Kunstmarkt Die Pfandleihe der Kunst

Annie Leibovitz ist pleite. Und wer verdient daran? Die Art Capital Group

An der vornehmen Madison Avenue in New York, im früheren Gebäude von Sotheby’s, sitzt die Art Capital Group. Auf den ersten Blick könnte man glauben, es handele sich um eine private Galerie. An den weiß gekalkten Wänden hängen zwei Porträts von Rubens und ein Akt von Victor Rodriguez, dazu ein Warhol. Andere Werke – Henry Moore, Willem de Kooning, Picasso – lagern in klimatisierten, gesicherten Räumen. Doch hat die Art Capital Group, 1999 von Ian Peck gegründet, einen anderen Geschäftszweck. Sie hilft Künstlern, Kunsterben und Kunstsammlern aus der finanziellen Klemme.

Das Kreditvolumen der Finanzmakler ist beachtlich. Um 100 Millionen Dollar seien es im Jahr 2008 gewesen, sagt der Firmensprecher Montieth Illingworth, und dieses Jahr werde es "substanziell mehr" sein. Die Art Capital Group vergibt Kredite erst ab einer halben Million Dollar, im Schnitt sind es fünf Millionen Dollar mit einer Laufzeit von 18 Monaten. Wer dies in Anspruch nimmt, verpfändet dafür seine Bilder oder das Copyright an ihnen.

Anzeige

Zuletzt war die "hochklassige Pfandleihe" in den Schlagzeilen, als sie die New Yorker Fotografin Annie Leibovitz verklagte: Diese hatte ein 24-Millionen-Dollar-Darlehen aufgenommen und neben drei Häusern alle ihre Werke, auch die künftigen, verpfändet.

Ähnlich geriet der Maler und Filmemacher Julian Schnabel mit der Firma in Streit: Er löste seinen Acht-Millionen-Kredit zwar rechtzeitig ab, nun aber klagt er gegen überhöhte Gebühren, während die Art Capital Group ihm vorwirft, eine Hypothek auf sein verpfändetes Haus verschwiegen zu haben. Die Art Capital Group beleiht Kunstwerke mit 40 Prozent des Schätzwerts. Wird das Darlehen nicht zurückgezahlt – das betrifft zehn Prozent der Fälle –, behalten die Finanziers das Werk und versuchen, es zu versteigern oder zu verkaufen.

"Wir fungieren als Kunsthändler von privat zu privat und können bessere Konditionen aushandeln als Auktionshäuser." Der ursprüngliche Besitzer bekommt dann den Erlös, allerdings abzüglich des Darlehens, der Zinsen, Gebühren und Kommissionen. Die Zinssätze erreichen 16 Prozent, als Kommission sind 20 Prozent üblich – viel bleibt nicht übrig.

Seit der Bankenkrise laufen die Geschäfte der Art Capital Group besser denn je. "Wir kaufen im Moment Kredite von Banken zu günstigen Bedingungen auf, die ihrerseits Kunstverkäufe beliehen haben", sagt Illingworth. Auch Sammler und abgestürzte Wall-Street-Millionäre machen gerade ihre Kunstkollektionen zu Cash.

Vorsichtiger geworden ist die Art Capital Group aber schon. Der Firmenchef Peck tendiert nun dazu, nur gute Namen zu beleihen, Impressionisten, alte Meister, kaum Zeitgenössisches. Ein Reporter von Reuters fragte ihn einmal, welche Kunst er heute nicht beleihen würde. "Damien Hirst", sagte er.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service