Im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs kämpft eine jüdische Partisanentruppe, bestens trainiert und angeführt von einem amerikanischen Offizier, gegen die Deutschen – und zwar mit ausgesuchter, geradezu exquisiter Brutalität. Man könnte sagen, sie haben sich von den Deutschen abgeschaut, wie man gegen jede Humanität Furcht und Schrecken verbreitet. Nur manchmal lassen sie einen gefangenen Deutschen laufen; sie ritzen ihm dann, zur ewigen Stigmatisierung, ein Hakenkreuz in die Stirn. Es ist gewissermaßen die Antwort auf den Judenstern.

Unter den Partisanen ist einer, der den gefangenen Soldaten mit dem Baseballschläger die Knochen bricht, bevor er ihren Schädel knackt; er ist unter dem Namen »Bärenjude« der Schrecken der deutschen Wehrmacht. Hitler, als er davon erfährt, entsetzt sich – und zwar vor allem über diesen Nom de Guerre: ein Synonym der Stärke, das damit der arischen Rasse entwunden und den Juden zudiktiert wird. Die Spiegelung und Aneignung deutscher Gewaltexzesse ist das eigentliche Skandalon.

Überflüssig zu sagen, dass eine solche Truppe niemals existiert hat. Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds , der sie erfunden hat, ist eine in die Vergangenheit zurückprojizierte Rachefantasie unserer Gegenwart. Wie wäre es schön gewesen, wenn – das ist seine Erzählhaltung. Wie wäre es schön gewesen, wenn statt der mühseligen Aufdeckung deutscher Verbrechen nach dem Krieg, statt der vereinzelten jüdischen Widerstandsakte im Krieg schon damals eine angemessen bestialische Antwort auf die bestialischen Verbrechen der Nazis gefunden worden – und dann auch noch siegreich gewesen wäre! Denn zu den Wonnen der Brutalität, in denen der Film bei seiner Revision der Geschichte badet, kommt noch das triumphale Ende hinzu: Hitler und seine gesamte Führungsclique verbrennen in einem Kino, das die Partisanen angezündet haben.

Hurra! Sie verschmoren. Und in die verschmorenden Leiber feuern die Partisanen des Films noch ihre Gewehrsalven. Ganz so wie die SS-Truppen damals (aber nun leider in der echten Geschichte) noch in die brennenden Dorfkirchen oder Scheunen hineingeschossen haben, in denen sie die Juden zusammengepfercht hatten.

Indes geht es bei Tarantino nicht nur darum, den deutschen Gräueln eine buchstäblich ultimative, nämlich die symmetrische jüdische Antwort zu geben. Der Baseballschläger des »Bärenjuden« deutet schon die Richtung der lustvollen Steigerung an: Es geht darum, auf das, was man von den Deutschen gelernt hat, noch ein amerikanisches Sahnehäubchen zu setzen. Die erschlagenen Wehrmachtssoldaten werden skalpiert, die Freilegung der blutigen Hirnschale ist das Erkennungszeichen der Partisanen. Mit anderen Worten: Die jüdischen Freischärler sind auf der ethnologischen Skala der Gewalt nicht nur zu Deutschen, sie sind unter der Anleitung ihres amerikanischen Führungsoffiziers sogar zu Indianern geworden!

Oder, wenn man die Ausdeutung noch weiter treiben will: Hätten sich die Juden nur beizeiten amerikanisiert und nach dem Vorbild der edlen Wilden verroht, dann wäre ihnen ihr Schicksal als Opfer erspart geblieben.

Das sind so die Pointen, die der Film provoziert. Eine andere ist die Verhöhnung deutscher Überläufer: Der satanische SS-Offizier ( Christoph Waltz ), der den Gegenpart der Freischärler abgibt, kommt ihrem Kino-Attentat auf die Schliche, verhindert es aber nicht, sondern versucht, da er die deutsche Kriegsniederlage schon kommen sieht, mit dem Gegner zu paktieren, um sich selbst zu retten. Indes lassen sich die Partisanen nicht täuschen – auch hierin klüger als die historischen Zeitgenossen, die sich manch deutschen Seitenwechsel in letzter Minute als Widerstand aufschwatzen ließen.

Für allegorische Lesarten dieser und anderer Art bietet der Film reiches Material. Und gewiss wird in Kürze eine gewaltige Deutungsmaschinerie anlaufen, die überall die tatsächlichen oder scheinbaren politischen Implikationen und Anspielungen benennt. Ein Fest für intellektuelle Kinoliebhaber, denen die Würde des Gegenstands gleichgültig ist, solange er nur ihrem Scharfsinn Betätigung gibt.