Eta-Anschläge "Eine freche Lüge"

Der mittlerweile ausgestiegene Eta-Gründer Julen Madariaga über die Eta, ihre jüngsten Anschläge und die Zukunft des Baskenlandes

DIE ZEIT: In den vergangenen Monaten wurden Dutzende Eta-Mitglieder festgenommen. Man glaubte, dass die Eta praktisch tot sei. Nun hat sie sich mit Attentaten in Burgos und auf Mallorca zurückgemeldet. War der Abgesang nur ein frommer Wunsch?

Julen Madariaga: Man hat den Wunsch, die Eta möge tot sein, als Realität betrachtet. Aber sie war nicht tot. Überhaupt nicht. Ich würde sagen, dass die französischen und die spanischen Behörden für die jetzigen Attentate eine große Verantwortung tragen. Der spanische Innenminister hat die Eta unablässig provoziert, indem er gebetsmühlenartig wiederholte, dass sie praktisch nicht mehr existiere. Die Eta hat lange Zeit stillgehalten, aber angesichts dieser dummen Bemerkungen hat sie sich gesagt: Wie, wir sollen tot sein? Ihr werdet schon sehen!

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ZEIT: Die Gesichter auf den Fahndungsfotos zeigen sehr junge Leute. Ist die Eta eine Organisation von jungen Versprengten?

Madariaga: Man hat das oft gesagt, um sie als Gruppe unerfahrener Kinder darzustellen. Aber ich glaube, dass das Durchschnittsalter nur wenig unter dem liegt, das wir bei der Gründung hatten. Es gibt allerdings einen nicht unwichtigen Unterschied: Die Neuen sind heute viel besser ausgebildet, was die Handhabung von Waffen anbelangt. Aber was die, sagen wir, humanistische Bildung anbelangt, die politischen Überzeugungen, haben diese Leute eine sehr geringe Bildung.

ZEIT: Die heutige Eta-Generation hat nie in einer Diktatur von Francisco Franco gelebt. Sie kennen nur ein demokratisches Spanien. Woher kommt der Hass auf den Staat?

Madariaga: Wer diese Frage stellt, tappt in die Falle der spanischen Behörden. Ich stelle die Gegenfrage: Woher kommt der Hass des spanischen Staates gegen die baskische Bevölkerung? Die Antwort darauf ist die Antwort auf Ihre Frage.

ZEIT: Nur 22 Prozent der baskischen Bevölkerung wollen laut einer Umfrage ein unabhängiges Baskenland.

Madariaga: Das ist eine freche Lüge. Mehr als 50 Prozent der Basken sind dafür.

ZEIT: Wie stellen Sie sich ein unabhängiges Baskenland vor?

Madariaga:(langes Schweigen) Wir könnten endlich tun, was wir wollen, ein Wirtschaftssystem, die Sprachpolitik wählen, die uns geeignet erscheinen. Baskisch wäre dann natürlich Amtssprache. Wer will, kann dann immer noch Französisch, Spanisch oder Englisch lernen, aber als Fremdsprache.

ZEIT: Und das rechtfertigt Morde?

Leser-Kommentare
    • lef
    • 13.08.2009 um 11:33 Uhr

    Der Vorwurf, dass die Polizei in Spanien ETA-Mitglieder foltert, ist schwer und müsste bewiesen werden - oder zurück genommen.

    Ich erinnere mich, dass auch die RAF in Deutschland diesen Vorwurf als wichtigste politische Waffe immer wieder aufwarf,
    aber das wurde später als unberechtigt festgestellt.

    Ansonsten eine erstaunlich leere Aussage - zur Frage, was die ETA eigentlich erreichen will, kommt im Grunde nur Inhaltloses.
    Wirtschaftssystem? Warum partout eigene Sprache als Amtssprache? usw.

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    Die Foltervorwürfe sind, wie erschreckend es auch klingen mag, wahr. Im spanischen Gesetz ist sogar das Recht, Leute ohne jegliche Grundlage oder gar richterliche Überprüfung für 5 Tage festzuhalten und zwar ohne jeglichen Kontakt zu Freunden, Verwandten oder Anwälten. Foltern ist den Beamten während dieser "incomunicado" Haft, wie es gennant wird, ausdrücklich erlaubt und die erfolterten Geständnisse haben Bestand vor spanischen Gerichten.

    Es gibt Berichterstattungen darüber. Unabhängige Experten aus dem europäischen Ausland haben die Gesetze ausgewertet und einen der Verantwortlichen zur Rede gestellt. Die Antworten waren allesamt reine Ausreden, die sich auch oft wiedersprochen haben und als dem Herrn Beamten die Fragen zu weit gingen, verlangte er, die Kamere auszuschalten. Nur einer der Beispiele.

    Die Forderungen der Basken kann ich nur zu gut nachvollziehen. Eigene Sprache als Amtssprache und eigenes Wirtschaftssysthem mag zwar unbedeutend klingen, aber im Grunde geht es um das grundlegende Verlangen jeden Menschen und jedes Volkes nach Selbstbestimmung. Stellt euch vor, ihr müsstet jeden eurer Schritte bei jemanden Anderen absegnen lassen oder die Amtssprache in Deutschland wäre... Türkisch zum Beispiel. Oder Französisch, oder Russisch.

    Wenn es euch schwer fällt, das vorzustellen, empfehe ich eine Reise ins Baltikum mit intensiven Kontakt zu Einheimischen, da werdet ihr ein ähnliches Lebensgefühl und Sehensüchte vorfinden und euch hoffentlich da reinversetzen können.

    Die Foltervorwürfe sind, wie erschreckend es auch klingen mag, wahr. Im spanischen Gesetz ist sogar das Recht, Leute ohne jegliche Grundlage oder gar richterliche Überprüfung für 5 Tage festzuhalten und zwar ohne jeglichen Kontakt zu Freunden, Verwandten oder Anwälten. Foltern ist den Beamten während dieser "incomunicado" Haft, wie es gennant wird, ausdrücklich erlaubt und die erfolterten Geständnisse haben Bestand vor spanischen Gerichten.

    Es gibt Berichterstattungen darüber. Unabhängige Experten aus dem europäischen Ausland haben die Gesetze ausgewertet und einen der Verantwortlichen zur Rede gestellt. Die Antworten waren allesamt reine Ausreden, die sich auch oft wiedersprochen haben und als dem Herrn Beamten die Fragen zu weit gingen, verlangte er, die Kamere auszuschalten. Nur einer der Beispiele.

    Die Forderungen der Basken kann ich nur zu gut nachvollziehen. Eigene Sprache als Amtssprache und eigenes Wirtschaftssysthem mag zwar unbedeutend klingen, aber im Grunde geht es um das grundlegende Verlangen jeden Menschen und jedes Volkes nach Selbstbestimmung. Stellt euch vor, ihr müsstet jeden eurer Schritte bei jemanden Anderen absegnen lassen oder die Amtssprache in Deutschland wäre... Türkisch zum Beispiel. Oder Französisch, oder Russisch.

    Wenn es euch schwer fällt, das vorzustellen, empfehe ich eine Reise ins Baltikum mit intensiven Kontakt zu Einheimischen, da werdet ihr ein ähnliches Lebensgefühl und Sehensüchte vorfinden und euch hoffentlich da reinversetzen können.

    • tartan
    • 13.08.2009 um 12:29 Uhr

    ...wäre viel einfacher, wenn es eine Volksabstimmung zum Verbleib des Baskenlandes bei Spanien gegeben hätte, welche mit 22% ausgefallen wäre, wie die Umfragen besagen.

  1. Endlich bricht einer ("Die Zeit") mit der einseitigen "Bericht"-Erstattung gegen die ETA. Die ETA hatte ja vor Jahren einseitig einen Waffenstillstand verkuendet und Gespraeche angeboten / verlangt. Was sollen sie jetzt, nachdem die spanische (und die franzoesische) Regierung darauf (fast) gar nicht eingegangen sind, anderes machen? Ich denke zwar immer noch, dass es fuer Morde keine Rechtfertigung gibt. (Ich meine damit die frueheren Morde der ETA an Unbeteiligten.) Aber genausowenig ist die Willkuer von Polizei und Justiz in Spanien gegen die ETA-Leute gerechtfertigt.

  2. Die Foltervorwürfe sind, wie erschreckend es auch klingen mag, wahr. Im spanischen Gesetz ist sogar das Recht, Leute ohne jegliche Grundlage oder gar richterliche Überprüfung für 5 Tage festzuhalten und zwar ohne jeglichen Kontakt zu Freunden, Verwandten oder Anwälten. Foltern ist den Beamten während dieser "incomunicado" Haft, wie es gennant wird, ausdrücklich erlaubt und die erfolterten Geständnisse haben Bestand vor spanischen Gerichten.

    Es gibt Berichterstattungen darüber. Unabhängige Experten aus dem europäischen Ausland haben die Gesetze ausgewertet und einen der Verantwortlichen zur Rede gestellt. Die Antworten waren allesamt reine Ausreden, die sich auch oft wiedersprochen haben und als dem Herrn Beamten die Fragen zu weit gingen, verlangte er, die Kamere auszuschalten. Nur einer der Beispiele.

    Die Forderungen der Basken kann ich nur zu gut nachvollziehen. Eigene Sprache als Amtssprache und eigenes Wirtschaftssysthem mag zwar unbedeutend klingen, aber im Grunde geht es um das grundlegende Verlangen jeden Menschen und jedes Volkes nach Selbstbestimmung. Stellt euch vor, ihr müsstet jeden eurer Schritte bei jemanden Anderen absegnen lassen oder die Amtssprache in Deutschland wäre... Türkisch zum Beispiel. Oder Französisch, oder Russisch.

    Wenn es euch schwer fällt, das vorzustellen, empfehe ich eine Reise ins Baltikum mit intensiven Kontakt zu Einheimischen, da werdet ihr ein ähnliches Lebensgefühl und Sehensüchte vorfinden und euch hoffentlich da reinversetzen können.

  3. zwar schon von 2003 aber interessanter Artikel
    http://de.indymedia.org/2...

  4. Oh ja ... indymedia.de ... eine sehr zuverlässige und unparteiische Quelle.

    Die Eta bombt aus lächerlichen Gründen Menschen in den Tod um noch mehr Rechte für sich herauszuholen als jede andere Minderheit auf diesem Planeten genießt.

    Wer versucht, andere in den Tod zu bomben muss sich nicht wundern und darf sich nicht beschweren, wenn einen die Polizei schließlich in die Mangel nimmt.

    Das was hier beklagt wird ist eine Umkehrung von Ursache und Wirkung.

    Zitat von einem Kommentator über mir:

    "Was sollen sie jetzt, nachdem die spanische (und die franzoesische) Regierung darauf (fast) gar nicht eingegangen sind, anderes machen?"

    Tja. Vielleicht wäre es an der Zeit gewesen nach einem jahrzehntelangen Krieg und fast 900 Toten die Waffen zu strecken und die eigene Niederlage einzugestehen. Wie z.B. die FARC auch jetzt noch weiterkämpft, wird vermutlich auch die Eta den Krieg weiterführen um den Krieg weiterzuführen.

    Ich nehme mal an, dass in ein paar Jahren ein Haufen McDonalds- und Starbuck-Hütten gebaut werden, schnellere Internetzugänge gelegt werden und MTV das Denken der Leute bestimmt; spätestens dann wird es vorbei sein mit der ach so tollen baskischen Identität. Willkommen im kulturellen Mittelmaß.

    ____________
    Tu fui, ego eris.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vorweg: nur weil MTV und anderer Kultureller Sondermüll das denken vieler Leute bestimmt, heißt es nicht, dass es so sein soll.

    Nun zum eigentlichen:
    "Vielleicht wäre es an der Zeit gewesen [...] die eigene Niederlage einzugestehen."

    Das Volk sollte also den Kampf um Unabhängigkeit beenden und sich der Spanischen Herrschaft beugen. Sie sehen also anscheinend legitimität in der Unterwerfung eines zur autonomie strebenden Volkes. Sie sehen anscheined, dass einige menschen und Völker von ihrer Geburt dazu bestimmt sind, zu herrschen und andere beherrscht zu werden.
    Damit bewegen Sie, lieber/-e Freund/-in, sich tief in der rechtsextremen Weltsich, und damit ist eigentlich schon alles gesagt.

    Vorweg: nur weil MTV und anderer Kultureller Sondermüll das denken vieler Leute bestimmt, heißt es nicht, dass es so sein soll.

    Nun zum eigentlichen:
    "Vielleicht wäre es an der Zeit gewesen [...] die eigene Niederlage einzugestehen."

    Das Volk sollte also den Kampf um Unabhängigkeit beenden und sich der Spanischen Herrschaft beugen. Sie sehen also anscheinend legitimität in der Unterwerfung eines zur autonomie strebenden Volkes. Sie sehen anscheined, dass einige menschen und Völker von ihrer Geburt dazu bestimmt sind, zu herrschen und andere beherrscht zu werden.
    Damit bewegen Sie, lieber/-e Freund/-in, sich tief in der rechtsextremen Weltsich, und damit ist eigentlich schon alles gesagt.

  5. Vorweg: nur weil MTV und anderer Kultureller Sondermüll das denken vieler Leute bestimmt, heißt es nicht, dass es so sein soll.

    Nun zum eigentlichen:
    "Vielleicht wäre es an der Zeit gewesen [...] die eigene Niederlage einzugestehen."

    Das Volk sollte also den Kampf um Unabhängigkeit beenden und sich der Spanischen Herrschaft beugen. Sie sehen also anscheinend legitimität in der Unterwerfung eines zur autonomie strebenden Volkes. Sie sehen anscheined, dass einige menschen und Völker von ihrer Geburt dazu bestimmt sind, zu herrschen und andere beherrscht zu werden.
    Damit bewegen Sie, lieber/-e Freund/-in, sich tief in der rechtsextremen Weltsich, und damit ist eigentlich schon alles gesagt.

    Antwort auf "Hmmmm...."
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    Was Sie nicht alles Tolles aus meinem Kommentar herauslesen können...

    "Damit bewegen Sie, lieber/-e Freund/-in, sich tief in der rechtsextremen Weltsich, und damit ist eigentlich schon alles gesagt."

    Rechtsextreme Weltsicht, soso. Die Basken besitzen - wie bereits erwähnt - eine sehr große Autonomie; darunter großzügige Sprachregelung und Kontrolle über die eigenen Finanzen. Ein Baskenland, dass sich Territorium von zwei Staaten durch Gewalt aneignet, ist kaum denkbar; die ETA kann noch weitere Jahrzehnte bomben, es wird nichts bringen.

    Typische RAF-Mentalität auch hier: Natürlich darf auch geschossen werden.

    _____________
    Tu fui, ego eris.

    Was Sie nicht alles Tolles aus meinem Kommentar herauslesen können...

    "Damit bewegen Sie, lieber/-e Freund/-in, sich tief in der rechtsextremen Weltsich, und damit ist eigentlich schon alles gesagt."

    Rechtsextreme Weltsicht, soso. Die Basken besitzen - wie bereits erwähnt - eine sehr große Autonomie; darunter großzügige Sprachregelung und Kontrolle über die eigenen Finanzen. Ein Baskenland, dass sich Territorium von zwei Staaten durch Gewalt aneignet, ist kaum denkbar; die ETA kann noch weitere Jahrzehnte bomben, es wird nichts bringen.

    Typische RAF-Mentalität auch hier: Natürlich darf auch geschossen werden.

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    Tu fui, ego eris.

  6. Was Sie nicht alles Tolles aus meinem Kommentar herauslesen können...

    "Damit bewegen Sie, lieber/-e Freund/-in, sich tief in der rechtsextremen Weltsich, und damit ist eigentlich schon alles gesagt."

    Rechtsextreme Weltsicht, soso. Die Basken besitzen - wie bereits erwähnt - eine sehr große Autonomie; darunter großzügige Sprachregelung und Kontrolle über die eigenen Finanzen. Ein Baskenland, dass sich Territorium von zwei Staaten durch Gewalt aneignet, ist kaum denkbar; die ETA kann noch weitere Jahrzehnte bomben, es wird nichts bringen.

    Typische RAF-Mentalität auch hier: Natürlich darf auch geschossen werden.

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    Tu fui, ego eris.

    Antwort auf "tiwalodika im Recht"

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