Wagner in Bayreuth»Hallo, Herr Hitler!«

Es gibt so viele Opern – warum nur tue ich mir Richard Wagner an? Über das Treiben auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Ein Protokoll von Tuvia Tenenbom

Die Pausenposaunen auf dem Balkon des Festspielhauses

Die Pausenposaunen auf dem Balkon des Festspielhauses  |  © Isi Tenenbom

Was mag wohl dabei herauskommen, wenn man einen Juden nimmt, ihn nach Bayreuth fliegt und dort Wagners Opern in Wagners eigenem Opernhaus hören lässt? Wird er zum Wagner-Fan – oder läuft es ihm kalt den Rücken runter? Um diese Frage zu beantworten, fliege ich höchstpersönlich von den Vereinigten Staaten nach Deutschland. Ich sollte dafür so gut taugen wie irgendein anderer Jude.

In etwas über 12000 Meter Höhe brummt mir der Schädel vor lauter Fragen. In seinem Pamphlet Das Judenthum in der Musik behauptete Wagner, den Juden ginge jede Leidenschaft ab und sie wären nicht dazu befähigt, Musik zu schaffen. Ist es mir dann wenigstens gegeben, Musik zu verstehen – Wagner zu verstehen? Der verstorbene Literaturwissenschaftler Edward Said hat sein Leben lang die palästinensische Sache verteidigt. Zwischendurch aber ergriff er immer mal wieder die Gelegenheit, sich mit anderen Themen zu befassen: mit Wagner zum Beispiel, den er verehrte. Als ein anderer Professor, Paul Lawrence Rose, die Behauptung aufstellte, Wagner zu hören bedeute, Antisemitismus am eigenen Leibe zu erfahren, ging Said an die Decke und beschimpfte Rose als »Chomeini der Künste«. Für Said, der von der »schieren Schönheit und Kraft« dieser Musik überwältigt war, galt: Musik ist Musik, Kunst ist Kunst, und die Politik sollte außen vor bleiben. Und so hinderte seine Argumentation Said auch nicht daran, im selben Aufsatz zu dem Schluss zu kommen, Israel und der Zionismus gehörten zum Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht habe.

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Zwei Fragen schießen mir durch den Kopf: Kann ein Mann Wagner lieben und trotzdem Jude sein? Kann eine Frau mit den Nazis sympathisieren und Wagner trotzdem hassen? Wagners heftiger Antisemitismus und die sakrale Begeisterung, die Hitler und die Nazis für seine Opern empfanden, verhindern, dass man in ihnen bloße Opern sehen kann. Bis heute ist es nahezu unmöglich, Wagner in Israel aufzuführen. Nur jemand wie Daniel Barenboim kann sich das trauen. Freilich ist Barenboim auch ein Ehrenbürger Palästinas. Wie viele Juden können diese Ehre für sich beanspruchen?

Es gibt so viele andere Opern – warum nur tue ich mir Wagner an? Vor etwa zwei Monaten habe ich Puccinis La Bohème in Ramallah gesehen. Ein großartiges Erlebnis. Wohin man auch blickte, überall sah man wohlhabende palästinensische Frauen in den farbenfrohsten und teuersten Hijabs und Männer mit funkelnagelneuen Handys. Um ehrlich zu sein: Die Aufführung war schauderhaft, aber das Publikum ein Fest fürs Auge. Werde ich Hijabs in Bayreuth sehen? Sollte ich den Piloten bitten, den Kurs zu ändern und mich in den Nahen Osten zu fliegen, wo ich geboren wurde?

Noch bevor ich das Cockpit erreiche, ziehe ich den Schwanz ein, und die Maschine landet planmäßig im Vaterland. Mir fällt ein alter Spruch von Woody Allen ein: »Immer wenn ich Wagner höre, spüre ich den inneren Drang, in Polen einmarschieren zu müssen.« Spätestens bei der Zollabfertigung habe ich ernsthafte Bauchschmerzen: Ich werde den Ring sehen, das sind immerhin vier Opern. Werde ich der Versuchung, Polen zu erobern, am Ende der Götterdämmerung nicht widerstehen können? Doch was, zum Kuckuck, soll ich mit Polen? Sorgen habe ich ohnehin schon genug.

Als ich in Bayreuth eintreffe, schöne Stadt übrigens, stelle ich mit Erleichterung fest, dass ich nicht der Einzige bin, dem Nazis und Juden im Kopf herumgeistern. Die Stadt Bayreuth gibt bekannt, dass sie die Israelitische Kultusgemeinde bei der Errichtung eines jüdischen Kultur- und Gemeindezentrums unterstützt. Welcome. Das sind nicht die einzigen guten Nachrichten. Kurz nach meiner Ankunft erfahre ich von dem Vorhaben Katharina Wagners, die Archive zu öffnen und das volle Ausmaß der Beziehungen ihrer Familie zu Adolf Hitler aufklären zu lassen. Mein Magen beruhigt sich. Vielleicht muss ich Polen am Ende des Rings doch nicht den Krieg erklären. Sei froh, sage ich mir. Gewöhnliche Sterbliche warten zehn Jahre auf Eintrittskarten. Und ich habe vier davon! All jene, die nicht so lange warten wollen, können im Internet Karten für bis zu 4500 Euro pro Vorstellung finden. Wo ich geboren wurde, gibt es für dieses Geld eine Ehefrau und zwei Ziegen. Und ich muss keinen Cent ausgeben. Bin ich nicht ein echter jüdischer Glückspilz? Jetzt geht’s mir besser.

Der Ring beginnt erst morgen, aber ich möchte mich schon einmal mit dem Ort vertraut machen. Ich gehe zum Festspielhaus, zum Grünen Hügel, wie man hier sagt. Ich habe noch nie eine Wagner-Oper gesehen und möchte mich über etwaige Nebenwirkungen schlau machen.

Gerade sind die Meistersinger unter der Regie von Katharina Wagner höchstpersönlich zu Ende gegangen. Eine kleine Gruppe von Italienern schreit sich gegenseitig aus Leibeskräften an, als wäre sie drauf und dran, jemanden umzubringen. »Warum so aufgeregt?«, höre ich mich auf Englisch rufen. Paulo, schnieke gekleidet, lässt mich wissen, dass er der Präsident der Wagner-Gesellschaft in Mailand ist. Und stocksauer. »Katharina«, sagt er mir, »ist eine schöne Frau. Sie hat reizende Brüste. Ich liebe sie. Warum hat sie eine so miserable Inszenierung abgeliefert?!«

Oha. Die Leute nehmen ihren Wagner hier aber persönlich. Ich muss aufpassen! Ich lenke das Gespräch weg von der Aufführung und versuche, allgemein über Wagner und Bayreuth zu sprechen. Offensichtlich sind die Leute wahnsinnig gerne hier. »Da drinnen gibt es keine Klimaanlage«, lässt mich ein Mann wissen. »Sie werden schwitzen, aber das ist es wert. Sauerstoff gibt es auch keinen. Vor einigen Jahren sind ein paar Besucher an Hitzschlag gestorben. Man ließ die Leichname in den Sitzen, bis die Aufführung zu Ende war. Eine Wagner-Oper unterbricht man nicht.«

Vielleicht habe ich die falsche Zeit erwischt und verlasse den Hügel. Im Hotel lerne ich Peter kennen. Er sitzt im Rollstuhl und liebt Wagner. Seine Tochter hört auf den Namen Cosima, zu Ehren von Wagners Frau. »Wer ist wichtiger in deinem Leben«, frage ich Peter, » Richard Wagner oder Jesus Christus ?« Peter zögert keine Sekunde. »Klarer Fall. Richard Wagner.«

Darauf ziehe ich mich auf mein Zimmer zurück, um mich auf die morgige Portion Wagner vorzubereiten. Ich lese mir die Handlung durch. Sie ist ziemlich verwirrend und anscheinend höchst sprunghaft. Aber wer hat je behauptet, das Leben sei einfach? Eben.

Und so finde ich mich am nächsten Tag pünktlich auf dem Hügel an meinem Platz ein. Es gibt in diesem Haus keine Zwischengänge, Sitz reiht sich an Sitz, und wenn ich zwischendurch auf die Toilette muss, bin ich verloren. Bräche aber ein Feuer aus, müsste ich mir keine Gedanken machen, denn das Orchester würde die nächsten zweieinhalb Stunden einfach weiterspielen. So lang dauert das Rheingold. Ohne Pause. Ich sitze in der Presseloge, ich bin in guter Gesellschaft. Die Kritiker müssen ihren Wagner kennen. Wenn ich etwas nicht verstehe, werde ich sie alle nerven. »Die Akustik hier ist so gut«, sagt einer, »dass man die Musik sogar von hinten hören kann.«

Blick auf die Uhr: genau sechs. Das Licht geht aus. Die Musik setzt ein, doch außer dem Vorhang ist nichts zu sehen. Man kann auf den schwarzen Vorhang starren und sich ausmalen, was einem so in den Sinn kommt. Fragen Sie mich nicht, wieso, aber ich sehe einen Mann mit einem kleinen Schnurrbart. Er liebt diesen Ort. »Hallo, Herr Hitler«, flüstere ich und achte darauf, dass mich niemand hört. Den Mann würde ich gerne mal interviewen. – Spinnst du? – Das wäre der Höhepunkt meiner Karriere! Vorhang auf. Abgang Ado.

Die Bühne ist in Blau getaucht, als drei Rheintöchter zwischen Felsen erscheinen. Ich kann es kaum erwarten, was nun passieren wird. Ich könnte zum Wagner-Fan werden, ehe ich mich’s versehe. Während ich noch darauf warte, dass sich etwas tut, dämmert mir, dass sich gar nichts tut. Wer führt hier Regie? Laut Programmheft jemand namens Tankred Dorst. Warum hält er die Bühne so statisch? Freia, Göttin der Jugend und Schönheit, ist als Nächste dran und müsste gleich auftauchen. Ich hoffe, sie sorgt für etwas Action. Auch las ich, dass es einen Zwerg gibt, der sich in eine Kröte verwandelt. Man stelle sich mal vor, was Disney aus solchen Charakteren gemacht hätte! Nicht so dieser Regisseur. Seine Schlüsselidee, ist es, keine Idee zu haben. Außer, vielleicht, der einen: Wenn Wagner komplex ist, machen wir ihn eben noch ein bisschen komplexer. Das Ergebnis? Der Abend wird ziemlich langweilig. Punkt fünf vor sieben schläft ein Mann zu meiner Linken ein, während zu meiner Rechten bereits jemand vor sich hin schnarcht. Ich entschließe mich, Polen nicht zu erobern. Jedenfalls nicht heute.

Nach zweieinhalb mühseligen Stunden ist Rheingold zu Ende. Das Publikum aber ist außer sich. Volle zehn Minuten lang lässt donnernder Applaus den Hügel erbeben. Ganz offensichtlich ist man begeistert. Ich werfe einen Blick auf meine schlafenden Nachbarn. Siehe da, auch sie klatschen. Schau mal einer an! Kriege ich hier etwas nicht mit? Vielleicht geht es ja erst morgen richtig los, bei der Walküre. Diese Oper beginnt um vier und geht bis zehn vor zehn. Das nenne ich eine Oper. Noch ist Polen nicht gerettet, noch steht es auf meiner Abschussliste.

Am folgenden Tag finde ich mich Punkt vier an meinem Platz ein. Ich habe mich diesmal etwas besser vorbereitet und einige Texte über die Walküre gelesen. Wie mir diese Texte verraten, liegt zwischen Siegmund und Sieglinde sexuell etwas in der Luft. Texte lügen nicht, und schwupp, sind die beiden S auf der Bühne. Zwei Charaktere, die aneinander vorbei singen, im Hintergrund eine bedrückend wirkende Dekoration, ein hässliches Gebilde, das mich an den Toilettenbereich der jüdischen Synagoge in Tunis erinnert. Nebenbei gefragt: Wer ist hier eigentlich für das Licht zuständig? Er scheint sich jedenfalls große Mühe zu geben, dass wir so wenig wie möglich sehen. Vielleicht könnte der oder die Betreffende einfach den Vorhang runterlassen und so Strom sparen. Ich kann meine Gedanken nicht mehr für mich behalten und frage den Kritiker zu meiner Rechten. Freundlich erklärt mir der Herr, dies sei ein heiliger Ort. Heilige Orte, Kirchen zum Beispiel, sind nie hell erleuchtet.

Wow, so einfach ist das. Ich LIEBE Kritiker. Sie wissen so viel. Und warum, frage ich, ist alles so bühnenmäßig? Gehört das auch zum Heiligen? Nein, sagt der Kritiker; das ist nur eine schlechte Inszenierung. Der Regisseur, erklärt er, ist gar kein richtiger Regisseur. Er hat halt den Auftrag bekommen.

Um fünf vor halb fünf beginnt hinter mir ein Mann zu schnarchen. Am Ende wird er gewiss heftig applaudieren. Ungefähr drei Stunden später beginnt der dritte Akt, der hier Aufzug heißt. Acht rote Walküren treten auf. Ich liebe Rot. Mit Speeren und Plexiglasschilden bewehrt, geleiten sie die gefallenen Helden nach Walhalla . Erinnert mich an die Selbstmordattentäter, die im Jenseits von Jungfrauen erwartet werden. Vertrautes Terrain. Auf der Bühne ist ein Graffito zu lesen: Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod. Nehmen Sie mir dieses Bild aus den Augen, Herr Regisseur, oder ich lasse ein paar Freunde aus Gaza einfliegen, die Ihnen zeigen, wie sich Helden bewegen! Übrigens bewegen sich die roten Walküren – was auf dieser Bühne eine echte Neuigkeit ist. Aber keine Sorge: Nach ein paar Minuten kehrt wieder Stillstand ein. Der Herr Regisseur scheint sich sklavisch an die berühmte Szenenanweisung aus Becketts Godot zu halten: »Sie gehen nicht von der Stelle.«

Am Ende der Walküre wird ein Feuerkranz um eine Figur namens Brünnhilde entfacht, der die Bühne in roten Rauch hüllt. Der Anblick erinnert an den Brand von Rom und bereitet dem Publikum große Freude. Wie gestern erklingt ein donnernder zehnminütiger Applaus. Die Schläfer sind erwacht und klatschen mit. Was haben sie alle nur gesehen, das ich nicht gesehen habe?

Ich gehe raus, stecke mir eine Gitanes an und schnappe mir einen Kritiker. Hat ihm die Aufführung gefallen? Nein, sie war schrecklich. Und die gestern war auch schrecklich. Wird er das seinen Lesern sagen? Ups. Da habe ich einen wunden Punkt berührt. Manche Leute haben zehn Jahre auf Karten gewartet, wie könnte er ihnen da sagen, dass es so schlecht ist?

Soll ich auch in die nächste Oper, Siegfried, gehen oder mein Ticket zum Schnäppchenpreis von 4000 Euro verkaufen? Zwei Tage lang träume ich von all den Dingen, die ich für 4000 Euro so kaufen könnte, aber dann ziehe ich erneut den Schwanz ein und schaue mir Siegfried an. Mime, ein Zwerg, ist auf der Bühne. Ich mustere ihn: Wenn das ein Zwerg ist, bin ich Eddie Murphy . Komischerweise habe ich dieses seltsame Gefühl, dass ich der Einzige unter den 2000 Zuschauern bin, der sich darüber den Kopf zerbricht. Warum bloß? Mime ist ein komplizierter Charakter, von dem einige Forscher glauben, Wagner habe mit ihm das Negativbild eines Juden zeichnen wollen.

Ich frage mich, was der Sänger dieser Rolle, ein Mann namens Wolfgang, darüber denkt. Zufällig laufe ich ihm auf dem Hügel über den Weg und frage ihn. Ja, sagt er, er habe das auch gelesen. Hat der Regisseur während der Proben mit ihm darüber gesprochen? Nein. Würde er Mime gerne als Juden spielen, vielleicht mit jiddischem Akzent? Wolfgang verfällt in unbändiges Gelächter. »Ich trete gerne in Bayreuth auf. Hier wird am längsten geklatscht. Überall sonst dauert der Applaus nur ein Drittel so lang wie hier.« Gut zu wissen.

Zwischen Aufzug I und Aufzug II nehme ich mir vor, einen echten Wagner-Jünger aufzutun. Mit Erfolg: Mein Jünger heißt Jesco und ist Manager im Office of Space Flight der Nasa. Als gebürtiger Deutscher fliegt Jesco oft nach Bayreuth. Dies hier ist sein achtundzwanzigstes Jahr. Ich frage ihn, was er über Wagner und die Nazis denkt. Er guckt mich entgeistert an. »Wenn das die Richtung ist, in die dieses Interview geht, dann weigere ich mich, interviewt zu werden.« Punkt. Ich versuche, ihn zu beruhigen, ich brauche keine Feinde auf dem Hügel. Wie ein Schüler einen Lehrer bitte ich ihn, mir Wagner zu erklären. Er tut mir den Gefallen. Als jemand, der für die Nasa arbeitet, liebt er es, Dinge zu erklären. »Wagner kann man nicht erklären«, meint er streng wissenschaftlich. »Wenn man Wagner hört, macht es ›klick‹, und man ist der Welt enthoben. Wie beim Orgasmus.« Wie wird es mir nach der Oper ergehen? »Man spürt, dass man in einer schönen Welt ist«, und das halte eine ganze Weile vor. Aber dafür müsse man jedes Jahr herkommen. »Wagner auf dem Hügel ist eine Gesamterfahrung.«

Ich kehre zu meinem Platz zurück und beschließe, den kommenden Aufzug als Jünger anzugehen. Als Erstes schließe ich die Augen; ein frommer Trick, den ich von chassidischen Juden gelernt habe. Ich lausche der Musik, und plötzlich ist Mime wirklich kleinwüchsig. Ein richtiger Zwerg. Und ich bin Deutscher. Meine Mutter heißt Cosima, mein Vater Ado. Die Musik ist hinreißend. Es ist MEINE Musik, meine deutsche Musik. Und ich LIEBE die Dunkelheit auf der Bühne, sie ist so mystisch! Ich könnte jeden erwürgen, der mehr Licht auf sie fallen lassen will. Und es freut mich wirklich, dass Angela Merkel hier ist; dass sie bislang jede Aufführung gesehen hat. Ich wiege mich in Sicherheit, nachdem ich weiß, dass die Menschen, die unser Land regieren, ihre Zeit sinnvoll nutzen. Ich bin begeistert. Ich hebe meine Hände, ganz wie ein amerikanischer Evangelikaler. Ich bin kein Amerikaner, ich brauche Disney nicht, ich will genau DAS!

Dann ist Siegfried zu Ende. Am nächsten Tag gönne ich mir einige besinnliche Momente an den Gräbern von Richards und Cosimas Hunden. Ja, die gibt es wirklich. Genau hier in Bayreuth. Da ertönt in der Grabesstille plötzlich eine Stimme und ruft mir zu: »Gehe zu den Juden, um noch mehr fromme Tricks zu lernen.« Ich eile zur Jüdischen Synagoge. Die Jüdische Gemeinde Bayreuths ist eher klein. Es gibt 500 Juden in Bayreuth, 495 russische und 5 aus den alten Tagen. »Möge sich Gott der geweihten Seelen erinnern, sechs Millionen, die starben, als sie seinen Namen heiligten«, ist auf der Tafel neben dem Thoraschrein zu lesen. Gebetbücher tragen das Datum August 1937. Ich treffe Felix, den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, geboren und aufgewachsen in Bayreuth. Er hat sich kein einziges Mal eine Wagner-Oper angesehen. Wie kommt’s? »Als Wagner noch lebte, hat er unseren Tempel nie besucht, warum sollte ich seinen besuchen?«

Ich bin aber nicht Felix, und so finde ich mich am folgenden Tag um Punkt fünf vor vier wieder auf meinem Platz ein, um die Götterdämmerung zu erleben. Ich bitte den Kritiker zu meiner Linken um ein paar Tipps. »Lassen Sie sich nicht von der Inszenierung ablenken, konzentrieren Sie sich auf die Musik.« Ich probiere es aus. Das Komische ist nur, dass mich die Musik jedes Mal, wenn sie mich zu einem Höhepunkt zu bringen scheint, plötzlich wieder runterzieht. Sobald ich das Gefühl habe, kurz vor dem Höhepunkt zu sein, klingt die Musik automatisch ab. Bin ich gestört? Um drei nach fünf möchte ich meinen Kritiker um Rat fragen. Pech gehabt, er ist eingeschlafen. Jedenfalls hoffe ich, dass er nicht sanft verstorben ist und auf mich kippt – das ist nämlich eine lange Oper!

Als der Ring seinem Ende entgegengeht und ich niemanden mehr habe, der mir meine Fragen beantworten könnte, kommt mir ein Gedanke: Hatte Wagner vielleicht recht, sind Juden musikalisch defizitär? Dieser Gedanke beunruhigt mich, und ich verspüre das verzweifelte Bedürfnis, mit jemandem über Wagner, Juden, Nazis und andere derartige Nettigkeiten zu sprechen. Gibt es irgendjemanden auf diesem Planeten, mit dem man besser über diese hochtrabenden Themen diskutieren könnte als mit Wagners Urenkelin, Katharina? Wohl kaum. Also auf zu Katharina!

Das Wichtigste zuerst: Ich erzähle ihr von den Äußerungen des Italieners Paolo. Sie bricht in Gelächter aus. »Gerade haben wir einen Brief bekommen, in dem es heißt, dass das Beste an den Festspielen meine Brüste sind.« Was soll ich dazu sagen? Ich bin etwas ratlos und wechsle das Thema: Gibt es in Sachen Wagner und die Nazis noch Dinge, die wir nicht wissen? Katharina erzählt mir von einem »ominösen Schrank in der Nähe von München , der sich im Besitz von vier Familienmitgliedern befindet und dessen Inhalt niemand kennt. Mein Vater sagt: Öffne ihn!, während andere Teile der Familie sagen: Lass ihn zu!«

Ich interessiere mich jedoch mehr für den Dreck am Stecken der Gegenwart als für alte Schränke. Glaubt Katharina Wagner, dass ihr Urgroßvater Negativbilder von Juden im Sinn hatte, als er einige Charaktere entwarf, etwa die Zwerge im Ring oder Beckmesser in den Meistersingern? »Beckmesser ist für mich ein typischer Deutscher, kein Jude.« Ich hake nach: Sie sind eine Nachfahrin eines großen Komponisten, ich bin ein Nachfahre großer Rabbis – und hier sind wir nun endlich zusammengetroffen. Ich frage Sie: Katharina, hat Richard Wagner an Juden gedacht, als er seine Charaktere entwarf? Ich sehe, dass das keine leichte Frage für sie ist, aber Katharina nimmt die Herausforderung beherzt an und antwortet: »Wahrscheinlich doch beim Beckmesser.« Ich schätze den Mut, mit dem sie sich auf ein so schwieriges Thema einlässt.

Ich frage sie: Nehmen wir an, die Götter wären vor Ihrer Geburt zu Ihnen gekommen und hätten Sie gefragt: »Wir werden dich auf die Erde schicken, aber vorher musst du dich entscheiden: Du wirst entweder Richard Wagners Urenkelin sein oder die Urenkelin eines bedeutenden polnischen Rabbis.« Wofür würden Sie sich entscheiden? Überraschend oder nicht, Frau Wagner entscheidet sich für die zweite Alternative.

Nun frage ich Rabbi Katharina von Polen nach ihrem Lebenstraum. Was würde sie gerne erreichen, was ist ihr Ziel? »Das Kapitel über Bayreuths Nazivergangenheit zu schließen, alle Fragen über Bayreuth und die Nazis zu beantworten. Ich will, dass alles auf den Tisch kommt.« Katharina sticht heraus, aber nicht aufgrund ihres Aussehens. Sie beeindruckt mich als eine Frau mit Visionen und Durchsetzungskraft. Bei unserem Treffen ist ein Pressereferent zugegen, aber es kümmert sie nicht im Geringsten, ob ihm ihre Antworten behagen. Und als er ihr sagt, dass es an der Zeit sei, das Interview zu beenden, ignoriert sie ihn. Ein wichtiger Mäzen warte auf sie, mahnt er. Kümmere du dich um ihn, sagt sie. Sie ist wahrscheinlich die intelligenteste Person, die sich dieser Tage auf dem Hügel finden lässt.

Auch wenn Katharina die Zügel in Händen hält – Wagner wird nie das Saft-und-Kraft-Genie sein, für das ich ihn gehalten habe. Die Verdrehtheiten des Rings deuten eher auf einen Wirrkopf als auf einen genialen Denker. Was den Antisemitismus in seiner Musik betrifft: Ich habe keinen entdecken können. Es ist an der Zeit, dass sich sowohl Juden als auch Nazis der Musik zuwenden und dieses Thema auf sich beruhen lassen. Wagner hatte ein paar wirklich dumme Gedanken im Kopf. Und wennschon. Es ist genauso dumm, zu glauben, man würde Gottes Namen heiligen, indem man sechs Millionen Menschen opfert.

Nein, ich werde Polen nicht erobern. Nicht einmal Liechtenstein. Sorry, Woody Allen.

Aus dem Englischen von Michael Adrian

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Leserkommentare
  1. Es gibt zwei gänzlich unterschiedliche Lebensentwürfe: Berechnung - oder Gottvertrauen.

    In der Literatur werden sie manchmal nebeneinander gestellt, wie etwa im Volksmärchen, wo der oder die Berechnende (oft der ältere Bruder oder die ältere Schwester) dem tumben Tor (oft der jüngste Bruder oder die jüngste Schwester) gegenübergestellt wird. Bei diesem ist der Verstand nicht so gut entwickelt, wohl aber das Gottvertrauen (oder das Urvertrauen in eine höhere Dimension?). Auch im Parzival von Wolfram von Eschenbach stehen der unbedarfte Sohn einer alleinerziehenden Mutter und der berühmte Ritter Gawain nebeneinander.

    Oder die beiden Grundhaltungen prallen aufeinander, wie bei Tolkien, bei dem es auch um Ringe geht und bei dem die Hobbits - ohne Aussicht auf Erfolg - gegen die große dunkle Macht der Berechnung antreten (und gegen den abgefallenen weisen Saruman, den manche für einen Salomon halten). Ähnlich auch bei Harry Potter, wo Lord Voldemort sogar seine künftige Existenz vorausberechnen will.

    Ich weiß nicht, auf welcher Seite der Typ war, den der Autor dieses Artikels "Ado" nennt. Dieser sprach selber zwar oft davon, auf der Seite der "Vorsehung" zu stehen und bezichtigte die Juden der Berechnung und der Verschlagenheit. Aber "an den Früchten werdet ihr sie erkennen" sagte ein wirklich weiser Jude mit viel Gottvertrauen vor 2000 Jahren schon zu diesem Thema.

    Wagner selber hätte wohl keine Chance gehabt, hätte er sich nur auf seine raumzeitlichen Berechnungen verlassen. Irgendwie hatte er das Interface zu der höheren Dimension, an dem seine Festspielteilnehmer so gerne teilhätten.

    Von einem jüdischen Rabbi, Friedrich Weinreb stammt der Satz, der das alles zusammenfasst: "Wer nicht glaubt, muss rechnen." (Aus "Die Freuden Hiobs)

  2. soooo viele Worte, und was wollen Sie uns (Neues) sagen? Daß Wagner die Juden nicht mochte, wissen wir, daß Bayreuth und sein Wagnertempel seit Jahr und Tag umstritten sind, auch, und daß der "Ring" für viele Leute eine schwerverdauliche Kost ist, gehört zum Allgemeinplatz.

    Und nein, auch deutsche Wagnerverehrer verspüren nach dem Besuch der Opfer keine Versuchung, in Polen einzumarschieren, Ehrenwort! (war selbst noch nicht bei der Vorstellung), die Nebenwirkungen Wagners liest man heute in allen möglichen Beipackzetteln jeder besseren Literatur- und Musikpostille, den Herrn Hitler hat man meines Wissens seit 1945 nicht mehr persönlich bei den Wagner-Festspielen gesehen, und auch die Sauerstoffarmut in den heiligen Hallen sowie das erhöhte Schlafbedürfnis mancher Besucher ist nicht mehr das bestgehütetste Geheimnis Bayreuths.
    So what, Tuvia?

    An einer Stelle muß ich noch mal richtig böse werden: Was bitte soll die Frage, wer Tankred Dorst sein soll? Dieser offenkundige Geheimtip unter den Theaterautoren hat inzwischen über 80 Lenze auf dem Buckel und zählt zu den wohl meistgespielten Autoren in Deutschland. Auch wenn ich ein sehr humoriger Mensch bin, aber es hat doch alles seine Grenzen .... nicht wahr ....

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    • hardob
    • 13. August 2009 22:39 Uhr

    was wollen Sie uns mit Ihren harschen Worten sagen! Dass ein dahergelaufener Jid nix über Bayreuth zu sagen hat, weil er noch gar nicht weiß, dass 1945 seit fast 65 Jahren rum ist. Dass wenn er schon dahr kommt, er doch bitte schön nicht das schreiben soll, was er sieht und erfährt und hört und denkt und fühlt, sondern dann doch wenigstens soll er verzeihen und nur Gutes schreiben. Und wenn schon einer zwar Woody Allen kennt, aber nicht genau weiß, wer Tankred Dorst ist, der sich wenigsten schon auf dem Chimborazo schrieb, ja dass so einer in der ZEIT schreibt und sie so gräßlich langweilt, ja also, ob das geht?

    Vielen Dank, Herr dahergeflogener Tenenbom, ein schöner Artikel ist das, was Sie da schreiben und stimmt und passt und ist Bayreuth und Wagner und die Musik und der Schrecken und die Gegenwart und die Zukunft. Und noch nie hab ich Katharina Wagner leiden können und Sie sind der Erste, der sie mir in einem schönerem Licht zeigt. Da sieht man die Bayreuther Beleuchter ...

    • Colón
    • 13. August 2009 22:35 Uhr

    Dear Tuva,

    It´s the "Bürgerlichkeit" stupid. He neckteied and highly decorated, at least a distinguished service order pinned on his manly breast , she in silk and satin, without a "Brusttuch".

    .....»Und deine Brust muss ein reiner schöner Spiegel sein, holde Jungfrau! « Und auch das Busentuch rauschte im Augenblick zur Erde, und der klare Spiegel auf der Brust der Jungfrau zeigte ein sanftes schönes Bild, das Bild des Jünglings. Da erscholl vom Perlenschifflein ein heller Jubel und freudetönende Musik, und ein Kreis von schönen Frauen und blühenden Männern erhob sich freudevoll vom Schifflein und nahm das holde Paar auf, und der kleine schöne Perlennachen glitt auf der spiegelhellen Wasserfläche dahin, nach der wunderlieblichen Perleninsel, als der Heimat der lieben Braut des Fischerjünglings, um nimmer, nimmer wiederzukehren."
    (aus: Ludwig Bechstein, Die Perlenkönigin)
    Das stammt von Bechstein, geboren und gestorben an wichtigen Bühnenorten.

    Ganz im Ernst, es gibt auch noch die Heidenreich Variante des "Antuns". Die lautet, wo gibt es eine Oper, wo ein Festspiel, wo einen dramatischen Gesang, da will ich hin! Einzige Hinderungsgründe: Ausverkauf, no public viewing, Flugmöglichkeiten nicht gegeben, Terminabstimmungsprobleme.

    Die andere Seite: Wir sollten uns doch für unser drei Sparten Theater vor Ort einsetzen. Da gibt es die Chance, mehr zu hören, zu sehen und zu fühlen, als auf dem "Hügel" oder auf den "Wiesn" vor der Großleinwand.

    Einziges Problem. Was bieten wir dem Publikum vor der Türe, wenn weder Kanzlerinnen, noch Barone, noch sonstige Goldlöckchen defilieren.

    Grüße
    Christoph Leusch

    • hardob
    • 13. August 2009 22:39 Uhr

    was wollen Sie uns mit Ihren harschen Worten sagen! Dass ein dahergelaufener Jid nix über Bayreuth zu sagen hat, weil er noch gar nicht weiß, dass 1945 seit fast 65 Jahren rum ist. Dass wenn er schon dahr kommt, er doch bitte schön nicht das schreiben soll, was er sieht und erfährt und hört und denkt und fühlt, sondern dann doch wenigstens soll er verzeihen und nur Gutes schreiben. Und wenn schon einer zwar Woody Allen kennt, aber nicht genau weiß, wer Tankred Dorst ist, der sich wenigsten schon auf dem Chimborazo schrieb, ja dass so einer in der ZEIT schreibt und sie so gräßlich langweilt, ja also, ob das geht?

    Vielen Dank, Herr dahergeflogener Tenenbom, ein schöner Artikel ist das, was Sie da schreiben und stimmt und passt und ist Bayreuth und Wagner und die Musik und der Schrecken und die Gegenwart und die Zukunft. Und noch nie hab ich Katharina Wagner leiden können und Sie sind der Erste, der sie mir in einem schönerem Licht zeigt. Da sieht man die Bayreuther Beleuchter ...

    Antwort auf "Lieber Herr Tenenbom"
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    @was wollen Sie uns mit Ihren harschen Worten sagen! Dass ein dahergelaufener Jid nix über Bayreuth zu sagen hat, weil er noch gar nicht weiß, dass 1945 seit fast 65 Jahren rum ist. Dass wenn er schon dahr kommt, er doch bitte schön nicht das schreiben soll, was er sieht und erfährt und hört und denkt und fühlt, sondern dann doch wenigstens soll er verzeihen und nur Gutes schreiben.

    Ja, Gott, ob das geht? Der unheilsschwanger bedeutsame Ton Ihres Kommentares sagt es dem Eingeweihten, daß es natürlich nicht geht, denn gerade wir Deutschen .... nach 1945 .... Holocaust .... besondere Verantwortung .... nie wieder ....

    Das einzig Überraschende an Ihren Zeilen ist lediglich, daß Sie auf das Attribut antisemitisch oder latent antisemitisch verzichtet haben.

    Ich frage dann doch lieber Tenenbom selbst, wie er es gemeint haben könnte. Oder will.

  3. @was wollen Sie uns mit Ihren harschen Worten sagen! Dass ein dahergelaufener Jid nix über Bayreuth zu sagen hat, weil er noch gar nicht weiß, dass 1945 seit fast 65 Jahren rum ist. Dass wenn er schon dahr kommt, er doch bitte schön nicht das schreiben soll, was er sieht und erfährt und hört und denkt und fühlt, sondern dann doch wenigstens soll er verzeihen und nur Gutes schreiben.

    Ja, Gott, ob das geht? Der unheilsschwanger bedeutsame Ton Ihres Kommentares sagt es dem Eingeweihten, daß es natürlich nicht geht, denn gerade wir Deutschen .... nach 1945 .... Holocaust .... besondere Verantwortung .... nie wieder ....

    Das einzig Überraschende an Ihren Zeilen ist lediglich, daß Sie auf das Attribut antisemitisch oder latent antisemitisch verzichtet haben.

    Ich frage dann doch lieber Tenenbom selbst, wie er es gemeint haben könnte. Oder will.

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    • hardob
    • 13. August 2009 23:35 Uhr

    Ich netnahm Ihren kritsichen Worten lediglich, dass sich Herr Tenenbom in Ihren Augen das "Bayreuth" nicht so herüber bringen konnte, dass er Ihnen etwas Neues hätte mitteilen können.
    Und unheilschwanger bedeutsam wollte ich schon gar nicht sein. Ich könnte ja mal Herrn Dorst fragen, was er dazu meint, von Herrn Tenenbom bisher so sträflich missachtet worden zu sein.
    Also einfach einen Gang runter, dann wird es schon wieder.

    • hardob
    • 13. August 2009 23:35 Uhr

    Ich netnahm Ihren kritsichen Worten lediglich, dass sich Herr Tenenbom in Ihren Augen das "Bayreuth" nicht so herüber bringen konnte, dass er Ihnen etwas Neues hätte mitteilen können.
    Und unheilschwanger bedeutsam wollte ich schon gar nicht sein. Ich könnte ja mal Herrn Dorst fragen, was er dazu meint, von Herrn Tenenbom bisher so sträflich missachtet worden zu sein.
    Also einfach einen Gang runter, dann wird es schon wieder.

    Antwort auf "Oh Mann."
    • HBogon
    • 14. August 2009 0:08 Uhr

    Wagner, ein Wirrkopf, wie richtig charakterisiert, hat halt Musik für andere Wirrköpfe geschrieben. Nicht von ungefähr pilgern die selbsternannten Eliten jährlich nach Bayreuth, um sich wohlig miteinander in ihrer Dekadenz zu suhlen.

    Und manchmal gibt es zusätzlich noch tiefe Einblicke ins Dekoltee, die den überhöhten Preis offenbar rechtfertigen. Man darf sogar sicher sein, dass die Hofberichterstattung allseits dabei ist, um dem Mammon und der Macht zu huldigen.

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    Naja, also ich persönlich mag Wagners Musik und ich gehöre auch zu den Menschen denen völlig egal ist wie der Komponist tikcte solange die Musik gut ist.
    Zu Wagners Zeiten war Antisemitismus weit verbreitet, daher muss man mit der Verurteilung der Vertreter von selbigem etwas vorsichtig sein.

  4. Respekt, Herr Tenenbom! Sich den Ring an fünf aufeinander folgenden Abenden reinzuziehen (einen freien Tag habe ich gezählt) , zeugt schon von einer robusten Konstitution und klingt nach Extreme Culturing als neuer Trend-Sportart. Mir reicht Wagner live maximal zweimal in der Saison, und ich höre seine Musik wirklich gern.

    Allerdings würde mich doch interessieren, ob bei Tankred Dorst auf der Bühne noch weniger los ist als bei Robert Wilsons Parsifal. Sollte ich mich, um das herauszufinden, tatsächlich auf die Warteliste für Karten in Bayreuth setzen lassen? Wohl eher doch nicht, es sei denn, ich käme auch in den Genuss des Consumer Benefits, den der Präsident der Mailänder Wagner-Gesellschaft ausgemacht hat, selbstverständlich rein visuell versteht sich.

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        Zwei 15-Jährige widerlegen Sarrazins Thesen: Kamyar und Dzeko geben Kindern mit Migrationshintergrund eine Stimme. Ihr Rap-Video feiert Premiere auf ZEIT ONLINE.

        • Anna Prohaska, 1983 in Neu-Ulm geboren, ist die Tochter eines österreichischen Opernsängers und einer irischen Sängerin.

          Zwischen den Fronten

          Die begnadete klassische Sängerin Anna Prohaska hat ein Faible für schräge Konzeptalben und doppelgesichtige Gestalten. Auf ihrem neuen Album besingt sie den Krieg.

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