Kulinarisch reisen Der Ruf des Birkhuhns

Nichts interessiert Simon Majumdar mehr als Essen. Deshalb probierte sich der britische Autor ein Jahr lang durch die Küchen dieser Welt. Am angenehmsten überrascht wurde er in Finnland

Ein wohliger Schauer durchfuhr mich, als bald nach der Abfahrt aus St. Petersburg ein finnischer Zollbeamter das Abteil betrat, einen flüchtigen Blick auf meinen etwas ramponierten britischen Reisepass warf und mit einem freundlichen Lächeln sagte: »Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Finnland.« An den Grenzen Chinas, der Mongolei und Russlands hatte ich mich von unfreundlichen Männern mit Gewehren überprüfen lassen müssen, und meine Blase war bei den stundenlangen Aufenthalten mehrfach auf eine Zerreißprobe gestellt worden. Es war schön, wieder in Europa zu sein.

Dass ich einen Abstecher nach Finnland eingeplant hatte, verdankte ich Martina Rydman, einer Freundin aus London. Als sie sich einen Vortrag über mein Reiseprojekt anhörte – was sie kaum vermeiden konnte, da ich das Abendessen bezahlte –, schlug sie vor, ich solle auch Finnland besuchen. Ich brach in ein derartiges Gelächter aus, dass mir ein ziemlich guter argentinischer Malbec zur Nase herauskam.

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»Finnland?!«, kreischte ich. »Das ist das einzige Land, dessen Essen einen schlechteren Ruf hat als das englische.« Darauf begann Martina, mir die Vorzüge des finnischen Essens zu schildern. Das war keine leichte Aufgabe, denn die einzige finnische Speise, die ich bis dahin kennengelernt hatte, war etwas mit dem Namen Korvapuusti, ein zähes Frühstücksgebäck, das sich eher als Waffe denn als Nahrung eignete. Doch schließlich überzeugte sie mich mit dem Angebot, einen Jagdausflug mit einem Freund ihrer Familie zu organisieren, der nur zwei englische Worte kannte. Wie ich herausfinden sollte, war eines davon »Wodka«; das andere war überhaupt kein englisches Wort.

Um die Vorbereitungen für meinen Besuch kümmerte sich Martinas Familie. Am Bahnhof von Helsinki wurde ich von ihrer älteren Schwester Paola abgeholt. Sie half mir, Big Red (den Rucksack, Anm. der Red.) in ihrem Kleinwagen zu verstauen, und fuhr in nördlicher Richtung aus der Stadt hinaus. Ich hatte keine Ahnung, was mir bevorstand. Doch nachdem die letzten zwei Monate weitgehend bis ins letzte Detail geplant gewesen waren, freute ich mich auf ein paar Überraschungen. Paola erklärte mir, dass sie mich nach Juupajoki bringen würde, wo ihre Familie ein Haus besaß.

Nach einer zweistündigen Fahrt bogen wir von der Landstraße ab und fuhren geradewegs in die Seiten eines Märchenbuchs hinein. Das malerische Haus stand am Ufer eines Sees, der im Licht der Abendsonne golden schimmerte. Die Begrüßung durch die Familie Rydman hatte ebenfalls etwas Märchenhaftes: Ihre unmittelbare und unverfälschte Gastfreundschaft war so ganz anders als das, was ich in Russland und China erlebt hatte.

Sie gaben mir komfortable Pullover, um mich gegen die kalte Herbstluft zu schützen, und meine Schuhe ersetzten sie rasch durch ein Paar Stiefel, in denen ich dicke finnische Socken trug. Ich fühlte mich pudelwohl, als ich mich an den Küchentisch setzte. Meine Gastgeber sorgten dafür, dass ich mindestens zwei Schüsseln einer dicken Erbsensuppe mit Schinkenspeck aß, die mit großen Brotstücken aufgestippt wurde. Während ich aß, bereiteten sie mir auf einer sehr einladenden Couch ein Nachtlager vor. Am liebsten wäre ich sofort ins Bett gekrochen. Aber Paola schmiedet gerne Pläne, und sie hatte noch etwas mit mir vor. Sie wies mich an, mich warm anzuziehen, denn wir würden in den Wald gehen, um nach Essbarem zu suchen.

Für die Finnen ist die Nahrungssuche im Wald kein Zeitvertreib, sondern Teil ihrer Lebensart. Es ist für sie eine geradezu spirituelle Beschäftigung, was seinen Grund darin hat, dass die im Überfluss vorhandene Nahrung in der Natur die finnische Bevölkerung in den dunklen Tagen des Zweiten Weltkriegs vor dem Hungertod bewahrt hat. Es gibt sogar ein Gesetz, das jedem Bürger das Recht einräumt, überall im Land Früchte und Pilze zu sammeln. Er muss nur eine bestimmte Entfernung von den Häusern anderer Leute einhalten.

Der Waldboden in der Umgebung jenes Hauses war mit einem dichten Teppich von Preiselbeersträuchern bedeckt. Die Finnen lieben diese vitaminreichen Beeren mit dem charakteristischen strengen Geschmack. Außerdem stießen wir da und dort auf Ansammlungen fleischiger Pfifferlinge, und ich wurde gewarnt, ja nicht auf diese wertvollen Pilze zu treten. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir zwei Körbe mit ansehnlichen Exemplaren gefüllt. Martinas Mutter Maija kehrte nach Hause zurück, um mit den Pilzen ein Abendessen zuzubereiten, während für mich die nächste Phase meines finnischen Abenteuers begann: die Jagd.

Leser-Kommentare
    • pekka
    • 18.08.2009 um 17:34 Uhr

    ein sher schöner artikel, der die gastfreundschaft, ehrlichkeit und die liebe der finnen zu gutem essen verdeutlicht, den höchsten genuss erlebt man(ich) nicht in einem 5sternelokal in frankreich sondern abends am see in netter gesellschaft in finnland, frische pilze, beeren, fische etc. und morgens korvapuusti, frisch sind sie ein genuss und ich empfehle simon majumdar mal selbst den versuch, denn sie sind wirklich einfach und lecker

    • orava
    • 21.08.2009 um 10:36 Uhr

    Also sorry, aber ich finde diesen Artikel extrem schlecht, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Aber wenn einen nix anderes als "viel Essen" interessiert... Von einer Familie ständig auf "die Finnen" zu schließen nervt ziemlich. Ich lebe hier seit ein paar Jahren und würde mal sagen, dass der größte Teil der Finnen "abgepackte" Sachen auf dem Tisch stehen hat, was sich letztlich auch im allgemeinen Gesundheitszustand und Übergewicht der Bevölkerung niederschlägt. Man kann hier sicherlich solche "besonderen Genüsse" finden, aber Standard sind sie nicht. Und Gastfreundschaft wird auch vor allem dann großgeschrieben, wenn es gut für die publicity ist, denn den Finnen ist vor allem eins wichtig: ihr Image. Typischer Fall von "Greenhorn im Dschungel". Wo war denn da die Schlussredaktion?

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    • pekka
    • 25.08.2009 um 10:17 Uhr

    auch ich habe in finnland gelebt und kenne somit auch einige familien, habe es anders erlebt,
    zur sache mit der publicity: habe ich komplett anders erlebt, war echte gastfreundschaft, kommt dann halt auf die gastgeber drauf an, einige haben es halt nicht nötig sich für irgendeinen zu verkaufen und ihm ein essen zu servieren, dass es normalerweise in der familie nicht gibt...
    insgesamt sind die finnen aber wesentlich ehrlicher als die deutschen (meine meinung)
    und man kann über geschmack bekanntlich streiten...

    • pekka
    • 25.08.2009 um 10:17 Uhr

    auch ich habe in finnland gelebt und kenne somit auch einige familien, habe es anders erlebt,
    zur sache mit der publicity: habe ich komplett anders erlebt, war echte gastfreundschaft, kommt dann halt auf die gastgeber drauf an, einige haben es halt nicht nötig sich für irgendeinen zu verkaufen und ihm ein essen zu servieren, dass es normalerweise in der familie nicht gibt...
    insgesamt sind die finnen aber wesentlich ehrlicher als die deutschen (meine meinung)
    und man kann über geschmack bekanntlich streiten...

    • pekka
    • 25.08.2009 um 10:17 Uhr

    auch ich habe in finnland gelebt und kenne somit auch einige familien, habe es anders erlebt,
    zur sache mit der publicity: habe ich komplett anders erlebt, war echte gastfreundschaft, kommt dann halt auf die gastgeber drauf an, einige haben es halt nicht nötig sich für irgendeinen zu verkaufen und ihm ein essen zu servieren, dass es normalerweise in der familie nicht gibt...
    insgesamt sind die finnen aber wesentlich ehrlicher als die deutschen (meine meinung)
    und man kann über geschmack bekanntlich streiten...

    Antwort auf "toller artikel"

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