RWE gehört auch in der Krise noch immer zu den glänzend verdienenden Unternehmen im Land. Trotzdem ist die Bundesregierung gerade dabei, dem Essener Stromkonzern und seinen ebenfalls hoch profitablen Konkurrenten indirekt mit immerhin 40 Millionen Euro unter die Arme zu greifen.

Hintergrund ist vor allem die wirtschaftliche Schieflage von Unternehmen wie dem Rheinwerk in Neuss, einer zum Imperium des norwegischen Konzerns Norsk Hydro gehörenden Aluminiumhütte. In der falschen Annahme, das Geschäft werde in Zukunft weiter brummen, hatten sich stromintensive Betriebe der sogenannten Nichteisen-Metallbranche schon 2008 für das kommende Jahr mit Strom zu Festpreisen eingedeckt; RWE verkaufte die "Futures" damals für 67 Euro pro Megawattstunde.

Als die Konjunktur einbrach, sahen sich Unternehmen wie das Rheinwerk auf einmal zur Abnahme von Strommengen verpflichtet, die sie gar nicht mehr brauchten – zu Preisen, die sie am freien Markt längst nicht mehr zahlen müssten. Bezahlt werden musste und muss die Elektrizität dennoch, selbst wenn sie nicht abgenommen wird, denn den Deals lagen seinerzeit sogenannte Take-or-pay-Verträge zugrunde. Um ihre Verluste zu minimieren, verkauft die NE-Metallindustrie nun den Strom, den sie vor Monaten voreilig teuer eingekauft hat, zu niedrigen Preisen an der Leipziger Börse weiter. Dort tritt unter anderem RWE als Stromeinkäufer auf. Die eigene Stromproduktion fuhr der Konzern unterdessen zurück; auf diese Weise spart das Unternehmen Emissionszertifikate.

Die Bundesregierung plant nun, der NE-Metallindustrie aus Steuermitteln 40 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen – als Kompensation für die im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Spanien oder den Niederlanden hohen deutschen Industriestrompreise. De facto flösse das Geld fast ohne Umweg in die Kassen der Stromkonzerne. Bevor der aberwitzige Geldsegen dort ankommt, muss allerdings Brüssel noch sein Plazet geben. Die Richtlinie aus dem Hause von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) liegt dort seit Ende Juli zur Genehmigung durch die EU vor. Hermann Gröhe (CDU), Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, dürfte die Entscheidung mit besonderer Spannung erwarten. In seinem Wahlkreis liegt das gebeutelte Neusser Rheinwerk.