Deutscher Widerstand Vom Sinn, gelebt zu haben
Adam von Trott wusste sofort, dass sich die Nazis politisch nicht würden zähmen lassen. Eine würdige Biografie zum 100. Geburtstag des Widerstandskämpfers
Im Jahr der »Nürnberger Gesetze«, 1935, schrieb der damals 26-jährige Adam von Trott zu Solz ahnungsvoll in sein Notizbuch: »Wenn wir uns schon mit einer Epoche abfinden müssen, in der die größere Wahrscheinlichkeit für ein vorzeitiges Ende steht, so sollten wir doch wenigstens dafür sorgen, daß es Sinn hat zu sterben – gelebt zu haben.« Trott zählte, neben Hans Bernd von Haeften, zu den außenpolitischen Experten im Kreisauer Kreis, jener von Helmuth James von Moltke und Peter Yorck von Wartenburg zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gegründeten bedeutendsten Gruppe des zivilen Widerstands gegen Hitler. Im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er verhaftet, nach kurzem Prozess vor dem Volksgerichtshof zum Tod durch den Strang verurteilt und am 26. August in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
An Literatur über diese wichtige Figur des deutschen Widerstands herrscht kein Mangel. Bereits 1958 verfasste die Witwe Clarita von Trott zu Solz eine »Lebensbeschreibung«, die erst 1994 von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Buchform veröffentlicht wurde (und jetzt, um einige Dokumente erweitert, in einer Neuauflage im Lucas Verlag vorliegt). Vor allem englische und amerikanische Historiker – Christopher Sykes (1968), Henry O. Malone (1986) und Giles MacDonogh (1989) – haben sich mit Trott beschäftigt; allerdings blieben diese biografischen Annäherungen unbefriedigend, weil sie entweder auf einer zu schmalen Quellenbasis beruhten oder aber nur Teilaspekte von Trotts Wirken ins Auge fassten.
Nun, rechtzeitig zum 100. Geburtstag am 9. August, erscheint die erste umfassende Biografie über Adam von Trott zu Solz. Die Autorin, die Historikerin Benigna von Krusenstjern, hat in zahlreichen nationalen und internationalen Archiven geforscht und eine Menge unbekanntes Material zutage gefördert. Das Bild, das wir uns bisher von Trott machen konnten, wird dadurch nicht nur um viele Facetten bereichert – es erhält überhaupt zum ersten Mal schärfere Konturen.
Die Autorin interessiert sich nicht nur für den Politiker und Widerstandskämpfer; sie möchte vielmehr, wie sie bekennt, Adam von Trott »als denkenden, fühlenden und handelnden, als fragenden, suchenden und irrenden, als wagenden, kämpfenden und leidenden Menschen« vorstellen. Das bedeutet, dass auch die private Geschichte dieses kurzen Lebens ausführlich behandelt wird, die Beziehung zu den Eltern und den sechs Geschwistern, seine Freundschaften und Liebesaffären. Da Trott Kontakte zu zahlreichen Menschen im In- und Ausland pflegte, taucht eine Vielzahl von Zeitgenossen, bedeutende und weniger bedeutende, auf, und manchmal hätte man sich gewünscht, dass die Autorin hier eine strengere Auswahl vorgenommen hätte. Überhaupt neigt sie, in begreiflicher Entdeckerfreude, dazu, ihr gesamtes Material auszubreiten, und so gerät die Biografie mitunter in die Nähe einer Chronik, in der minutiös, Tag für Tag, über die Aktivitäten Trotts Buch geführt wird.
Besonderes Gewicht legt Benigna von Krusenstjern auf Kindheit und Jugend, und dies zu Recht. Denn wenn man verstehen will, woher die Kraft zum Widerstand kam, muss man auf die prägenden Einflüsse des Elternhauses zurückgehen. Der Vater, August von Trott zu Solz, Spross aus hessischem Uradel, war ein tüchtiger Verwaltungsbeamter, der es bis zum preußischen Kultusminister unter Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg 1909 bis 1917 brachte; Mutter Eleonore war die Tochter des langjährigen Botschafters in St. Petersburg, Lothar von Schweinitz, der die Amerikanerin Anna Jay, eine Nachfahrin von John Jay, einem der Gründerväter der USA, geheiratet hatte.
Wie bei Helmuth James von Moltke verbanden sich also auch in Trotts Vita das konservativ-preußische mit dem liberal-angelsächsischen Erbe. Und wie das schlesische Gut Kreisau war auch der Trottsche Familienbesitz Imshausen bei Bebra eine Stätte schlichter, aber weltoffener Gastlichkeit. Besonders die Mutter zeichnete sich – so die Autorin – durch »eine Bereitschaft zum Nonkonformismus« aus, die sie auch an ihren Sohn weitergab. Sie hoffe, mahnte sie den 14-Jährigen, »daß Du mit Gottes Hilfe ein Mann wirst, der auch gegen den Strom schwimmen kann«.
- Datum 09.08.2009 - 12:02 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.08.2009 Nr. 33
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... dass man mal was von den deutschen Widerständlern hört, sonst glaubt die Jugend von heute noch die Sache mit der Kollektivschuld. Wo doch schon Adam von Trott die Sache ganz anders einschätzte:
"Man stehe »wirklich am Anfang eines deutschen Faschismus, einer Staatsbeherrschung durch die Partei, die… weite Volksteile ausschließt und zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft brutal wird niederhalten müssen«."
der 'kollektivschuld'-vorwurf hat (außer in den alliierten-feindlichen propagandakonstrukten der rechtsradikalen nach 1945) als politisch-juristischer tatbestand nie real existiert. zwar spielte der gedanke einer kollektiven schuld aller deutschen während des 2. weltkriegs eine nicht unerhebliche rolle in den öffentlichen diskursen v.a in england und amerika, doch war die kollektivschuld-these zu keinem zeitpunkt bestandteil alliierter politik. von einiger bedeutung war und ist sie dagegen allerdings als aufhänger für relativierungs- und schuldentlastungsversuche in den diskursen (nicht nur) der extremen rechten.
es ist eine unabweisbare historische tatsache, dass es keinen gesellschaftlichen widerstand gegen die nazidiktatur gab und dass die reibungslose durchführung ihrer verbrechen ohne einen relativ weitreichenden "konsens zwischen bevölkerung und führung" (w.jochmann) nicht möglich gewesen wäre. doch gab es eine ganze reihe von rühmlichen ausnahmen - unter konservativen, liberalen, sozialisten, gewerkschaftern, protestanten, katholiken und (am personal- und opferreichsten) unter kommunisten. eine dieser bewundernswerten ausnahmen war adam von trott. seinen namen gegen einen von schlußstrich-ideologen phantasierten kollektivschuld-vorwurf in beschag zu nehmen ist mehr als deplaziert.
der 'kollektivschuld'-vorwurf hat (außer in den alliierten-feindlichen propagandakonstrukten der rechtsradikalen nach 1945) als politisch-juristischer tatbestand nie real existiert. zwar spielte der gedanke einer kollektiven schuld aller deutschen während des 2. weltkriegs eine nicht unerhebliche rolle in den öffentlichen diskursen v.a in england und amerika, doch war die kollektivschuld-these zu keinem zeitpunkt bestandteil alliierter politik. von einiger bedeutung war und ist sie dagegen allerdings als aufhänger für relativierungs- und schuldentlastungsversuche in den diskursen (nicht nur) der extremen rechten.
es ist eine unabweisbare historische tatsache, dass es keinen gesellschaftlichen widerstand gegen die nazidiktatur gab und dass die reibungslose durchführung ihrer verbrechen ohne einen relativ weitreichenden "konsens zwischen bevölkerung und führung" (w.jochmann) nicht möglich gewesen wäre. doch gab es eine ganze reihe von rühmlichen ausnahmen - unter konservativen, liberalen, sozialisten, gewerkschaftern, protestanten, katholiken und (am personal- und opferreichsten) unter kommunisten. eine dieser bewundernswerten ausnahmen war adam von trott. seinen namen gegen einen von schlußstrich-ideologen phantasierten kollektivschuld-vorwurf in beschag zu nehmen ist mehr als deplaziert.
Großes Lob für diesen Artikel - der Name dieses Widerstandkämpfers war mir, genau wie sein Wirken, bisher gänzlich unbekannt.
Allein dafür ein großes Dankeschön!
"So sind Bonuszahlungen ein legitimes Instrument der Vergütung. Es ist aber wichtig, den sozialen Kontext im Blick zu haben. Das Vertrauen der Öffentlichkeit hängt davon ab, dass mit diesem Instrument maßvoll umgegangen wird. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich über die Bedeutung dieser Angelegenheit überall im Klaren ist.
Das Instrument der Bonuszahlungen in England ist leider vollkommen unreguliert und die Brown-Regierung widersetzt sich in meinen Augen einschlaegigen Regelungen. Hat doch Gorden Brown 10 Jahre als Schatzkanzler von den Machenschaften der Banking "Fat Cats" profitiert, hofft er nun, dass eben diese ihn nun wieder aus dem Schlamassel ziehen: Die britischen Banken machen wieder Profit (Barclays und HSBS). Es ist ermutigend, dass wenigstens der HSBS - Verwaltungsratschef hier Handeln der Politik fordert. Die Frage ist jedoch, ob das gehoert wird. Naja - Gordon Brown ist gerade im Urlaub.
der 'kollektivschuld'-vorwurf hat (außer in den alliierten-feindlichen propagandakonstrukten der rechtsradikalen nach 1945) als politisch-juristischer tatbestand nie real existiert. zwar spielte der gedanke einer kollektiven schuld aller deutschen während des 2. weltkriegs eine nicht unerhebliche rolle in den öffentlichen diskursen v.a in england und amerika, doch war die kollektivschuld-these zu keinem zeitpunkt bestandteil alliierter politik. von einiger bedeutung war und ist sie dagegen allerdings als aufhänger für relativierungs- und schuldentlastungsversuche in den diskursen (nicht nur) der extremen rechten.
es ist eine unabweisbare historische tatsache, dass es keinen gesellschaftlichen widerstand gegen die nazidiktatur gab und dass die reibungslose durchführung ihrer verbrechen ohne einen relativ weitreichenden "konsens zwischen bevölkerung und führung" (w.jochmann) nicht möglich gewesen wäre. doch gab es eine ganze reihe von rühmlichen ausnahmen - unter konservativen, liberalen, sozialisten, gewerkschaftern, protestanten, katholiken und (am personal- und opferreichsten) unter kommunisten. eine dieser bewundernswerten ausnahmen war adam von trott. seinen namen gegen einen von schlußstrich-ideologen phantasierten kollektivschuld-vorwurf in beschag zu nehmen ist mehr als deplaziert.
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