Organisiertes Verbrechen Die Mafiosi von nebenan

Vor zwei Jahren richtete die italienische Mafia in Duisburg ein Blutbad an – eine Art Betriebsunfall. Gewöhnlich agieren die Clans unauffällig, ihre Geschäfte betreiben sie in ganz Deutschland. Und die Polizei ist machtlos

Kaarst schläft noch. Die Stadt im Rheinland pflegt so nachdrücklich ihre Sonntagmorgenruhe, dass jede Handlung, die über den Erwerb einer Sonntagszeitung hinausgeht, als frevelhaft gilt. Die Märchengärten mit den messerscharfen Rasenkanten und den Ziehbrunnen-Attrappen, die Klinkerhäuser mit den spitzwinkligen Dächern, das Geschäft für aerodynamische Fahrradhelme in bunten Farben, die Gaststätte Bollerwagen – alles ruht. Nichts bewegt sich. Kein Auto, kein Bus, keine Papiertüte. Nichts, außer einer schlaffen Deutschlandfahne, die in einem Vorgarten hängt und sich leicht aufbläht, als der Wind in sie fährt.

Die ehemalige Pizzeria des mutmaßlichen Mafia-Killers Giovanni Strangio heißt heute O sole mio und liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen der schlaffen Deutschlandfahne, der Gaststätte Bollerwagen und dem Kosmetikstudio Ladiseba, eine Abkürzung, hinter der sich die Aufforderung »Lass die Seele baumeln« verbirgt.

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Unter dem blassblauen Himmel klingt auch das »O sole mio« wie eine Beschwörungsformel, steckt dahinter doch weniger italienische Lebensfreude als ein karger Saal mit blanken Tischen und kahlen Fenstern. Hinter der Pizzatheke stapeln sich Kartons. Quattro Stagioni zum Mitnehmen.

Bis vor zwei Jahren war hier Giovanni Strangio der Chef, ein gut aussehender junger Mann, 28 Jahre, mutmaßliches Mitglied eines der mächtigsten Mafia-Clans Italiens. Und einer der mutmaßlichen Schützen des größten Blutbads der Mafia in Deutschland: sechs tote Italiener aus Kalabrien, zwischen 16 und 38 Jahre alt, mit mehreren Kopfschüssen hingerichtet in der Duisburger Innenstadt. Sie wurden am 15. August 2007 um zwei Uhr morgens vor dem Restaurant Da Bruno in ihren Autos überrascht, fünf von ihnen waren sofort tot, der Sechste starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Zwei Jahre ist es nun her, dass dieses Blutbad das Land erschütterte. Und daran erinnerte, dass die Mafia nicht nur ein italienisches Problem ist. Die Mafia ist längst in Deutschland angekommen. Hinter der Duisburger Mordnacht verbirgt sich ein Jahrzehnte währender Krieg um die Vorherrschaft zweier Clans aus dem kalabrischen San Luca, der Pelle-Romeo und der Nirta-Strangio, ein Krieg, der seinen vorläufigen Höhepunkt in jener Hinrichtung im August fand.

Giovanni Strangio war ein Cousin der Frau des kalabrischen Mafia-Bosses Giovanni Nirta. Die 33-Jährige wurde 2006 an Weihnachten in San Luca erschossen. Ihr mutmaßlicher Mörder kam im Duisburger Kugelhagel um. Vermutlich ein Racheakt.

Mehr als ein Jahr lang war Giovanni Strangio einer der meistgesuchten Verbrecher Europas, bis ihn im März dieses Jahres ein Einsatzkommando aus italienischer, deutscher und niederländischer Polizei in einem Vorort von Amsterdam festnahm, zusammen mit seinem Schwager Francesco Romeo, der eine Zeit lang im Duisburger Restaurant La Gioconda gearbeitet hatte. In der Wohnung wurden Waffen und 575.000 Euro Bargeld gefunden. Im Mai dieses Jahres wurde Strangio nach Italien ausgeliefert, Anfang nächsten Jahres soll ihm und 40 weiteren Clanmitgliedern wegen Mafia-Zugehörigkeit der Prozess gemacht werden.

Die deutsche und die italienische Polizei feierte seine Festnahme mit Pressekonferenzen in Duisburg und in Reggio Calabria. Der Antimafia-Ermittler Pietro Grasso beglückwünschte die Fahnder zu ihrem Erfolg, der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf pries die internationale Zusammenarbeit. Die Mafia in Deutschland: eine Erfolgsgeschichte. Vor allem für die Mafia.

Denn bis auf die Toten von Duisburg ist die Mafia in Deutschland unsichtbar geblieben. Anders als in San Luca, wo die Mafiosi mit Maschinenpistolen auf Straßenschilder und Müllcontainer zu schießen pflegen, um ihre Verachtung für den italienischen Staat zu demonstrieren, sind Giovanni Strangio und Francesco Romeo in Kaarst vermutlich sogar mit Helm Fahrrad gefahren.

Kaum waren die Leichen von Duisburg beerdigt, wussten die italienischen Geheimdienste bereits zu berichten, dass die beiden verfeindeten Clans der Pelle-Romeo und Nirta-Strangio zu einem Waffenstillstand aufgerufen hatten.

Danach widmeten sich die Familien in großer Eintracht der Öffentlichkeitsarbeit: Um die Geschäfte wieder laufen zu lassen, war es dringend notwendig, das beschädigte Image aufzupolieren. Schon während der Flucht gab Giovanni Strangio Interviews, in denen er sich als von der Justiz zu Unrecht verfolgter Italiener darstellte, dessen einzige Schuld darin bestanden habe, in San Luca geboren worden zu sein: Ein Mitarbeiter des Berliner Kuriers rühmte sich, per E-Mail ein Interview mit Giovanni Strangio geführt zu haben. Er sollte in Deutschland nicht der einzige unfreiwillige Propagandagehilfe der Mafia bleiben: Die Rheinische Post lancierte Presseberichte von unschuldig verfolgten Pizzabäckern, und manchem deutschen Journalisten wurden herzzerreißende Emigrantengeschichten in den Block diktiert. Von Sippenhaft war die Rede. Und von Rassismus.

Nicht aber von den 229 Clans und 900 Personen, die der Lagebericht des Bundeskriminalamts über die ’Ndrangheta in Deutschland aufführt: jene kalabrische Mafia-Organisation, die mit schätzungsweise 44 Milliarden Euro Jahresumsatz nicht nur die reichste Mafia-Organisation Italiens ist, sondern auch die beweglichste.

In Deutschland ist sie seit den sechziger Jahren zu Hause – in jenen Orten, in denen einst die süditalienischen Gastarbeiter Jobs fanden, an den Fließbändern, in den Stahlwerken, den Bergwerksstollen. Die klassischen Stützpunkte der Mafia sind Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Städte wie Duisburg, Bochum, Oberhausen, Stuttgart und München – und seit Mitte der neunziger Jahre auch Erfurt, Leipzig, Eisenach. Allein von den Clans aus San Luca haben laut BKA-Bericht 200 Mitglieder ihren Wohnsitz in Deutschland gemeldet.

Zusammen mit den Ermittlern der italienischen Staatsanwaltschaft, der Polizei, der Sonderermittlungskommandos der Carabinieri, der italienischen Finanzpolizei und der deutschen Landeskriminalämter hat das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr eine interne Analyse erstellt, die der ZEIT vorliegt: über die ’Ndrangheta in Deutschland und über die Clans von San Luca – die Pelle-Romeo und die Nirta-Strangio. Familien, die nicht zufällig verantwortlich sind für das Blutbad von Duisburg, gelten sie doch als die mächtigsten Mafia-Clans in Deutschland.

Auf den 396 Seiten der vertraulichen Polizeistudie (»VS – nur für den Dienstgebrauch«) geht es um Waffenhandel, Mord und Geldwäsche, um Drogenhandel, Giftmüllentsorgung und Schutzgelderpressung, um Stammbäume von Mafia-Familien, Clanchefs und ihren Handlangern, um Bandenmitglieder und ihre deutschen Vertrauten: Anwälte, Steuerberater, Bankberater – bis zu den deutschen Ehefrauen der Bosse.

Der BKA-Bericht ist aber auch eine Art Guide Michelin des Verbrechens: Hunderte von der ’Ndrangheta betriebene Restaurants werden aufgelistet, allein 61 gehören dem Clan der Pelle-Romeo, nur 9 dem Clan der Nirta-Strangio. Da konnte eine gewisse Missgunst nicht ausbleiben.

Der Blumenhändler in der Duisburger Innenstadt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, weiß nur Gutes über den ermordeten Wirt des Da Bruno zu berichten, über den beim BKA aktenkundigen Sebastiano Strangio. Er sei ein liebenswürdiger Nachbar gewesen. Ein Wirt, der sich gewissenhaft um sein Lokal gekümmert und stets freundlich gegrüßt habe, wenn er morgens um elf die Wohnung verließ.

Dass Sebastiano Strangio (der nicht mit seinem mutmaßlichen Mörder Giovanni Strangio verwandt war) zur Mafia gehörte, vermutete der Blumenhändler allerdings schon seit jener Zeit, als sich das Da Bruno noch in der Tonhallenstraße befand, dort, wo inzwischen eine juristische Fachbuchhandlung eingezogen ist. In der Weihnachtszeit, wenn der Blumenhändler noch bis spät in die Nacht Adventskränze binden musste, beobachtete er, wie das Da Bruno gelegentlich von Polizisten umstellt wurde. Einmal seien 60 Polizisten angerückt und hätten alle Gäste aufgefordert, das Restaurant zu verlassen: Hausdurchsuchung. Diese Unannehmlichkeiten hätten die Besucher des Da Bruno allerdings nicht davon abgeschreckt, wiederzukehren, oft habe sogar eine Schlange von Gästen auf einen freien Tisch gewartet.

Nachdem das Da Bruno in das Klöcknerhaus hinter dem Bahnhof umgezogen war, habe Sebastiano Strangio, der freundliche Mafioso, den Blumenhändler wiederholt in sein neues Lokal eingeladen. Einmal habe er dieses Angebot angenommen. Aber es sei ihm irgendwie unangenehm gewesen, sagt der Blumenhändler. Vor allem, weil er keinen Cent bezahlen durfte.

In dem BKA-Bericht tauchen allein 17 Sebastiano Strangios auf, 10 Antonio Romeos, 13 Domenico Giorgis. Sie wurden oft nicht nur in demselben Dorf, sondern auch in demselben Jahr geboren, weshalb die Fahnder zu Namen, Geburtsorten und Geburtsdaten auch noch die Namen und Geburtsdaten der Mütter abgleichen mussten. Und um die Verwirrung weiter zu steigern, tragen manche Clanmitglieder auch noch die Namen des gegnerischen Clans. In der Vergangenheit wechselte ein Familienzweig auf die andere Seite. Mafiosi, die alle miteinander verwandt, verschwippt und verschwägert sind: Nicht nur für Laien stellt sich die ’Ndrangheta so undurchdringlich dar wie die chinesischen Triaden.

Auf dem Flur zu seinem Büro in Reggio Calabria liegen Stapel von Ermittlungsakten auf dem Boden, Untersuchungshaftbefehle kiloweise. Der kalabrische Staatsanwalt Nicola Gratteri hat vor Kurzem ein neues Zimmer mit schöner Aussicht auf die Meerenge von Messina bezogen, weil er zum Leitenden Oberstaatsanwalt der Behörde von Reggio Calabria befördert wurde. Die Beförderung sei keineswegs einstimmig erfolgt, betont Gratteri. Was ihn freue. Denn Einstimmigkeit sei stets gekauft.

Am Nachmittag leuchtet das Meer vor dem Fenster der Staatsanwaltschaft wie ein Opal, aber Gratteri hat nur Blicke für seine Aktenbündel. Vermutlich denkt er gerade darüber nach, wie viele Festnahmen ihm während dieses Gesprächs entgehen. Gratteri ermittelt nicht nur gegen die Täter der Duisburger Mordnacht, sondern auch gegen die mächtigsten Clans von San Luca, gegen die Pelle-Romeo und die Nirta-Strangio. Mehr als 40 Mafiosi aus San Luca hat er verhaftet. Im Juni 2009 gelang es ihm sogar, den Clanchef Antonio Pelle festzunehmen, bei dem erst im letzten Jahr 150 Millionen Euro beschlagnahmt wurden – vermutlich ein bescheidener Teil seines aus Immobilien, Autos und Grundstücken bestehenden Vermögens. Gratteri sagt: »Das bedeutet nichts.«

Mafiosi wachsen nach wie Tumorzellen. San Luca hat 4000 Einwohner und 39 Mafia-Clans. Auch die Festnahme von Giovanni Strangio ändere nichts. Aber sie sei ein aussagekräftiger Hinweis auf die Macht der Mafia in Deutschland.

In Deutschland ist die Mafia-Zugehörigkeit kein strafbares Delikt und die Geldwäsche ungleich einfacher als in Italien: Solange dies so sei, sagt Gratteri, könne die Mafia in Deutschland nicht wirkungsvoll bekämpft werden.

In Italien können die Güter einer Person, die nur im Verdacht steht, zur Mafia zu gehören, konfisziert werden. In Deutschland muss die Polizei nachweisen, dass das investierte Geld aus schmutzigen Quellen stammt. In Deutschland dürfe weder in öffentlichen Lokalen noch zu Hause abgehört werden, sagt Gratteri. Auch sage der Paragraf 129 des deutschen Strafgesetzbuches, der die Bildung einer kriminellen Vereinigung unter Strafe stellt, nichts über die Mafia-Zugehörigkeit, weil einer kriminellen Vereinigung ja die Vorbereitung eines konkreten Verbrechens nachgewiesen werden müsse. Wohingegen in Italien bereits die Clanzugehörigkeit unter Strafe steht.

»Man muss sich keine Sorgen machen, wenn man durch Duisburg, Frankfurt, Kopenhagen geht: Die Mafiosi schießen dort nicht, sie ermorden niemanden, sie erpressen kein Schutzgeld, sie verbrennen keine Autos«, sagt Gratteri. Zur Geldwäsche braucht man nur Ruhe und Unauffälligkeit.

Die Arbeit der Ermittler in den Niederlanden und in Deutschland müsse eigentlich jetzt erst beginnen: Denn da, wo ein flüchtiger Mafioso gefunden wird, gebe es auch immer eine operative Basis, eine Zelle, die kleinste Einheit in der ’Ndrangheta-Struktur. Giovanni Strangio habe sich seit einem Jahr in Amsterdam aufgehalten. Er habe Kontakte geknüpft und mit Drogen gehandelt. Und was geschehe? Nichts.

Gratteri könnte manchmal verzweifeln. Seit der Abschaffung der Grenzkontrollen aufgrund des Schengener Abkommens im Jahr 2001 hat sich die Mafia in Nord- und Mitteleuropa stark ausgedehnt. In Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, in Spanien und Portugal, in Ländern, in denen die Öffentlichkeit meist glaubt, dass die Mafia nicht existiert – nur weil es keine Toten gibt, bis auf jene in Duisburg.

Gratteri sagt: »Die Mafiosi bewegen sich wie unter einer Glasglocke. Ohne Verbrechen existiert die Mafia nicht. Und wenn die Mafia nicht existiert, dann gibt es auch keine Geldwäsche. Und keine Ermittlungen. Und wo keine Ermittlungen sind, gibt es auch kein Verbrechen, so beißt sich der Hund in den Schwanz.« Gratteri seufzt. Wie oft hat er das schon beklagt. Ob er es noch erlebt, dass »Mafia-Zugehörigkeit« europaweit als Straftatbestand anerkannt wird?

Ob die Deutschen sich im Klaren seien, dass die ’Ndrangheta auch in Deutschland die Verwaltung unterwandere, die lokalen Behörden infiltriere, um den Markt zu beherrschen? Dass schon jetzt viele glaubten, die Mafia sei eine Art romantische Idee, so etwas wie Robin Hood?

Und tatsächlich, manchmal liest sich der BKA-Bericht über das Innenleben der Mafia wie die Inhaltsangabe eines Splatterfilms, in dem das Zerstückeln menschlicher Körper die Handlung ersetzt. Da ist Giuseppina Cariati, die Frau eines inhaftierten Chefs des Farao-Clans, umgebracht von ihrem Schwager und einem Komplizen, weil sie ihren Mann mit einem verfeindeten Mafioso betrogen hatte. Ihr Mörder schoss ihr zuerst in den Mund, weil sie zu viel erzählt hatte, dann stieß er ihr mit einem Messer in ihr Geschlechtsteil, weil sie untreu geworden war – und schließlich wurde sie so vergraben, dass noch ein Bein aus der Erde herausragte.

Auftraggeber des Mordes war der Farao-Clan, jene Familie, die seit Anfang der achtziger Jahre in Kassel, Stuttgart, München, Frankfurt am Main und Dortmund aktiv ist. Der Mord wurde in Italien begangen. In Deutschland hätte er zu viel Aufsehen erregt.

Münster-Hiltrup, das ist eine Welt, die im Wesentlichen aus rotem Klinker, imposanten Kastanienbäumen und der Überzeugung besteht, dass hier nichts Schlimmeres passieren kann, als von einem rechthaberischen Radfahrer überrollt zu werden.

Einige Polizisten haben sich auf den Weg in das einzige Restaurant gemacht, das man von der Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup zu Fuß erreichen kann. Das Piccolo Mondo. Auf dem Menü stehen eingelegte Sardellen, gebratene Auberginen, Pasta mit grünem Spargel und sizilianischer Weißwein.

An der Hochschule hat die Tagung über Organisierte Kriminalität begonnen, das Piccolo Mondo ist voll mit Männern, die so auffällig ausdruckslos von ihrer Pasta hochblicken, wie es nur Polizisten hinkriegen, denen man nicht ansehen soll, wie viel sie wissen. Etwa, dass in der Universitätsstadt Münster der aus der Provinz Crotone stammende Clan der Grande-Aracri herrscht, der sich den klassischen Betätigungsfeldern wie Rauschgifthandel, Erpressung und Geldwäsche widmet.

Während der Ermittlungen gegen den Clan wurden im Jahr 2005 im Rostocker Hafen 126 Kilo Kokain gefunden, versteckt in drei Seesäcken in unter dem Wasser liegenden Ruderkästen eines venezolanischen Kohlefrachters, sowie 600 Gramm Kokain am Frankfurter Flughafen.

Anders als bei den Ermittlungen gegenüber den Grande-Aracri in Deutschland, die stets erfolglos endeten, konnten bei dieser internationalen Aktion über hundert Mafiosi festgenommen werden, darunter auch ein Clanangehöriger, der in Münster Geschäftsführer eines Großhandelsunternehmen war.

An den Tischen im Restaurant Piccolo Mondo konzentrieren sich die Kriminaldirektoren, Dezernatsleiter und Einsatzleiter weiter auf ihre Pasta – auch weil sie einander, bei allem Respekt, herzlich misstrauen. Egal ob sie aus Bayern, Berlin, Thüringen oder Nordrhein-Westfalen kommen: Die einen setzen auf Prävention und die anderen auf Repression. Wer eingesperrt sei, begehe kein Verbrechen, sagt einer der Beamten. Und ansonsten gelte: »Wir haben hier keine toten Richter und keine toten Staatsanwälte. Sonst sähe die Gesetzgebung anders aus.«

Die Mafia werde in Deutschland nicht als Bedrohung empfunden, weil ihre Verbrechen so sauber seien: Im Empfinden der Bürger sei ein Wohnungseinbruch schlimmer als eine dubiose Investition von 10 Millionen Euro, meint ein Ermittler, der, wie die anderen Fahnder auch, seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will. Nicht wegen der Mafia. Sondern wegen des Innenministeriums.

In München stammt die letzte Ermittlung wegen einer Schutzgelderpressung aus dem Jahr 1993 – was nichts anderes bedeute, als dass München verkauft sei, filetiert und aufgeteilt, wie ein Münchner Fahnder sagt. Mafiosi, das seien in München Italiener, die in der Nobelgesellschaft verkehrten und sich nicht weiter mit Schutzgelderpressungen aufhalten müssten. Anders als die russischen Dumpfbacken, die ihre Rivalitäten noch offen austrügen.

Ob die Politik das Problem erkennt? Politiker seien Wellenreiter, sagt der Kriminalbeamte. Und die jetzige Welle heiße islamistische Terrorgefahr. Wenn Beamte, die eigentlich dafür zuständig wären, Mafia-Strukturen zu ermitteln, abgezogen würden, dann merke das in Deutschland niemand. Niemand außer den Mafiosi.

Auf manchen Seiten liest sich der BKA-Bericht wie ein Kompendium unternehmerischer Wundergeschichten: etwa die jenes Handelsvertreters für Textilien, der 1981 nach München zog und heute einen steuerpflichtigen Jahresumsatz von 665 Millionen Euro erzielt, bedeutende Immobilien in München und in Ostdeutschland besitzt – und der verdächtigt wird, für die Sacra Corona Unita Geld zu waschen, die Mafia-Organisation aus Apulien. Mit einer gewissen Resignation stellt das BKA fest: »Hier ist nicht nachvollziehbar, wie dieser Italiener innerhalb von 15 Jahren vom einfachen Stoffhändler zum Multimillionär aufsteigen konnte. Die Summen, die er in Leipzig investiert hat, sind enorm hoch und selbst mit einem gut gehenden Unternehmen nicht zu erklären. Weiterhin verfügt er über beste Kontakte zur Wirtschaft und Politik, so dass eine weitergehende Abklärung in Deutschland sehr schwierig sein wird.« Oder die Episode über jenen international gesuchten Camorra-Boss, der sich erst bei einem Kellner in Leipzig versteckt und mit ihm sogar die Dokumente getauscht haben soll, weil beide sich so frappierend ähnlich sehen – und der dann zehn Millionen Dollar in ein Bergbauunternehmen in der Mongolei investierte.

Es gibt auch jede Menge kleiner, scheinbar farbloser Mafiosi. Etwa jenen ’Ndranghetista, der erst als Stahlarbeiter in Herne arbeitete, dann zum Pizzabäcker wurde, um sich besser um die Geschäfte zu kümmern, und der den deutschen Behörden bei einer Verkehrskontrolle auffiel: Sein Auto war nicht haftpflichtversichert. Nicht wegen Mafia-Zugehörigkeit erging gegen ihn ein Strafbefehl, sondern wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Zwanzig Tagessätze à zwanzig Mark.

Podiumsdiskussion an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Thema: »Die Mafia gemeinsam bekämpfen«. Eingeladen haben Antimafia-Initiativen, darunter Viva, die erste Antimafia-Initiative auf deutschem Boden, die in Berlin kurz nach dem Massaker von Duisburg ins Leben gerufen wurde – von Bernd Finger, dem Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität des Landeskriminalamts Berlin. Und von Laura Garavini, einer in Berlin lebenden Linksdemokratin, die im italienischen Parlament die Auslandsitaliener vertritt und Mitglied der italienischen Antimafia-Kommission ist.

Zusammen mit anderen Referenten sitzen beide hier im bleichen Licht des Seminarraums, wie Lehrer vor einer Schulklasse. Der Fahnder Bernd Finger spricht darüber, wie 53 italienische Gastronomen in Berlin kurz nach den Attentaten von Duisburg um Schutzgeld erpresst wurden – und wie die Erpresser festgenommen und verurteilt werden konnten, weil über die Hälfte der erpressten Gastronomen sich bei der Polizei gemeldet hatten. Dies geschah aufgrund einer kurz nach der Mordnacht von Duisburg getroffenen Sicherheitsvereinbarung zwischen der Berliner Polizei und italienischen Gastronomen.

Laura Garavini verlangt, europaweit die Antimafia-Gesetzgebung zu vereinheitlichen, sie nennt Zahlen des in Italien beschlagnahmten Mafia-Vermögens: allein in Palermo eine Milliarde Euro, in der Zeit von 2005 bis 2007. Sie warnt vor der Infiltration der legalen Wirtschaft.

Der Mann neben ihr, der SPD-Abgeordnete Klaus-Uwe Benneter, schaut auf die Uhr. Es gebe ja unterschiedliche Ansichten über das Ausmaß der Organisierten Kriminalität, sagt er schließlich und lächelt so milde, als hätte er gerade zwei sympathischen Verschwörungstheoretikern zugehört.

Benneter ist Mitglied im Rechts- und Innenausschuss des Bundestages. So wie er denken viele Fachleute in den Ministerien. Natürlich, sagt er, sei auch klar, dass seit 2001 die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus Priorität habe. Und ansonsten: Angeblich werde in Deutschland der Versuch gemacht, Geld zu waschen. Angeblich.

Dann verabschiedet er sich. Er hat noch eine wichtige Verabredung.

Die nationale Antimafia-Behörde in Rom befindet sich in einem Palazzo, der aussieht wie eine barocke Festung. Vincenzo Macrì ist hier Leitender Oberstaatsanwalt, sein Büro wird von einem Ficus Benjamini im ewigen Herbst geschmückt und einem Fernseher, auf dem den ganzen Tag der Teletext läuft.

Macrì ist wohl der profundeste Kenner der ’Ndrangheta. Mit leiser Stimme spricht er darüber, dass die ’Ndrangheta ihre Investitionen in Deutschland im großen Stil mit den Lösegeldern der siebziger und achtziger Jahre anschob – mit Geldern aus der Entführung des Getty-Enkels und norditalienischer Industrieller. Nach Investitionen in die Gastronomie, in Hotels und Immobilien sei die Mafia in letzter Zeit verstärkt in die Bauindustrie in Deutschland eingedrungen. Die Kontrolle und Manipulation von öffentlichen Bauaufträgen sei ihre Spezialität, Bestechung ihre leichteste Übung.

Nein, die internationale Zusammenarbeit könne er nicht beklagen, die deutschen Polizisten könnten auch nicht mehr erreichen, als ihnen die Gesetze erlaubten. Die Gefahr für Deutschland bestehe vor allem darin, dass die Öffentlichkeit nicht in der Lage sei, die Signale zu lesen, die von der Mafia ausgingen: Man vertraue darauf, dass es sich dabei um scheinbar normale Personen handele, die nichts anderes machten, als ein Restaurant zu betreiben, ein Hotel, ein Unternehmen.

Es handele sich um ein Phänomen, das er in fast gleicher Form in der Lombardei beobachte. Da gebe es norditalienische Unternehmer, die behaupteten, den Namen ’Ndrangheta nur aus dem Lexikon zu kennen. Und wenn die Antimafia-Staatsanwälte in Mailand vor mafiöser Infiltration warnten, dann beschwere sich die Bürgermeisterin, weil sie das für eine Verunglimpfung der Stadt halte.

Macrì blickt wieder auf den Teletext: Das italienische Parlament hat beschlossen, das Abhörgesetz abzuschaffen. In Zukunft darf nur noch derjenige abgehört werden, dessen Schuld bereits bewiesen wurde.

Seitdem es kaum noch Mafia-Abtrünnige gibt, ist das Abhören das wichtigste Werkzeug bei Mafia-Ermittlungen. Giovanni Strangio würde immer noch in Amsterdam spazieren gehen, wenn nicht seine Frau und seine Schwester kontinuierlich abgehört worden wären. Flackernd läuft ein Satz des italienischen Justizministers über den Bildschirm: Mit der Abschaffung des Abhörgesetzes werde die europäische Menschenrechtskonvention endlich auch in Italien respektiert. Und Macrì sagt: Tja.

Wenn es in Erfurt nicht diese Straßennamen gäbe, Juri-Gagarin-Ring und Clara-Zetkin-Straße, man könnte meinen, die Stadt sei gerade erst ausgepackt worden, als habe sie vakuumverschweißt das letzte Jahrhundert überstanden. Häuser, Straßenzüge, Plätze, Fassaden und Portale – alles strahlt hier frisch und gleichzeitig so historisch, als habe man soeben erst die Folie von der Stadt gezogen.

In der Innenstadt gibt es kaum eine Straße ohne ein italienisches Restaurant, eine Eisdiele, eine Stehpizzeria: Die Gäste sitzen auf großen, sonnenbeschienenen Terrassen – da, wo Erfurt am schönsten ist, warten Kellner mit langen weißen Schürzen auf Kundschaft. Die Orecchiette alla Norma kosten acht Euro, zum Nachtisch gibt es den Eisbecher Gondola Veneziana, und wer auf dem Teller etwas übrig lässt, wird von den Kellnern gefragt, ob sie den Rest einpacken sollen.

Allein 65 junge Männer aus San Luca sind laut BKA-Bericht in den vergangenen beiden Jahren nach Deutschland gekommen, um in Restaurants zu arbeiten, junge Männer ohne Vorstrafen, aber mit engsten Familienbanden: Söhne, Neffen oder jüngere Brüder von Mafia-Bossen, die schon wegen Erpressungen, Entführungen, Rauschgift- oder Waffenhandel verurteilt wurden. Junge Männer, die dort einzogen, wo die Restaurants ihrer Clanangehörigen stehen – und die von einem Stützpunkt zum anderen wechseln, von Duisburg nach Weimar, von Weimar nach München, von München nach Erfurt.

Erfurt wird seit Mitte der neunziger Jahre zu einem Knotenpunkt der ’Ndrangheta ausgebaut, nachdem der Clan der Pelle-Romeo aus Duisburg zwei seiner Statthalter geschickt hat, die verschiedene Immobilien und Restaurants kauften. Den Investitionen der Mafia in Erfurt, so heißt es im BKA-Bericht, liegt ein komplexes System zugrunde: »Vertrauenspersonen werden mit der Durchführung der Kaufverhandlungen beauftragt. Zur Übernahme von Objekten werden teilweise Gesellschaften gegründet und Beteiligungen festgelegt. Bei den Konzessionären handelt es sich in der Regel um reine ›Strohmänner‹, die in der Hierarchie der Organisation auf einer der unteren Ebenen stehen und fast ausschließlich verwandt mit den Hauptorganisatoren sind. Diese halten sich bewusst im Hintergrund. Die Herkunft der Investitionsgelder ist unklar und steht im deutlichen Widerspruch zur finanziellen Potenz der Personen, die öffentlich als Inhaber der Gastronomiebetriebe auftreten.«

Innerhalb des Clans Romeo und Pelle ist von einer mafiatypischen Abschottung und Aufteilung in sogenannte operative Arme auszugehen, stellt das BKA fest. Der operative Rauschgiftarm in Deutschland dürfte von einem Italiener geleitet werden, der Restaurants und Feinkosthandel in der Nähe der niederländischen Grenze betreibt. Die finanziellen Belange könnten von seinem Cousin, dem sogenannten Manager des Clans, der international zur Festnahme ausgeschrieben ist, koordiniert werden. Die Erfurter Statthalter des Clans wiederum investieren die Rauschgiftgelder. Das Blutbad von Duisburg, so das BKA, unterstreiche nur »die enge Verzahnung der in Italien ansässigen Clans der ’Ndrangheta aus San Luca« mit in Deutschland befindlichen Clanangehörigen.

Karsten Rudolph, der innenpolitische Sprecher der SPD im Düsseldorfer Landtag, kennt den BKA-Bericht nicht. Ihn ärgert das. Und als er im Landtag nachfragte, wie es sich mit der Mafia in Nordrhein-Westfalen verhalte, hieß es immer nur: »Es gibt keine neue Lage.« Deshalb hat er noch vor den Sommerferien eine Große Anfrage an die Landesregierung gerichtet. Wie viele der 61 Restaurants der kalabrischen Clans sind in Nordrhein-Westfalen? Oder: Wie viele der Mitglieder der Clans wurden von deutschen beziehungsweise nordrhein-westfälischen Behörden in den vergangenen zehn Jahren verhaftet?

»Wir können doch nicht umstandslos zu unserem romantischen Italienbild zurückkehren«, sagt Karsten Rudolph. Aber wie sollten Parlamentarier Gesetze beschließen, fragt er, wenn sie nicht wüssten, wie die Wirklichkeit aussieht?

Der Duisburger Kriminalkommissar Heinz Sprenger sitzt im Grünen und bewacht seine Goldfische. Im Garten steht ein von ihm getrimmter kugelförmiger Ahornbaum, der dem Park von Versailles alle Ehre machen würde. Daneben glitzert ein kleiner Teich, der manchmal einen Fischreiher anlockt.

Seit zwei Jahren arbeitet der Kommissar an der Aufklärung des Duisburger Blutbades. Wie viele Verdächtige hat er schon verhört, die immer das gleiche Band abspulten: Alle sind arme, vom Staat allein gelassene Waldarbeiter, die nach Deutschland kamen, um sich eine Existenz aufzubauen. Keiner hat je etwas von der ’Ndrangheta gehört, alle werden von Staat und Justiz verfolgt. Und wenn Geld gefunden wird, so wie die 575.000 Euro in der Wohnung des Giovanni Strangio, dann liegt das daran, dass sehr viele Pizzas verkauft worden seien. Oder man habe von Angehörigen Geld bekommen. Manchmal wird eine Schenkungsurkunde aus Italien nachgereicht.

Seit zwei Jahren fährt der Kommissar immer wieder nach Reggio Calabria, um sich mit den italienischen Kollegen auszutauschen. Bei jedem Treffen sei die Zusammenarbeit besser geworden, erzählt Sprenger, ja, man könne sogar von einem freundschaftlichen Verhältnis reden. Mehr sagt er nicht. Denn am Himmel ist ein Schatten zu sehen. »Jetzt muss ich aufpassen«, ruft Sprenger und springt auf. Aber dieses Mal zieht der Fischreiher weiter.

Petra Reski ist Journalistin und Schriftstellerin und lebt in Venedig. Sie ist Autorin des Buches »Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern« (Droemer 2008)

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Terror

    Während im Kampf gegen den Terror ein Bürgerrecht nach dem anderen aufgeweicht resp. ausgehebelt wird, scheinen die zuständigen Behörden den durch die Mafia ausgeübten Terror eher zu ignorieren und befördern damit seine rasante Ausbreitung.

    Wie man sich diesen Umstand zu erklären hat, würde mich mal interessieren.

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    www.nachdenkseiten.de

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wem nutzt Was in unserer Republik?

    Wenn Sie diese Frage beantworten können, sehr geehrter Erich Gengerke, werden Sie leichter erkennen können, warum hier scheinbar mit zweierlei Maß gemessen wird.
    _________________
    "Dubito, ergo sum."

    • outis
    • 17.08.2009 um 13:09 Uhr

    Geldwäschegesetz und Großer Lauschangriff wurden in den Neunzigern doch explizit eingeführt, um den Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu erleichtern. Wir erinnern uns doch noch zu gern an Herrn Kanther, der in jede Kamera blinzelte und Kritiker dieser Gesetzesvorhaben in die Nähe von "Gangstern" rückte. Ja genau, der Herr Kanther der Millionen nsch Liechtenstein schaffte.
    Wie wir sehen hat sich die Strategie nicht geändert: damals war es die "orgnisierte Kriminalität" die jede polizeistaatliche Daumenschraube rechtfertigte, heute ist es eben der "internationale Terrorismus"; weil letzterer offenbar nicht genug verängstigt, muss erstere wieder herhalten.

    Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)

    • keox
    • 17.08.2009 um 20:12 Uhr

    waschen MafiaClans nicht nur die eigenen Gelder.

    Das deutsche Establishment ist auf Besitz und Status ausgelegt, historisch ist das sozialstaatlich begründet, aber es führt zu mafiaähnlichen Strukturen, in denen die Familie oder die Zugehörigkeit zu einer Clique, einem gesellschaftlichen Status vor Befähigung, Qualifikation oder demokratischer Auswahl geht.
    Solche Strukturen sind deshalb einfach anfällig für die Einflussnahme der Mafia, weil deren Geld viele Probleme löst, die durch diese Strukturen an Ineffizienz entstehen.
    Ganz abgesehen davon, dass diese Standesarroganz geistig durchaus verwandt ist mit der Anmassung mit der die Mafia den italienschen Staat verachtet.

    H.

    Wem nutzt Was in unserer Republik?

    Wenn Sie diese Frage beantworten können, sehr geehrter Erich Gengerke, werden Sie leichter erkennen können, warum hier scheinbar mit zweierlei Maß gemessen wird.
    _________________
    "Dubito, ergo sum."

    • outis
    • 17.08.2009 um 13:09 Uhr

    Geldwäschegesetz und Großer Lauschangriff wurden in den Neunzigern doch explizit eingeführt, um den Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu erleichtern. Wir erinnern uns doch noch zu gern an Herrn Kanther, der in jede Kamera blinzelte und Kritiker dieser Gesetzesvorhaben in die Nähe von "Gangstern" rückte. Ja genau, der Herr Kanther der Millionen nsch Liechtenstein schaffte.
    Wie wir sehen hat sich die Strategie nicht geändert: damals war es die "orgnisierte Kriminalität" die jede polizeistaatliche Daumenschraube rechtfertigte, heute ist es eben der "internationale Terrorismus"; weil letzterer offenbar nicht genug verängstigt, muss erstere wieder herhalten.

    Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)

    • keox
    • 17.08.2009 um 20:12 Uhr

    waschen MafiaClans nicht nur die eigenen Gelder.

    Das deutsche Establishment ist auf Besitz und Status ausgelegt, historisch ist das sozialstaatlich begründet, aber es führt zu mafiaähnlichen Strukturen, in denen die Familie oder die Zugehörigkeit zu einer Clique, einem gesellschaftlichen Status vor Befähigung, Qualifikation oder demokratischer Auswahl geht.
    Solche Strukturen sind deshalb einfach anfällig für die Einflussnahme der Mafia, weil deren Geld viele Probleme löst, die durch diese Strukturen an Ineffizienz entstehen.
    Ganz abgesehen davon, dass diese Standesarroganz geistig durchaus verwandt ist mit der Anmassung mit der die Mafia den italienschen Staat verachtet.

    H.

    • MaCa
    • 17.08.2009 um 11:13 Uhr

    Man stelle sich eine norddeutsche Kleinstadt vor. Pizza und Eis gibt’s sozusagen an jeder Ecke direkt beim Italiener. Vor ungefähr fünfzehn Jahren brennt eine Eisdiele in der Fußgängerzone ab. Die beiden Brüder geben den Betrieb auf. Einige Jahre später, soll an anderer Stelle, nicht weit entfernt von einer bestehenden Eisdiele, eine neue Eisdiele eröffnen. Vor der Eröffnung brennt das Lokal. Es wird noch einmal renoviert und wieder gibt es einen Brand. Der Investor gibt auf. Von Mafia war nie die Rede.

    ;-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 17.08.2009 um 20:16 Uhr

    in unzähligen deutschen Kleinstädten findet man Eisdielen, die teilweise seit Jahrzehnten überleben, ohne daß man - egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit - auch nur einen einzigen Kunden erblickt.

    Allerdings, bei der Probe auf´s Exempel gab es doch ein lecker Eis.

    • keox
    • 17.08.2009 um 20:16 Uhr

    in unzähligen deutschen Kleinstädten findet man Eisdielen, die teilweise seit Jahrzehnten überleben, ohne daß man - egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit - auch nur einen einzigen Kunden erblickt.

    Allerdings, bei der Probe auf´s Exempel gab es doch ein lecker Eis.

  2. Wem nutzt Was in unserer Republik?

    Wenn Sie diese Frage beantworten können, sehr geehrter Erich Gengerke, werden Sie leichter erkennen können, warum hier scheinbar mit zweierlei Maß gemessen wird.
    _________________
    "Dubito, ergo sum."

    Antwort auf "Terror"
  3. Wie sicher sich die Mafia in Deutschland fühlt, zeigte mir ein Speisekarte in einer in Garching bei München gelegenen Pizzeria.
    Darin standen als Variationen für Pizzas, Namen wie Camorra, Ndrangehta oder einfach Mafioso auch Luca. Das hat mich schon entsetzt, wie offen diese Verbrecher zu Tage treten dürfen. Wäre der Staat nicht selbst eine mafiöse Institution, würde er mit seiner riesigen Staatsmacht dagegen vor gehen. Leider sind die politischen Zirkel genauso verschwiegen und verlogen wie die Mafia Clans aus Italien.
    Da wäscht eine Hand die andere, hinter verschlossenen Türen werden sowohl in der Politik Abkommen getroffen die nie an die Öffentlichkeit dringen, da sie nicht in das Bild passen für das die Politik steht, nämlich Gerechtigkeit in der Gesellschaft walten zu lassen. Die Politiker lernen von den Mafiosis, wie am Besten die Bevölkerung getäuscht werden kann. Die Gesellschaft ist ruiniert von Macht besessenen Leuten, die über Leichen gehen um ihre Pfründe zu verdeidigen, da kann niemand was daran ändern. Es gibt nur einen Weg, zur Seite gehen, nicht mit diesem Wahnsinn identifiziert zu sein, seine eigene Entwicklung als Mensch voran zu treiben. In dieser Welt gibt es keine rettende oder helfende Hand, es ist nur die eigen Hand die hilft.

    • outis
    • 17.08.2009 um 13:09 Uhr
    5. Naja,

    Geldwäschegesetz und Großer Lauschangriff wurden in den Neunzigern doch explizit eingeführt, um den Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu erleichtern. Wir erinnern uns doch noch zu gern an Herrn Kanther, der in jede Kamera blinzelte und Kritiker dieser Gesetzesvorhaben in die Nähe von "Gangstern" rückte. Ja genau, der Herr Kanther der Millionen nsch Liechtenstein schaffte.
    Wie wir sehen hat sich die Strategie nicht geändert: damals war es die "orgnisierte Kriminalität" die jede polizeistaatliche Daumenschraube rechtfertigte, heute ist es eben der "internationale Terrorismus"; weil letzterer offenbar nicht genug verängstigt, muss erstere wieder herhalten.

    Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)

    Antwort auf "Terror"
  4. Die Pizza war sehr gut, frisches Gemüse und Champignons, feiner Teig und der Preis für 28cm Durchschnitt 5€ und das bei München. Der Wirt war so nett und mir ein besseres Angebot zu machen als ich selbs wählte, es waren 2 Karten die zur Verfügung standen, die eine war eine Wochenkarte von der ich wählte und die Andere eine reguläre Karte, in der war die selbe Pizza größer und billiger.

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    Vielleicht wird die Pizza über Nebeneinkünfte subventioniert (ist vielleicht billiger als unzufriedene Kunden, die den Laden auffliegen lassen)?

    Hier kostete ne Pizza 25 euros, das gleiche wie ein normales Restaurant (ok um 10 euros gibts ne 5"-7" Pizza) das die meisten Italiner in irgendeiner Art zu tun haben wusste mein Grossvater schon, und der kam aus Italien. Er pflegte immer zu sagen die einen haelfte von italine beherscht die mafia die andere der vatikan, er weis nicht was schlimmer ist. ein grund warum er das land verlassen hat. aber um das auch ein wenig zu relativieren es heist nicht umsonnst wenn 2 chinesen sich treffen ist einer von der triade. (genau wie bei den italinern als mitglied oder eben als einer der zahlt).
    koennte man was dagegen tun? sicher. will man was dagegen tun? sicher nicht. man verdient ja jede menge geld damit(nicht nur die kriminellen sondern auch politiker, stuersaeckle usw und geld stinkt bekanntlich nicht)

    das hat nichts mit korruption zu tun sonder mit realpolitik. dafuer muss man wiederum sagen das die organisationen sich um ihre leute kuemmern. und das wohl besser als manche staaten.(nein keine romantik) aber wer sich das verhalten mancher staaten so ansieht, wo ist der unterschied? bereicherung auf kosten von schwaecheren durchsetzen willkuehrlicher vorschrften und gesetze mit gewalt. freie verfuegung ueber die mitglieder incl deren opferung. um nur einige dinge zu nennen.

    Vielleicht wird die Pizza über Nebeneinkünfte subventioniert (ist vielleicht billiger als unzufriedene Kunden, die den Laden auffliegen lassen)?

    Hier kostete ne Pizza 25 euros, das gleiche wie ein normales Restaurant (ok um 10 euros gibts ne 5"-7" Pizza) das die meisten Italiner in irgendeiner Art zu tun haben wusste mein Grossvater schon, und der kam aus Italien. Er pflegte immer zu sagen die einen haelfte von italine beherscht die mafia die andere der vatikan, er weis nicht was schlimmer ist. ein grund warum er das land verlassen hat. aber um das auch ein wenig zu relativieren es heist nicht umsonnst wenn 2 chinesen sich treffen ist einer von der triade. (genau wie bei den italinern als mitglied oder eben als einer der zahlt).
    koennte man was dagegen tun? sicher. will man was dagegen tun? sicher nicht. man verdient ja jede menge geld damit(nicht nur die kriminellen sondern auch politiker, stuersaeckle usw und geld stinkt bekanntlich nicht)

    das hat nichts mit korruption zu tun sonder mit realpolitik. dafuer muss man wiederum sagen das die organisationen sich um ihre leute kuemmern. und das wohl besser als manche staaten.(nein keine romantik) aber wer sich das verhalten mancher staaten so ansieht, wo ist der unterschied? bereicherung auf kosten von schwaecheren durchsetzen willkuehrlicher vorschrften und gesetze mit gewalt. freie verfuegung ueber die mitglieder incl deren opferung. um nur einige dinge zu nennen.

  5. Vielleicht wird die Pizza über Nebeneinkünfte subventioniert (ist vielleicht billiger als unzufriedene Kunden, die den Laden auffliegen lassen)?

  6. Mir erscheinen die hier vorgebrachten, in nahezu allen Fällen substanzlosen und oder bestenfalls schwammigen Anschuldigungen gegen Italiener in Deutschland sehr fragwürdig. Lesen Sie den Artikel doch bitte mal genau: Abgesehen von romanwürdigen, reißerischen Anekdötchen über böse, dunkle Männer die genau wie Geistergeschichten immer da aufhören, wo Details anfangen könnten, echte Glaubwürdigkeit zu erzeugen, fehlen greifbare Fakten nahezu vollständig. Ja es gab eine Erschießung, und dass es in Deutschland Drogenhandel gibt, erscheint plausibel, aber die Implikation, jeder italienische Pizzabäcker in Deutschland sei ein verkappter Al Capone ist nicht nur lächerlich, sondern gefährlich nahe an Rassismus, welchen wir mit genauso wachsamen Auge bekämpfen sollten wie andere Formen des Verbrechens. Leider macht sich offensichtlich jeder auf seine Art wichtig - und der ehrlicherweise doch eher mundane Job des Polizisten wird doch gleich viel interessanter, wenn eine (junge?) Journalistin offenen Mundes mitschreibt, welch Wissen über das Böse der Herr Beamte im Geheimen hat, und vor welchen Gefahren er sie und die Gesellschaft heldenhaft beschützt.

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