Georgien-Krieg Was vom Krieg bleibtSeite 3/3

Der russische Markt erscheint als unerreichbares Glück

Ergnetis Zukunft ist unsicher. Seine Erde ist Dschochadse geblieben, aber sie gibt kaum noch etwas her. Denn mit der neuen Grenze ist der Wasserzufluss aus den Kaukasushängen Südossetiens für seine Felder unterbrochen. Statt 30 Tonnen Kartoffeln wird Dschochadse in diesem Jahr nur fünf Tonnen ernten. Aber wo sollte er die Kartoffeln und Äpfel auch verkaufen? »Der russische Markt, ja, das wäre es«, sagt Dschochadse und lächelt versonnen ob eines unerreichbaren Glücks. Abends fährt er in die Stadt zurück. Nur seine 82-jährige Mutter übernachtet in Ergneti in einem grauen Anbau, den eine westliche Hilfsorganisation im Hof hochgemauert hat. »Ich habe vor nichts mehr Angst«, sagt sie.

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Die Russin Lena im benachbarten Nikosi setzt jetzt auf Saakaschwili. Sie und ihre Tochter haben in einer Eingabe an den Präsidenten um die georgische Staatsbürgerschaft gebeten. Lena hat ganz praktische Gründe. Tochter Jana ist hochschwanger und würde als Georgierin Krankenhauskosten sparen. Die Registrierung des Kindes wäre auch einfacher. »Auf dem Passamt hat man mir gesagt, es könnte noch vor der Geburt klappen«, sagt Lena. Sie hofft und wartet und steigt wie früher mit Jana nachts in den Keller hinab, wenn es draußen knallt. In den vergangenen Wochen meldete das georgische Innenministerium wieder: Nikosi wird aus Südossetien beschossen.

 
Leser-Kommentare
  1. @Russland, die selbst erklärte Schutzmacht Südossetiens, hatte zum massiven Gegenschlag ausgeholt und zeitweise knapp ein Viertel Georgiens besetzt.

    Daß es der Angriff Saakaschwilis auf Südossetien war, um die unbotmäßige Provinz wieder unter georgische Kontrolle zu bringen, der zum Kaukasuskonflikt geführt hat, scheint langsam erkannt und akzeptiert worden zu sein. Das Ableugnen und Verdrängen dürfte anhand der offiziellen Untersuchungsberichte auch schwierig sein.

    Allerdings sind solche Aussagen, daß die georgische Bevölkerung dem Heißsporn Saakaschwilis (ein Euphemismus für einen unberechenbaren, autoritären Machthaber) dieses Debakel schon verziehen haben, auf reichlich schwankendem Boden gebaut und dürften wohl eher Wunschdenken entspringen. In Wahrheit ist der georgische Regierungschef inzwischen verhaßt, so daß er es sich nicht mehr leisten kann, ohne Personenschutz unter die Menschen zu gehen. Er würde das Land sicher gern verlassen, wird aber noch als Mann der USA benötigt.

  2. [Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • hardob
    • 13.08.2009 um 19:16 Uhr

    US-Präsident George Bush erhob ihn daraufhin zum »Leitstern der Demokratie« im Südkaukasus. Die radikale Deregulierung der Wirtschaft, der erfolgreiche Kampf gegen die Alltagskorruption und ein funktionsfähiger Staatsapparat zählen zu Saakaschwilis Verdiensten. Die Demokratie und die Justiz haben dagegen unter seinen halb autoritären Instinkten gelitten.

    So stell ich mir den Demokratiexport des Westens im Allgemeinen vor. Die Demokratie, unabhängige Justiz und die Alltagskorruption sind beseitigt, der Bakschisch fließt jetzt in die "richtigen" Taschen.

  3. Ich zitiere mal aus der Zeit 2009/33:

    "Russland hat seit dem vergangenen August gegen
    so gut wie jeden Punkt des Friedensabkommens
    verstoßen, das die Europäische Union ausgehandelt
    hatte. Es hat die georgischen Republiken Abchasien
    und Südossetien als eigenständige Staaten
    anerkannt. 7500 russische Soldaten »sichern« dort
    noch immer die Grenzen. Es hat die OSZE Mission
    beendet und führt die EU-Beobachter
    vor, die ausgerechnet nicht in die umkämpften
    Gebiete dürfen, um zu berichten, was dort geschieht.
    Und noch immer betreibt Russland die
    pasportizacija, die Ausgabe russischer Pässe im
    Ausland, um im Ernstfall seine frisch gewonnenen
    Staatsbürger auch zu verteidigen. Die EU und die
    USA sehen darüber hinweg – zum Entsetzen vieler
    mittelosteuropäischer Staaten."

    _____________
    Tu fui, ego eris.

  4. Es ist natürlich ein grandioser Erfolg für Russland, dass Nicaragua Südossetien anerkannt hat. Denn nicht mal die üblichen Verdächtigen - darunter China - hatten Lust dieses Anhängsel mit einem ehemaligen Rausschmeißer als Präsident anzuerkennen. Jetzt versickern russische Hilfszahlungen in deren Taschen, aber der russische Verfolgungswahn und die Großmannsucht ist besänftigt da Russland jetzt einen Stachel im Fleisch der EU bzw. der Nato hat.

    Nein, Russland hat sich mit diesen zwei Problemfällen keine Freu(n)de gemacht und laut Völkerrecht gehören Südossetien und Abchasien immer noch zu Georgien.

    Tu fui, ego eris.

  5. Da muss ich Ihnen in allen Punkten widersprechen, [...].

    Südossetien und Abchasien haben sich wie jedes Mitglied der Sovjet-Union für unabhängig erklärt, sind daher Völkerrechtlich eigenständige Staaten, ansonsten wäre ihr geliebtes Georgien ebenfalls kein Staat gemäß dem Völkerrecht.

    [Gekürzt. Bitte unterlassen Sie persönliche Angriffe. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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    sollte sich für unabhängig erklären dürfen. Aber wenn Süd- und Nordossetien gemeinsam ihre Unabhängigkeit erklären, wird ja vielleicht noch ein richtiger Staat daraus.

    sollte sich für unabhängig erklären dürfen. Aber wenn Süd- und Nordossetien gemeinsam ihre Unabhängigkeit erklären, wird ja vielleicht noch ein richtiger Staat daraus.

  6. Nö. Tut mir wirklich sehr leid, aber das ist nicht richtig. Kein Staat der Welt, eben abgesehen von Russland und - herrlich - Nicaragua, haben den Staat als unabhängig anerkannt. Georgien dagegen sehr wohl und da sowohl Südossetien als auch in geringerem Ausmaß Abchasien fast vollständig an der Brust von Mütterchen Russland saugen ist von echter Unabhängigkeit wohl kaum zu reden.

    _____________
    Tu fui, ego eris.

  7. sollte sich für unabhängig erklären dürfen. Aber wenn Süd- und Nordossetien gemeinsam ihre Unabhängigkeit erklären, wird ja vielleicht noch ein richtiger Staat daraus.

    Antwort auf "Apropos Apropos"

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