Autotest Der Bönzchenwagen

Unser Autor fährt den Hyundai ix55 durch Kreuzberg. Der Wagen scheint sich dafür zu schämen, dass er ein SUV ist

Fertig für den Großstadtdschungel. Die meisten Besitzer dürften mit dem Hyundai ix55 selten im Gelände unterwegs sein

Fertig für den Großstadtdschungel. Die meisten Besitzer dürften mit dem Hyundai ix55 selten im Gelände unterwegs sein

Ich wohne in einem Berliner Stadtteil, in dem es nicht gerne gesehen wird, wenn man arbeiten geht. Jemand hat an die Pforte dieses sanierten Altbaus »Bonzen raus aus Kreuzberg« gesprüht. Würde ich irgendwo anders in der Hauptstadt wohnen, sähe mich niemand als Bonzen an, nicht einmal als Bönzchen. So aber bekomme ich ein soziales Upgrade, ohne dafür viel Geld verdienen zu müssen. Ich darf mich hier reich fühlen. Schon von daher sind der Hyundai ix55 und ich wie füreinander bestimmt. Das Auto ist laut Hersteller der ideale Wagen für jemanden, der »aufsteigen möchte«, und zwar in die »automobile Oberklasse«. Die bekommt man bei den Koreanern etwas günstiger als bei der Konkurrenz. Und das mit einem Auto, das sich »nicht vor anderen Anbietern verstecken muss«.

Es wäre ihm auch unmöglich, sich zu verstecken, denn der ix55 ist 4,84 Meter lang. Er ist ein Sport Utility Vehicle (SUV) und gehört damit zu jener Fahrzeugklasse, der öfter nachgesagt wird, sie sei protzig und kille das Klima. In Kreuzberg wäre es eher politisch korrekt, mit einem Schützenpanzer durch die Straßen zu rollen als mit einem SUV. Der ix55 müht sich allerdings sichtlich, das Image seiner Fahrzeugklasse aufzubessern. Die Karosserie ist stromlinienförmig und weniger klotzig als bei anderen Geländewagen. Und auch ansonsten ist der Wagen unglaublich umsichtig und versucht seinem Besitzer mit allerlei Sensörchen und Elektromotörchen lästige Arbeiten wie das Einrichten von Sitzen und Spiegeln oder das Einparken zu erleichtern. Auch die Scheibenwischer schaltet er selbstständig an. Selbst bei Tempo 200 flüstert der Motor so zurückhaltend, dass man das Auto in eine Selbsthilfegruppe schicken möchte. Vielleicht möchte er gar kein SUV sein, sondern lieber ein Familien-Kombi?

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Wer einen SUV fährt, der will allen zeigen: »Ich habe es geschafft, ich fahre ein Auto, von dem aus ich euch aufs Blechdach spucke!« Muss man den ix55 daran erinnern, dass er tut, was man von einer Aufsteigerkarre erwartet?

Aber er kann auch das. Dazu muss man ihn nicht einmal fahren. Die Heckklappe öffnet und schließt sich elektronisch und piept dabei so laut, dass niemand weggucken kann. Es genügt, in der Einfahrt zu stehen und »Klappe auf, Klappe zu« zu spielen. Das kann man stundenlang tun – fast CO₂-neutral. Meine Nachbarn scheinen das zu honorieren. Neulich brannten ein paar Blocks weiter ein BMW und ein Mercedes. Der Hyundai blieb heil. Auch das schont das Klima.

Tillmann Prüfer ist Redakteur beim ZEITmagazin

 
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