Deutsche Söldner Gewalt für Geld
Private Sicherheitsfirmen heuern für Kampfeinsätze im Ausland auch deutsche Ex-Soldaten an. Das zeigt die glänzende Recherche des Kriegsreporters Franz Hutsch
Keine Söldner für Deutschland, so überschrieb die Süddeutsche Zeitung vor Kurzem zwei Leserbriefe, die sich für den Erhalt der Wehrpflicht in Deutschland einsetzten. Parlament und Wehrpflicht stellten sicher, dass die Bevölkerung hinter einem militärischen Einsatz auch tatsächlich stehe, plädierten die Autoren. Ob das auch in Bezug auf Afghanistan zutrifft, dürfte allerdings zu bezweifeln sein. Und eben dies führt direkt zum Phänomen des Söldners: Private Sicherheitsfirmen erleben seit den neunziger Jahren im Westen eine Renaissance. Denn sie sind auch dort leicht einzusetzen, wo der Einsatz regulärer Streitkräfte innenpolitisch umstritten ist.
Bisher sind in der deutschen Öffentlichkeit allenfalls Namen amerikanischer Sicherheitsunternehmen wie Blackwater bekannt. Denn dessen Mitarbeiter agieren bisweilen derart schießwütig, dass Blackwater jüngst nicht nur die Irak-Aufträge der US-Regierung verloren gingen, sondern sich die Firma aus Imagesorgen auch in Xe umbenannt hat. Nachfolger im Irak ist nun die Firma Triple Canopy. Unternehmen wie sie übernehmen für westliche Demokratien Aufgaben, die seit der Verstaatlichung des Krieges im 17. Jahrhundert nicht mehr in privater Hand gelegen haben: die militärische Sicherung von Regierungsgebäuden und wichtigen Infrastruktureinrichtungen, die Eskorte von Versorgungskonvois, die Ausbildung von Soldaten und Polizisten oder den Personenschutz von hochrangigen Politikern. Die Grenze zum aktiven Kampfeinsatz ist hierbei fließend.
Gerade weil in den westlichen Staaten die öffentliche Unterstützung für Militärinterventionen in weit entfernten Weltregionen mehr und mehr abnimmt, hat sich der Markt für private Sicherheitsunternehmen in den letzten Jahren massiv vergrößert. Nicht nur ehemalige Angehörige amerikanischer und britischer Spezialeinheiten sind im Einsatz. Auch zunehmend deutsche Ex-Soldaten sehen hier ein lukratives Betätigungsfeld. Daher ist es das große Verdienst des preisgekrönten Kriegsreporters Franz Hutsch, sich auf die Spur deutscher Söldner begeben zu haben. Sein Streifzug durch ihre Einsatzgebiete im Irak und in Afghanistan steht der Kunst seines Kollegen Jeremy Schill, der sich mit seinem Sachbuch Blackwater 2007 wochenlang einen Platz auf der amerikanischen Bestsellerliste sicherte, in nichts nach.
Deutsche Privatmilitärs heuern nicht nur bei amerikanischen Sicherheitsunternehmen an. Auch in Deutschland selbst gibt es inzwischen Auftraggeber wie die Firma Praetoria aus Bielefeld. Der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen schätzt, dass im Nahen und Mittleren Osten etwa 3000 deutsche Söldner tätig sind; in Afrika sollen es rund 1000 sein. Gesucht werden vor allem ehemalige Fallschirmjäger, Militärpolizisten oder Mitglieder der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte. Auch frühere Polizisten aus Spezial- oder mobilen Einsatzkommandos wie der GSG9 sind in der Branche begehrt. Sie übernehmen Aufgaben im Irak, bei denen ein hohes Risiko für Leib und Leben besteht. Werden wie im April 2004 zwei aktive deutsche Elitepolizisten der GSG9 bei einem Material- und Waffentransport für die Deutsche Botschaft aus Jordanien nach Bagdad von Aufständischen getötet, so verursacht das an Deutschlands medialer Heimatfront negative Schlagzeilen. Übernehmen hingegen ehemalige deutsche Soldaten oder Polizisten einen solchen Auftrag, riskieren ihre Auftraggeber lediglich, dass ihre Mitarbeiter nicht mehr lebend zurückkommen. Schlagzeilen gibt es dann aber keine. Söldner sterben im Verborgenen, tauchen auf keiner offiziellen Verlustliste auf und verursachen so auch keine politischen Kollateralschäden daheim.
Vordergründig gesehen, sind diese »contractors« die idealen Kämpfer des Westens in den »neuen Kriegen«. Doch ihr vermehrter Einsatz bringt das staatliche Gewaltmonopol gefährlich ins Wanken. Wer kontrolliert in Deutschland die Söldnerfirmen? Für den dritten Golfkrieg ist die Frage nach Hutschs Urteil bereits beantwortet: »Während Ex-Kanzler Gerhard Schröder 2003 Nein zur amerikanischen Invasion in den Irak sagt, marschieren deutsche Söldner ins Zweistromland.« Debatten, ob Parlament und Wehrpflicht in Deutschland sicherstellen, dass die Bevölkerung hinter einem militärischen Einsatz auch tatsächlich steht, spiegeln nicht mehr die Realität auf den heutigen Schlachtfeldern privatisierter Kriegführung.
Reagiert die deutsche Politik nicht bald, könnten Szenarien, wie sie Hutsch entwirft, Wirklichkeit werden: Nach seinen eigenen Erfahrungen als Reporter für ARD, ZDF und den niederländischen Radiosender VPRO in Bosnien und im Kosovo, im Irak, in Sierra Leone und in Afghanistan sagt der ehemalige Berufsoffizier der Bundeswehr in den nächsten 15 bis 20 Jahren komplette Kriege von Söldnerarmeen mit deutscher Beteiligung voraus. Wie lange will der Bundestag noch zusehen, wie ursprünglich zum Schutz Deutschlands ausgebildete Männer eine eigene Außenpolitik vorbei an Parlament und Bundesregierung betreiben? In Zeiten, in denen die aus dem Ruder gelaufenen Finanzmärkte reguliert werden, sollte dies für den privatisierten Gewaltmarkt erst recht gelten. Auf etwa 300 Milliarden Dollar wird der Umsatz 2008 geschätzt. Franz Hutsch hat die Vorlage für eine Sondersitzung des Bundestages geschrieben. Hoffentlich wird sie von den Abgeordneten gelesen. Thomas Speckmann
- Datum 28.08.2009 - 11:33 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.08.2009 Nr. 35
- Kommentare 14
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im Auslandseinsatz, weil sofort erkennbar wird das es nicht um herbeigelogene "Landesverteidigung am Hindukusch" geht, sondern um knallharte Interessendurchsetzung.
Karl Müller
Deutsche Söldner gibt es doch schon immer. Nicht erst seit dem Irakkrieg.
In der französischen Fremdenlegion gibt es ganze Abteilungen nur mit Deutschen. Gut, die Fremdenlegion kann man jetzt nicht unbedingt zu den Privatarmeen zählen.
Die Entwicklung, die sich hier abzeichnet, finde ich trotzdem sehr bedenklich.
Bald ist es soweit, das jeder Großkonzern eine eigene Armee untehält um seine Interessen zu wahren.
Gebe Ihnen voll Recht, möchte aber hinzufügen, dass auch Superreiche sich ihre Privatarmeen anlegen werden. Und somit ist die Rückkehr zur Situation, wie wir sie schon einmal im Mittelalter hatten, perfekt. Fürsten, die sich auf Burgen verschanzten und sich gegenseitig mit ihren Armeen bekriegten.
Nur dass die Burgen heute mit elektronischen Sicherheitssystemen arbeiten und deshalb nicht mehr so hoch und trutzig aussehen.
Gebe Ihnen voll Recht, möchte aber hinzufügen, dass auch Superreiche sich ihre Privatarmeen anlegen werden. Und somit ist die Rückkehr zur Situation, wie wir sie schon einmal im Mittelalter hatten, perfekt. Fürsten, die sich auf Burgen verschanzten und sich gegenseitig mit ihren Armeen bekriegten.
Nur dass die Burgen heute mit elektronischen Sicherheitssystemen arbeiten und deshalb nicht mehr so hoch und trutzig aussehen.
Gebe Ihnen voll Recht, möchte aber hinzufügen, dass auch Superreiche sich ihre Privatarmeen anlegen werden. Und somit ist die Rückkehr zur Situation, wie wir sie schon einmal im Mittelalter hatten, perfekt. Fürsten, die sich auf Burgen verschanzten und sich gegenseitig mit ihren Armeen bekriegten.
Nur dass die Burgen heute mit elektronischen Sicherheitssystemen arbeiten und deshalb nicht mehr so hoch und trutzig aussehen.
sieht aber schon sehr trutzig aus
Da hat man als Hausbesetzer ganz schlechte Karten, und wenn die Herrschaften, wie ehedem üblich, ihre Nachtgeschirre über die Zinnen entleeren, dann wird auch dem Letzten klar, was mit 'trickle down' gemeint ist.
sieht aber schon sehr trutzig aus
Da hat man als Hausbesetzer ganz schlechte Karten, und wenn die Herrschaften, wie ehedem üblich, ihre Nachtgeschirre über die Zinnen entleeren, dann wird auch dem Letzten klar, was mit 'trickle down' gemeint ist.
Die Verklärung militärischer Feigheit ist der wichtigste Grundzug jenes Weltbürgertums, das aus der westdeutschen Friedensbewegung hervorgegangen ist; seit den neunziger Jahren aber gelten Kriege zur Ausbreitung von Humanität als gerechtfertigt und geboten. Da dieses Postheroentum selbst zu schwach zum Kämpfen ist, bleibt ihm nichts anderes übrig als der Rückriff auf Söldner.
mag sein das Sie damit nicht falsch liegen. Nur es ist nicht einzusehen, warum ein ein überzeugter "Vaterlandsverteidiger" sich zum Spielball irgendwelcher Interessen machem lassen sollte!
Auch ich war mit einer gewissen Begeisterung Soldat, was aber nicht heißt, oder dann gerade nicht!, jeden Schwachsinn mitzumachen den irgendein Politklüngel sich zusammenfantasiert hat.
Karl Müller
Eine knappe und praezise Beschreibung der Tatsachen! Unsere Altrocker (bionadesaufende gruenwaehlende 68er) moechten Europa am Hindukusch verteidigen aber machen auf der anderen Seite keinen Finger krum, um das Militaer zu unterstuetzen! Im Gegenteil, beim feierlichen Geloebnis regnet es Eier und der Nachwuchs photographiert sich auch gerne mal beim Urinieren auf die Deutschlandfahne!
Gruesse
Trench
mag sein das Sie damit nicht falsch liegen. Nur es ist nicht einzusehen, warum ein ein überzeugter "Vaterlandsverteidiger" sich zum Spielball irgendwelcher Interessen machem lassen sollte!
Auch ich war mit einer gewissen Begeisterung Soldat, was aber nicht heißt, oder dann gerade nicht!, jeden Schwachsinn mitzumachen den irgendein Politklüngel sich zusammenfantasiert hat.
Karl Müller
Eine knappe und praezise Beschreibung der Tatsachen! Unsere Altrocker (bionadesaufende gruenwaehlende 68er) moechten Europa am Hindukusch verteidigen aber machen auf der anderen Seite keinen Finger krum, um das Militaer zu unterstuetzen! Im Gegenteil, beim feierlichen Geloebnis regnet es Eier und der Nachwuchs photographiert sich auch gerne mal beim Urinieren auf die Deutschlandfahne!
Gruesse
Trench
[...]
Entfernt wegen unsachlicher Inhalte. Die Redaktion/er
sehr bizarr, dass Sie ihre meinung unter der überschrift "demokratie" verbreiten.
ist natürlich sehr "demokratisch," wenn man den "barbaren" unsere "demokratie" mit gewalt aufzwingt. aber die sind ja noch nicht so intelligent dass sie selbst erkennen was gut für sie ist...
aua!
an was erinnert mich das???
kreuzzüge im mittelalter?
kolonialzeit??
onkel adolf und sein tausendjähriges reich???
auf jeden fall nicht an das, was ICH unter demokratie verstehe!!!
sehr bizarr, dass Sie ihre meinung unter der überschrift "demokratie" verbreiten.
ist natürlich sehr "demokratisch," wenn man den "barbaren" unsere "demokratie" mit gewalt aufzwingt. aber die sind ja noch nicht so intelligent dass sie selbst erkennen was gut für sie ist...
aua!
an was erinnert mich das???
kreuzzüge im mittelalter?
kolonialzeit??
onkel adolf und sein tausendjähriges reich???
auf jeden fall nicht an das, was ICH unter demokratie verstehe!!!
mag sein das Sie damit nicht falsch liegen. Nur es ist nicht einzusehen, warum ein ein überzeugter "Vaterlandsverteidiger" sich zum Spielball irgendwelcher Interessen machem lassen sollte!
Auch ich war mit einer gewissen Begeisterung Soldat, was aber nicht heißt, oder dann gerade nicht!, jeden Schwachsinn mitzumachen den irgendein Politklüngel sich zusammenfantasiert hat.
Karl Müller
"Nur es ist nicht einzusehen, warum ein ein überzeugter "Vaterlandsverteidiger" sich zum Spielball irgendwelcher Interessen machem lassen sollte!"
So sehe ich das auch!
"Nur es ist nicht einzusehen, warum ein ein überzeugter "Vaterlandsverteidiger" sich zum Spielball irgendwelcher Interessen machem lassen sollte!"
So sehe ich das auch!
Eine knappe und praezise Beschreibung der Tatsachen! Unsere Altrocker (bionadesaufende gruenwaehlende 68er) moechten Europa am Hindukusch verteidigen aber machen auf der anderen Seite keinen Finger krum, um das Militaer zu unterstuetzen! Im Gegenteil, beim feierlichen Geloebnis regnet es Eier und der Nachwuchs photographiert sich auch gerne mal beim Urinieren auf die Deutschlandfahne!
Gruesse
Trench
"Nur es ist nicht einzusehen, warum ein ein überzeugter "Vaterlandsverteidiger" sich zum Spielball irgendwelcher Interessen machem lassen sollte!"
So sehe ich das auch!
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