Müll Die Affäre HammelbeinSeite 5/5

»Das haben wir wohl«, sagt Claudia Hämmerling, die im Berliner Abgeordnetenhaus zwei Stockwerke unter dem CDU-Mann Götze sitzt. Sie trägt ein langes schwarzes Kleid mit tiefem Ausschnitt und spielt im Tiergartentheater die Rolle der aufmüpfigen Regieassistentin, die den Komparsen endlich mehr Verantwortung fürs Stück geben will. Hämmerling, die ursprünglich aus der DDR kommt, fehlt die multikulturelle Prägung ihrer westdeutschen Parteigenossen und die damit verbundene Haltung, Migranten wie kleine Kinder zu behandeln, die es nicht besser wissen. Sie sagt: »Ich finde, dass eine Gesellschaft den Mut haben muss zu sagen: Wenn ihr hier lebt, dann haltet euch bitte auch an unsere Regeln.« Das habe auch mit Respekt zu tun. Hämmerling, muss man wissen, ist in ihrer Fraktion für Verkehrspolitik zuständig. Respekt ist für sie etwas Überlebenswichtiges.

»Warten Sie«, sagt sie und ruft an ihrem Computer die Homepage ihres Lieblingsprojektes auf: Shared Space, geteilter Raum, ein Pilotversuch aus den Niederlanden. Dort wurden in den Gemeinden Haren, Emmen und Fryslan an besonders gefährlichen Kreuzungen alle Ampeln und Vorfahrtsschilder abgeschraubt. Die Idee: In einer unregulierten Welt muss im eigenen Interesse jeder auf andere Rücksicht nehmen. Weil sich in diesem Chaos alle gleich stark oder gleich schwach fühlten, gebe es fast keine Unfälle mehr, sagt Hämmerling. Keine Sheriffs im Tiergarten, keine Müllmänner? »Genau. Der Müll bleibt einfach liegen.« Und dann? »Wir müssen klarmachen: Das ist eure Stadt, und so sieht es da aus, wenn ihr euch nicht um euren Müll kümmert.«

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Doch das wäre dann wohl ein anderes Tiergartenstück, eines, das kein Problem damit hätte, die Zuschauer am Ende ratlos in die Nacht zu schicken. Der Dreck auf der Bühne würde Multikultiromantiker sprachlos machen und Ordnungsfanatiker zwingen, ihre Worte genau zu wählen. Denn es ist nicht auszuschließen, dass sich in einem solchen Stück auch die ganz Rechten wieder zu Wort melden würden. Und weil das keiner will, wird das Skript für dieses Stück noch Jahre bei Claudia Hämmerling in der Schublade liegen. So lange kommen montags, wenn der Tau von den Blättern perlt und erste Jogger über die Kieswege traben, Erkan Yilmaz, der dicke Piechotta und der Tätowierte. Sie kümmern sich darum, dass man mittags nicht mehr sieht, was im Argen liegt.

 
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