Günther Jauch Gibt es ein Leben nach dem Fernsehen?Seite 5/5

Seine Firma I & U produziert Unterhaltungsshows für die ARD, und auch sonst, erwähnt er nebenbei, "waren die Signale, die in der Zeit nach meiner Absage von der ARD kamen, durchaus freundlich".

Dennoch, er hat es gelassen. Seine Freunde haben ihm das auch geraten. Marcel Reif etwa. "Du wirst damit nicht glücklich", warnte er Jauch. "Günther lebt doch wie ein Freibeuter, es redet ihm kaum einer rein. Das wäre bei der ARD anders gewesen." Und Thomas Gottschalk findet: "Auch wenn er sich über die geplatzte Talknummer geärgert hat – so wie es gelaufen ist, war es besser für ihn. Günther ist ein Perfektionist, und das Ding wäre nie perfekt gelaufen. Gekonnt hätte er’s aber!"

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Sollte es mit der politischen Sendung nichts werden, könnte er auch den direkten Weg gehen, in die Politik selbst. Der Bürger Günther Jauch setzt sich in Potsdam seit Langem für Denkmalpflege ein (mit Erfolg) und in Berlin für den Religionsunterricht als Pflichtfach (ohne Erfolg). Immer wieder wird er, nicht nur von der Boulevardpresse, als Kandidat für alle möglichen Posten gehandelt, vom Bürgermeister bis zum Bundespräsidenten. Laut Umfrage des Emnid-Instituts wünscht jeder zweite Deutsche sich Günther Jauch als Kanzler. Und was traut der Moderator Jauch dem Politiker Jauch zu?

Erst will er dazu gar nichts sagen. Es entsteht eine Pause. "Ich gebe zu, dass ich ein Faible für Seiteneinsteiger in der Politik habe, auch wenn sie in Deutschland ausnahmslos gescheitert sind." Wieder eine lange Pause.

Er nippt am Mineralwasser. "In der Politik brauchen Sie auf jeder Ebene Unterstützung. Sie brauchen Mehrheiten. Wenn ich da an Fraktionsdisziplin denke, an all die nötigen Absprachen et cetera et cetera, das wird mit mir schwierig. Deshalb ist der politische Alltag nichts für mich."

Parteihansel oder Rundfunkräte, das Problem wäre dasselbe: Er will es eigentlich, aber er hat Angst, sich ins Unglück zu stürzen. Er müsste sich auf unsicheres Terrain begeben. Er, der seit Langem keinen großen Flop mehr gelandet hat, würde sich einem Risiko aussetzen, das er nicht kontrollieren könnte. Seine Beliebtheit würde ihm helfen, aber nicht in jeder Situation. Es wäre ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Nicht nur eine x-te neue Show, nicht nur 5 gegen Jauch, sondern Jauch nach Jauch.

Warum will er diesen Schritt nicht gehen, obwohl ihm doch das Unterhaltungsfernsehen nichts Neues mehr bieten kann? Günther Jauch sagt, er habe seinen Vater immer bewundert für dessen Souveränität. Ernst-Alfred Jauch, Jahrgang 1920, war Journalist, leitete mit Erfolg das Büro der Katholischen Nachrichten-Agentur in West-Berlin. Er starb 1991.

"Mir fehlt es an der Gelassenheit, die er hatte", sagt der Sohn. "Ich neige dazu, mich über jede Kleinigkeit aufzuregen, mich in einen Knochen zu verbeißen und den nicht mehr loszulassen. Ich nehme viele Dinge persönlich, obwohl ich das gar nicht müsste." Nur im Fernsehen tritt Günther Jauch auf wie sein Vater, souverän, klug, gelassen. "Im Fernsehen", sagt er, "ist alles leichter als im Leben."

Ernst-Alfred Jauch hat nach seiner Pensionierung seiner Familie oft stundenlang aus der Zeitung vorgelesen, auch wenn die mit anderem beschäftigt war. Manchmal hat er dann die Zeitung runtergeklappt, in die Runde geschaut und gesagt: "Mir hört ja doch keiner zu." Sein Vater habe sich am Ende hinter der Zeitung versteckt. "Er hat festgestellt, dass das Leben an ihm vorbeigeht, aber er hat’s einfach laufen lassen."

Seit einiger Zeit trainiert Günther Jauch diese Art des Verschwindens. Auch er liest daheim laut aus der Zeitung vor. Er sagt, dass ihn das ungemein beruhige.

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Leser-Kommentare
    • ADoria
    • 20.08.2009 um 12:46 Uhr

    Doch! Es sind genau jene Fernsehproduktionen, die das Fernsehen so bedauernswert machen.
    Vielleicht hätte er sich doch an Klaus Bednarz orientieren sollen. So wären eventuell interessante Reisereportagen zustande gekommen.

    Aber dafür ist es jetzt zu spät. Stattdessen traktiert er das Fernsehpublikum mit stereotypen, langweiligen und uninspirierenden Sendungen. Dies macht ihn zwar zu einem erfolgreichen, gut verdienenden Moderator, der Preis ist Stupidität und Tristesse.
    Warum sucht er sich nicht ein Hobby, weit weg vom Fernsehen? Dadurch können alle Seiten nur gewinnen.

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    • wll
    • 20.08.2009 um 14:45 Uhr

    ... Herrn Jauchs Sendungen anzusehen? Bei mittlerweile mindestens vierzig frei empfangbaren Sendern im Kabel - über Satellit bzw. mit Decoder sind es noch viel mehr - und einem reichlichen Angebot an Pay TV -Sendern, sollte sich doch auch für Ihren Geschmack etwas finden.

    Und wenn nicht, wartet sicher das eine oder andere gute Buch in Ihrem Regal darauf, dass Sie sich seiner annehmen. Wo also ist das Problem?

    Es gibt in Deutschland nun einmal Millionen von Zuschauern, die seine Sendungen schätzen und regelmässig einschalten. Ohne diese langfristig guten Einschaltquoten hätten sich diese Sendungen schwerlich so lange gehalten - gerade im Privatfernsehen. Bei 25 - 30% Marktanteil von WWM kann man in einer Demokratie wohl kaum etwas gegen die weitere Ausstrahlung vorbringen. Möge das Volk entscheiden! Im Deutschen Bundestag sind bekanntlich einige Parteien mit wesentlich geringerem Wählerzuspruch vertreten.

    • medwed
    • 20.08.2009 um 19:28 Uhr

    Ich wüsste eine Sendung, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ich bin ein Star, holt mich hier raus. Die ist inspiriert und kennt keinerlei Tristesse. Na, guter Tipp?

    • wll
    • 20.08.2009 um 14:45 Uhr

    ... Herrn Jauchs Sendungen anzusehen? Bei mittlerweile mindestens vierzig frei empfangbaren Sendern im Kabel - über Satellit bzw. mit Decoder sind es noch viel mehr - und einem reichlichen Angebot an Pay TV -Sendern, sollte sich doch auch für Ihren Geschmack etwas finden.

    Und wenn nicht, wartet sicher das eine oder andere gute Buch in Ihrem Regal darauf, dass Sie sich seiner annehmen. Wo also ist das Problem?

    Es gibt in Deutschland nun einmal Millionen von Zuschauern, die seine Sendungen schätzen und regelmässig einschalten. Ohne diese langfristig guten Einschaltquoten hätten sich diese Sendungen schwerlich so lange gehalten - gerade im Privatfernsehen. Bei 25 - 30% Marktanteil von WWM kann man in einer Demokratie wohl kaum etwas gegen die weitere Ausstrahlung vorbringen. Möge das Volk entscheiden! Im Deutschen Bundestag sind bekanntlich einige Parteien mit wesentlich geringerem Wählerzuspruch vertreten.

    • medwed
    • 20.08.2009 um 19:28 Uhr

    Ich wüsste eine Sendung, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ich bin ein Star, holt mich hier raus. Die ist inspiriert und kennt keinerlei Tristesse. Na, guter Tipp?

  1. 2. ...

    "Er sieht sich die politischen Talkshows natürlich weiter an und glaubt weiterhin, dass er das besser könnte."

    Das wage ich zu bezweifeln. Zumindest das "Journalistische", was man von ihm aus Stern TV kennt, ist wirklich unterstes Niveau.

    Boulevard-Journalisten in vorgeblich seriösen Medien gibt's mittlerweile schon genug, da sollte Herr Jauch lieber bei seinen belanglosen Moderationen bleiben.

    • wll
    • 20.08.2009 um 14:45 Uhr

    ... Herrn Jauchs Sendungen anzusehen? Bei mittlerweile mindestens vierzig frei empfangbaren Sendern im Kabel - über Satellit bzw. mit Decoder sind es noch viel mehr - und einem reichlichen Angebot an Pay TV -Sendern, sollte sich doch auch für Ihren Geschmack etwas finden.

    Und wenn nicht, wartet sicher das eine oder andere gute Buch in Ihrem Regal darauf, dass Sie sich seiner annehmen. Wo also ist das Problem?

    Es gibt in Deutschland nun einmal Millionen von Zuschauern, die seine Sendungen schätzen und regelmässig einschalten. Ohne diese langfristig guten Einschaltquoten hätten sich diese Sendungen schwerlich so lange gehalten - gerade im Privatfernsehen. Bei 25 - 30% Marktanteil von WWM kann man in einer Demokratie wohl kaum etwas gegen die weitere Ausstrahlung vorbringen. Möge das Volk entscheiden! Im Deutschen Bundestag sind bekanntlich einige Parteien mit wesentlich geringerem Wählerzuspruch vertreten.

  2. Es gibt wahrlich schlimmere Sendungen als die von Günther Jauch moderierten. Auch wenn gerade bei Stern TV nicht alle Themen sehr tiefgründig gewählt sind und man sich stark an der Einschaltquote orientiert, gefällt es mir, dass Jauch seine Gäste in keiner Weise herablassend behandelt oder öffentlich lächerlich macht, was gerade im Privatfernsehen nicht selbstverständlich ist. Zudem hat er keinen Hang zur Selbstüberschätzung, zeichnet sich aber durch Intelligenz aus. Ich habe den Eindruck, dass dies bei einer ganzen Garde von jüngeren Moderatoren leider genau umgekehrt ist.

    • medwed
    • 20.08.2009 um 19:28 Uhr
    5. Passt

    Ich wüsste eine Sendung, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ich bin ein Star, holt mich hier raus. Die ist inspiriert und kennt keinerlei Tristesse. Na, guter Tipp?

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    • ADoria
    • 20.08.2009 um 21:27 Uhr

    Den Blick ins Gaga-TV überlasse ich denen, die sich auch eine Biographie von Dieter Bohlen kaufen.

    • ADoria
    • 20.08.2009 um 21:27 Uhr

    Den Blick ins Gaga-TV überlasse ich denen, die sich auch eine Biographie von Dieter Bohlen kaufen.

    • ADoria
    • 20.08.2009 um 21:27 Uhr

    Den Blick ins Gaga-TV überlasse ich denen, die sich auch eine Biographie von Dieter Bohlen kaufen.

    Antwort auf "Passt"
  3. Klingt ja fast tragisch, G.Jauch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. .. Dabei steht er sich wohl selbst im Weg: Die immer wieder kolportierten
    1 Mio Euro Moderationshonorar pro"Wer wird Millionär" - Studiotag (3 Sendungen à 300 000 € plus Reisekosten) sind natürlich gewichtige Argumente, die RTL Sendung erst mal nicht einfach zu beenden, vor allem wenn man so auf Sicherheit aus ist wie er. Und ob er wirklich seine Karriere als politischer Moderator/Journalist beenden will?

    Interessant ist, dass er in seiner eigenen Sendung STERN TV, die nicht unter Kontrolle von RTL ist, längst alle sperrigen Themen verbannt hat. Er setzt lieber auf die Themenmischung "Tiere, Kinderschicksale, Autos, skurrile Erfindungen, abgezockte Häuslebauer und neuerdings Ärger rund um den Computer".

    • wll
    • 21.08.2009 um 10:08 Uhr

    "Die immer wieder kolportierten
    1 Mio Euro Moderationshonorar pro"Wer wird Millionär" - Studiotag (3 Sendungen à 300 000 € plus Reisekosten)..."

    Demnach würden bei Herrn Jauch Reisekosten von 100.000 EUR anfallen. Kommt der gute Mann denn mit der Air Force One angeflogen? Schon diese Angabe erscheint mir kaum nachvollziehbar.

    Die angeblichen 300.000 EUR pro Folge sprengen dann vollends jeden Rahmen. Nur zum Vergleich: Thomas Gottschalk erhält für eine Folge "Wetten dass?!" 40.000 EUR Honorar - und die dauert ungleich länger. Natürlich sind die Honorare bei den Privatsendern z. T. deutlich höher, da diese auch höhere Werbeeinnahmen erzielen können. Trotzdem erscheint mir eine ganze Grössenordnung hier doch zu hoch gegriffen.

    Jauchs Einkommen soll sich lt. einer bekannten Boulevardzeitung ;-) auf 750.000 EUR pro Monat belaufen - einschliesslich Werbeverträgen. Das wären dann 9.000.000 EUR pro Jahr. Selbst wenn er das ganze Geld nur mit WWM verdienen würde, wären das gerade einmal dreissig Folgen p.a. Eventuell beziehen sich ja die 300.000 EUR auf die Produktionskosten pro Folge (ohne Gewinne). Die sind bei Quizschows ja nicht sonderlich hoch...

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