Bonuszahlungen Der heiß umworbene Banker – ein Mythos
Eine Sonderzahlung über 2,9 Millionen Euro für Dirk Jens Nonnenmacher sorgt seit Wochen für politischen Streit. Mit dem Geld soll der Manager als Chef der HSH Nordbank gehalten werden, obwohl das Institut unter Milliardenverlusten leidet und auf Staatshilfe angewiesen ist. Zuletzt hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) den Manager aufgefordert, auf das Geld zu verzichten. Zusätzliche Aufregung verursachten Pläne der HSH Nordbank, auch anderen wichtigen Mitarbeitern "Bleibeprämien" zu zahlen.
Der Streit ist symptomatisch. Etliche Banken haben begonnen, ihren Spitzenkräften wieder hohe Sonderzahlungen zu versprechen. Die Vorstände rechtfertigen diese Praxis meist mit dem Argument, sie müssten finanzielle Anreize bieten, um hoch qualifizierte Mitarbeiter zu halten.
Doch Headhunter, die sich in der Branche auskennen, zeichnen ein ganz anderes Bild. "Das Argument 'Meine guten Leute gehen, wenn ich ihnen nicht mehr zahle' kann ich generell nicht nachvollziehen", sagt Armen Simon, Partner bei der Personalberatung Spencer Stuart. Die Nachfrage selbst nach guten Leuten sei nicht so groß, dass Investmentbanker einfach die Stelle wechseln könnten. Die Banken rekrutierten bisher nur sehr selektiv neues Personal. "Es werden trotzdem wieder höhere Boni gezahlt, weil die Profis unter den Investmentbankern wissen, wie sie den nötigen internen Druck aufbauen können", erklärt Simon.
Der Druck zeigt Wirkung. Die US-Bank Goldman Sachs hat bis zur Jahresmitte 11,4 Milliarden Dollar – also umgerechnet 7,9 Milliarden Euro – für Bonuszahlungen beiseite gelegt. "Angesichts dieser Rückstellungen wissen die Banker, dass ihre Boni so hoch ausfallen werden wie noch nie", berichtet Can Toni Yilmaz, Headhunter bei der Personalberatung Michael Page. "In Großbritannien und den USA sind zurzeit auch Garantieboni wieder üblich", erzählt Thomas Raab von der Finanzberatung Oliver Wyman. Dabei wird eine Sonderzahlung für ein Jahr garantiert – ein Widerspruch zur Idee der leistungsabhängigen Vergütung. Banken wiederum, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, haben die Fixgehälter erhöht, berichten Personalberater übereinstimmend. Die Begründung ist immer die gleiche: Gute Leute müssen gehalten werden. Doch Headhunter lassen dieses Argument nur für wenige Fälle gelten: "Nur den besten zehn Prozent muss tatsächlich ein höherer Bonus gezahlt werden, damit sie bleiben", sagt Yilmaz.
Ähnlich differenziert verläuft der Kampf um neue Kräfte. Zwar werden Topleute mit Schecks über siebenstellige Beträge bei Konkurrenten abgeworben. In der Breite können Banken derzeit aber unter guten Bewerbern auswählen. Und die müssen sie auch nicht mit Geld ködern. Laut Yilmaz sind heute international mehr Banker arbeitslos, als gesucht werden. "Im Moment gibt es wirklich hochkarätige Kandidaten, die aufgrund von Kürzungswellen einen neuen Job suchen", bestätigt Sabrina Tamm von der Personalberatung Heidrick & Struggles. Für diese komme es nicht allein darauf an, wie viel sie auf einer neuen Position verdienen können. "Ich habe noch nie so wenig über Geld gesprochen wie in diesem Jahr", erzählt Tamm. Statt auf ihr Einkommen schauen die Banker auf das Geschäftsmodell, die Kapitalausstattung und die Perspektiven ihres künftigen Arbeitgebers. Vor allem die relativ starken Institute haben es nicht nötig, ihre Spitzenkräfte übermäßig gut zu bezahlen. "Banken mit einer guten Marktposition können mittlere bis niedrige Boni zahlen", sagt Nicole Scherf, Partnerin bei der Personalberatung Odgers Berndtson , "dabei müssen sie keine Angst haben, dass ihnen Mitarbeiter abgeworben werden."
- Datum 19.08.2009 - 19:52 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.08.2009 Nr. 35
- Kommentare 15
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Ja genau so ist es! Und dieser Artikel spricht eben genau für die Argumentation, dass es eben keinen Wettbewerb um die Kundengunst unter den Banken gab und bisher auch noch nicht gibt.
Erinnern Sie sich an das ewig wiedergekäute Argument, das es Wichtig ist, dass sich Banken untereinander Geld leihen!
Interbankenhandel! Gaanz wichtig!
Wie banal!
Verleihen Dönerbuden Dönerspieße?
Das waren alles nur Nebelkerzen.
Ich bin mal gespannt, ob Jörg Asmussen die charakterliche Eignung eines Staatsbeamten hat, oder ob er den Wolfgang Clement/ Florian Gerster macht.
Der Eindruck einer Differenzen, zwischen gesellschaftlicher Wahrnehmung und eigenem Anspruch auf seine Leistungen stolz zu sein, wird auch hier weiterhin hinterfragt.
Aber das war Geschichte.
Die Banken fischen zurzeit nach Lobbyisten. Kein tiefes Nachdenken vor Ort.
Was im Raum bleibt, ist die Frage nach dem Derivatenhandel.
Wie wird der grundsätzlich reguliert?
Nur durch noch mehr Verwaltungsaufwand?
Und aus den Mittel des einfachen Angestellten/abhängig Beschäftigten?
Ich bin dafür, dass Finanzprodukte den Staat finanzieren und nicht umgekehrt
wer hat denn die Boni für Herrn Nonnenmacher von der HSH-Bank genehmigt?
etwas anderes ist auch Herr Ackermann nicht, debattiert und nicht über den Sinn oder Unsinn dieser Headhunteragenturen?
Haben die keine Personalabteilungen und keine tauglichen Keyaccountleute?
Das Problem der Finanzbranche ist nicht Gier sondern pure Faulheit!
(Das gilt auch für die Politik; oder fragen Sie sich immer noch wofür das F bei der FDP steht?)
_____________________________________________________
Sie werden Deutschland nie regieren - Sie nicht!
(Gerhard Schröders wahre Worte)
Steht das P etwa auch noch für Phlegmatiker?
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
There always seems to be something great in the personality of a great leader.
Sadly history has shown that great folly will suffice.
Steht das P etwa auch noch für Phlegmatiker?
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
There always seems to be something great in the personality of a great leader.
Sadly history has shown that great folly will suffice.
Dass die Banken ein Selbstbedienungsladen sind liegt in der Natur der Sache, schließlich verleitet die reine Lehre der Wirtschaftslehre zur Gewinnmaximierung und nicht zur Nächstenliebe.
Dass die Banker diese Umschichtung der Steuergelder in ihre Privatschatullen schon vor der Wahl einleiten zeigt, wie sicher sie sich sind, dass eine ihnen freundliche gesonnene Regierungscheffin auch nach der Wahl keine Richtlinien der Politik anstreben wird, die der Selbstbereicherung einen Strich durch die Rechnung machen würde.
Steht das P etwa auch noch für Phlegmatiker?
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
There always seems to be something great in the personality of a great leader.
Sadly history has shown that great folly will suffice.
Eine Promille Provision sind doch angemessen?
Wenn einer eine Milliarde Euro verwaltet, WÄRE DAS ABER EINE MILLION! Und die können sich gar nicht mehr vergenwärtigen, dass das praktisch dem Lebenseinkommen der meisten ihrer Kunden entspricht. Und das wird jedes Jahr ausgezahlt! Und wenn mehrere dieser Fonds zusammenkommen, verschwimmen regelrecht die Nullen vor den Augen.
"Und die können sich gar nicht mehr vergenwärtigen, dass das praktisch dem Lebenseinkommen der meisten ihrer Kunden entspricht."
... dass jemand, der etwa 25 T€ p. a. verdient, grossartig in Fonds anlegt, sei es nun brutto oder netto. Das dürfte wohl gerade für den Lebensunterhalt reichen. Zieht man allerdings den bestbezahltesten Fondsmanager James Simons heran, dann dürfte Ihr Vergleich wieder passen. Für dessen 2,5 Mrd. Dollar Gehalt in 2008 müsste sogar ich lange arbeiten ;-)...
Was die Abgehobenheit dieser Spezies angeht, stimme ich ihnen allerdings absolut zu. Wer auch noch die Frechheit hat, nach spektakulärem Versagen auch noch eine Abfindung in Millionenhöhe einzuklagen, hat wohl den Knall noch nicht gehört - gell, Her Funke?!
"Und die können sich gar nicht mehr vergenwärtigen, dass das praktisch dem Lebenseinkommen der meisten ihrer Kunden entspricht."
... dass jemand, der etwa 25 T€ p. a. verdient, grossartig in Fonds anlegt, sei es nun brutto oder netto. Das dürfte wohl gerade für den Lebensunterhalt reichen. Zieht man allerdings den bestbezahltesten Fondsmanager James Simons heran, dann dürfte Ihr Vergleich wieder passen. Für dessen 2,5 Mrd. Dollar Gehalt in 2008 müsste sogar ich lange arbeiten ;-)...
Was die Abgehobenheit dieser Spezies angeht, stimme ich ihnen allerdings absolut zu. Wer auch noch die Frechheit hat, nach spektakulärem Versagen auch noch eine Abfindung in Millionenhöhe einzuklagen, hat wohl den Knall noch nicht gehört - gell, Her Funke?!
"Und die können sich gar nicht mehr vergenwärtigen, dass das praktisch dem Lebenseinkommen der meisten ihrer Kunden entspricht."
... dass jemand, der etwa 25 T€ p. a. verdient, grossartig in Fonds anlegt, sei es nun brutto oder netto. Das dürfte wohl gerade für den Lebensunterhalt reichen. Zieht man allerdings den bestbezahltesten Fondsmanager James Simons heran, dann dürfte Ihr Vergleich wieder passen. Für dessen 2,5 Mrd. Dollar Gehalt in 2008 müsste sogar ich lange arbeiten ;-)...
Was die Abgehobenheit dieser Spezies angeht, stimme ich ihnen allerdings absolut zu. Wer auch noch die Frechheit hat, nach spektakulärem Versagen auch noch eine Abfindung in Millionenhöhe einzuklagen, hat wohl den Knall noch nicht gehört - gell, Her Funke?!
Ich verstehe die gesamte Debatte nicht so ganz. Die eine Seite schiesst gegen jede Form von angeblich überhöhten Zahlungen, die andere Seite sieht jede Einschränkung der Boni als den Einstieg in ein sozialistisches System.
Wenn Finanzprodukte angeblich so fortschrittlich sind, dann sollte es doch problemlos möglich sein diese Frage zu entschärfen. Eine bescheidene Idee hierzu:
Warum werden Einkommen und Boni über €500.000 nicht einfach in nachrangigen Wandelanleihen(Laufzeit 30 Jahre, mit der Option für die herausgebende Firma diese,während der Laufzeit, zum Ausgabepreis jederzeit in Aktien zu wandeln) bezahlt? Wenn die Bonuszahlungen gerechtfertigt sind, kommt keiner von den hochtaltentierten Individuen zu schaden. Sollte dies nicht der Fall sein, stellen ebendiese das Kapital, dass für die Refinanzierung der Firmen benötigt wird(anstatt das der Steuerzahler belastet wird). Da die Boni, laut Aussagen der Finazwirtschaft fundamental gerechtfertigt sind, dürfte eine solche Lösung für die Betroffenen finanziell keinen Unterschied machen. (Ein Steuersatz von 80-90% der auf alle Beträge erhoben wird, die oberhalb des Levels von € 500.000 in bar (oder äquivalent) ausgezahlt werden, würde die Entscheidung deutlich erleichtern.)
Hiermit würden die talentierten Individuen, auf langfristiger Basis, für ihre ausserordentlichen Leistungen bezahlt, sollte die Begründung der Finanzwirtschaft korrekt sein. Falls es sich hingegen um ein Schneeballsystem handelt, würden zuerst die zur Kasse gebeten, die am meisten von diesem System profitiert haben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren