USA Die Paranoia lebt

Präsident Obamas Gesundheitsreform mobilisiert seine Feinde – und entlarvt einen Irrtum: Der Kampf um Amerikas Mitte ist noch lange nicht entschieden

Es geht um eine Gesundheitsreform, aber die jüngsten Nachrichten aus den USA hören sich an wie Bulletins aus der Nervenklinik. »Das ist Sozialismus!«, donnern konservative Kongressabgeordnete gegen Barack Obamas Vorschlag, neben privaten auch eine staatliche Krankenversicherung anzubieten. »Tyrannei«, hallt es von der Straße, wo wutentbrannte Demonstranten den Präsidenten mit Hitler-Bärtchen zeigen. Glenn Beck, ein prominenter rechter Fernsehmoderator, wittert hinter Obamas Plänen eine schwarze Verschwörung, um wohlhabende Weiße zu Reparationszahlungen für die Sklaverei zu zwingen. Sarah Palin, berühmt für ihren eigenwilligen Wahlkampf an der Seite von John McCain, will sogar ein Euthanasieprogramm mit »staatlichen Todeskommissionen« entdeckt haben, die über die medizinische Versorgung von Behinderten entscheiden. In Radio-Talkshows versichern ältere Hörerinnen mit konspirativer Gewissheit in der Stimme, die Demokraten wollten per Sterbehilfe »massenhaft Senioren beseitigen, um mit dem gesparten Geld illegale Immigranten zu versorgen«. Was offenbar immer mehr Amerikaner vermuten lässt, bei Obama handele es sich um einen illegalen Präsidenten. Das Amt darf nur bekleiden, wer auf amerikanischem Boden geboren ist – und dass Obama diese Voraussetzung erfüllt, bezweifeln in einigen südlichen Bundesstaaten inzwischen bis zu 40 Prozent der Bevölkerung. Kein Hirngespinst scheint zu bizarr, um nicht gegen Obama auf Sendung gebracht zu werden.

Mit den umstrittenen Details der geplanten Gesundheitsreform hat das nicht mehr viel zu tun. Berater Obamas sehen sich ihrerseits als Opfer einer Verschwörung und beschuldigen die Republikaner, diesen Volksaufstand mit Geld und mobilen Rabaukenkommandos zu steuern.

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Einige Wellen des Protestes lassen sich tatsächlich in die Büros konservativer Parlamentarier und rechter Lobbygruppen verfolgen. Aber das erklärt die Leidenschaft des Protestes ebenso wenig wie der Hinweis auf das tief sitzende Misstrauen der Amerikaner gegenüber staatlichen Sozialprogrammen. Nein, hier ist noch etwas anderes passiert: Sieben Monate nach seinem Amtsantritt ist Barack Obama erstmals mit voller Wucht gegen den »paranoiden Stil in der amerikanischen Politik« geprallt.

The Paranoid Style in American Politics – so lautet der Titel des Klassikers von Richard Hofstadter aus dem Jahr 1964. Der Historiker und mehrfache Pulitzer-Preisträger meinte damit nicht Paranoia im klinischen Sinn, er meinte auch nicht den politischen Aktivismus von Wirrköpfen am extremistischen Rand. Hofstadter beschrieb vielmehr jenes Phänomen, bei dem hysterische Untergangsszenarien und Verschwörungstheorien Eingang in die Debatte der politischen Mitte finden. Also in die Köpfe der, so Hofstadter, »mehr oder weniger normalen Leute«. Diese heißen im Jargon der Demoskopen seit den achtziger Jahren angry white males, »zornige weiße Männer«.

In den USA treibt der paranoide Stil schon allein deswegen mehr Blüten als anderswo, weil Politik hier gern als Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Utopia und Apokalypse verstanden wird. Und in den vergangenen dreißig Jahren haben »zornige weiße Männer« die größten politischen Erfolge mit diesem Stil erzielt. In den achtziger Jahren trugen sie zum Wahlerfolg Ronald Reagans bei, Mitte der neunziger Jahre hatten sie Bill Clinton das Amtsleben verleidet. Dann bildeten sie die Kernwählerschaft für George W. Bush in jenem »9/11-Amerika«, das heute so weit entrückt scheint wie der amerikanische Bürgerkrieg. Inzwischen sind sie zwar nicht mehr ganz so weiß und männlich, aber zornig genug, um im Streit um die Gesundheitsreform Obama-freundliche Kongressabgeordnete niederzubrüllen, ihnen Prügel oder Gottes Strafe anzudrohen.

Es handelt sich also um jene Strömung in der amerikanischen Politik, die Obama-Fans mit dem Wahlsieg ihres Idols in einer allgemeinen Euphoriewolke aufgelöst glaubten.

Das Problem ist: Der paranoide Stil in der Politik hat einige sehr attraktive Eigenschaften. Er stiftet Sinn, gibt seinem Anhänger eine Mission und die Gelegenheit zu maßloser Selbstüberhöhung. Und er bietet das reinigende Erlebnis, es »denen da oben« mal richtig gezeigt zu haben. Vor allem »dem da oben«. Sie mögen eine Minderheit sein, aber viele Amerikaner haben die Wahl eines schwarzen, intellektuell und unmilitärisch wirkenden Kandidaten ins Weiße Haus nicht als Verwirklichung eines Traums, sondern als Beleidigung empfunden. Folglich mischen sich bei den Demonstrationen nicht nur Halb- und Unwahrheiten über die Reformpläne, sondern auch Rassismus und reichlich Testosteron.

Leser-Kommentare
  1. Nun wenn Sie es so nennen wollen.
    Im Übrigen ist das kein amerikanisches Thema. Das findet sich in allen Länder der westlichen Welt in unterschiedlicher Form wieder. Hierzulande werden halt die Sonderlinge nicht müde in immer schrilleren Tönen "In Deutschland gehen die Lichter aus!", "Armes Deutschland", "Verarsche/Abzocke/Volksverdummung" usw. zu skandieren. Das ist anderes Vokabular, da Deutsch und nicht Englisch, ist aber die selbe "Paranoia" wie in den USA. Den Leuten geht es Hüben wie Drüben nie um das Thema oder gar um progressive Reformen sondern nun ja, um's Pöbeln.
    Leute wie Beck und Palin werden im Übrigen auch unter den Konservativen und Republikanern nur von einer Minderheit irgendwie ernst genommen.
    Auch das ist ja wie in Deutschland. Die Medien werfen auch hierzulande gerne den Fokus auf Randgruppen und Sonderlinge, die halt am lautesten "Bambule machen" (wie die Berliner sagen). Das ist aber nicht die Mehrheit der Gesellschaft.
    Das liegt halt an den Mechanismen wie Medien arbeiten.
    Ich kann Sie nur davon warnen Rush Limbaugh oder FOX News zuzuhören und daraus ein Seelenbild der konservativen Amerikaner zu interpretieren.

    Richtig ist dass die USA wohl das am tiefsten individualisierte Land der Welt sind und es darum eine "Mitte" als Werte oder Wählergruppe nicht gibt. Höchstens über Einkommen, aber das kann sich über Nacht zum Positiven und auch Negativen verändern. Alles was man "über die Amerikaner" sagen kann stimmt, und auch nicht. Dieser Realitätsverlust der politischen Kaste wird in den USA schon lange lange nicht mehr beklagt, während in Deutschland ja immer noch der naive Traum von integeren Volksvertretern, die gestählt von den Werten der Weimarer Klassik, schon das richtige für das Land machen der Maßstab ist. Und jede kleine Affäre aufs neue einen Realitätsschock auslöst und das Vertrauen in "die Politiker" noch mal eine Stufe tiefer sinkt.
    In den USA ist man nicht zynisch aber pragmatisch und nimmt es halt als gegeben dass Macht korrumpiert. Darum gibt es auch eine reiche Phrasologie, zB "inside the beltway" (wörtlich "innerhalb der Ringautobahn") die das sarkastisch beschreibt. Und ganz genau so ist es mit den Medien. Es gibt eine kleine Gruppe von Sonderlingen die den ganzen Tag nix zu tun haben und darum auf seltsame Ideen kommen, den ganzen Tag FOX News schauen und dann entsprechend auch die Phrasen die sie dort reingehämmert bekommen wortwörtlich wiedergeben (es ist immer ein untrügliches Zeichen für Verblendung wenn sich die Parolen 1:1 gleichen).

    Nein Obamas Problem ist nur seine Unerfahrenheit und dass das Personal der Demokraten während der Bushjahre massiv geschrumpft ist. Es galt als aussichtslos sich in Bushs own Country für die Sache der Demokraten zu engagieren. Dann kam aber mit Obama und seinen Mitstreitern eine idealistische - aber unerfahrene - Generation an die Macht und die ist so muss man leider sagen überfordert. Zb hat Obama mit seinen Leuten im Kongress eine bequeme "Ermüdungsreden-Mehrheit" (filibuster majority) und kann die Republikaner eigentlich komplett ignorieren. Aber zu Obamas Programm und Wahlversprechen gehört auch die tiefe Spaltung der USA die in 8 Jahren Bush regelrecht zementiert wurde zu überbrücken - darum fällt unablässig der Begriff "bipartisan" (heißt soviel wie über Parteigrenzen hinweg). Obama will eben nicht nur eine Gesundheitsreform durchsetzen, sondern er will "a more perfect union" (jetzt wird's mit dem Übersetzen in's Deutsche schwierig ohne dass es seltsam klingt - Pathos ist halt nicht mehr die Sache der Deutschen).
    Er würde sich ebenso gescheitert sehen wenn er das nicht schafft, als wie wenn er keine Gesundheitsreform durchbringt. Ein politisches Dilemma.

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    • Yadgar
    • 23.08.2009 um 0:05 Uhr

    ...ziehen sich "Politically Incorrect" rein oder pöbeln in den Kommentarrubriken der Online-"Welt", in geringerem Umfang auch bei Süddeutsche-Online herum (interessanterweise jedoch kaum jemals auf faz.net - da scheint die Grenze zwischen seriösem Konservatismus und dummdreistem Populismus zu verlaufen!), Verschwörungstheorien von beliebiger Abstrusität inbegriffen.

    In früheren Jahrzehnten war dieser "paranoide Stil" bei der "schweigenden Mehrheit" wohl weniger verbreitet, zum einen steckte den Durchschnittsdeutschen noch die Erinnerung an die paranoide Raserei der Nazis in den Knochen, zum anderen hatte man in den goldenen Jahren von Hobbykeller, Heimorgel und Hollywoodschaukel Wichtigeres zu tun als sich mit spinnerten Verschwörungstheorien (die waren damals eher die Domäne der drogengeschwängerten Sponti-Szene) abzugeben...

    • Yadgar
    • 23.08.2009 um 0:05 Uhr

    ...ziehen sich "Politically Incorrect" rein oder pöbeln in den Kommentarrubriken der Online-"Welt", in geringerem Umfang auch bei Süddeutsche-Online herum (interessanterweise jedoch kaum jemals auf faz.net - da scheint die Grenze zwischen seriösem Konservatismus und dummdreistem Populismus zu verlaufen!), Verschwörungstheorien von beliebiger Abstrusität inbegriffen.

    In früheren Jahrzehnten war dieser "paranoide Stil" bei der "schweigenden Mehrheit" wohl weniger verbreitet, zum einen steckte den Durchschnittsdeutschen noch die Erinnerung an die paranoide Raserei der Nazis in den Knochen, zum anderen hatte man in den goldenen Jahren von Hobbykeller, Heimorgel und Hollywoodschaukel Wichtigeres zu tun als sich mit spinnerten Verschwörungstheorien (die waren damals eher die Domäne der drogengeschwängerten Sponti-Szene) abzugeben...

  2. Obwohl ich der Hauptthese des Artikels zustimme, empfinde ich zwischen den Zeilen eine gefährliche Verharmlosung der gegenwärtigen politischen Spaltung in meiner Heimat. Im Juli war ich drei Wochen bei Verwandten in Michigan zu Besuch. Selbst ich als gebürtiger Amerikaner und Beobachter amerikanischer Politik war schockiert, wie giftig der Ton unter der Bevölkerung ist. Die Opposition ist sehr gut organisiert und verfügt über ausreichende Geldquellen, was an sich nicht so gefährlich scheinen mag. Die hat allerdings etwas, das nicht unterschätzt werden soll und zwar den Geist des Fanatikers. Voll im Trend ist es heutzutage für die Opposition, draußen vor einem sogenannten „Town-Hall Meeting“, wo der Präsident der Vereinigten Staaten Fragen beantwortet, mit geladenen Waffen herum zu stehen. Die üben da ihre "Rechte" aus. Diese politische Radikalisierung der Opposition ist etwas Neues und stellt meines Erachtens einen Bruch mit der Politik der Vergangenheit dar. Frau Böhm begeht einen Fehler, indem sie diesen Punkt herunterspielt.

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    Ich mein zumindest 95% von den Leuten die man so auf MSNBC bei den townhall meetings rumkreischen sieht sind quasi Rentner oder kurz davor. Die schreien dann auch immer "I want America back" und so weiter. Es ist nicht einfach allgemeiner Frust der älteren Generationen, wie man ihn ja wie gesagt auch in Deutschland findet und wohl überall in der westlichen Welt, die mit den modernen Zeiten nicht mehr klar kommt?
    Und ein schwarzer Präsident ist eben für diese Leute ein überstarkes Symbol für all diesen Wandel der ihnen "Angst macht" (Angst ist da glaub ich ein starker Treiber für diese Hysterie, ich werde es weniger Paranoia und mehr "Angst" nennen). Ich mein gerade in Texas oder so sind die doch alle noch auf segregated high schools gegangen! Und dann ist der Commander in Chief ein Schwarzer? George W. Bush war ja noch ein typischer frat boy und Teil der alten weißen Oberschicht. Dann verlieren die Republikaner die Präsidentschaft und die Mehrheiten in House und Senate, das muss für diese Leute ein Kulturschock sein. Die fear mongerer haben da halt leichtes Spiel. Cheney kann ja bis heute nicht seine Klappe halten und tingelt immer noch mit seinen "Warnungen" durch die Cable News.

    Naja und wenn man sich mal anschaut was die letzten 8 Jahre so geschah, Folter im Namen der USA und derlei. Das ist ein einziges großes Trauma und irgendwie endlädt sich das scheinbar auch auf Obama. Ja, und dann noch die Wirtschaftskrise, die Infrastruktur ist ohnehin am zerbröseln... die Lücke zwischen Anspruch (alles in den USA ist immer "world's best") und Wirklichkeit (..das ist halt Wunschdenken) klafft immer weiter auseinander. Und irgend jemand muss doch dafür verantwortlich sein dass das Leitungswasser wie aus dem Schwimmbecken schmeckt, große Brücken einfach zusammenbrechen und Autofahrer unter sich begraben, Hauptwasserleitungen bersten und lokale Überflutungen auslösen, auf den veralteten und überlasteten Flughäfen Chaos der Normalfall ist, die Polizei die Bevölkerung immer mehr gängelt und sogar schon alte Damen von 80 Jahren bei der Verkehrskontrolle "tasered".... all der Frust über das, und noch mehr, wird auf die Person Obamas konzentriert und er darum mit Hass überzogen.
    Ein ganz klein wenig erinnert mich das an Miller's "The Crucible" was da teilweise abgeht.

    Ich mein zumindest 95% von den Leuten die man so auf MSNBC bei den townhall meetings rumkreischen sieht sind quasi Rentner oder kurz davor. Die schreien dann auch immer "I want America back" und so weiter. Es ist nicht einfach allgemeiner Frust der älteren Generationen, wie man ihn ja wie gesagt auch in Deutschland findet und wohl überall in der westlichen Welt, die mit den modernen Zeiten nicht mehr klar kommt?
    Und ein schwarzer Präsident ist eben für diese Leute ein überstarkes Symbol für all diesen Wandel der ihnen "Angst macht" (Angst ist da glaub ich ein starker Treiber für diese Hysterie, ich werde es weniger Paranoia und mehr "Angst" nennen). Ich mein gerade in Texas oder so sind die doch alle noch auf segregated high schools gegangen! Und dann ist der Commander in Chief ein Schwarzer? George W. Bush war ja noch ein typischer frat boy und Teil der alten weißen Oberschicht. Dann verlieren die Republikaner die Präsidentschaft und die Mehrheiten in House und Senate, das muss für diese Leute ein Kulturschock sein. Die fear mongerer haben da halt leichtes Spiel. Cheney kann ja bis heute nicht seine Klappe halten und tingelt immer noch mit seinen "Warnungen" durch die Cable News.

    Naja und wenn man sich mal anschaut was die letzten 8 Jahre so geschah, Folter im Namen der USA und derlei. Das ist ein einziges großes Trauma und irgendwie endlädt sich das scheinbar auch auf Obama. Ja, und dann noch die Wirtschaftskrise, die Infrastruktur ist ohnehin am zerbröseln... die Lücke zwischen Anspruch (alles in den USA ist immer "world's best") und Wirklichkeit (..das ist halt Wunschdenken) klafft immer weiter auseinander. Und irgend jemand muss doch dafür verantwortlich sein dass das Leitungswasser wie aus dem Schwimmbecken schmeckt, große Brücken einfach zusammenbrechen und Autofahrer unter sich begraben, Hauptwasserleitungen bersten und lokale Überflutungen auslösen, auf den veralteten und überlasteten Flughäfen Chaos der Normalfall ist, die Polizei die Bevölkerung immer mehr gängelt und sogar schon alte Damen von 80 Jahren bei der Verkehrskontrolle "tasered".... all der Frust über das, und noch mehr, wird auf die Person Obamas konzentriert und er darum mit Hass überzogen.
    Ein ganz klein wenig erinnert mich das an Miller's "The Crucible" was da teilweise abgeht.

  3. Ich mein zumindest 95% von den Leuten die man so auf MSNBC bei den townhall meetings rumkreischen sieht sind quasi Rentner oder kurz davor. Die schreien dann auch immer "I want America back" und so weiter. Es ist nicht einfach allgemeiner Frust der älteren Generationen, wie man ihn ja wie gesagt auch in Deutschland findet und wohl überall in der westlichen Welt, die mit den modernen Zeiten nicht mehr klar kommt?
    Und ein schwarzer Präsident ist eben für diese Leute ein überstarkes Symbol für all diesen Wandel der ihnen "Angst macht" (Angst ist da glaub ich ein starker Treiber für diese Hysterie, ich werde es weniger Paranoia und mehr "Angst" nennen). Ich mein gerade in Texas oder so sind die doch alle noch auf segregated high schools gegangen! Und dann ist der Commander in Chief ein Schwarzer? George W. Bush war ja noch ein typischer frat boy und Teil der alten weißen Oberschicht. Dann verlieren die Republikaner die Präsidentschaft und die Mehrheiten in House und Senate, das muss für diese Leute ein Kulturschock sein. Die fear mongerer haben da halt leichtes Spiel. Cheney kann ja bis heute nicht seine Klappe halten und tingelt immer noch mit seinen "Warnungen" durch die Cable News.

    Naja und wenn man sich mal anschaut was die letzten 8 Jahre so geschah, Folter im Namen der USA und derlei. Das ist ein einziges großes Trauma und irgendwie endlädt sich das scheinbar auch auf Obama. Ja, und dann noch die Wirtschaftskrise, die Infrastruktur ist ohnehin am zerbröseln... die Lücke zwischen Anspruch (alles in den USA ist immer "world's best") und Wirklichkeit (..das ist halt Wunschdenken) klafft immer weiter auseinander. Und irgend jemand muss doch dafür verantwortlich sein dass das Leitungswasser wie aus dem Schwimmbecken schmeckt, große Brücken einfach zusammenbrechen und Autofahrer unter sich begraben, Hauptwasserleitungen bersten und lokale Überflutungen auslösen, auf den veralteten und überlasteten Flughäfen Chaos der Normalfall ist, die Polizei die Bevölkerung immer mehr gängelt und sogar schon alte Damen von 80 Jahren bei der Verkehrskontrolle "tasered".... all der Frust über das, und noch mehr, wird auf die Person Obamas konzentriert und er darum mit Hass überzogen.
    Ein ganz klein wenig erinnert mich das an Miller's "The Crucible" was da teilweise abgeht.

    Antwort auf "nicht ganz so harmlos"
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    In beinah allen Ihrer Ausführungen haben Sie recht. Allerdings fehlt etwas wichtiges an Ihrer Analyse. Sie haben recht, wenn Sie behaupten, dass aus verschiedenen Gründen Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten in den Vereinigten Staaten frustriert sind. In einer richtig funktionierenden Gesellschaft könnte dieser Frust sogar zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Vertretern diverser politischen Parteien führen, was an sich eine gesunde Lösung der Problematik wäre. Bestreiten würden Sie wohl nicht, dass in einer gespalteten Gesellschaft die politischen Kräfte die Initiative zur Zusammenarbeit ergreifen müssen und dabei gemeinsam mit der Opposition Lösungen suchen. Diese sogennante Überparteilichkeit kommt allerdings in den Vereinigten Staaten nicht zustande, weil eine der zwei Parteien reaktionäre Elemente innerhalb und ausserhalb der eigenen Partei fördert. Selbstverständlich haben Sie recht, wenn Sie schreiben, dass es bei diesen Fanatikern um Rassismus geht. Selbstverständlich haben die Angst vor einer unvorhersehbaren Zukunft. Angst ist nicht das Problem sonder die Mischung aus Angst, Waffen und den Glauben daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten rechtswidrig gewählt wurde. Gesundheitsreform ist eher ein Nebenkriegsschauplatz.
    Viele dieser Menschen betrachten Obama und Obamas Anhänger als Verräter und jeder weiß, was man mit Verrätern (und deren politischen Anhängern) macht. Vor drei Monaten oder so wurde ein Frauenarzt vor seiner Praxis in Kansas City niedergeschossen. Das war nichts mehr als ein politischer Mord zwar verübt von jemandem aus diesem reaktionären Kreise. Die scheuen sich nicht vor Waffengewalt und als solches bilden die größte Bedrohung zur Demokratie dar. Die Autorin verharmlost die Lage, indem sie sich mit einem eher abstrakten Konzept wie "Paranoia" auseinandersetzt.

    In beinah allen Ihrer Ausführungen haben Sie recht. Allerdings fehlt etwas wichtiges an Ihrer Analyse. Sie haben recht, wenn Sie behaupten, dass aus verschiedenen Gründen Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten in den Vereinigten Staaten frustriert sind. In einer richtig funktionierenden Gesellschaft könnte dieser Frust sogar zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Vertretern diverser politischen Parteien führen, was an sich eine gesunde Lösung der Problematik wäre. Bestreiten würden Sie wohl nicht, dass in einer gespalteten Gesellschaft die politischen Kräfte die Initiative zur Zusammenarbeit ergreifen müssen und dabei gemeinsam mit der Opposition Lösungen suchen. Diese sogennante Überparteilichkeit kommt allerdings in den Vereinigten Staaten nicht zustande, weil eine der zwei Parteien reaktionäre Elemente innerhalb und ausserhalb der eigenen Partei fördert. Selbstverständlich haben Sie recht, wenn Sie schreiben, dass es bei diesen Fanatikern um Rassismus geht. Selbstverständlich haben die Angst vor einer unvorhersehbaren Zukunft. Angst ist nicht das Problem sonder die Mischung aus Angst, Waffen und den Glauben daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten rechtswidrig gewählt wurde. Gesundheitsreform ist eher ein Nebenkriegsschauplatz.
    Viele dieser Menschen betrachten Obama und Obamas Anhänger als Verräter und jeder weiß, was man mit Verrätern (und deren politischen Anhängern) macht. Vor drei Monaten oder so wurde ein Frauenarzt vor seiner Praxis in Kansas City niedergeschossen. Das war nichts mehr als ein politischer Mord zwar verübt von jemandem aus diesem reaktionären Kreise. Die scheuen sich nicht vor Waffengewalt und als solches bilden die größte Bedrohung zur Demokratie dar. Die Autorin verharmlost die Lage, indem sie sich mit einem eher abstrakten Konzept wie "Paranoia" auseinandersetzt.

  4. In beinah allen Ihrer Ausführungen haben Sie recht. Allerdings fehlt etwas wichtiges an Ihrer Analyse. Sie haben recht, wenn Sie behaupten, dass aus verschiedenen Gründen Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten in den Vereinigten Staaten frustriert sind. In einer richtig funktionierenden Gesellschaft könnte dieser Frust sogar zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Vertretern diverser politischen Parteien führen, was an sich eine gesunde Lösung der Problematik wäre. Bestreiten würden Sie wohl nicht, dass in einer gespalteten Gesellschaft die politischen Kräfte die Initiative zur Zusammenarbeit ergreifen müssen und dabei gemeinsam mit der Opposition Lösungen suchen. Diese sogennante Überparteilichkeit kommt allerdings in den Vereinigten Staaten nicht zustande, weil eine der zwei Parteien reaktionäre Elemente innerhalb und ausserhalb der eigenen Partei fördert. Selbstverständlich haben Sie recht, wenn Sie schreiben, dass es bei diesen Fanatikern um Rassismus geht. Selbstverständlich haben die Angst vor einer unvorhersehbaren Zukunft. Angst ist nicht das Problem sonder die Mischung aus Angst, Waffen und den Glauben daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten rechtswidrig gewählt wurde. Gesundheitsreform ist eher ein Nebenkriegsschauplatz.
    Viele dieser Menschen betrachten Obama und Obamas Anhänger als Verräter und jeder weiß, was man mit Verrätern (und deren politischen Anhängern) macht. Vor drei Monaten oder so wurde ein Frauenarzt vor seiner Praxis in Kansas City niedergeschossen. Das war nichts mehr als ein politischer Mord zwar verübt von jemandem aus diesem reaktionären Kreise. Die scheuen sich nicht vor Waffengewalt und als solches bilden die größte Bedrohung zur Demokratie dar. Die Autorin verharmlost die Lage, indem sie sich mit einem eher abstrakten Konzept wie "Paranoia" auseinandersetzt.

    Antwort auf "Sicher?"
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    Ja das ist wohl wahr. Hmh. Mag daher kommen dass hierzulande trotz aller Schrillheit der Auseinandersetzungen die körperliche Gewalt oder gar Gebrauch von Schußwaffen immer noch als Tabu gilt. Hat der Attentäter nicht auch ein Shirt mit dem "Tree of Liberty" getragen der ab und zu mit dem Blut von Tyrannen und Verrätern gewässert werden müsse? Glaub ein Jefferson Zitat. Aber vielleicht vermisch ich das mit einem anderen Attentat..

    Immer wenn mir das Gejammer in Deutschland zu sehr auf die Nerven geht denke ich an diese amerikanischen Verhältnisse und ich ertrag es wieder leichter.
    Man darf gespannt sein was die Zukunft bringt. Ich will gar nicht drüber nachdenken was los ist wenn das Wirtschaftswachstum auf sich warten lässt und die Konjunktur erneut einbricht wenn die ganzen staatlichen Ausgabenprogramme auslaufen. Das ist ja quasi jetzt der letzte Schuß und die letzten Reserven, für mehr ist kein Geld mehr da in den US. Das muss einfach wirken.

    Ja das ist wohl wahr. Hmh. Mag daher kommen dass hierzulande trotz aller Schrillheit der Auseinandersetzungen die körperliche Gewalt oder gar Gebrauch von Schußwaffen immer noch als Tabu gilt. Hat der Attentäter nicht auch ein Shirt mit dem "Tree of Liberty" getragen der ab und zu mit dem Blut von Tyrannen und Verrätern gewässert werden müsse? Glaub ein Jefferson Zitat. Aber vielleicht vermisch ich das mit einem anderen Attentat..

    Immer wenn mir das Gejammer in Deutschland zu sehr auf die Nerven geht denke ich an diese amerikanischen Verhältnisse und ich ertrag es wieder leichter.
    Man darf gespannt sein was die Zukunft bringt. Ich will gar nicht drüber nachdenken was los ist wenn das Wirtschaftswachstum auf sich warten lässt und die Konjunktur erneut einbricht wenn die ganzen staatlichen Ausgabenprogramme auslaufen. Das ist ja quasi jetzt der letzte Schuß und die letzten Reserven, für mehr ist kein Geld mehr da in den US. Das muss einfach wirken.

  5. 5. I C

    Ja das ist wohl wahr. Hmh. Mag daher kommen dass hierzulande trotz aller Schrillheit der Auseinandersetzungen die körperliche Gewalt oder gar Gebrauch von Schußwaffen immer noch als Tabu gilt. Hat der Attentäter nicht auch ein Shirt mit dem "Tree of Liberty" getragen der ab und zu mit dem Blut von Tyrannen und Verrätern gewässert werden müsse? Glaub ein Jefferson Zitat. Aber vielleicht vermisch ich das mit einem anderen Attentat..

    Immer wenn mir das Gejammer in Deutschland zu sehr auf die Nerven geht denke ich an diese amerikanischen Verhältnisse und ich ertrag es wieder leichter.
    Man darf gespannt sein was die Zukunft bringt. Ich will gar nicht drüber nachdenken was los ist wenn das Wirtschaftswachstum auf sich warten lässt und die Konjunktur erneut einbricht wenn die ganzen staatlichen Ausgabenprogramme auslaufen. Das ist ja quasi jetzt der letzte Schuß und die letzten Reserven, für mehr ist kein Geld mehr da in den US. Das muss einfach wirken.

    Antwort auf "das und noch mehr"
    • Hagane
    • 22.08.2009 um 20:35 Uhr

    Ich denke bei Berichten dieser Art sollte dem Leser auch erklaert werden, warum so viele Leute gegen diese Gesundheitsreform zu mobilisieren sind, da den meisten Deutschen nicht bewußt ist, wie das System USA funktioniert.

    Die USA sind (wie der Name schon sagt) ein Staatenbund, wo den Staaten, aber auch den Bezirken immens viel Macht gegeben ist, was Gesetzgebung, Verwaltung, Finanzwesen, etc. betrifft. US-Buerger koennen i.d.r. direkt einfluß auf die Politik ihres Bezirks nehmen, sprich wie der Buergermeister Geld ausgibt, welche Steuern es gibt, usw.
    Und eine Stadt weiter kann das schon wieder ganz anders aussehen. Also vom US-Krankenversicherungssystem zu reden ist idiotie, es gibt naemlich hunderte davon.

    Der Plan nun, den Buergern eine einheitliche Versicherung aus Washington aufzudruecken erscheint vielen ungefaehr so als wenn Bruessel daher kommt, den deutschen Sozialstaat aufloest und gegen eine EU-Versicherung eintauscht. Und gegen diese Art der Einflußnahme wehren sich die Leute.

  6. Ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist imho ein Merkmal einer gut funktionierenden Gesellschaft. Dass man darüber diskutiert, ob und wie allgemeine Krankenversicherungen eingeführt werden - gut und schön. Das man es aber um jeden Preis verhindert und die Debatte als Aufhänger benutzt um die Gesellschaft zu spalten ist schlichtergreifend asozial und menschenverachtend, denn is gibt Menschen die durch so ein dummes Geblubber ganz real leiden müssen. Wie patriotisch.

    lG

    • Yadgar
    • 23.08.2009 um 0:05 Uhr

    ...ziehen sich "Politically Incorrect" rein oder pöbeln in den Kommentarrubriken der Online-"Welt", in geringerem Umfang auch bei Süddeutsche-Online herum (interessanterweise jedoch kaum jemals auf faz.net - da scheint die Grenze zwischen seriösem Konservatismus und dummdreistem Populismus zu verlaufen!), Verschwörungstheorien von beliebiger Abstrusität inbegriffen.

    In früheren Jahrzehnten war dieser "paranoide Stil" bei der "schweigenden Mehrheit" wohl weniger verbreitet, zum einen steckte den Durchschnittsdeutschen noch die Erinnerung an die paranoide Raserei der Nazis in den Knochen, zum anderen hatte man in den goldenen Jahren von Hobbykeller, Heimorgel und Hollywoodschaukel Wichtigeres zu tun als sich mit spinnerten Verschwörungstheorien (die waren damals eher die Domäne der drogengeschwängerten Sponti-Szene) abzugeben...

    Antwort auf "Paranoia?"

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