Kulturgeschichte Die Frau, die einzig warSeite 4/4

Caroline schließt, vierzigjährig, ihre dritte Ehe – es ist ihre erste Liebesheirat. Sie folgt Schelling nach Würzburg, wo er eine Professur erhält, dann nach München, wo er die Akademie der Künste leiten wird. Ihr Leben an seiner Seite stellt sie ganz in den Dienst an seinem Werk. Sie vergöttert ihn so sehr, dass man fürchten könnte, ihre kritische Ader sei versiegt. Aber so wird es nicht gewesen sein, denn ihr Einfluss auf ihn bleibt offenbar stark. »Unter den großen Philosophen«, urteilte später der Kollege Karl Jaspers, »ist es nur Schelling, für den eine Frau durch ihre Persönlichkeit von entscheidender Bedeutung wurde […], durch ihr geistiges Wesen.«

Caroline Schelling fiel aus dem Leben wie ihre Tochter – plötzlich und viel zu früh. Es soll wieder die Ruhr gewesen sein, vielleicht war’s auch der Typhus. Ein Fieber erfasst sie. Eine knappe Woche nach ihrem 46. Geburtstag, am 7. September 1809, stirbt sie in Maulbronn bei Pforzheim, wo sie mit ihrem Mann auf Besuch bei dessen Eltern weilt. »Daß dieses Meisterstück der Geister nicht mehr ist…«, klagt der fassungslose Schelling. »O, etwas in der Art kommt nie wieder.«

Die Autorin ist Publizistin und lebt in Berlin

Mehr zum Thema in den Caroline-Biografien von Eckart Kleßmann (»›Ich war kühn, aber nicht frevelhaft‹ – das Leben der Caroline Schlegel-Schelling«; List-TB; 319 S., 9,95 €) und Brigitte Roßbeck (»Zum Trotz glücklich – Caroline Schlegel-Schelling und die romantische Lebenskunst«; Pantheon-TB; 388 S., 14,95 €). Eine Auswahl ihrer Briefe findet sich in dem Insel-TB »Die Kunst zu leben«, hrsg. von Sigrid Damm (it 3160; 516 S., 15,– €)

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Oh

    Was für ein wundervoller Artikel. Vielen lieben Dank Frau Sichtermann, dafür, dass Sie uns eine weitere großartige Persönlichkeit, ein bewegtes und trauriges Leben, das mir bisher unbekannt war, vorgestellt haben.

    So als Anregung: Da könnte die ZEIT auch mal ne Serie draus machen ...

  2. ueberein. Jemand, der so einfuehlsam schreiben kann, so als ob er selbst vor 200 Jahren dabei war, ist in unserer Zeit der moralischen und kulturellen Dekadenz selten. Weiter so.

  3. 3. +++

    Toller Artikel!
    War schön mal wieder etwas von Ihnen zu lesen!

  4. Wirklich guter Artikel und vor allem ein exzellenter Schreibstil. Einer Serie vor allem über Frauen dieser Zeit fände ich auch sehr spannend. :-)

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