Blutrache in Albanien Im Wendekreis der AngstSeite 3/3

Ein Schlichter soll die Familien befrieden, die in Blutfehde liegen

»Die Zeiten haben sich geändert«, sagt Avdi Cena und faltet die Hände vor seiner eleganten, beigefarbenen Weste. »Viele Regeln des Kanun sind verschwunden, nur noch einige wenige haben sich gehalten.« Cena ist »Mittler« in Kukës, der 82-Jährige ist aufgewachsen mit der Tradition des Kanun, er kennt die Normen und Rituale. Die Rolle des »Schlichters« ist im Lek Dukajin selbst vorgesehen, er soll im Namen des Täters bei der Familie des Opfers um Vergebung bitten. Er holt einen kleinen Zettel aus der Innentasche seines Jacketts: In kleinen Tabellen hat Cena darin verzeichnet, in welchem Ort der Provinz wie viele Familien als Eingeschlossene leben, aus Furcht vor Vergeltung für eine Tat, die oft Jahre, manchmal Jahrzehnte zurückliegt. 64 Familien in der Gegend von Tropoje hat er notiert, 13 Familien in der Region von Has, 16 Familien hier in Kukes, an der Grenze zum Kosovo – sie alle hoffen, dass es Cena gelingt, einen Vertrag abzuschließen mit der gegnerischen Familie. »Es ist einfacher, eine Autobahn zu bauen«, sagt Cena ernst, »als Frieden zwischen zwei Familien zu stiften, die im Blut stehen.« Die Staatsanwaltschaft hat im Fall des Mordes an Taulant Mirashi ermittelt, der Täter wurde verurteilt, aber das ändert nichts an der Gefahr für die Moriqis. »Der Kanun ist stärker als die Polizei«, sagt Mojo.

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Das Haus der Eltern von Taulant Mirashi ist abgedunkelt. Sonnengebleichte Tücher hängen vor den Fenstern des flachen Hofs, nur wenige Kilometer von den Moriqis entfernt. Ein Wachhund reißt kläffend an der Kette und bellt die Familie aus dem Innern hervor. Sie sehen müde aus, Vater und Mutter Mirashi, und abweisend. Zu oft schon sind Besucher gekommen, die um Vergebung bitten wollten im Namen der Moriqis. Sie sind katholisch, aber vergeben, den Mord an ihrem geliebten Sohn, das wollen sie nicht. Sie zeigen ein Fotoalbum mit Bildern von Taulant als Messdiener, beim Schulausflug, mit Freunden. Etwas abseits steht Taulants älterer Bruder Emiliano und verfolgt misstrauisch, was seine Eltern erzählen. Er sei geflohen damals, vor fünf Jahren, in die USA, gibt Emiliano preis, in die Bronx. »Das ist hart, aber da werde ich bleiben.« Er ist scheu und wortkarg, als müsse er sich schämen. Als sei er schuld am Tod seines Bruders und nicht einer der Onkel aus dem Moriqi-Clan. Vielleicht hatten sie eigentlich ihn gesucht oder seinen Vater – und nur den kleinsten Jungen, Taulant, gefunden. Vielleicht ist er schuld an der Gewalt, mit der alles begann. Vielleicht. Was wirklich geschehen ist, kann keiner mehr erzählen.

 
Leser-Kommentare
  1. einen moment mal bitte.
    eine stabile demokratie???
    ein modernes albanien???
    nicht nur dass albaner bei uns beruechtigt sind die brutalsten und frauenverachtenden mafiastrukturen zu fuehren, sie sind dabei auch hervorragend organisiert. bis in alle hoechsten regierungsaemter.
    soso...da gibt es also ein gesetz, lieber artikelschreiber, das mord aus rache unter strafe stellt.
    interessant dass niemand in ALL diesen armen, unschuldigen familien die wahren taeter vor gericht bringt!!!!!

    demokrat!
    antifaschist, antikommunist, antiislamist!!!!
    wissen und erkenntnis ueber die natur des seins folgen der freiheit und der erkannten notwendigkeit zur selbstverantwortung!!!

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    [bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich und nachvollziehbar/ Redaktion; svb]

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    • sibeur
    • 25.08.2009 um 0:11 Uhr

    Albanien ist also demokratisch? Dann ist Iran Hochburg der Demokratie.

  2. Die Blutrache hat es auch unter Enver Hodscha gegeben, Darüber Hat Ismael Kadare geschrieben. Dass die Blutrache eine Folge der Demokratisierung sein soll ist absurd. Die Gründe für eine Blutfehde sind immer bekant. Die erz#hlt ma aber nicht unbedingt einer Frau aus Mitteleuropa.

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    • QUOTE
    • 25.08.2009 um 8:03 Uhr

    ...hat es in "GEO" mal einen langen und fundierten Artikel zum Thema gegeben:

    "Der Kanun - das Gesetz der Rache". Da stand auch drin, daß die Praxis der Blutrache zur Zeit von Enver Hodxha praktisch als ausgerottet galt...weil zu dieser Zeit im Falle einer Blutrache der Täter - zusammen mit seinem Opfer - lebendig begraben worden sein soll, sofern man seiner habhaft wurde.

    Halte ich für nachvollziehbar.

    • QUOTE
    • 25.08.2009 um 8:03 Uhr

    ...hat es in "GEO" mal einen langen und fundierten Artikel zum Thema gegeben:

    "Der Kanun - das Gesetz der Rache". Da stand auch drin, daß die Praxis der Blutrache zur Zeit von Enver Hodxha praktisch als ausgerottet galt...weil zu dieser Zeit im Falle einer Blutrache der Täter - zusammen mit seinem Opfer - lebendig begraben worden sein soll, sofern man seiner habhaft wurde.

    Halte ich für nachvollziehbar.

    • QUOTE
    • 25.08.2009 um 8:03 Uhr

    ...hat es in "GEO" mal einen langen und fundierten Artikel zum Thema gegeben:

    "Der Kanun - das Gesetz der Rache". Da stand auch drin, daß die Praxis der Blutrache zur Zeit von Enver Hodxha praktisch als ausgerottet galt...weil zu dieser Zeit im Falle einer Blutrache der Täter - zusammen mit seinem Opfer - lebendig begraben worden sein soll, sofern man seiner habhaft wurde.

    Halte ich für nachvollziehbar.

    Antwort auf "Blutrache"
  3. Es ist erschütternd, wie sehr sich Menschen zum Sklaven ihres eigenen Hasses und ihrer Unfähigkeit zur Vergebung machen können.
    Man kann diese nur als schlechtes Beispiel nehmen und ihnen wünschen, dass sie aus ihrem dunklen Tunnel herausfinden. Der Schlichter muss erreichen, dass diese in ihrem eigenen Hass gefangenen sehen, in welcher Situation sie sich befinden. Ansonsten kann er nichts ausrichten. Gegen Borniertheit ist leider Einsicht das einzige Mittel, und die muss der bornierte aufweisen. Ein Widerspruch in sich. Deshalb ist auch der Schlichter eher pessimistisch.

  4. 6. dito

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    Antwort auf "fragwuerdiger artikel!"
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    sachlich und nachvollziehbar. Vielen Dank liebe Redaktion das Ihr so "prompt" mit der Kritik umgeht ;-)

    sachlich und nachvollziehbar. Vielen Dank liebe Redaktion das Ihr so "prompt" mit der Kritik umgeht ;-)

    • helgam
    • 25.08.2009 um 9:55 Uhr

    Ich habe eine andere Vorstellung von Demokratie.
    Was ist eigentlich aus diesem Begriff gemacht worden?
    Machen wir uns nicht alle etwas vor?
    Demokratie steht in Ländern, in denen unser Westen völkerrechtswidrige Kriege brachte (Irak, Afghanistan) um die sogenannte Demokratie einzuführen für
    D Drogenhandel und Diebstahl von Ressourcen
    E Entführung und Erpressung
    M Mord und Massenflucht
    O Okkupation und Ohnmacht
    K Korruption und Killerkommandos
    R regression und Resignation
    A Arroganz, Anmassung und Angst
    T Tod und Terror
    I Invasion und Imperialismus
    E Erniedrigung und Einmischung

    Sind das die christlich-abendländischen Botschaften?
    Sind diese Verwerfungen wirklich besser als die ehemaligen Systeme?

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    Und wie sah es dort vor den Militäraktionen aus: Ringelpiez mit Anfassen und Freibier für alle?

    Und wie sah es dort vor den Militäraktionen aus: Ringelpiez mit Anfassen und Freibier für alle?

  5. Und wie sah es dort vor den Militäraktionen aus: Ringelpiez mit Anfassen und Freibier für alle?

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