Film Mein Job im IrakSeite 2/2
In den Dialogen geht es um schöne Kopfschüsse und Sex
Battle for Haditha ist der einzige Irakkriegsfilm, der sich ernsthaft um zwei Perspektiven bemüht und beiden ihre Wertigkeit gibt: Hier ein irakischer Familienclan, terrorisiert von den Amerikanern und den islamistischen Bombenlegern. Dort die Soldaten, die sich mit martialischen Sprüchen für den nächsten Einsatz aufpeitschen – im Nacken die Meldungen über die letzten Gefallenen, vor sich ein fremdes Land, das man durch Kameras und Zielfernrohre wahrnimmt.
In den letzten Jahren waren die US-Fernsehserien dem Kino an Innovationskraft und gesellschaftlicher Relevanz um Längen voraus, und so war fast zu erwarten, dass der mit Abstand beste Film zum Irakkrieg eine TV-Serie des Senders HBO sein würde. Diese Miniserie namens Generation Kill, geschrieben von David Simon, dem Autor der Kultserie The Wire , folgt einer Elite-Einheit der Marines in ihren Humvees durch die ersten Wochen der Irakinvasion. Hier ist der Krieg ein einziges strategisches Desaster, ein Kampf gegen ungenügende Ausrüstung, eingerostete Waffen und unfähige Befehlshaber. Die erste Granate, die die Soldaten erwischt, kommt von der eigenen Artillerie. In dem ersten Dorf, das in die Luft gesprengt wird, lebten, wie sich herausstellt, nur unbewaffnete Frauen und Kinder. Die Marines unterhalten sich über schöne Kopfschüsse und darüber, wie man die Vibrationen vorbeifahrender Panzer zum Onanieren nutzen kann. Ansonsten besteht die Serie im Wesentlichen aus endlosen Nachtfahrten und Slang-Dialogen über Sex, Schwanzgrößen und den richtigen Moment zum Scheißen. Akribisch bis ins Detail bildet Generation Kill auch die dumpfe Langeweile und Monotonie des Krieges ab und hat den Mut, den Soldaten bis auf die durchlöcherten Socken nahezukommen, ohne sie für ihre Taten zu entschuldigen.
Damit ähnelt die Serie (die wie auch The Hurt Locker auf Berichten eines eingebetteten Journalisten beruht) den Filmen von Bigelow, de Palma und Broomfield. In all diesen Filmen sind die Soldaten geostrategische Todesarbeiter ohne Überbau und Ideale. Alle Filme sind Beschreibungen aus dem Inneren einer Armee. Alle zeigen den Krieg nicht mehr als das Gegenteil von Zivilisation, sondern als deren Fortführung mit anderen Mitteln. »Wollt ihr wissen, warum wir im Irak sind?«, fragt einer der Marines in Generation Kill. »Damit auch hier lauter Starbucks-Cafés gebaut werden, mit Norah-Jones-Scheißmusik, einer Clique Highschool-Girls, die von Iced Latte superfett werden, einem Obdachlosen, der versucht, den Kloschlüssel zu klauen, und einer Schwuchtel, die ihren Roman auf einem Laptop schreibt.« Und in The Hurt Locker wird der Soldat auf Heimaturlaub überfordert vor endlosen Supermarktregalen mit Frühstückspackungen stehen, dann teilnahmslos zu seinem Häuschen mit Frau und Kind gehen – und am Ende erleichtert in die Adrenalinwirklichkeit des Krieges zurückkehren.
Vielleicht sind die Filme über den Irakkrieg letztlich gar keine Kriegsfilme, sondern Filme über die amerikanischen Gesellschaft. Über ein Land, das sich mit einer Mischung aus Entfremdung und Entgeisterung im Spiegel dieses Krieges selbst erblickt.
- Datum 12.08.2009 - 19:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 13.08.2009 Nr. 34
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Film und Militär gehörten in Hollywood seit jeher zusammen. Spätestens seit in den 60er Jahren der Sieg Amerikas (!) über das faschistische Europa filmisch in Szene gesetzt wurde, Filme, die ja noch heute jedes Jahr Anfang Juni laufen.
Und es ist bemerkenswert, dass es auch heute kaum ein amerikanischer Schauspieler von internationalem Rang (selbst Frauen) ablehnt, eine amerikanische Offiziersuniform anzuziehen, um amerikanische Geschichte mitzuschreiben, denn ...
... was wir heute über die amerikanischen Kriege wissen, das wissen wir aus den unzähligen und durch Wiederholungen quantitativ multiplizierten Filmen, auch hier in Europa, wo vor allem unter starker amerikanischer Beteiligung agierende Sender wie Pro7 und Kabel 1 nicht müde werden, Film auf Film, Serie auf Serie zu senden und uns das Bild einer inzwischen rundum völlig hysterischen Gewaltgesellschaft unterhaltsam vor Augen zu halten. Man soll sich dran gewöhnen. Und man soll wissen, wer die Guten sind.
Clint Eastwood und Robert de Niro hatten nie eine Uniform an, oder?
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