Gesundheitspolitik Den Frühchen eine ChanceSeite 3/3

Dennoch sei die hohe finanzielle Zuwendung ein Motiv in der Debatte um Mindestfallzahlen, glaubt Michael Obladen, ehemaliger Direktor der Klinik für Neonatologie der Berliner Charité, seit wenigen Wochen im Ruhestand. »In den letzten hundert Jahren der Kinderheilkunde haben Kinderärzte immer nur für Kinder gesprochen und nicht für Verwaltungsdirektoren. Heute ist das anders. Und die Erhöhung der Mindestfallzahl wird immer weiter hinausgezögert, es ist traurig.«

Ganz glücklich sind aber selbst manche derjenigen nicht, die von einer Mindestfallzahl profitieren würden. Dominique Singer vom UKE etwa findet, dass eine Quote auch gefährliche Folgen haben könnte: »Die Forderung nach einer Mindestfallzahl an sehr unreifen Frühgeborenen steht in einem gewissen Widerspruch zu dem medizinischen Grundsatz, Frühgeburten so lange wie möglich hinauszuzögern.« Keinesfalls dürften Säuglinge früher als notwendig zur Welt gebracht werden – um die Fallzahl zu erreichen.

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Auch Obladen wäre es lieber, wenn man die Qualität direkt kontrollieren könnte. »Das versucht man schon seit 25 Jahren: weitestgehend erfolglos.« Darum führe kein Weg an einer Quote vorbei, wenn man die Frühchen in Deutschland besser versorgen wolle. Portugal hat mittlerweile eine niedrigere Säuglingssterblichkeit als Deutschland.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Unsinn

    Mindestfallzahlen sind Unsinn und viel zu statisch.

    Bevor man wieder einmal eine weitere bürokratische Hürde aufbaut, sollte man es mit Aufklärung und Transparenz versuchen.

    Es genügt doch Schwangeren eine Broschüre in die Hand zu drücken, die schlicht Qualifikation des Personals, Sterblichkeit, Fallzahl, bleibende Schäden statistisch aufzeigt. Bei denen, die in der Lage sind sich kundig zu machen, ist das heute schon die bestimmende Größe, es bleiben nur die Unbekümmerten und Ignoranten übrig.
    Eine Broschüre, die dabei noch der werdenden Mutter sagt, was sie tun kann, wenn unerwartet die Geburt einsetzt mit diesen Informationen reicht völlig aus, da genügt eine einfach DinA4 Seite (die Haftungsausschlüsse kann man ja wie bei den AGB´s auf der Rückseite ins kleingedruckte setzen (liest ohnehin niemand)).

    Ein Vater mit eigenen Drillingsfrühchen

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    Ich hoffe, Ihr Kommentar ist ironisch gemeint, zeugt er doch sonst von einiger Menschenverachtung. Würden Sie sich am Herzen operieren lassen in einem Spital, das pro Jahr nur ein bis zwei solche Operationen durchführt und wenn in Ihrem Operationsteam nur gerade der Arzt und eine der Operationsschwestern solche Eingriffe überhaupt je durchgeführt haben?!
    Ausserdem verfügen kaum alle werdenden Eltern über eine genügende Bildung, um solche statistischen Angaben wie in den von Ihnen propagierten Broschüren richtig einschätzen zu können. Zudem befinden sich Eltern, wenn Sie vor einer Frühgeburt stehen, in einer seelischen Notlage, was Ihre Urteilskraft zusätzlich beeinträchtigt. Wenn dann der Artzt die Broschüre, in der das eigene Spital schlecht abschneidet, noch mit den Worten kommentiert: "Das sind ja nur Zahlen. Und wollen Sie sich und Ihrem Baby den langen Transport in ein anderes Spital wirklich zumuten", dann werden wohl viele Eltern einknicken und sich auch in einem Spital mit sehr tiefen Fallzahlen behandeln lassen - mit der Gefahr, dass ihr Baby das nicht überlebt! Nun, Leute in einer Notlage so auszunutzen, finde ich nicht sehr fair, v.a. wenn es nicht um einen Haarschnitt, sondern um Leben und Tod geht.

    Es geht in der ganzen Debatte um Fallzahlen nicht um sture Statistik, sondern darum, ob ein Spital genügend Erfahrung aufweist. Es ist einfach eine allgemein bekannte Tatsache, dass man mit mehr Praxiserfahrung besser wird. Und wie will man die erreichen, wenn man pro Jahr nur eine handvoll (wenn überhaupt nicht gar weniger) Fälle hat?

    Und wann soll eine Schwangere sich diese Informationen durchlesen, wenn sie mit Wehen oder in einer sonstigen Notfallsituation in ein Krankenhaus eingeliefert wird?

    Dafür ist weder Zeit noch Kraft, in so einer absoluten Ausnahmesituation. Ich jedenfalls war froh, dass ich umgehend in ein Perinatalzentrum transferiert wurde, denn ich wäre in dieser Situation nicht in der Lage gewesen, mir irgendwelche Broschüren durchzulesen oder irgendetwas zu entscheiden. Wie auch? Ich war bis zu diesem Zeitpunkt ein absoluter Laie, was Frühgeburten betrifft, hatte eine normale Schwangerschaft.

    Wenn man Drillinge erwartet, hat man wahrscheinlich zu dieser Situation einen anderen Zugang, da Mehrlinge ja meist einige Zeit vor dem Termin kommen/geholt werden müssen. Man hat also genug Zeit, sich darauf einzustellen. Wenn man aber von einer Minute zur anderen davon "überfallen" wird, sieht das schon anders aus.

    Eine Mutter eines 25-Wochen Frühchens

    Ich hoffe, Ihr Kommentar ist ironisch gemeint, zeugt er doch sonst von einiger Menschenverachtung. Würden Sie sich am Herzen operieren lassen in einem Spital, das pro Jahr nur ein bis zwei solche Operationen durchführt und wenn in Ihrem Operationsteam nur gerade der Arzt und eine der Operationsschwestern solche Eingriffe überhaupt je durchgeführt haben?!
    Ausserdem verfügen kaum alle werdenden Eltern über eine genügende Bildung, um solche statistischen Angaben wie in den von Ihnen propagierten Broschüren richtig einschätzen zu können. Zudem befinden sich Eltern, wenn Sie vor einer Frühgeburt stehen, in einer seelischen Notlage, was Ihre Urteilskraft zusätzlich beeinträchtigt. Wenn dann der Artzt die Broschüre, in der das eigene Spital schlecht abschneidet, noch mit den Worten kommentiert: "Das sind ja nur Zahlen. Und wollen Sie sich und Ihrem Baby den langen Transport in ein anderes Spital wirklich zumuten", dann werden wohl viele Eltern einknicken und sich auch in einem Spital mit sehr tiefen Fallzahlen behandeln lassen - mit der Gefahr, dass ihr Baby das nicht überlebt! Nun, Leute in einer Notlage so auszunutzen, finde ich nicht sehr fair, v.a. wenn es nicht um einen Haarschnitt, sondern um Leben und Tod geht.

    Es geht in der ganzen Debatte um Fallzahlen nicht um sture Statistik, sondern darum, ob ein Spital genügend Erfahrung aufweist. Es ist einfach eine allgemein bekannte Tatsache, dass man mit mehr Praxiserfahrung besser wird. Und wie will man die erreichen, wenn man pro Jahr nur eine handvoll (wenn überhaupt nicht gar weniger) Fälle hat?

    Und wann soll eine Schwangere sich diese Informationen durchlesen, wenn sie mit Wehen oder in einer sonstigen Notfallsituation in ein Krankenhaus eingeliefert wird?

    Dafür ist weder Zeit noch Kraft, in so einer absoluten Ausnahmesituation. Ich jedenfalls war froh, dass ich umgehend in ein Perinatalzentrum transferiert wurde, denn ich wäre in dieser Situation nicht in der Lage gewesen, mir irgendwelche Broschüren durchzulesen oder irgendetwas zu entscheiden. Wie auch? Ich war bis zu diesem Zeitpunkt ein absoluter Laie, was Frühgeburten betrifft, hatte eine normale Schwangerschaft.

    Wenn man Drillinge erwartet, hat man wahrscheinlich zu dieser Situation einen anderen Zugang, da Mehrlinge ja meist einige Zeit vor dem Termin kommen/geholt werden müssen. Man hat also genug Zeit, sich darauf einzustellen. Wenn man aber von einer Minute zur anderen davon "überfallen" wird, sieht das schon anders aus.

    Eine Mutter eines 25-Wochen Frühchens

  2. Ich hoffe, Ihr Kommentar ist ironisch gemeint, zeugt er doch sonst von einiger Menschenverachtung. Würden Sie sich am Herzen operieren lassen in einem Spital, das pro Jahr nur ein bis zwei solche Operationen durchführt und wenn in Ihrem Operationsteam nur gerade der Arzt und eine der Operationsschwestern solche Eingriffe überhaupt je durchgeführt haben?!
    Ausserdem verfügen kaum alle werdenden Eltern über eine genügende Bildung, um solche statistischen Angaben wie in den von Ihnen propagierten Broschüren richtig einschätzen zu können. Zudem befinden sich Eltern, wenn Sie vor einer Frühgeburt stehen, in einer seelischen Notlage, was Ihre Urteilskraft zusätzlich beeinträchtigt. Wenn dann der Artzt die Broschüre, in der das eigene Spital schlecht abschneidet, noch mit den Worten kommentiert: "Das sind ja nur Zahlen. Und wollen Sie sich und Ihrem Baby den langen Transport in ein anderes Spital wirklich zumuten", dann werden wohl viele Eltern einknicken und sich auch in einem Spital mit sehr tiefen Fallzahlen behandeln lassen - mit der Gefahr, dass ihr Baby das nicht überlebt! Nun, Leute in einer Notlage so auszunutzen, finde ich nicht sehr fair, v.a. wenn es nicht um einen Haarschnitt, sondern um Leben und Tod geht.

    Es geht in der ganzen Debatte um Fallzahlen nicht um sture Statistik, sondern darum, ob ein Spital genügend Erfahrung aufweist. Es ist einfach eine allgemein bekannte Tatsache, dass man mit mehr Praxiserfahrung besser wird. Und wie will man die erreichen, wenn man pro Jahr nur eine handvoll (wenn überhaupt nicht gar weniger) Fälle hat?

    Antwort auf "Unsinn"
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    Was soll das mit Menschenverachtung zu tun haben?

    Wenn man für vernünftige Informationen sorgt, und für nichts anderes habe ich plädiert, dann ist es jedem freigestellt, ein Risiko einzugehen oder nicht.
    Warum sollte man da Vorschriften machen, wenn in der Info deutlich die Fallzahlen drinnstehen?
    Damit bleibt aber jedem die Wahl aus nicht allgemein vorhersehbaren Gründen, trotzdem eine andere Wahl zu treffen, als die Bürokratie das vorsieht.
    Eine prinzipielle Bevormundung ist da viel eher menschenverachtend oder die Menschenwürde verletzend anzusehen, als mein Vorschlag.

    Sie müssen jedenfalls eine ziemlich überhebliche Einstellung zu ihren Mitmenschen haben, wenn sie Ihnen nicht zutrauen zählen zu können.

    H.

    Was soll das mit Menschenverachtung zu tun haben?

    Wenn man für vernünftige Informationen sorgt, und für nichts anderes habe ich plädiert, dann ist es jedem freigestellt, ein Risiko einzugehen oder nicht.
    Warum sollte man da Vorschriften machen, wenn in der Info deutlich die Fallzahlen drinnstehen?
    Damit bleibt aber jedem die Wahl aus nicht allgemein vorhersehbaren Gründen, trotzdem eine andere Wahl zu treffen, als die Bürokratie das vorsieht.
    Eine prinzipielle Bevormundung ist da viel eher menschenverachtend oder die Menschenwürde verletzend anzusehen, als mein Vorschlag.

    Sie müssen jedenfalls eine ziemlich überhebliche Einstellung zu ihren Mitmenschen haben, wenn sie Ihnen nicht zutrauen zählen zu können.

    H.

  3. 3. Naiv?

    Was soll das mit Menschenverachtung zu tun haben?

    Wenn man für vernünftige Informationen sorgt, und für nichts anderes habe ich plädiert, dann ist es jedem freigestellt, ein Risiko einzugehen oder nicht.
    Warum sollte man da Vorschriften machen, wenn in der Info deutlich die Fallzahlen drinnstehen?
    Damit bleibt aber jedem die Wahl aus nicht allgemein vorhersehbaren Gründen, trotzdem eine andere Wahl zu treffen, als die Bürokratie das vorsieht.
    Eine prinzipielle Bevormundung ist da viel eher menschenverachtend oder die Menschenwürde verletzend anzusehen, als mein Vorschlag.

    Sie müssen jedenfalls eine ziemlich überhebliche Einstellung zu ihren Mitmenschen haben, wenn sie Ihnen nicht zutrauen zählen zu können.

    H.

    Antwort auf "Menschenverachend?"
    • gn8
    • 21.08.2009 um 17:22 Uhr

    Die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss hatte einen eigenen Antrag auf eine Mindestmenge von 36 extrem leichten Frühgeborenen p.a. unter 1250 gr Geburtsgewicht gestellt. Dass der Autor des Artikels den Antrag überhaupt nicht erwähnt wundert mich.

    Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wenig Erfahrung gleiche Arbeitsqualität begründet wie mehr Erfahrung. Dafür gibt es auch nicht einen wissenschaftlichen Beleg.

    Es geht auch nicht darum einen unüberwindlichen Berg von Vorschriften aufzutürmen.

    Grund der Anträge sowohl der Kassen wie der Patientenvertretung ist die Sorge um die kleinsten Mitbürger und ihre Familien. Worum sich der unparteiische Vorsitzende des G-BA, an dessen Stimme die Anträge gescheitert sind, sorgt, hat er selbst gesagt: ihm ist das zu unübersichtlich, er hat die letzten Jahre keine Gelegenheit zur Information gehabt, fünf Jahre Beratungen und Gutachten sind in so einer Sitzung für ihn immer noch überraschend, er könne die Verantwortung für die Auswirkungen auf die kleinen Krankenhäuser nicht tragen. Von der Verantwortung für die sehr kleinen und leichten Frühgeborenen war weniger die Rede.

    Mindestens ein weiteres Jahr werden unsinnig Frühchen mit 270-1250 gr. Geburtsgewicht in Häusern auf die Welt kommen und behandelt werden, in denen es an der ausreichenden Erfahrung mangelt. Den Müttern alleine die Verantwortung für die Entscheidung zu überlassen verbietet sich angesichts der Kenntnis der Konsequenzen. Der Staat und die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen sind da in der Pflicht und bleiben schuldig.

  4. Und wann soll eine Schwangere sich diese Informationen durchlesen, wenn sie mit Wehen oder in einer sonstigen Notfallsituation in ein Krankenhaus eingeliefert wird?

    Dafür ist weder Zeit noch Kraft, in so einer absoluten Ausnahmesituation. Ich jedenfalls war froh, dass ich umgehend in ein Perinatalzentrum transferiert wurde, denn ich wäre in dieser Situation nicht in der Lage gewesen, mir irgendwelche Broschüren durchzulesen oder irgendetwas zu entscheiden. Wie auch? Ich war bis zu diesem Zeitpunkt ein absoluter Laie, was Frühgeburten betrifft, hatte eine normale Schwangerschaft.

    Wenn man Drillinge erwartet, hat man wahrscheinlich zu dieser Situation einen anderen Zugang, da Mehrlinge ja meist einige Zeit vor dem Termin kommen/geholt werden müssen. Man hat also genug Zeit, sich darauf einzustellen. Wenn man aber von einer Minute zur anderen davon "überfallen" wird, sieht das schon anders aus.

    Eine Mutter eines 25-Wochen Frühchens

    Antwort auf "Unsinn"

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