Jedes Jahrzehnt hat sein Musikabspielgerät. Die achtziger Jahre hätten nicht ohne den Sony Walkman stattgefunden, die neunziger nicht ohne CD-Player. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends ist fest mit dem iPod von Apple verknüpft.

Ein Gerät jedoch steht über allen Moden, ausgerechnet ein analoger Plattenspieler: Der Technics SL-1200 MK2 ist ein Kind der Siebziger. Seine Markteinführung liegt mehr als 30 Jahre zurück. Doch steht er bis heute in jeder Discothek, die auf sich hält. Der SL-1200 MK2 hat nicht nur eine neue Art ermöglicht, Musik zu hören, er hat eine neue Art ermöglicht, Musik zu machen.

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Mit ihm wurde der DJ zum Künstler. Schon vorher hatten Plattenaufleger mehr getan, als einfach nur ein Stück nach dem anderen zu spielen. Doch mit dem SL-1200 MK2 kam endlich das definitive Handwerkszeug. Um auf die richtige Drehzahl zu kommen, braucht er nur eine Viertelumdrehung, er hält exakt das Tempo, spielt nur ab, was tatsächlich ins Vinyl gepresst wurde, und ist unempfindlich gegen das beim Hip-Hop unerlässliche Scratching.

Kein Plattenspieler hat den Erfolg dieses Geräts je wiederholen können. Bis heute ist er der Industriestandard der Clubkultur. In unzähligen Hip-Hop-Texten wird er gepriesen. Das Gerät war so prägend, dass es sogar seine eigene Marke überlebte. Der japanische Mutterkonzern Panasonic hat die Marke Technics längst eingestellt. Einzig das DJ-Equipment wird weiter unter diesem Namen vertrieben.

Wie kam es dazu? Der SL-1200 MK2 begründete seinen Ruhm nach dem gleichen Prinzip, wie es Porsche bei den Sportwagen tat: kein Schnickschnack, robuste Verarbeitung und ein starker Motor. Das macht das Gerät eigentlich zum designierten Männerliebling. Ist es aber nicht unbedingt. So berichtet Frida Giannini, die Chefdesignerin von Gucci, wie ihr Mann, der Webdesigner Giovanni Battista Guida, ihr den Heiratsantrag machte: Er beugte das Knie und überreichte ihr ein kleines und ein großes Päckchen. Im kleinen war ein Ring. Im großen war ein SL-1200 MK2. "Der Plattenspieler hat den Ausschlag gegeben", sagt sie.

Vielleicht sind es Geschichten wie diese, die den Schmuckhersteller Thomas Sabo inspirierten, den Veteranen in einem Ring zu verewigen. Dann braucht man künftig nur noch ein Päckchen, um ein Frauenherz zu erobern.