Günther Jauch Gibt es ein Leben nach dem Fernsehen?

30 Jahre Fernsehen. Quotenkönig. Beliebtester Deutscher. Günther Jauch fragt sich, wann es Zeit ist aufzuhören – und was kommt, wenn der Ruhm geht

Manchmal überlegt Günther Jauch, wie es wäre, wenn er verschwände. "Was wäre, wenn ich kein Fernsehen mehr machen würde?", fragt er sich dann. "Die Leute würden mich immer mehr vergessen, das geht schnell." Er hat sich ziemlich genau ausgerechnet, wie schnell. "Ich behaupte, die Halbwertzeit für Fernsehleute liegt bei sechs bis neun Monaten. Nach neun Monaten hat einen die Hälfte der Zuschauer vergessen. Noch mal neun, und eine weitere Hälfte der Verbleibenden fällt weg, dann noch einmal neun Monate, insgesamt etwas mehr als zwei Jahre – dann erinnert sich niemand mehr, bis auf ein paar Ältere."

Als vor Kurzem seine Kollegin Ilona Christen starb, gerade einmal fünf Jahre älter als er, ging ihm der Gedanke vom Verschwinden wieder durch den Kopf. "Die hat sich nach dem Ende ihrer Talkshow dem Medium konsequent entzogen. Man hat sie nie mehr gesehen. Das ist doch ’ne Leistung!" Jauch jubelt fast, als er das sagt. "Das schaffen die wenigsten. Ich weiß nicht, ob sie glücklich war. Aber diese Konsequenz hat mich beeindruckt."

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Warum? "Sie macht mir Hoffnung, dass es nicht zwangsläufig zu Entzugserscheinungen führen muss, wenn man diesen Job nicht mehr macht. Ich bilde mir ja ein, dass ich ein anderes Leben jenseits des Fernsehens führen könnte. Aber ich wähle bewusst den Konjunktiv, weil ich es nicht weiß."

Wie könnte dieses Leben aussehen? "Das ist schwer zu sagen. Ich habe von der Welt ja nix gesehen. Ich habe immer nur gearbeitet." Auf Reisen zu gehen, dazu habe er Lust, sagt er. "Ich bin neugierig darauf, mal ein halbes oder ein ganzes Jahr auszusteigen. Ich habe keine Ahnung, wie das ist. Aber eines weiß ich: Es wird weniger werden mit mir im Fernsehen."

Günther Jauch im August 2009, in Potsdam, wo er seit fast 20 Jahren mit seiner Familie lebt, mit Frau Thea und vier Töchtern auf einem Anwesen am See. Er ist unrasiert, wie immer, wenn er nicht vor die Kamera muss, trägt ein Shirt und helle Hosen, Turnschuhe. Grauer ist er geworden, die Haare und der Bart sind halb dunkel, halb hell.

Günther Jauch will reden, Bilanz ziehen nach über dreißig Jahren im Fernsehen, das Treffen findet am See statt. Wo genau, soll nicht erwähnt werden. Er möchte seine Privatsphäre schützen. Er geht, notfalls auch gerichtlich, gegen Boulevardmedien vor, die über sein Privatleben berichten.

Im September wird er mit seinem Quiz Wer wird Millionär? zehn Jahre auf Sendung sein, im Privatfernsehen eine unendlich lange Zeit. Stern TV macht er sogar schon seit 1990, noch länger moderiert er den Jahresrückblick. "Ich habe mal gesagt, zum Bednarz von RTL möchte ich nicht werden." Klaus Bednarz moderierte das Politikmagazin Monitor 18 Jahre lang, mit betroffenem Blick und im Pullover. "Jetzt habe ich mal nachgeschaut: Ich mache Stern TV im 20. Jahr. Ich bin der Bednarz von RTL – nur ohne Pullover."

Seit Wochen schon macht er Ferien, die ersten seit zwei Jahren. Die meiste Zeit hat er hier am See verbracht. Ruhig ist es, ab und zu zieht ein Boot vorbei, Jugendliche springen ins Wasser, ein Rentner zieht seine Kreise. Man merkt, dass Günther Jauch viel Zeit hatte zum Grübeln. Braun gebrannt ist er, und doch ist oft ein unentspanntes Runzeln auf seiner Stirn zu sehen, wenn er über sich und seine Zukunft nachdenkt und über das, was von ihm bleiben wird. Helmut Schmidt kommt ihm da in den Sinn, wie unbeliebt der früher gewesen sei.

"Als er im Amt war, hatte er mit seinen Positionen oft keine Mehrheit hinter sich, heute lieben ihn die Leute. Beim Fernsehen ist es umgekehrt: Wenn ich mir alte Sendungen angucke, die damals erfolgreich waren, denke ich fast immer: Damit gewinnst du heute keinen Blumentopf mehr. Es gibt kein flüchtigeres Medium."

Manchmal guckt er nachts in den Dritten Programmen Wiederholungen aus den sechziger, siebziger Jahren, Shows von Moderatoren wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff, den Günther Jauchs ihrer Zeit. "Der Frankenfeld hat kleine Plastikhubschrauber durch den Saal fliegen lassen, und unten liefen Kandidaten um einen Käse-Igel herum. Das wirkt heute nur noch aus der Zeit gefallen." Er ist sicher, dass es ihm genauso ergehen wird. Dass er, der laut mehreren Umfragen "beliebteste Moderator", ja "beliebteste Deutsche", eines Tages genauso aus der Zeit fallen wird.

"Ach, diese Umfragen. Ich bin nun mal der Onkel, der mehrmals in der Woche in den Wohnzimmern der Menschen auftaucht und Beträge von 500 Euro bis zu einer Million verschenkt. So einer ist nun mal beliebter als der Bundesfinanzminister."

Leser-Kommentare
    • ADoria
    • 20.08.2009 um 12:46 Uhr

    Doch! Es sind genau jene Fernsehproduktionen, die das Fernsehen so bedauernswert machen.
    Vielleicht hätte er sich doch an Klaus Bednarz orientieren sollen. So wären eventuell interessante Reisereportagen zustande gekommen.

    Aber dafür ist es jetzt zu spät. Stattdessen traktiert er das Fernsehpublikum mit stereotypen, langweiligen und uninspirierenden Sendungen. Dies macht ihn zwar zu einem erfolgreichen, gut verdienenden Moderator, der Preis ist Stupidität und Tristesse.
    Warum sucht er sich nicht ein Hobby, weit weg vom Fernsehen? Dadurch können alle Seiten nur gewinnen.

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    • wll
    • 20.08.2009 um 14:45 Uhr

    ... Herrn Jauchs Sendungen anzusehen? Bei mittlerweile mindestens vierzig frei empfangbaren Sendern im Kabel - über Satellit bzw. mit Decoder sind es noch viel mehr - und einem reichlichen Angebot an Pay TV -Sendern, sollte sich doch auch für Ihren Geschmack etwas finden.

    Und wenn nicht, wartet sicher das eine oder andere gute Buch in Ihrem Regal darauf, dass Sie sich seiner annehmen. Wo also ist das Problem?

    Es gibt in Deutschland nun einmal Millionen von Zuschauern, die seine Sendungen schätzen und regelmässig einschalten. Ohne diese langfristig guten Einschaltquoten hätten sich diese Sendungen schwerlich so lange gehalten - gerade im Privatfernsehen. Bei 25 - 30% Marktanteil von WWM kann man in einer Demokratie wohl kaum etwas gegen die weitere Ausstrahlung vorbringen. Möge das Volk entscheiden! Im Deutschen Bundestag sind bekanntlich einige Parteien mit wesentlich geringerem Wählerzuspruch vertreten.

    • medwed
    • 20.08.2009 um 19:28 Uhr

    Ich wüsste eine Sendung, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ich bin ein Star, holt mich hier raus. Die ist inspiriert und kennt keinerlei Tristesse. Na, guter Tipp?

    • wll
    • 20.08.2009 um 14:45 Uhr

    ... Herrn Jauchs Sendungen anzusehen? Bei mittlerweile mindestens vierzig frei empfangbaren Sendern im Kabel - über Satellit bzw. mit Decoder sind es noch viel mehr - und einem reichlichen Angebot an Pay TV -Sendern, sollte sich doch auch für Ihren Geschmack etwas finden.

    Und wenn nicht, wartet sicher das eine oder andere gute Buch in Ihrem Regal darauf, dass Sie sich seiner annehmen. Wo also ist das Problem?

    Es gibt in Deutschland nun einmal Millionen von Zuschauern, die seine Sendungen schätzen und regelmässig einschalten. Ohne diese langfristig guten Einschaltquoten hätten sich diese Sendungen schwerlich so lange gehalten - gerade im Privatfernsehen. Bei 25 - 30% Marktanteil von WWM kann man in einer Demokratie wohl kaum etwas gegen die weitere Ausstrahlung vorbringen. Möge das Volk entscheiden! Im Deutschen Bundestag sind bekanntlich einige Parteien mit wesentlich geringerem Wählerzuspruch vertreten.

    • medwed
    • 20.08.2009 um 19:28 Uhr

    Ich wüsste eine Sendung, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ich bin ein Star, holt mich hier raus. Die ist inspiriert und kennt keinerlei Tristesse. Na, guter Tipp?

  1. 2. ...

    "Er sieht sich die politischen Talkshows natürlich weiter an und glaubt weiterhin, dass er das besser könnte."

    Das wage ich zu bezweifeln. Zumindest das "Journalistische", was man von ihm aus Stern TV kennt, ist wirklich unterstes Niveau.

    Boulevard-Journalisten in vorgeblich seriösen Medien gibt's mittlerweile schon genug, da sollte Herr Jauch lieber bei seinen belanglosen Moderationen bleiben.

    • wll
    • 20.08.2009 um 14:45 Uhr

    ... Herrn Jauchs Sendungen anzusehen? Bei mittlerweile mindestens vierzig frei empfangbaren Sendern im Kabel - über Satellit bzw. mit Decoder sind es noch viel mehr - und einem reichlichen Angebot an Pay TV -Sendern, sollte sich doch auch für Ihren Geschmack etwas finden.

    Und wenn nicht, wartet sicher das eine oder andere gute Buch in Ihrem Regal darauf, dass Sie sich seiner annehmen. Wo also ist das Problem?

    Es gibt in Deutschland nun einmal Millionen von Zuschauern, die seine Sendungen schätzen und regelmässig einschalten. Ohne diese langfristig guten Einschaltquoten hätten sich diese Sendungen schwerlich so lange gehalten - gerade im Privatfernsehen. Bei 25 - 30% Marktanteil von WWM kann man in einer Demokratie wohl kaum etwas gegen die weitere Ausstrahlung vorbringen. Möge das Volk entscheiden! Im Deutschen Bundestag sind bekanntlich einige Parteien mit wesentlich geringerem Wählerzuspruch vertreten.

  2. Es gibt wahrlich schlimmere Sendungen als die von Günther Jauch moderierten. Auch wenn gerade bei Stern TV nicht alle Themen sehr tiefgründig gewählt sind und man sich stark an der Einschaltquote orientiert, gefällt es mir, dass Jauch seine Gäste in keiner Weise herablassend behandelt oder öffentlich lächerlich macht, was gerade im Privatfernsehen nicht selbstverständlich ist. Zudem hat er keinen Hang zur Selbstüberschätzung, zeichnet sich aber durch Intelligenz aus. Ich habe den Eindruck, dass dies bei einer ganzen Garde von jüngeren Moderatoren leider genau umgekehrt ist.

    • medwed
    • 20.08.2009 um 19:28 Uhr
    5. Passt

    Ich wüsste eine Sendung, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ich bin ein Star, holt mich hier raus. Die ist inspiriert und kennt keinerlei Tristesse. Na, guter Tipp?

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    • ADoria
    • 20.08.2009 um 21:27 Uhr

    Den Blick ins Gaga-TV überlasse ich denen, die sich auch eine Biographie von Dieter Bohlen kaufen.

    • ADoria
    • 20.08.2009 um 21:27 Uhr

    Den Blick ins Gaga-TV überlasse ich denen, die sich auch eine Biographie von Dieter Bohlen kaufen.

    • ADoria
    • 20.08.2009 um 21:27 Uhr

    Den Blick ins Gaga-TV überlasse ich denen, die sich auch eine Biographie von Dieter Bohlen kaufen.

    Antwort auf "Passt"
  3. Klingt ja fast tragisch, G.Jauch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. .. Dabei steht er sich wohl selbst im Weg: Die immer wieder kolportierten
    1 Mio Euro Moderationshonorar pro"Wer wird Millionär" - Studiotag (3 Sendungen à 300 000 € plus Reisekosten) sind natürlich gewichtige Argumente, die RTL Sendung erst mal nicht einfach zu beenden, vor allem wenn man so auf Sicherheit aus ist wie er. Und ob er wirklich seine Karriere als politischer Moderator/Journalist beenden will?

    Interessant ist, dass er in seiner eigenen Sendung STERN TV, die nicht unter Kontrolle von RTL ist, längst alle sperrigen Themen verbannt hat. Er setzt lieber auf die Themenmischung "Tiere, Kinderschicksale, Autos, skurrile Erfindungen, abgezockte Häuslebauer und neuerdings Ärger rund um den Computer".

    • wll
    • 21.08.2009 um 10:08 Uhr

    "Die immer wieder kolportierten
    1 Mio Euro Moderationshonorar pro"Wer wird Millionär" - Studiotag (3 Sendungen à 300 000 € plus Reisekosten)..."

    Demnach würden bei Herrn Jauch Reisekosten von 100.000 EUR anfallen. Kommt der gute Mann denn mit der Air Force One angeflogen? Schon diese Angabe erscheint mir kaum nachvollziehbar.

    Die angeblichen 300.000 EUR pro Folge sprengen dann vollends jeden Rahmen. Nur zum Vergleich: Thomas Gottschalk erhält für eine Folge "Wetten dass?!" 40.000 EUR Honorar - und die dauert ungleich länger. Natürlich sind die Honorare bei den Privatsendern z. T. deutlich höher, da diese auch höhere Werbeeinnahmen erzielen können. Trotzdem erscheint mir eine ganze Grössenordnung hier doch zu hoch gegriffen.

    Jauchs Einkommen soll sich lt. einer bekannten Boulevardzeitung ;-) auf 750.000 EUR pro Monat belaufen - einschliesslich Werbeverträgen. Das wären dann 9.000.000 EUR pro Jahr. Selbst wenn er das ganze Geld nur mit WWM verdienen würde, wären das gerade einmal dreissig Folgen p.a. Eventuell beziehen sich ja die 300.000 EUR auf die Produktionskosten pro Folge (ohne Gewinne). Die sind bei Quizschows ja nicht sonderlich hoch...

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