Kapitalismus Zerstört der Kapitalismus die Demokratie?
Privateigentum und Volksherrschaft gelten Systemkritikern als Gegensatzpaar. Josef Joffe gehört nicht zu ihnen
Wer hat den Kapitalismus – sagen wir besser: Marktwirtschaft plus Privateigentum – erfunden? Es war Moses, der bekanntlich das (göttlich inspirierte) siebte Gebot so formuliert hat: "Du sollst nicht stehlen." Diese vier Wörter markieren weit mehr als den (geheiligten) Schutz des Eigentums.
Warum? Denken wir weiter. Wenn ich sagen darf: "Das gehört mir", verkünde ich mit Fug und Recht: "Hier darfst du nicht rein; das ist nicht dein." Wer ist dieser "Du"? Der Nachbar, der Häuptling, der König, der Staat. Sie dürfen es mir nicht wegnehmen – mein Land, mein Haus, mein Weib, die Früchte meiner Arbeit. Eigentum von Leib und Gut ist also das Stoppschild schlechthin und das Fundament aller Freiheit. "My home is my castle", sagen folgerichtig die Engländer.
Und Freiheit ist das Fundament aller Demokratie, weshalb die Eigentumswirtschaft logischerweise das Unterpfand dieser politischen Ordnung ist. Man darf es auch schlichter sagen: Es gibt zwar Kapitalismus ohne Demokratie, aber keine Demokratie ohne Kapitalismus. (Der K. sei hier gut marxistisch definiert als System, in dem die Produktionsmittel – sprich: Kapital – unter privater Regie stehen, wo Arbeit und Güter gegen bare Münze auf dem Markt getauscht werden.)
K. funktioniert tatsächlich ohne Demokratie. Der Quasikapitalist China protzt mit märchenhaftem Wachstum, ist aber ein antidemokratisches System. Chile war Marktwirtschaft plus Pinochet. Viele Aufsteiger – von Mexiko bis Russland – sind nur dem Namen nach Demokratien. Doch kennt irgendjemand eine echte, also eine liberal-rechtsstaatliche Demokratie, die nicht kapitalistisch wäre? Es ist kein Zufall, dass Moses, der sein Volk in die Freiheit führte, ihm auch das Eigentumsrecht verschrieb. Es ist auch kein Zufall, dass Nordkorea, das letzte Überbleibsel des totalitären Kommunismus, zugleich das ärmste und unfreieste Land auf Erden ist.
Woher kommt also die Vorstellung, dass der K. der Feind der D. sei? Sie entwächst einem Zerrbild, das in der realen Welt nie existiert hat, nicht im Italien der Renaissance, das die moderne Geldwirtschaft erfunden hat, nicht einmal im frühindustriellen England, dessen Elend – Armut, Suff, Krankheit – Charles Dickens plastischer beschrieben hat als Charles Marx, der in der Abgeschiedenheit des British Museum seine Theoriegebäude zusammenzimmerte.
In diesem Zerrbild des K. schienen die Reichen nicht nur die Verfügungsgewalt über das Geld, sondern auch über die Macht zu haben. Das war schon unter Victoria und Disraeli falsch, der übrigens mit Sybil, Or The Two Nations 1845 einen leidenschaftlich sozialkritischen Roman über die Schreckensexistenz der Arbeiterklasse geschrieben hat. Hätte Marx aber etwas länger gelebt, wäre ihm aufgegangen, dass die moderne D. just aus dem Höllenpfuhl des ersten Industriekapitalismus, nämlich des britischen, hervorgegangen ist. Die ultrakapitalistische Entwicklung der USA ging Hand in Hand mit der demokratischen.
Der moderne Wohlfahrtsstaat (nicht der minimalistische von Bismarck) entstand in England, die schärfste Anti-Monopol-Gesetzgebung in den USA – lange bevor es in Deutschland ein Kartellamt gab. Daraus lässt sich schließen: Der K. führt nicht über Nacht zur D., aber er ist keinesfalls ihr Feind – und längerfristig doch ihr Freund. England und Amerika verkörperten im 19. Jahrhundert den Ultrakapitalismus schlechthin, waren zugleich aber auch die ersten und ältesten Demokratien. Warum hat sich der K. historisch als Freund der D. entpuppt?
Einmal, weil der Markt, wenn er nicht durch Kartelle, Monopole und Etatismus eingezwängt wird, wie die D. auf Wahlfreiheit beruht. Nicht Gosplan befiehlt, was ich kaufen darf, sondern ich selber, der Konsument. Nicht das Politbüro wählt den Herrscher, sondern ich selber. Zum Zweiten ist der Markt das beste Informationssystem, das der Mensch vor dem Internet je erfunden hatte. Im Markt weiß jeder ziemlich schnell, was gewollt, gebraucht und produziert wird. Das schafft "Transparenz", wie wir heute sagen – und schnürt die Macht jener ein, die mit Unwissen Politik machen.
Drittens: Der K. hat zwar historisch kräftig ausgebeutet, aber er rafft nicht nur Kapital, sondern schafft es auch und so die Möglichkeit, mit Banken, Börsen und Kapitalgesellschaften als "Makler" eine Würstchenbude, eine Fabrik oder Google aufzuziehen, das von zwei mittellosen Stanford-Studenten gegründet wurde. Das ist Teil I der gelebten Freiheit, die es im Feudalsystem oder Kommunismus nicht gab und nicht geben konnte.
Teil II hat Michael Miersch in den knappen Spruch gegossen: "Die freie Wahl der Waren weckt Gelüste, auch anderes frei wählen zu dürfen." Aha. Auch wenn wir heute die autoritäre Modernisierung à la China bewundern (wie früher die von Stalin und Hitler), besteht doch eine recht solide kausale Kette zwischen Wohlstand und Demokratie, die schon Tocqueville im frühen Amerika besungen hat. Oder nehmen wir Deutschland, wo die Wirtschaftskrise den Ruin Weimars mitbewirkt hat, aber das "Wirtschaftswunder" 30 Jahre später das unglaubliche "Politwunder" der Bundesrepublik gezeugt hat. Menschen, die etwas haben, wollen mehr – nicht nur Goodies, sondern auch Bildung, Selbstverwirklichung und einen Anteil an der Macht, genannt: "Demokratie".
Es gibt aber noch Teil III. Der Kommunismus kannte, wie jede Form der Staatswirtschaft, keine Krisen, nur – nach 70 Jahren – den Kollaps. Ihm fehlen Augen und Ohren, die der K. millionenfach besitzt. Der Kapitalismus ist natürlich auch ein Krisengebilde par excellence. Allein das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts war eine endlose Abfolge von Crash und Krach. Interessanterweise war diese Zeit, nach den gescheiterten Revolutionen von 1830 und 1848, aber auch eine Blütezeit der Demokratisierung, die bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts anhielt. Brutal beendet wurde sie nicht vom K., sondern von Kommunismus, Faschismus und Nazismus.
Eine verkürzte Darstellung, entscheidend aber ist, dass der K. anders als die Befehlswirtschaft von seinen Krisen lernt. Deswegen haben Dickens und Marx die Zukunft verkannt – oder genauer: mit ihrer hartnäckigen Kritik just die Zukunft gebannt, die sie an die Wand geworfen hatten. Sie haben ihren Finger in die gefährlichste Wunde des K. gelegt: Sich selber oder den Mächtigen überlassen, tendiert er zur Selbstzerstörung. Aber das hatte der größte Theoretiker der Marktwirtschaft, Adam Smith, schon 1776 erkannt: "Leute vom selben Gewerbe kommen nur selten zusammen, selbst für Frohsinn und Unterhaltung, ohne alsbald eine Verschwörung gegen die Öffentlichkeit anzuzetteln", etwa durch Preisabsprachen.
Dass der Staat das vereitelt, damit hat auch ein "Marktradikaler" wie der Nobelist Milton Friedman kein Problem; in seinem Kapitalismus und Freiheit betont er: "Die Existenz eines freien Marktes ersetzt natürlich nicht die Notwendigkeit einer Regierung." Der Staat sei im Gegenteil unverzichtbar als Verfasser der "Spielregeln" und als "Schiedsrichter". Und, darf man hinzufügen, als Ausgleicher. Denn der Markt-Demokratie-Vergleich hinkt in einem entscheidenden Punkt: In der D. hat jeder eine Stimme, im Markt hängt das "Stimmrecht" an Einkommen und Besitz. Der demokratische Kapitalismus ist aus seinen Krisen schlau geworden und hat sich deshalb an zwei Stellen fortwährend reformiert.
Einmal bei den Institutionen, und zwar im Sinne von Adam Smith mit einer Unzahl von Gesetzen, Eingriffen und Kontrollgremien, die den Kapitalismus davor bewahrten, sich selber zu korrumpieren: Anti-Monopol-Kommissionen, Kartellbehörden, Kriminalisierung von Insidergeschäften. Zum Zweiten mit einer Umverteilungs- und Sozialpolitik, die inzwischen etwa ein Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht. Das war gut für die Krisenbewältigung, aber auch gut für die Gerechtigkeit, weil im reinen, unbeaufsichtigten Markt die Reichen mehr "Stimmen" hätten als die Armen.
Eine wundersame historische List: Der K. hat erst ungeahnten Wohlstand geschaffen, dann die Demokratie befördert, die ihrerseits den K. krisensicherer gemacht hat. Seit Kriegsende sind denn auch die Krisen kürzer, die Aufschwünge länger geworden – siehe die jüngste deutsche Rezession, die genau vier Quartale gedauert hat.
K. und D. sind nicht Feinde, sondern zumindest Halbbrüder. Wer von den beiden Kindern der Moderne war wichtiger? Darüber dürfen sich Marktradikale (gibt es die eigentlich noch?) und Kapitalismuskritiker (welche Alternative hätten die wohl?) weiter streiten.
Unbestreitbar ist aber, dass es zwar K. ohne D. gibt, aber keine D. ohne K.

Dieser Text ist Teil der aktuellen Titelgeschichte der ZEIT: "7 Fragen an den Kapitalismus". Alle Fragen und Antworten finden Sie in der neuen Ausgabe der ZEIT.
- Datum 05.09.2009 - 17:47 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 20.08.2009 Nr. 35
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Ganz Nett Hr. Joffe.
Aber eigentlich ja auch nicht's neues weil darin all die "Rechtfertigungen" enthalten sind die uns so quasi täglich um die Ohren fliegen. Nach + 20 Jahren lektüre des The Economist + einiger Derivate darf ich wohl behaupten etliche Argumente für ein "weiter so" zu kennen. Am Ende des Tages sind darin soviele Rechtfertigungen aber eigentlich keinerlei Beweise... sehr schlecht lässt sich etwa auch die Lebensqualität beweisen und ein Leben das sich definerit und nur auf Konsumation aufbauend, und da hilft uns die Werbung bereits von Kindesbeinen an, kann es ja wohl nicht sein.
Aller negativer Begleiterscheinungen zum trotz werden diese im K. gerne verniedlicht, als selber schuld deklariert oder einfach ganz unter den Teppich gekehrt oder einfach ausgesessen bis die Bürger ihre Motivation zum Thema verloren haben. Erledigen tut sich dadruch aber eben genau nicht's....
Es sind aber genau diese negativen Begleiterscheinungen, zur Hauptsache Arbeitslosigkeit aber auch einfach prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse, die eben genau nicht Wohlstand für alle zu generieren vermögen und eine ganze Kette äusserst negativer Begleiterscheinungen nach sich ziehen die bis heute nicht gelöst sind. Dieses Unvermögen wird in letzer Konsequenz und von bestimmten Verfechtern gewisser neoliberaler Dogmen gerne mit der Eigenverantwortung des Individuums beantwortet. Das verlagern dieser Verantwortung auf die Schultern des Individuums löst aber die Probleme nicht da diese von einem einzelnen nicht gelöst werden können.
Ja im Gegenteil, die immer mehr ausufernde ungleichheit der Vermögens- und Einkommensverteilung ist ein Beispiel dafür wie imperfekt dies alles ist, vorallem wenn dabei so mancher in verarmten Verhältnissen leben muss.
Des weiteren sind in all diesen Demokratischen Systemen mit ihren X Varianten so viele Lücken, Lücken um eben genau dieser angeblichen Volksherschaft zu entkommen. Man will ja nicht immer alles "zu tode" regulieren. Richtig. Doch, diese Lücken kennen die Profis zu genüge, der gemeine Bürger aber eben nicht. Dort wo es eben keine Lücken gibt wird einfach so getan als gäbe es diese und so mancher Lobbyist und/oder Hinterzimmer Demokrat plant bereits im vorraus wie den die "dummen" da draussen zu ihrem Glück gezwungen werden könnten. Siehe Irland als eines der letzen Beispiele...
Warum wurde beim Aufbau der EU nicht intensiver und vorallem schon vor Jahren daran gedacht wie man die EU demokratischer machen könnte. Dies mit allem was in der Theorie ja als gegeben deklariert wird in einer Standardemokratie aber eben nicht vorhanden ist. Dies wurde einfach unterlassen...
Transparenz, Verständlichkeit, Verbindlichkeit, Wahrheit, Ehrlichkeit... diese Werte fehlen bei so manchem der von den Bürgern gewählten und nicht gewählten Akteure. Ohne diese sind aber eigentlich all die Lobhuldigungen auf den K. so ziemlich Wertlos und man ist doch irgendwie gewzungen nach Alternativen (Persönlichkeiten und/oder Systemen) zu suchen.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
nie hätte ich in den letzten Jahren vermutet, bei einen Ihrer Artikel so häufig mit dem Kopf zu nicken, wie ich es bei diesem so ganz unbewusst getan habe. Natürlich könnten Sie unterlassen, Charles Marx zu schreiben, das sind Ihre mir geläufigen Ausrutscher.
Aber trotzdem; Zum Zweiten mit einer Umverteilungs- und Sozialpolitik, die inzwischen etwa ein Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht. Das war gut für die Krisenbewältigung, aber auch gut für die Gerechtigkeit, weil im reinen, unbeaufsichtigten Markt die Reichen mehr "Stimmen" hätten als die Armen. ohne Wenn und Aber hinzuschreiben, das hätte ich mir von Ihnen wirklich nicht mehr zu erhoffen gewagt.
Bleibt noch der Begriff des Eigentums. Das muss ich schon wieder ein wenig herummäkeln. "Du sollst nicht stehlen",mein Land, mein Haus, mein Weib, die Früchte meiner Arbeit.". Schon fängt es an, also gut Haus und Weib, keine Frage, gottgeschützt. Aber Land? das Grundstück hätte ich noch akzeptiert, aber Land? Wie bist Du zu so viel Land gekommen, wem hast Du es gestohlen und ist Dein Besitz wirklich rechtmäßig zu STande gekommen? Kann man überlegen.
Die Früchte deiner Arbeit, auch ein weites Feld. Die Früchte der Lohnarbeit ernten zwei, einer der arbeitet, einer der sie zur Verfügung stellt. Wenn nun der Besitzer keinen gerechten Lohn zahlt, eine der größten Versuchungen im real exitierenden Kapitalismus, was machen wir dann mit Gottes Gebot.
Wenn Gemeineigentum, die Leistung einer ganzen Gruppe oder Gesellschaft unter Wert an ein paar Einzelne verschleudert wird, das ist doch auch ein Vergehen gegen das Siebte Gebot der steinernen Tafeln.
Also ich hätte noch Einiges anzumerken. aber ich will ja nicht alle und weiter langweilen. Sie aber doch auch einmal loben, so einen diskussionswürdigen Artikel habe ich schon lange nicht mehr von Ihnen gelesen.
wollen, aber einem Punkt sollte sicher widersprochen werden.
Die Mär vom Markt als demokratischer Kommunikationskanal ist grundfalsch. Der Markt funktioniert aufgrund eines Informationsgefälles, sind die Informationen gleichmässig verteilt, kommt es zu ein Stillstand.
Herr Joffe mag es noch nicht bemerkt haben, aber das "Gegensatzpaar" Kapitalismus und Kommunismus gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Die zukünftigen Fragen drehen sich darum, noch mehr Wahlfreiheit zu ermöglichen als es die real existierende Demokratie und der Eigentumskapitalismus vorsehen.
Das Optimum an Glück bieten Sozialismus mit Kovergenz zu praktischen Freiheiten und Kapitalismus mit Konvergenz praktischem Zwang zur Verantwortung. Alles andere läuft aus dem Ruder. Was Joffe beschreibt geht mit beständiger Zerstörung der natürlichen Grundlagen einher. Alle "Kulturvölker" des Mittelmeeres haben Wüste hinterlassen. Die meisten Menschen leben nach dem Motto: "Warum leckt dich der Hund die Eier? Weil er's kann." Soll heissen: Sie hocken sich in ihr Auto und denken sie haben das Recht. Sie hocken sich vor den 500-Watt-Rechner und zocken und denken das sei ok. Sie fliegen auf die Malediven und denken "gut so". Unterm strich: Wenn kein Regime die Menschen entwürdigt, dann tun sie es eben selbst. Jesus Christus hat es gerafft: Nur wer aussteigt ist ohne Schuld und quasi im Himmel. Alle anderen knabbern an ihrem schlechten Gewissen (Erbsünde), sofern Bewusstsein vorhanden. Das trifft auf Joffe anscheinend zu, sonst hätte er den Artikel nicht schreiben müssen. Es gibt keinen Grund die Verantwortungskosigkeit zu feiern.
Sie meinen "Sozialismus mit Kovergenz zu praktischen Freiheiten" bringe das Optimum an Glück. Gibt es auch eine Begründung dazu? Zumindest bisher hat es ja noch kein - wie auch immer gearteter - Sozialismus geschafft, "zu praktischen Freiheiten" zu konvergieren, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Sie meinen "Sozialismus mit Kovergenz zu praktischen Freiheiten" bringe das Optimum an Glück. Gibt es auch eine Begründung dazu? Zumindest bisher hat es ja noch kein - wie auch immer gearteter - Sozialismus geschafft, "zu praktischen Freiheiten" zu konvergieren, um es mal vorsichtig auszudrücken.
... nie zu überraschen!
Sie meinen "Sozialismus mit Kovergenz zu praktischen Freiheiten" bringe das Optimum an Glück. Gibt es auch eine Begründung dazu? Zumindest bisher hat es ja noch kein - wie auch immer gearteter - Sozialismus geschafft, "zu praktischen Freiheiten" zu konvergieren, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Man sollte Zitate nicht aus dem Zusammenhang nehmen.
"Das Optimum an Glück bieten Sozialismus mit Kovergenz zu praktischen Freiheiten und Kapitalismus mit Konvergenz praktischem Zwang zur Verantwortung"
Ohne "praktischen Zwang zur Verantwortung" hat K. auch nicht zum Wohl der Mehrheit der Bevölkerung geführt.
Man sollte Zitate nicht aus dem Zusammenhang nehmen.
"Das Optimum an Glück bieten Sozialismus mit Kovergenz zu praktischen Freiheiten und Kapitalismus mit Konvergenz praktischem Zwang zur Verantwortung"
Ohne "praktischen Zwang zur Verantwortung" hat K. auch nicht zum Wohl der Mehrheit der Bevölkerung geführt.
Unbestreitbar ist aber, dass es zwar K. ohne D. gibt, aber keine D. ohne K.
Das ist aber nun wirklich eine arg steile These - so steil, dass man aufpassen muss, dass sie nicht gleich wieder nach hinten umfällt.
Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir uns vor allem eins eingestehen: Der Kapitalismus ist definitiv ein Feind der Demokratie, und zwar deshalb, weil das ökonomische Denken in einer kapitalistischen Gesellschaft notwendig dazu beiträgt, die Grundfeste der Demokratie zu unterlaufen. Das geschieht primär dadurch, dass er die Stimme des Volkes an den Interessen des Kapitals orientiert. Der Verbund aus Wirtschaft und Medien hat im Laufe der letzten hundert Jahre eine Ideologie geschaffen (zusammengesetzt u.a. aus den Prinzipien des "Wachstums", der "Leistung" und der "Konkurrenzfähigkeit), die der vernünftigen, d.h. aufgeklärt selbstbestimmten Stimme der/des Einzelnen das Wasser abgräbt. In einer Gesellschaft, in der alles einen Marktwert hat, fällt letztendlich auch die Politik diesem Wert zum Opfer. Das sieht man u.a. daran, dass Menschen auf die Idee kommen, es könne keine "D." ohne "K." geben.
Ich zumindest wünsche mir, dass wir irgendwann einmal eine Demokratie ohne Kapitalismus pflegen können.
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