischen Scheuklappen.

    • keox
    • 11.08.2009 um 1:22 Uhr

    gar nicht so einfach, gelle.

    Da sehen sie mal, was das maßvolle Haushalten, gerade in der Bildungspolitik so alles anrichtet.

    Bleiben Sie wenigstens gesund.

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