Pro Herta Müller Kitsch oder Weltliteratur?Seite 2/2
Dies ist nicht nur die Geschichte von Oskar Pastiors absurd grundloser Gefangenschaft. Von ihrer völlig ungerechten Art hat es in den vergangenen hundert Jahren Millionen gegeben. Und Millionen sind in ihr umgekommen. Aber Atemschaukel ist auch ein Zeugnis literarischer Empathie ohne Beispiel in der deutschen Literaturgeschichte. Hinter dem zornigen Blick Herta Müllers auf die Folgen politischer Gewalt, hinter ihrer wuchtigen, allem Liebreiz abholden Sprache verbirgt sich die erstaunliche Fähigkeit, ihr Mitleiden mit den Opfern von Tyrannei in einer mikroskopisch genauen Beschreibung, in einer Art protokollarischen Poesie nachzuvollziehen.
Im Zentrum des Romans liegt das Schicksal eines einzigen Menschen, Oskar Pastiors. Dieses Schicksal in reine Dichtung zu verwandeln muss ein ästhetisches Wagnis gewesen sein, das heute nicht nur jene rechtfertigen werden, die Pastior kannten, sondern das bei der Lektüre des Romans auch diejenigen überzeugen wird, die über die Ungeheuerlichkeit unserer mörderischen Vergangenheit nicht hinwegkommen können und auch niemals hinwegkommen werden.
Wer die Bücher dieser Autorin liest, entdeckt etwas Altmodisches in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur: Es gibt immer noch eine Dichtung, genauer, es gibt immer noch eine Form dichterischer Empörung, der es um so große Dinge wie Recht und Gerechtigkeit, um die Gefährdung von Menschenwürde und Freiheit geht. Herta Müller beherrscht diese Form. Sie stammt aus einem Land, aus dem diktatorischen Rumänien, das jene Tugenden mit Füßen trat, und sie kam in einem Land an, das mit dieser Katastrophe viel mehr zu tun hatte, als wir zu wissen glauben. Atemschaukel hat diesem Kritiker den Atem verschlagen.
- Datum 06.09.2009 - 12:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.08.2009 Nr. 35
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Warum klingt denn die schriftliche Rezension der Iris Radisch so ganz anders als das kleine Video da am Rand von ihr?
Erinnern Sie sich noch an Jean-Marie Gustave Le Clézio? Wissen Sie, wer das war?
Im Oktober des Jahres 2008, also vor genau einem Jahr, wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
Dieses Jahr hätte man mit dem amerikanischen Schriftsteller Philip Roth rechnen können. Oder mit dem Israeli Amos Oz. Vielleicht auch mit dem "Dauerverdächtigen" aus Peru: Mario Vargas Llosa. Ich hätte - ja, ich weiß: sehr subjektiv! - noch Siegfried Lenz dazugezählt.
Und nun: Herta Müller! Werfen wir ihr nicht vor, dass viele ihre Werke kaum oder gar nicht kennen. Die Buchläden werden versuchen, dies zu ändern.
Herzlichen Glückwunsch, noble Herta Müller!
Ich wünsche Ihnen, dass wir uns in einem Jahr (2010) noch an Sie erinnern werden - wenn völlig überraschend - ......... .... den Nobelpreis für Literatur erhält.
Herta Müller stammt aus dem Banat. Warum berichten deutsche Medien nicht stärker über die Geschichte und Kultur der deutschen Vertreibungsgebiete? Die Neue Züricher Zeitung hat vor kurzem bemängelt, dass die Vertreibung in deutschen Geschichtsbüchern kaum vorkommt. Im Ausland gilt sie als "ethnische Säuberung", im Inland wird die Beschäftigung damit als revanchistisch und ewiggestrig gewertet.
die kritik von iris radisch beruhigt mich und bestätigt meinen
eindruck, den ich - nicht nur - nach der lektüre "atemschaukel" habe.
zu viele stilistisch-antiquierte fassaden und eine verstaubte sprache.
herta müllers romane...werden seit jahren überschätzt - leider kein einzelfall -, somit darf man sich über z.t. fragwürdige preisüberschüttungen nicht weiter verwundern.
iris radisch eine persönliche enttäuschung vorzuwerfen, halte ich für konstruiert und absurd, sie ist seit jahren für ihre objektiv-fundierten kritiken und einschätzungen bekannt.
im übrigen existieren seit längerem in diversen internetforen, z.b. der siebenbürger zeitung oder dem banatblog u.a., heftige vorwürfe gegen herta müllers vergangenheit, der sie sich bis dato nicht
überzeugend stellte.
auch für mich stellen sich hier noch ungeklärte fragen.
einer der kritiker ist hr. carl gibson, der sie zu einem offenem leserbrief aufforderte. sein text selbst wurde von mehreren redaktionen
mit der begründung der redundanz abgelehnt.
sehr fadenscheinig, das alles.
matisse1
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