DIE ZEIT: Herr Anderson, Nachrichten im Internet sind seit Jahren kostenlos zu haben. Der Verleger Rupert Murdoch will das nicht mehr hinnehmen und künftig Artikel seiner mehr als hundert Zeitungen online verkaufen. Hat der Mann das Internet nicht verstanden?

Chris Anderson: Murdoch folgt genau meinen Empfehlungen. Er hat zwar keine Details verraten, aber wenn man sich die Internetseite des Wall Street Journal anschaut, das ein Vorreiter und eine Ausnahme in seinem Konzern ist, sieht man bereits ein perfektes Freemium-Modell.

ZEIT: Was ist das?

Anderson: Für Medien funktioniert das so: Die populärsten Inhalte sind kostenlos, um möglichst viele Menschen anzuziehen; und man versucht das über Werbung zu finanzieren. Inhalte, die weniger Menschen interessieren – die dafür aber umso stärker –, verkauft man.

ZEIT: Das meiste wird weiterhin verschenkt?

Anderson: Etwa 90 Prozent sind bei Freemium kostenlos, ein Zehntel können Sie verkaufen. Sie benutzen das frei zugängliche Angebot, um die Nachfrage nach dem bezahlten Teil zu steigern. Ein Beispiel dafür ist mein neues Buch – wir haben es zeitlich begrenzt in digitaler Form umsonst weggegeben, um damit die Nachfrage nach dem gedruckten Buch zu steigern. Potenzielle Käufer können reinlesen und wissen, worum es geht.

ZEIT: Mehr als 300.000 Menschen haben Ihr Buch in den USA aus dem Internet heruntergeladen. Trotzdem stieg die Papierversion bis auf Platz 13 der New York Times-Bestsellerliste. In Deutschland gab es die Online-Version nicht umsonst. Stattdessen kostet sie 39,90 Euro. Nicht gerade free, oder?

Anderson: Ich habe keinen Einfluss darauf, was die Rechteinhaber in den jeweiligen Ländern entscheiden. Immerhin habe ich mir die Rechte am Hörbuch gesichert, und dieses ist – wenn auch leider nur in Englisch – weltweit für immer kostenlos.