Neo Rauch Das dunkle SchilflandSeite 2/2

Das Atelier hat seine hellen und dunklen Zonen, seinen Schilf. Sein Herr kann es durchstreifen wie Röhricht, bewirtschaften wie einen Wald, führen wie einen Stall, aber absolut beherrschen kann er es nicht, so wenig wie er das unablässige Weben und Quellen der Gedanken, Bilder, Träume in seinem Inneren beherrschen kann. Man betritt das Atelier/das Selbst am Morgen immer etwas anders, als man es am Abend zuvor verließ. Man findet sich erwachend immer ein wenig anders vor, als man eingeschlafen ist.

Neo Rauch hat versucht, sein dunkles Schilfland zu malen. Es ist das biegsame Dickicht des Zeichnens, der kleinen Formate und Utensilien – Faserstift, Kohle, Tuschestift kommen zum Einsatz, auch Farben. Es liegt in der Natur der mikrokosmischen Bildwesen, dass sie zu viele und zu sonderbar sind, als dass der Zeichner ihr Werden kontrollieren könnte oder wollte. Er sammelt sie. Und so ist Neo Rauchs Buch der Zeichnungen eines der Arten – ein Bestimmungsbuch für einen Naturforscher mit Botanisiertrommel.

Eine Käfersammlung ist es. Ihr Sammler beugt sich darüber, verwundert, amüsiert. So ähnlich wird Ernst Jünger seine gesammelten Chitinwesen, wird Vladimir Nabokov seine erjagten Schmetterlinge betrachtet haben.

Das Buch "Schilfland" erscheint dieser Tage im Prestel Verlag. Ausgestellt werden die Zeichnungen bei EIGEN+ART in Berlin vom 19. September an.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service