Bologna-Reform Der Aussetzer der SenatorinSeite 2/2

Denn so viele schlechte Bachelorprogramme es gibt, so viele gute sind entstanden. Auffällig viele befinden sich an Fachhochschulen. Dass sie kaum einer wahrnimmt, hängt mit ebenjener Imagekrise zusammen, die Gundelach auf unverantwortliche Weise befeuert. Oder will sie ihnen allen ernsthaft die Wissenschaftlichkeit absprechen?

Die gute Nachricht: Die seit Monaten anhaltende Pauschalkritik an den neuen Abschlüssen führt zunehmend dazu, dass sich die Betroffenen wehren. Er sei "geschockt" über ihre Einschätzung, hat der Hamburger FH-Präsident Stawicki seiner obersten Dienstherrin postwendend in einem offenen Brief geantwortet. Und Studenten der Hochschule Hof haben eine eigene Werbekampagne für den Bachelor gestartet. Einer ihrer Slogans: "Kein Bock auf unqualifizierte Kritik."

 
Leser-Kommentare
  1. Die Kritik ist doch mehr wie berechtigt. Man hat einen Akademiker-light geschaffen, der in 6 Semestern durchlauferhitzt wird, dafür Studiengebühren bezahlen soll und am Ende von potentiellen Arbeitbgebern zu hören bekommt, dass man ihm nicht das selbe bezahlen kann (bzw. will) wie seinen Vorgängern mit einem "richtigen" Abschluss.

    Aus berufspraktischer Sicht (mit technischer Fokussierung) sei erwähnt, dass es dann ein Witz ist zu behaupten, dass der Bachelor ein höherwertiger Abschluss als ein Meister oder staatl. gepr. Techniker ist. Dessen sind sich auch viele mittelständige Firmen bewusst, die dann lieber einen Bewerber mit Berufsausbildung, - erfahrung und Weiterbildung nehmen, als einen Ingenieur-light.

    Der Bachelor ist ein Instrument der Bildungpolitiker (und ihrer Souffleure) um Kosten zu sparen, durch verkürztes Studium und geringere Einstiegsgehälter. Die Opfer dieser Entwicklung sollten das dann durch Studiengebühren auch noch honorieren. Ein schlechter Treppenwitz.

    Hier geht es nicht mehr um Bildung, sondern um Geld. Das fehlt ja bekannterweise, außer wenn man es gerade in zehn- oder elfstelligen Summen in marode Banken stopft, deren frühere Verweser auch noch Abfindungen im sechs- oder siebenstelligen Bereich kassieren. Man muss eben Prioritäten setzen.

    • Ulf I
    • 20.08.2009 um 11:00 Uhr

    Was soll die Aufregung, stimmt doch, was die Senatorin sagt. An Fachhochschulen wurde schon früher nicht wissenschaftlich gearbeitet, die Gleichsetzung von FH und Universitätsabschlüssen wird sicher den wissenschaftlichen Anspruch des Abschlusses nicht befördert haben.

    Grüße
    U.

  2. Es ist interessant zu beobachten, wie hart die Urteile sowohl pro als auch contra der derzeitigen Studienbedingungen ausfallen.
    Klar, man kann die Äußerungen der Senatorin bzgl. Wissenschaftlichkeit als Aussetzer bezeichnen. Doch wieso wird damit direkt ein Imageverlust in Verbindung gebracht? Und selbst wenn dieser abgeleitet werden könnte: Wieso werden damit - so lese ich jedenfalls den Artikel - auch gleich normative Vorstellungen vermengt?
    Ich als Student kann noch nicht so recht sagen, ob durch einen etwaigen "Imageverlust" alles noch schlimmer werden sollte. Das ist zwar möglich, aber besteht doch auch die Möglichkeit, dass sich hinter der vom Autor gewählten Begrifflichkeit eine der vielen hässlichen Fratzen des universitären Status Quo verbirgt. Z.B. die, dass dort, wo von "Bulimielernen" gesprochen wird, anscheinend eine Kluft zwischen der Wissenschaftlichkeit, die man kannte und einer neuen "Wissenschaftlichkeit" entsteht (und natürlich - gesetzt dem Fall, man könne den Satz so stehen lassen: hier würde es zu einer Bedeutungsverschiebung kommen, dessen Konsequenz sein könnte, dass man einen der zwei Begriffe fallen lässt).
    Einen Ausbruch, wie den der Senatorin, kenne ich auch aus meinem Unialltag. Sowas gilt es m.E. anzuerkennen, zu verstehen, wieso so viele am Rad drehen, um dann nach angemessenen Lösungsansätzen zu suchen.
    Der Artikel leistet das nicht. Braucht er ja auch nicht. Aber es erscheint mir als sehr fragwürdig, ob die Konturen derart dichotom dargestellt werden müssen. Oder ob damit das Unverständnis nicht vielleicht noch gesteigert wird.

    • P_S
    • 20.08.2009 um 11:11 Uhr

    Vielleicht habe ich etwas falsch verstanden, aber bei mir kam bislang immer an, dass die Wirtschaft kritisierte, dass die Ausbildung an den Hochschulen zu Umfangreich ist, es werden dort Wissenschaftler erzogen, die aber nicht auf die Berufwelt vorbereitet sind.

    Das Bachlor-/Master-Studium sollte u.a. diese Kritik entkräften, d.h. der Student sollte im Rahmen des Bachlor Studienganges, die für die Berufswelt wichtigen und notwendigen Methoden und Verfahren lernen. Wenn er einen entsprechenden Bachlor vorweisen kann, steht ihm der Weg in eine Masterstudium (Wissenschaftsstudium) offen.

    Dies sollte einem Menschen, der die Studierfähigkeit erlangt hat, eigentlich klar sein, wer hier enttäuscht ist, der sollte sich bewusst sein, dass auch vor Bologna erst ein "nicht" wissenschaftliches Grundstudium über die Bühne gebracht werden musste, um dann die interressanten Themen zu erfahren und zu erarbeiten.

    Die Kritik ist folglich nicht gerechtfertigt.
    Kritik ist in diesem Zusammenhang eher bei Industire und Wirtschaft angebracht, da die nach wie vor nicht so richtig wissen, was sie mit einem Bachlor anfangen sollen, und über die schlechte Ausbildung schimpfen! Die Wirtschaft schädigt das Image!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    DIE WIRTSCHAFT hat nämlich früher doch genau Reformen dieser Art gefordert. Verkürzung der Studienzeiten weil deutsche Bewerber ja "zu alt" sind und so weiter...Und das ging nämlich damals auf ein ganz anderes Problem zurück, das wir heute leider noch schlimmer haben, nämlich der Fachkräftemangel in einigen Branchen.

    Doch dafür wird dann halt der gesamte Hochschulunterricht auf den Kopf gestellt, die Qualität wird schlechter und bei einer bald nicht vorhandenen Änderung des jetzigen Systems wird auch die Quantität der Studienabgänger sinken.

    Zweitens...Haben sie eine Ahnung, wie viele Bachelorabsolventen den Master draufsetzen dürfen? In den meisten Fällen sind es weniger als 1/3 der Anfangsstudenten eines Studiengangs. Dazu kommt dann noch eine höhere Belastung durch Gebühren, die sowieso wahrscheinlich zur Rettung der Banken gebraucht werden (An dem Zustand der Hochschulen hat sich leider in den Jahren ja nichts geändert, bis auf die *hüstel* elitären Exzellenzprojekte), aber der Leidtragende an der ganzen Geschichte, das sind weder die Politiker, noch die Wirtschaft. Die Leidtragenden sind die zukünftigen Kinder in Deutschland und die Studenten!

    DIE WIRTSCHAFT hat nämlich früher doch genau Reformen dieser Art gefordert. Verkürzung der Studienzeiten weil deutsche Bewerber ja "zu alt" sind und so weiter...Und das ging nämlich damals auf ein ganz anderes Problem zurück, das wir heute leider noch schlimmer haben, nämlich der Fachkräftemangel in einigen Branchen.

    Doch dafür wird dann halt der gesamte Hochschulunterricht auf den Kopf gestellt, die Qualität wird schlechter und bei einer bald nicht vorhandenen Änderung des jetzigen Systems wird auch die Quantität der Studienabgänger sinken.

    Zweitens...Haben sie eine Ahnung, wie viele Bachelorabsolventen den Master draufsetzen dürfen? In den meisten Fällen sind es weniger als 1/3 der Anfangsstudenten eines Studiengangs. Dazu kommt dann noch eine höhere Belastung durch Gebühren, die sowieso wahrscheinlich zur Rettung der Banken gebraucht werden (An dem Zustand der Hochschulen hat sich leider in den Jahren ja nichts geändert, bis auf die *hüstel* elitären Exzellenzprojekte), aber der Leidtragende an der ganzen Geschichte, das sind weder die Politiker, noch die Wirtschaft. Die Leidtragenden sind die zukünftigen Kinder in Deutschland und die Studenten!

    • Glawen
    • 20.08.2009 um 11:40 Uhr

    Der Bachelor hat in meinen Augen keinen Mehrwert. An unserer Uni hat die chemische Fakultät ihn immer noch nicht eingeführt und das zu Recht. Es kann zwar in einigen Bereichen durchaus eine Nachfrage nach Leuten mit Bachelorabschluss geben aber bei der deutschen mehrgliedrigen Berufsausbildung sehe ich immer noch nicht den Vorteil. Was soll ein Bachelor der Chemie bitte sehr denn machen. Es gibt mindestens drei gute Ausbildungsberufe zum Chemiker. Den Chemikanten, den Chemielaboranten, den CTA. Jeweils ein wenig anders in Bezug auf Praxis, Theorie, Stoff. Dann gibt es noch einige gute FH-Abschlüsse und das alte Diplom mit anschließendem Doktor. Wie soll denn da bitte einer mit 6 Semestern durchgepowerter Theorie einen Platz finden? Ich begreife es einfach nicht. Da es in Deutschland die vielen Ausbildungsberufe gibt, die es in anderen Ländern oft so nicht gibt sehe ich den Sinn dieses Abschlusses einfach nicht, wenn man dann nicht im gleichen Zug die Ausbildungen abschafft.
    Das Bachelor/Master System wurde ja auch eingeführt um eine bessere Vergleichbarkeit herzustellen, einen leichteren Uniwechsel und die Abschlüsse leichter anerkennen zu lassen. Aber die Vergleichbarkeit ist immer noch nicht besser, jedes Bundesland macht was es will, auch jede Uni. Kann man genau so gut vergleichen wie Vordiplom/Diplom. Der Uniwechsel ist immernoch ein Vabanquespiel, eben weil wieder jede Uni macht was sie will. Man konnte vorher eingentlich nur nach dem Vordiplom und nach dem Diplom sinnvoll wechseln und das ist immer noch so. Dann kommen wir zu der Anerkennung von Abschlüssen. Das Diplom wurde eigentlich immer im Ausland anerkannt, war ja auch meistens mindestens ebensogut wie der Master in anderen Ländern. Leute die in Deutschland einen Ausbildungsberuf erlernt hatten waren soweit ich weiß auch immer ganz gut anerkannt. Der Einzige Vorteil ist vielleicht, das man nun mit dem Bachelor im Ausland anfangen kann zu arbeiten, was mit dem Vordiplom wohl nicht ging.
    Wo kann man denn noch den Bachelor schlecht reden? Ich sehe praktiasch keine Vorteile. In meinen Augen bietet der Bachelor nicht mehr als das, was man in Deutschland eh schon hatte.
    Ich sehe eher zusätzliche Nachteile, wie zum Beispiel die Verschulung der Uni. Damit wurde sie eigentlich abgeschafft und zu einer FH. Wobei die FH und deren Abschlüsse ja nicht schlecht sind aber es wurde die Erweiterung abgeschafft.

    Lustgerweise habe ich mich hier im Kommentarbereich angemeldet, als ich vor fast zwei Jahren in einem Kommentar zum Bachelor/Master System fast das gleiche schrieb.

  3. Wo vorher schon kein Image vorhanden war, da kann jetzt auch keins beschädigt werden. Der Bachelor hatte doch von Anfang an einen mehr oder weniger schlechten Stand.
    Zugegeben, die Äußerung von Frau Gundelach was verfehlt und kontraproduktiv, aber was erwartet man von einer derartigen Person? Hiermit möchte ich auf ihre Reaktion zur Sache "Raketen-Moni" anspielen. Erst hielt sie Frau Auweter-Kurtz nahezu bedingungslos die Treue, auch als schon alle Zeichen auf Sturm standen und das Uni-Präsidium beinahe wöchentlich von einer Horde Studenten "besucht" wurde. Als jedoch im Zuge der Kritik an Frau Auweter-Kurtz auch die Kritik an Frau Gundelach lauter wurde und ihr Stuhl schon anfing zu schwanken, da ließ sie Raketen-Moni fallen. Weiter möchte ich das jetzt nicht kommentieren, aber allein dieses Verhalten gibt einem doch zu denken.
    Deshalb würde ich nicht alles, was Frau Gundelach im Laufe eines Tages so von sich gibt furchtbar ernst nehmen.

  4. Ich denke das Hauptproblem bei der Diskussion um den Bachelor-Abschluss ist der Versuch diesen mit dem alten Diplom zu vergleichen.
    Das selbe wie ein ehemaliger Diplom-Ingenieur verdient dann eben der Master-Absolvent nachdem er ein dem Diplom gleichwertiges Studium abgeschlossen hat.
    An meiner Uni gilt weiterhin der Master(also das Diplom) als Regelstudienabschluss.
    Der Versuch den Bachelor mit dem Diplom gleichzusetzten birgt große Risiken, da so einerseits Absolventen ein falsches Bild ihres Abschlusses haben und andererseits die Möglichkeiten die der Bachelor als Zwischenstufe zum Akademischen Abschluss liefert nicht ausreichend betrachtet werden.

    • th
    • 20.08.2009 um 12:13 Uhr

    wie man erwarten kann, dass innerhalb von 6 Semestern in einem stark verschulten Studiengang, und dazu explizit auf die Anwendbarkeit im Berufsleben hin orientiertem ein "Wissenschaftler" ausgebildet werden kann. Es gibt durchaus wissenschaftliche Milieus, wo der "Wissenschaftler" nicht einmal nach dem Diplom/Master, sondern erst beim promovierten Akademiker anfängt.

    Wer selbst studiert hat, braucht sich nur an den eigenen Wissensstand nach 6 Semstern zu erinnern ...

    Frau Gundelach hat also nicht den Bachelor "schlechtgeredet", sondern nur Tatsachen ausgesprochen, die manche Leute gerne verdrängen wollen.

    Ein "Kurzstudium" ist eben nicht äquivalent zu einer klassischen akademischen Ausbildung - das ist nicht böse gemeint, sondern trägt einfach der Tatsache Rechnung, dass dem traditionellen Diplom/Magister-Abschluss eben der MSc/MA entspricht, und nicht der Bachelor - aber darüber redet man nicht gerne, weil man dann zugeben müßte, daß man beabsichtigt, nur einen Teil der Studenten zu einer kompletten wissenschaftlichen Ausbildung im traditionellen Sinne kommen zu lassen, und den Rest nach dem Kurzstudium entlassen will. Das war ja gerade eines der Ziele der Reform, aber nichts, was man gerne an die grosse Glocke hängt.

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