Pop von Herman Dune : Barden des Ungewissen

Wer Neil Young oder Paul Simon mag, kommt an ihnen nicht vorbei: Die Band Herman Dune verdankt ihren Erfolg guter Musik – und großer Verwirrung

Da stehen zwei Männer, die Herman Dune heißen, mit einem Eis in der Hand vor einer sehr bezeichnenden Wand. Ein Herman hat den Hut auf und deutlich mehr Bart als der andere, beide haben sich für eine Kugel Waldmeister entschieden. Wir können das mit Sicherheit sagen, weil wir ihnen das Eis spendiert haben an diesem heißen Sonnabendnachmittag im Hamburger Karolinenviertel. Das Eis gab’s in der Marktstraße, in dem kleinen Laden gegenüber von der Yoko Mono Bar, in der wir zuvor einen Espresso trinken waren. Abends werden sie um die Ecke im Knust spielen, einem der großen Clubs der Stadt. Wohl vierhundert Leute werden ihnen zujubeln, Zugabe um Zugabe verlangen. Ihre englischsprachigen Songs werden vom Balladesken ins Harte hineingehen, vom trottenden Planwagen-Country zum kreischenden Rock’n’Roll, garniert mit psychedelischen Gitarrensoli und Velvet-Underground-artiger Rhythmusstrenge, und kein Stück werden sie wie auf ihren Platten spielen, damit sie auch selber ein wenig Spaß haben. Néman Herman Dune wird sich am Ende pitschnass von seinem Schlagzeug erheben, David-Ivar Herman Dune ganz kurz seinen Hut ziehen.

Sind sie eigentlich Brüder? »No, no«, sie lachen herzlich. Cousins? »No, no.« Sie seien nur gute Freunde. Schulkameraden. Vor zwanzig Jahren hätten sie einander kennengelernt und in Paris ihre Band gegründet, damals noch mit ü.

Erst deutsch Düne? Und jetzt französisch dune? Yes, den Umlaut hätten sie abgestreift, das sei einfacher beim Schreiben von E-Mails und auch bei Google, und sie spielten ja viel in Amerika, zwei Touren im Jahr. Außerdem, sagt David-Ivar Herman Dune, sei vor einiger Zeit sein Bruder aus der Band ausgestiegen, André Herman, und weil der seither in Berlin lebe, hätten sie ihm das Ü gelassen, aus Respekt vor Deutschland und auch, um den Unterschied zu betonen zwischen Herman Düne mit André und Herman Dune ohne André.

Wir schreiben diesen Tüttelkram artig auf, aber wieso jetzt plötzlich zwanzig Jahre? Eigentlich hatten wir aus all den enthusiastischen, in den Fakten einander widersprechenden Presseartikeln deutscher, französischer, englischer und amerikanischer Kollegen immerhin herauslesen können, dass eine französische Band schwedischen Ursprungs mit englischen Songs vor zehn Jahren in Paris erstmals in Erscheinung getreten sei.

Apropos, ist Herman nun Schwede oder Franzose? David-Ivar sagt: »Franzose mit schwedischem Pass.« Aufgewachsen sei er in Paris, geboren im hohen Norden. Die Libération zitierte die Band vor neun Jahren, »wir sind Juden, jenseits aller Grenzen, vom Süden Floridas bis nach Lappland«. Die Salt Lake City Tribune wusste letztes Jahr zum Erscheinen von Next Year in Zion immerhin mitzuteilen: »Sie sind nicht aus Israel und auch keine Mormonen.«

Steht dieses Rätselraten nicht dem Erfolg entgegen? In der Liedermacherei gilt doch sonst das Prinzip: Man will wissen, mit wem man es zu tun hat! Nun wirken David-Ivar und Néman erst recht vergnügt. Die Interviews mit Journalisten seien ja immer recht kurz, und wenn sie all die Missverständnisse, mit denen sie konfrontiert würden, richtigstellen wollten, dann bliebe viel zu wenig Zeit, um über die Musik zu sprechen.

»Also«, sagen David-Ivar und Néman Herman Dune, als wollten sie jetzt ein für alle Mal etwas klären: »Wir heißen gar nicht Herman Dune. Wir nennen uns nur so.« Dann ist André auch nicht Davids Bruder? »Doch, doch!«

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Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Hier ist die Musik!

Sehr geehrter Shismar,

Sie haben völlig Recht, man sollte zu jedem Online-Artikel einen passenden Audiostream stellen, zumal es um Musik geht.
Manchmal lässt sich das aus produktionstechnischen Gründen allerdings nicht so einfach erledigen (in diesem Fall: Text aus der gedruckten ZEIT, Autor im Urlaub, woher am Wochenende das Audio nehmen, wenn nicht stehlen?). Nun ist es aber nachgeholt.

Hören Sie also im Artikel zwei Lieder von Herman Dune, von dem Album Next Year In Zion (2008).

Viel Spaß und beste Grüße

Rabea Weihser, ZEIT ONLINE Musikredaktion