Kapitalismus Was heißt hier sinnhafte Arbeit?

Zur Fundamentalkritik am Kapitalismus gehört, dass er den Werktätigen vom Werk entfremde. Das hat sich aber eingerenkt, findet Harald Martenstein

Arbeit an der Supermarktkasse

Arbeit an der Supermarktkasse

Während ich dies schreibe, sehe ich, wenn ich den Kopf hebe und auf die Straße schaue, einen Arbeiter. Er pflastert die Straße, da wird ein Radweg hergestellt. Das ist, ohne jeden Zweifel, eine sinnvolle Tätigkeit. Trotzdem glaube ich nicht, dass er seine Arbeit liebt. Wenn er die Chance dazu hätte, würde er wohl etwas anderes machen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es möglich ist, eine monotone Arbeit zu lieben. Er darf außerdem nichts entscheiden, er setzt die Steine an eine bestimmte Stelle, er folgt einer bestimmten Strecke, das alles haben Vorgesetzte entschieden, anders geht es wohl nicht.

Es gibt sinnhafte Arbeit, die für den, der sie tut, nicht angenehm ist. Der »Sinn«, den eine Arbeit hat, und der Lustgewinn, den sie dem Arbeiter bereitet, sind zwei völlig verschiedene Dinge. Und über die Frage, welche Arbeit überhaupt sinnhaft ist und welche nicht, lässt sich wahrscheinlich keine Einigkeit herstellen. Tut der Croupier im Spielcasino etwas Sinnhaftes? Eine Gesellschaft funktioniert auch ohne Spielcasinos. Manchen Leuten macht es Spaß zu spielen, reicht das als Legitimation? Der durchschnittliche Croupier ist, vermute ich, mit seiner Tätigkeit zufriedener als der durchschnittliche Straßenarbeiter, nicht nur wegen der Bezahlung, die Schlüsselwörter heißen »Abwechslung« und »Autonomie«. Der gesellschaftliche Nutzen des Spielcasinos liegt darin, dass es Geld verdient und Arbeitsplätze schafft, diese Arbeit produziert ihren Sinn also zum größten Teil selber.

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Der Kapitalismus hat die Industrialisierung in Gang gesetzt, deren neueste Kapitel »Internet« und »Globalisierung« heißen. Das wichtigste Werkzeug des Kapitalismus ist die Arbeitsteilung, ein immer breiteres Spektrum an hoch spezialisierten Tätigkeiten. Karl Marx hat dem Kapitalismus das Bild von der unentfremdeten Arbeit im Kommunismus entgegengesetzt, Menschen, die morgens Bauer sind, abends Fischer, mittags vielleicht Koch. Abwechslung und Autonomie. Es ist aber nicht möglich, morgens an einem neuen Medikament zu forschen, mittags einen Computerchip zu konstruieren und abends eine Fernsehshow zu konzipieren. Diese Arbeiten sind dafür zu komplex, nur Spezialisten, die sich ständig weiterbilden, können sie tun. Parallel dazu hat der Kapitalismus natürlich auch neue Formen der relativ einfachen, weisungsabhängigen, monotonen Arbeit hervorgebracht, zum Beispiel im Callcenter und an der Supermarktkasse.

War die Arbeit eines mittelalterlichen Stallknechts erfüllender oder sinnhafter als die Arbeit einer Supermarktkassiererin? Wer hat am Arbeitsplatz mehr Freiheit, wer hat während der Arbeit mehr Abwechslung, falls diese Kriterien die richtigen sind? Vielleicht sogar der Stallknecht, dessen Bauer ihn nicht ununterbrochen beaufsichtigen konnte und der sehr unterschiedliche Arbeiten erledigen musste. Das Leben des Stallknechts war allerdings kurz, es bestand fast nur aus Arbeit. Die Kassiererin arbeitet 38 oder 40 Stunden, sie bekommt Urlaub, lebt länger, sie ist gesünder, ihr Risiko, einem Arbeitsunfall oder einem Krieg zum Opfer zu fallen, ist geringer. Der Abschnitt ihres relativ langen Lebens, den sie für bezahlte oder unbezahlte Arbeit aufbringen muss, ist kürzer als bei jeder anderen Generation von Arbeitern, die jemals auf diesem Planeten gelebt hat.

Leser-Kommentare
  1. 1. naiv

    Da hat jetzt nicht ernsthaft jemand eine Kassiererin mit einem mittelalterlichen Stallknecht verglichen und daraus geschlossen, dass der Kapitalismus toll ist?

  2. Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Die entscheidende Frage ist eben nicht: "Wie koennen wir Vollbeschaeftigung erreichen?" (was eben nicht mehr moeglich ist, man kann das bedauern, nuetzt aber nichts), sondern: "Was geschieht mit den Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird?"

    Die Partei, die sich dieser Problematik annimmt hat meine Stimme!

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    • Scampi
    • 24.08.2009 um 11:20 Uhr

    Verstehen Sie mich nicht falsch: ich würde diese Frage auch als richtig ansehen, jedoch wollen unsere Politiker nicht mitmachen.
    Das soll mir recht sein, solange dadurch Wege zur Beschäftigung geschaffen werden, anstatt die Vorstellung, Vollbeschäftigung sei möglich, nur dazu auszunutzen, Druck auf Unbeschäftigte auszuüben. Schließlich kann man nicht verlangen, dass jemand sich für den Arbeitsmarkt den A**** aufreißt, wenn man ihm sagt, dass er sowieso nicht gebraucht wird(und im Fall, dass er eingestellt wird, eben jemand anders) und es auch keine Aussicht gibt, dass sich hieran etwas ändert. Solange aber das Wort "Vollbeschäftigung" im Raum schwebt, ist noch Platz für Forderungen an Arbeitslose und Kürzungen in den sozialen Sicherungssystemen, um diese "Schmarotzer"(Copyright by Guido W.) daran zu erinnern, dass sie gefälligst miteinander zu konkurrieren haben.
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------
    There always seems to be something great in the personality of a great leader.
    Sadly history has shown that great folly will suffice.

    man kann ja noch einen Schritt weitergehen und fragen: Was passiert eigentlich, wenn die Zahl der Menschen deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird so groß geworden ist, dass die verbleibenden Arbeitsplatzbesitzer, Steuerzahler, Vermögensbesitzer und etc. die Alimentierung dieser Gruppe nicht mehr leisten können? Glauben Sie, dass irgendeine Partei die uralte Frage löst, wie man einem Nackten in die Tasche fassen kann?

    Hallo unruhschuh,
    Zitat:
    "Was geschieht mit den Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird?
    Die Partei, die sich dieser Problematik annimmt hat meine Stimme!"

    Meine auch!

    • Scampi
    • 24.08.2009 um 11:20 Uhr

    Verstehen Sie mich nicht falsch: ich würde diese Frage auch als richtig ansehen, jedoch wollen unsere Politiker nicht mitmachen.
    Das soll mir recht sein, solange dadurch Wege zur Beschäftigung geschaffen werden, anstatt die Vorstellung, Vollbeschäftigung sei möglich, nur dazu auszunutzen, Druck auf Unbeschäftigte auszuüben. Schließlich kann man nicht verlangen, dass jemand sich für den Arbeitsmarkt den A**** aufreißt, wenn man ihm sagt, dass er sowieso nicht gebraucht wird(und im Fall, dass er eingestellt wird, eben jemand anders) und es auch keine Aussicht gibt, dass sich hieran etwas ändert. Solange aber das Wort "Vollbeschäftigung" im Raum schwebt, ist noch Platz für Forderungen an Arbeitslose und Kürzungen in den sozialen Sicherungssystemen, um diese "Schmarotzer"(Copyright by Guido W.) daran zu erinnern, dass sie gefälligst miteinander zu konkurrieren haben.
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    There always seems to be something great in the personality of a great leader.
    Sadly history has shown that great folly will suffice.

    man kann ja noch einen Schritt weitergehen und fragen: Was passiert eigentlich, wenn die Zahl der Menschen deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird so groß geworden ist, dass die verbleibenden Arbeitsplatzbesitzer, Steuerzahler, Vermögensbesitzer und etc. die Alimentierung dieser Gruppe nicht mehr leisten können? Glauben Sie, dass irgendeine Partei die uralte Frage löst, wie man einem Nackten in die Tasche fassen kann?

    Hallo unruhschuh,
    Zitat:
    "Was geschieht mit den Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird?
    Die Partei, die sich dieser Problematik annimmt hat meine Stimme!"

    Meine auch!

    • Scampi
    • 24.08.2009 um 11:20 Uhr

    Verstehen Sie mich nicht falsch: ich würde diese Frage auch als richtig ansehen, jedoch wollen unsere Politiker nicht mitmachen.
    Das soll mir recht sein, solange dadurch Wege zur Beschäftigung geschaffen werden, anstatt die Vorstellung, Vollbeschäftigung sei möglich, nur dazu auszunutzen, Druck auf Unbeschäftigte auszuüben. Schließlich kann man nicht verlangen, dass jemand sich für den Arbeitsmarkt den A**** aufreißt, wenn man ihm sagt, dass er sowieso nicht gebraucht wird(und im Fall, dass er eingestellt wird, eben jemand anders) und es auch keine Aussicht gibt, dass sich hieran etwas ändert. Solange aber das Wort "Vollbeschäftigung" im Raum schwebt, ist noch Platz für Forderungen an Arbeitslose und Kürzungen in den sozialen Sicherungssystemen, um diese "Schmarotzer"(Copyright by Guido W.) daran zu erinnern, dass sie gefälligst miteinander zu konkurrieren haben.
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    There always seems to be something great in the personality of a great leader.
    Sadly history has shown that great folly will suffice.

  3. 4. Fragen

    Einige Fragen seien erlaubt, Herr Martenstein:

    1. Was haben Sinnhaftigkeit der Arbeit und Arbeitszeit miteinander zu tun? - Sie sprechen überwiegend über Arbeitszeit und Arbeitsteilung...

    2. Stimmt es, was sie zur Reduzierung der Arbeitszeit im modernen Kapitalismus schreiben? - Ich fürchte nicht! Ganz sicher ist es richtig, dass unser technische Errungenschaften der Warenwelt den Alltag erleichtern. Falsch ist, dass wir dadurch Freizeit gewinnen. Das Gegenteil ist der Fall. Verfügbare Zeit wird umgehend in Arbeitszeit umgewandelt - und sei es in Arbeitszeit von Familienmitgliedern, die vormals nicht gearbeitet haben.
    Sie besitzen die (dreiste) Freiheit, den Knecht mit der Kassiererin zu vergleichen und lassen außer Acht, dass des Knechtes Arbeit einst eine Familie ernährte. Heute müssen die Kassiererin und ihr Partner gleichzeitig arbeiten und Zuschuss vom Staat erbitten, um sich ein Auskommen zu sichern.
    Dass die Arbeit in der modernen, bürgerlichen Gesellschaft viel stärker vom Menschen Besitz ergriffen hat, ist keine kapitalismuskritische These, sondern eine statistische Einsicht. Rechnet man allerdings mit der geschönten Pro-Kopf-Arbeitszeit, die Geschlecht und sonstige gesellschaftliche Verhältnisse außer Acht lässt, dann kommt man zu angenehmen Resultaten wie den Ihren.

    Dass ich nicht falsch verstanden werde: Ich spreche mich keineswegs gegen Emanzipation und Gleichberechtigung der Frau in der freien Berufstätigkeit aus. Ich frage vielmehr: Hat sich die gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit durch den Kapitalismus verkürzt oder verlängert?

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    Die Arbeit des Knechts hat also angeblich eine Familie ernährt? Wann soll das denn gewesen sein? Soweit mir bekannt, hatten in vorindustriellen Zeiten Menschen dieses Berufs keine Familie, weil sie nicht das Recht hatten, zu heiraten. Wenn man weiter geht und an die Zeiten vor einigen Jahrzehnten zurück denkt, so haben die Ehefrauen und auch die älteren Kinder solcher Einkommensgruppen immer mit zum Überleben der Familie beigetragen und das durch harte körperliche Arbeit.
    .
    Unc mir ist keine Schilderung bekannt, in der Knechte eine Familie ernähren konnten, die Frau lediglich die Kinder bespielte und ein wenig Essen in der Mikrowelle auftaute, wie wir das heute bei Mittelstandsfamilien immer noch beobachten können ...

    Die Arbeit des Knechts hat also angeblich eine Familie ernährt? Wann soll das denn gewesen sein? Soweit mir bekannt, hatten in vorindustriellen Zeiten Menschen dieses Berufs keine Familie, weil sie nicht das Recht hatten, zu heiraten. Wenn man weiter geht und an die Zeiten vor einigen Jahrzehnten zurück denkt, so haben die Ehefrauen und auch die älteren Kinder solcher Einkommensgruppen immer mit zum Überleben der Familie beigetragen und das durch harte körperliche Arbeit.
    .
    Unc mir ist keine Schilderung bekannt, in der Knechte eine Familie ernähren konnten, die Frau lediglich die Kinder bespielte und ein wenig Essen in der Mikrowelle auftaute, wie wir das heute bei Mittelstandsfamilien immer noch beobachten können ...

  4. Ich hab die Schnauze gestrichen voll von diesen Altbauhelden, die ex cathedra von ihren abgebeizten Küchentischen aus jeder Supermarktkassiererin erklären können, dass es ihr heute besser geht denn je. Das ist adelige Überheblichkeit ohne einen Anflug deren ehemaliger Klasse und noch nicht einmal einer „Aristokratie des Geistes“ zugehörig. Das ist nur noch geschlagener Schaum ohne jeglichen Geschmack.

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    Das läßt sich durch einen Blick in die Statistiken feststellen. Ob sich die Kassiererin (oder der Pflasterer oder sonst wer) dabei wohl fühlt, Erfüllung findet oder sich grämt, ist eine persönliche Frage. Ich kenne nicht wenige Leute, die nicht zu einer "Aristokratie des Geistes" gezählt werden können, die aber gleichwohl eine sinnhafte Tätigkeit ausüben. Außerdem werden sie gebraucht, weil manche der Aristokraten zwar prima theoretisieren können, aber zu dusselig sind, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen.
    Ich habe die Schnauze voll von den wohlsituierten Klassenkämpfern, die vom Podest der Moral alle anderen belehren wollen, die es sich aber mit ihren persönlichen Konsumentscheidungen in der ach so furchtbaren, globalisierten Welt komfortabel eingerichtet haben.

    Das läßt sich durch einen Blick in die Statistiken feststellen. Ob sich die Kassiererin (oder der Pflasterer oder sonst wer) dabei wohl fühlt, Erfüllung findet oder sich grämt, ist eine persönliche Frage. Ich kenne nicht wenige Leute, die nicht zu einer "Aristokratie des Geistes" gezählt werden können, die aber gleichwohl eine sinnhafte Tätigkeit ausüben. Außerdem werden sie gebraucht, weil manche der Aristokraten zwar prima theoretisieren können, aber zu dusselig sind, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen.
    Ich habe die Schnauze voll von den wohlsituierten Klassenkämpfern, die vom Podest der Moral alle anderen belehren wollen, die es sich aber mit ihren persönlichen Konsumentscheidungen in der ach so furchtbaren, globalisierten Welt komfortabel eingerichtet haben.

  5. man kann ja noch einen Schritt weitergehen und fragen: Was passiert eigentlich, wenn die Zahl der Menschen deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird so groß geworden ist, dass die verbleibenden Arbeitsplatzbesitzer, Steuerzahler, Vermögensbesitzer und etc. die Alimentierung dieser Gruppe nicht mehr leisten können? Glauben Sie, dass irgendeine Partei die uralte Frage löst, wie man einem Nackten in die Tasche fassen kann?

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    Das Problem ist ja, dass Großvermögen zu wenig zur Finanzierung der gesellschaftlichen Kosten herangezogen werden. Da wäre die Abschaffung der Vermögenssteuer und Börsenumsatzsteuer und die Senkung des Spitzensteuersatzes bei der Einkommensteuer und die zu geringe Erbschaftssteuer.

    Letztendlich müsste in stärkerem Maße auch die betriebliche Einkommensteuer zur Finanzierung der Sozialversicherung herangezogen werden. Die Arbeitnehmer sollen ja jetzt schon privat vorsorgen, sind aber wegen der stagnierenden Löhne und prekären Arbeitsverhältnisse immer weniger dazu in der Lage. Die Arbeitnehmer werden immer stärker unter Druck gesetzt, etwa durch Aushöhlung des Kündigungsschutzes, Leiharbeit, Krankheit durch psychologischen Druck, Bedrohung durch Hartz4. Die Arbeitnehmer werden dann ach noch gegen Hartz4-Empfänger aufgehetzt, was eine Spaltung der Gesellschaft bedeutet. Der damalige Arbeitsminister Clement hatte ein Pamphlet auf die Hompage des Ministeriums setzen lassen, in dem Hart4-Empfänger als Parasiten bezeichnet wurden.

    In jedem Nachbarstaat um Deutschland herum, auch etwa in Polen, gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn. Hier wird er von CxU und FDP bekämft. Die SPD setzt sich da auch nur sehr halbherzig für ein.

    • keox
    • 24.08.2009 um 13:14 Uhr

    mit einer Maschinensteuer?

    Das Problem ist ja, dass Großvermögen zu wenig zur Finanzierung der gesellschaftlichen Kosten herangezogen werden. Da wäre die Abschaffung der Vermögenssteuer und Börsenumsatzsteuer und die Senkung des Spitzensteuersatzes bei der Einkommensteuer und die zu geringe Erbschaftssteuer.

    Letztendlich müsste in stärkerem Maße auch die betriebliche Einkommensteuer zur Finanzierung der Sozialversicherung herangezogen werden. Die Arbeitnehmer sollen ja jetzt schon privat vorsorgen, sind aber wegen der stagnierenden Löhne und prekären Arbeitsverhältnisse immer weniger dazu in der Lage. Die Arbeitnehmer werden immer stärker unter Druck gesetzt, etwa durch Aushöhlung des Kündigungsschutzes, Leiharbeit, Krankheit durch psychologischen Druck, Bedrohung durch Hartz4. Die Arbeitnehmer werden dann ach noch gegen Hartz4-Empfänger aufgehetzt, was eine Spaltung der Gesellschaft bedeutet. Der damalige Arbeitsminister Clement hatte ein Pamphlet auf die Hompage des Ministeriums setzen lassen, in dem Hart4-Empfänger als Parasiten bezeichnet wurden.

    In jedem Nachbarstaat um Deutschland herum, auch etwa in Polen, gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn. Hier wird er von CxU und FDP bekämft. Die SPD setzt sich da auch nur sehr halbherzig für ein.

    • keox
    • 24.08.2009 um 13:14 Uhr

    mit einer Maschinensteuer?

  6. Sehr geehrter Herr Martenstein,

    wir müssen konstatieren das das abtippen auf einer Tastatur für journalistische Arbeitszwecke auch eine monotone Arbeit ist. Sie erzählen auch nur Geschichten die ihr politisches Klintel hören möchte...
    halt liberal bornierte Freigeistler der Moderne...
    Wie dem auch sei...

    Schauen sie mal genauer auf die Lebensverhältnisse der Beschäftigenten hin:

    1. Fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Bereich:
    Zeit-u.Teilzeitarbeit; Leiharbeit und Minijobs ----- das sind alles Erwerbsformen in die gleitende Armut der rumhartzerrei und rumrieseterei...
    Diese Menschen arbeiten meist weniger als 21 Wochenstunden.

    Bei einem Verdienst von 10 €/Std. Brutto kommen sie auf 840 €.

    Was sollen diese Menschen machen nur ihre Miete, Kosten, usw. zahlen?

    Wir reden von mind. 10,8 Mio. Menschen aus diesem Bereich!!! (siehe BfS)

    Hinzu kommen nochmals mind. 3,5 Mio. Erwerbslose....

    Auf jeden Fall akkumuliert sich das Lumpenproletariat.
    Eine Chance Verhälötnisse umzukremppeln, oder nicht?
    Gruss
    Trizmachine

    [Anmerkung: Bitte formulieren Sie trotz allem Ihre Kritik sachlich und verzichten Sie Ihrerseits auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/ mwe]

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    1. 10 Euro pro Stunde hätte ich gern - ich arbeite für 5,35 Euro in der Kunsthalle Mannheim. Das ist eine Frechheit.
    2. Es geht nicht dass neben den Löhnen auch die Arbeitszeiten so gespreizt sind. Wir brauchen gleiche Arbeitszeiten für alle wie früher, die aber signifikant kürzer sein müssen. Angesichts der Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt ist das sicher erforderlich und möglich. Und der Familie dient es auch.
    3. Am schlimmsten sind die Vermieter: Reiche Erben lassen sich Immobilien bauen oder renovieren sie - danach kassieren sie schamlos hohe Mieten ohne je etwas gearbeitet zu haben.
    4. Es ist Aufgabe des Lumpenproletariats selbst sich anständig anzuziehen. Da hilft nur modische Typberatung und eine Verbesserung des Angebots der Textilindustrie.
    5. Reden Sie nicht von 10 Millionen - reden Sie von 80 Millionen Deutschen.

    Viele Grüsse

    1. 10 Euro pro Stunde hätte ich gern - ich arbeite für 5,35 Euro in der Kunsthalle Mannheim. Das ist eine Frechheit.
    2. Es geht nicht dass neben den Löhnen auch die Arbeitszeiten so gespreizt sind. Wir brauchen gleiche Arbeitszeiten für alle wie früher, die aber signifikant kürzer sein müssen. Angesichts der Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt ist das sicher erforderlich und möglich. Und der Familie dient es auch.
    3. Am schlimmsten sind die Vermieter: Reiche Erben lassen sich Immobilien bauen oder renovieren sie - danach kassieren sie schamlos hohe Mieten ohne je etwas gearbeitet zu haben.
    4. Es ist Aufgabe des Lumpenproletariats selbst sich anständig anzuziehen. Da hilft nur modische Typberatung und eine Verbesserung des Angebots der Textilindustrie.
    5. Reden Sie nicht von 10 Millionen - reden Sie von 80 Millionen Deutschen.

    Viele Grüsse

  7. 1. Der Pflasterer, den Sie gesehen haben ist entweder ein Ein-Euro-Jobber, der von der Kommune alimentiert wird oder ein Kleinunternehmer, der sich bei vollem unternehmerischen Risiko mühsam seine Aufträge zusammensuchen muß. Vielleicht arbeitet er auch für eine jener Gesellschaften, die von öffentlichen Trägern in die Privatwirtschaft ausgegliedert wurden und die ehemaligen Mitarbeiter zu Billiglöhnen weiterbeschäftigen.
    2. Die Supermarktkassiererin, die für 4,5 Euro pro Stunde Regale auffüllen, den Fußboden aufwischen und im Eiltempo Kunden abfertigen muß, dürfte nach ihrer Arbeitszeit kaum das große Gefühl der Freiheit verspüren. Wieviel Lebensarbeitszeit die Supermarktkassiererin aufwenden muß, läßt sich angesichts der Schieflage der Rentenkassen nicht prognostizieren. Vielleicht muß sie mit 70 Pfandflaschen sammeln, um satt zu werden.
    3. Globalisierung gab es schon seit es internationalen Handel gibt. Beschäftigen Sie sich doch einmal mit der Geschichte der Seidenstraße oder der europäischen Handelsstraßen. Auch internationale Wirtschaftskrisen gab es schon im alten Griechenland, im alten Rom, im alten China. Die bekannte Welt war etwas kleiner. Aber deshalb ist die Globalisierung keine Erfindung der Neuzeit!
    4. Arbeitsteilung gab es schon bei den Jägern und Sammlern. Übrigens ist die Arbeitsteilung keine menschliche Erfindung. Auch Tiere kennen die Arbeitsteilung, sonst müßten z.B. die Löwen verhungern. Die Arbeitsteilung wird mit der Industrialisierung in Verbindung gebracht. Schon der Bau der Pyramiden ist nur durch Arbeitsteilung denkbar.
    5. Der mittelalterlich Stallkecht hatte keinen Supermarkt, noch nicht einmal einen Kühlschrank. Das Leben war wahrscheinlich ein einzger Überlebenskampf, weshalb der Stallknecht keine Zeit hatte, sich über den Sinn des Lebens Gedanken zu machen.

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    • keox
    • 24.08.2009 um 13:20 Uhr

    "Der Pflasterer, den Sie gesehen haben ist entweder ein Ein-Euro-Jobber, der von der Kommune alimentiert wird ..."

    Man könnte ausch sagen, der Ein-€-Knecht wird gezwungen, die Gemeinde zu alimentieren

    • keox
    • 24.08.2009 um 13:20 Uhr

    "Der Pflasterer, den Sie gesehen haben ist entweder ein Ein-Euro-Jobber, der von der Kommune alimentiert wird ..."

    Man könnte ausch sagen, der Ein-€-Knecht wird gezwungen, die Gemeinde zu alimentieren

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