Die gute Nachricht zuerst: Die Deutschen machen von Jahr zu Jahr mehr aus ihrer Energie. Sie setzen sie produktiver ein. Mit einem Gigajoule an Energie, also knapp 280 Kilowattstunden, entstanden im Jahr 2008 Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 160 Euro. Im Jahr 2000 waren es etwa 20 Euro weniger.

Die schlechte Nachricht: Dieser Fortschritt kommt zu langsam. Eigentlich müssten die Deutschen längst viel weniger für Energie ausgeben, als sie es tun. Stattdessen blasen sie unmäßig viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Luft. Und es entgehen ihnen mehr als eine Viertelmillion Arbeitsplätze.

Diese Zahl – genau: 260.000 – ist zwar kleiner als die vier Millionen Jobs, die SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in seinem Deutschlandplan in Aussicht stellt; dafür ist sie deutlich solider. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sie von vier Forschungsinstituten, darunter Prognos und das Heidelberger IFEU-Institut, ausrechnen lassen. Deren Expertise kommt obendrein zu dem Ergebnis, dass zehn große Kraftwerke überflüssig würden, wenn man intelligenter mit Strom umginge. Das Ergrünen der Wirtschaft ließe also die Lichter nicht ausgehen, auch dann nicht, wenn es nach der Bundestagswahl beim Atomausstieg bliebe.

Erstaunlich: Das Mehr an Jobs, an Klimaschutz und an Energiesicherheit setzt dieser Studie zufolge nicht einmal die Entwicklung neuer Technologien voraus. Notwendig sei lediglich die konsequentere Nutzung "marktverfügbarer" Technologien, zum Beispiel effizienter Elektromotoren, sparsamer Autos und anspruchsvollerer Standards bei der Gebäudesanierung. Arbeitsplätze entstehen unterm Strich vor allem dadurch, dass Energieimporte durch inländische Wertschöpfung ersetzt werden. Deshalb steigt sogar das Bruttoinlandsprodukt. Zwar müssten die Energienutzer zunächst mehr investieren. Trotzdem ist Energieeffizienz rentabel. Die Mehrkosten, für ein sparsameres Auto der Golf-Größe beispielsweise deutlich weniger als 1000 Euro, seien nur halb so hoch wie die im Laufe des Autolebens eingesparten Spritkosten, sagt Martin Pehnt vom IFEU-Institut, der die Studie federführend koordiniert hat.

Dass Gabriel sie kurz vor der Bundestagswahl veröffentlicht, ist übrigens kein Ausdruck von Wahlkampf. Für Energieeffizienz ist zwar eigentlich das Wirtschaftsministerium zuständig, und das wird seit vier Jahren von der CSU geführt. Aber in den Jahren davor kümmerten sich auch SPD-nahe Minister nicht sonderlich um dieses Thema.