Kochen unterwegs Camping à la carteSeite 2/2

Lohse schlägt nach einem Löffel Elchfleisch-Gourmettopf vor, sich vom maroden Sprungturm zu stürzen. Er hat das Gefühl, in einen Brühwürfel gebissen zu haben, der in Zitronensäure getränkt worden war. Wodarz bleibt gelassen, muss allerdings berichten, dass sein Magen zu ihm spricht. Der Magen fragt: »Hast du eine Macke?« Er versucht, ihn mit dem Rotwein zu beruhigen, und macht alles noch schlimmer. Vielleicht neutralisiert das Bannok-Brot (Eskimobrot) den Geschmack? Wodarz knetet den Teig. Klappt gut. Doch in der Pfanne wird das Brot trotz des Sojaöls, das in einer Gelatinekapsel beilag, pappig und brennt an. Und wo soll man sich eigentlich die teigverschmierten Hände waschen? Lohse, der schon seit Längerem aufgeben möchte, nutzt den Moment: Er schüttet den Rest des Wasservorrates auf die Hände seines Kollegen und erklärt den Test für beendet. Wodarz verweilt nachdenklich, das Wasser tropft von seinen Händen: »Ich finde es traurig, dass Menschen in toller Natur so etwas in sich hineinstopfen. Wäre ich Camper, würde ich mir eine Ente schießen und ein paar Kräuter sammeln!«

Dagegen wäre die Fertigkost chancenlos, wie auch der Hersteller zugibt. »Wir sind uns bewusst, dass die Produkte nicht mit einem frisch zubereiteten Essen konkurrieren können«, sagt Steffen Fuchs. Das vernichtende Urteil der Tester beeindruckt ihn wenig: »Die sind natürlich anderes Essen gewohnt.«

Die beiden Köche wünschen sich am Ende nur noch eins: eiskalten Wodka. Die Campingplatz-Bar bietet immerhin kaltes Bier. Wodarz nimmt einen Schluck, an seinen Fingern klebt immer noch der Bannok-Teig. Er resümiert: »Ich hatte schon Austernvergiftungen und alles, aber so unwohl habe ich mich noch nie gefühlt.« Woraus man wohl schließen muss, dass die getestete Feinkost für unterwegs leider nur zum Weglaufen ist.

INFORMATION

Zeltplatz: Tentstation, Seydlitzstraße 6, 10557 Berlin (Tiergarten-Moabit), Tel. 030/39404650, www.tentstation.de

Zu den Köchen: Christian Lohse ist Berlins einziger Zwei-Sterne-Koch und Küchenchef im Restaurant Fischers Fritz. Hans-Peter Wodarz wurde bekannt durch seine Restaurants Die Ente im Lehel in München und Die Ente vom Lehel in Wiesbaden, zudem ist er Erfinder des Restaurant-Theaters. Gemeinsam werden Lohse und Wodarz von November an im Palazzo-Spiegelpalast in Berlin ein neues Gourmet-Theater präsentieren: Die Köche bereiten ein Menü zu, dazu gibt es in dem Zelt aus der Zeit des Jugendstils Akrobatik und Musik

Bezugsquellen und Preise der getesteten Produkte: www.trekking-mahlzeiten.de oder www.globetrotter.de. Rotwein in Pulverform (Globetrotter Lunch, 3,45 Euro); Cheeseburger aus der Dose (Trek’n Eat, 3,95 Euro); Elchfleisch-Gourmettopf (Globetrotter Lunch, 4,95 Euro); Bannok-Brot (Globetrotter Lunch, 3,75 Euro)

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. einfach mal eine Durschlageübung in einem Jägerbataillon mitmarschieren. Einer als MG-Schütze, der andere als Panzerfaustschütze.
    Und dann abends ein kaltes EPA[1] sowie eine halbvolle Trinkflasche mit lauwarmen Wasser ...

    [1] http://de.wikipedia.org/w...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Manu84
    • 21.08.2009 um 0:17 Uhr

    Naja die Hartkekse sind aber super. Ich hab immer nur die mitgeschleppt, die reichen zum überleben vollkommen aus. Ausserdem kann man sie mit schukcreme einschmieren, die brennen dann wunderbar.

    Evtl. wäre es wirklich toll, wenn jeder Camper einfach ein Flinte mitnimmt und anfängt, sich die Enten zu schiessen. Besonders für die Entenpopulation.

    • Manu84
    • 21.08.2009 um 0:17 Uhr

    Naja die Hartkekse sind aber super. Ich hab immer nur die mitgeschleppt, die reichen zum überleben vollkommen aus. Ausserdem kann man sie mit schukcreme einschmieren, die brennen dann wunderbar.

    Evtl. wäre es wirklich toll, wenn jeder Camper einfach ein Flinte mitnimmt und anfängt, sich die Enten zu schiessen. Besonders für die Entenpopulation.

    • Manu84
    • 21.08.2009 um 0:17 Uhr

    Naja die Hartkekse sind aber super. Ich hab immer nur die mitgeschleppt, die reichen zum überleben vollkommen aus. Ausserdem kann man sie mit schukcreme einschmieren, die brennen dann wunderbar.

    Evtl. wäre es wirklich toll, wenn jeder Camper einfach ein Flinte mitnimmt und anfängt, sich die Enten zu schiessen. Besonders für die Entenpopulation.

    • Manu84
    • 21.08.2009 um 10:40 Uhr

    Ach ja, anstatt so einen Grill wie auf dem obigen Foto zu verwenden, kann man sein Essen doch auch eigentlich gleich anzünden oder?

    • carol
    • 23.08.2009 um 6:58 Uhr

    das instantessen für camper ist wirklich schrecklich. das liegt auch daran, dass möchtegern trekker eher den namen kaufen als das essen. in der wildnis kann man sich dann auch nicht mehr beschweren.
    dem essen wurde wasser entzogen, damit es nicht soviel wiegt.

    einem EPA (Bundeswehressen im Feld) oder einem MRE (US Army) jedoch ist noch viel wasser enthalten. superduper sind sie nicht, aber dem ziel ein richtiges essen zu haben sehr nah.

    nur das mit dem müll sollte einem trekker zu denken geben. der wird nämlich in massen produziert- und das bei jeder mahlzeit.

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    Christdemokraten: Für Alles zu haben, zu Nichts zu gebrauchen.

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