DIE ZEIT: Frau Fedoroff, Condoleezza Rice hat Sie ins State Department geholt, und auch für Hillary Clinton sind Sie als Beraterin im Einsatz. Sie selbst nennen sich »Wissenschaftsdiplomatin«. Ist das ein neuer Beruf?

Nina Fedoroff: Ganz und gar nicht, Wissenschaft hat in den internationalen Beziehungen immer eine vielfältige Rolle gespielt. Zum Beispiel die, bessere Tötungsmaschinen zu bauen…

ZEIT: Im Dienste der nationalen Machtausübung.

Fedoroff: Heute müssen Wissenschaftsdiplomaten dazu beitragen, die Probleme der Menschheit zu lösen. Denn ohne weltweite Forschungskooperation werden wir alle miteinander untergehen. Die Erderwärmung zeigt das sehr deutlich. Die Krise der Welternährung hätte es uns ebenfalls bewusst machen sollen – hat sie aber nicht. Dabei werden wir bald zu viele Menschen auf einem zu kleinen Planeten sein, der Klimawandel wird uns Anbauflächen kosten, und mehr Menschen werden hungern. Wir müssen mehr Lebensmittel erzeugen – und deshalb bei der Gentechnik vorankommen.

ZEIT: Ist der Einsatz für die Gentechnik Ihre einzige Aufgabe im State Department?

Fedoroff: Nein, ich kümmere mich um alle möglichen Disziplinen. Aber als ziemlich bekannte Molekularbiologin treibe ich dieses Thema besonders voran. Ich halte Vorträge, rede mit Experten in Ministerien und Wissenschaftlern in aller Welt.

ZEIT: Vor einigen Wochen nahmen Sie an einer Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften zur Gentechnik teil. Das Treffen in Rom war in der katholischen Kirche heftig umstritten; es waren nur Gentechnikbefürworter geladen. Gab das den Erkenntnissen nicht eine Schlagseite?

Fedoroff: Philosophisch gesehen, vielleicht schon. Aber in der Wissenschaft geht es nicht um Meinungen, sondern um Beweise. Nach 30 Jahren Forschung und Einsatz sind die Gefahren der gentechnisch veränderten Organismen (GVO) hypothetisch geblieben. Wie man sie auch zur Bekämpfung von Armut und Hunger nutzen kann, darüber haben wir in Rom geredet.

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ZEIT: Hinter verschlossenen Türen. Gentechnikkritiker mutmaßten, US-Regierung und Industrie wollten den Vatikan instrumentalisieren. Warum durfte niemand zuhören, auch keine Journalisten?

Fedoroff: Das müssen Sie die Päpstliche Akademie fragen.

ZEIT: Fanden Sie die Diskretion richtig?

Fedoroff: Ich habe überhaupt keine Probleme mit der Öffentlichkeit. Aber mir war es wichtiger, mit Vertretern des Vatikans ins Gespräch zu kommen, als über die Frage nachzudenken, wann wer welche Ergebnisse publiziert.

ZEIT: Das Resümee lässt noch auf sich warten, aber warum messen Sie selbst den GVO einen so hohen Stellenwert beim Kampf gegen den Hunger bei?