Vergangene Woche haben Microsoft und Nokia bekannt gegeben: In Zukunft wird man auf den Top-Handys des finnischen Mobiltelefonherstellers die wichtigsten Schreib- und Büroprogramme des Softwarekonzerns benutzen können.

Man kann nicht gerade sagen, dass die Welt auf diese Meldung gewartet hätte. Sie ist dennoch interessant, weil hier zwei Weltmarktführer – aus Schwäche – zusammengehen wollen. Bei sogenannten Smartphones, man könnte sie auch als handygroße Computer mit Internetzugang beschreiben, sind Nokia und Microsoft in den vergangenen Jahren zu Nachzüglern geworden. Nokia mag noch immer die meisten Mobiltelefone verkaufen – aber vor allem im Billigsegment, und dort ist der Markt ziemlich gesättigt. Smartphones breiten sich hingegen rasant aus, im vergangenen Jahr stieg der Absatz um 27 Prozent. Und ausgerechnet dort schrumpft der Marktanteil des Branchenführers, wenn auch nicht ins Bodenlose, so doch unaufhörlich. Nach Berechnungen der Gartner Group stammten 2008 nur noch 44 Prozent der Smartphones von Nokia, fünf Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Stattdessen greifen mehr und mehr Menschen zu coolen Geräten wie Apples iPhone oder dem Blackberry von der Firma Research in Motion (RIM).

Nokia muss sich den Vorwurf gefallen lassen, in den vergangenen zehn Jahren seinen Vorsprung in Technik und Design verspielt zu haben. Als das Internet mobil wurde, gehörte Nokias Communicator, ein aufklappbares Gerät von der Größe eines Brillenetuis, zur Pflichtausstattung der digitalen Elite. Es war die Zeit, als Mobilfunkunternehmen allein in Deutschland aberwitzige 50 Milliarden Euro für die Lizenzen der Funktechnik UMTS zahlten. Das zeigt, welche Hoffnung sie schon damals in das Internet für unterwegs setzten.

Danach passierte – nicht viel. Das hatte auch technische Gründe, vor allem aber konnten weder die Betreiber von Handynetzen noch die Gerätehersteller ihren Kunden klarmachen, wofür sie die neue Technik brauchten. Die mobilen Portale waren vor allem Kundenfallen – allerlei Buntes und Schlüpfriges sollte zum Klicken verleiten, teure und undurchsichtige Datentarife schreckten zusätzlich ab. Das einzige wirklich funktionierende Geschäft war der Vertrieb von Klingeltönen. Also scheute die Kundschaft die teuren Dienste auf dem Handy und beschränkte sich darauf, zu telefonieren, SMS-Nachrichten zu verschicken und zu fotografieren.

Besonders Nokia ruhte sich in dieser Zeit angesichts steigender Verkaufszahlen aus. Man kettete sich an das zunehmend veraltende Betriebssystem Symbian, und insofern ist die Nokia-Nutzererfahrung heute im Prinzip noch dieselbe wie vor zehn Jahren.

Bewegung kam erst in den Markt, als zwei Außenseiter die Szene betraten: Die Firma RIM sah den Bedarf von Millionen Angestellten, auch unterwegs per E-Mail mit der Firma in Kontakt zu stehen, und entwickelte mit dem Blackberry ein schlichtes, schnörkelloses Gerät, das elektronische Post ohne Zeitverzögerung zustellt. Für Kommunikations-Junkies hatte das einen echten Suchtfaktor.