Kapitalismus Ist Wachstum nur für Ungleichheit zu haben?Seite 2/2
Umverteilung, strenge Regeln für die Märkte und hohe Steuern, so argumentierten Lucas und seine Mitstreiter, lähmten die Wirtschaft. Wer einen großen Teil seines Einkommens abgeben müsse oder sich auf staatliche Stütze verlassen könne, der habe weniger Anreize, zu arbeiten und in seine Ausbildung zu investieren.
Ungleichheit zuzulassen ist in dieser Sicht die Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Von einer dynamischen Wirtschaft profitieren am Ende auch die Armen. Eine steigende Flut hebt alle Boote. Wer die Welt so sieht, für den ist Gleichheit – wenn überhaupt – nur noch im Sinne einer Chancengleichheit Ziel der Wirtschaftspolitik.
Auf derlei Lehren beriefen sich Ronald Reagan und Margaret Thatcher, als sie sich daranmachten, den Staat zurückzudrängen und die Gewerkschaften zu zerschlagen. Kaum war das erledigt, schnellte auch die Ungleichheit nach oben. Denn der Markt selbst sorgt nicht für Gleichheit: Er belohnt die Vermögenden, die Zinsen auf ihr Kapital erhalten. Er beschert all jenen Spitzenverdienste, die über besondere Fähigkeiten verfügen oder schlicht das Glück haben, in einer Boombranche zu arbeiten. Er bestraft alle anderen, die weniger leistungsfähig sind oder den falschen Beruf gelernt haben.
Allerdings ist die Weltwirtschaft nach der Reagan-Thatcher-Rosskur nicht schneller gewachsen als vor den Radikalreformen. Und gerade einige der reichsten Länder – die Staaten Skandinaviens – haben immer noch extrem hohe Steuern und ein dichtes soziales Netz.
Wie ist das zu erklären? Manche argumentieren: Die Menschen strengten sich nicht allein des Geldes wegen an, sondern aus Interesse an der Sache oder weil sie die Anerkennung suchten. Der wahre Schlüssel zum Wohlstand seien der Zugang zu einer guten Ausbildung, soziale Stabilität und die Qualität der Infrastruktur – viel wichtiger als der Anreiz, der sich aus großen Einkommensunterschieden ergebe.
Vielfach hört man allerdings das Argument, dass der technische Fortschritt und die Globalisierung auf Dauer immer mehr Ungleichheit schüfen. Dieser Zusammenhang ist aber längst nicht so eindeutig wie früher vermutet. Gerade in Hightech-Ländern mit offenen Grenzen wie Finnland oder Schweden ist die Ungleichheit niedrig. Der Einsatz von Maschinen oder der grenzüberschreitende Austausch von Waren und Dienstleistungen vernichtet zwar Arbeitsplätze, dafür entstehen aber erfahrungsgemäß an anderer Stelle Jobs. Und im Prinzip kann der Staat stets dafür sorgen, dass nicht nur einige, sondern alle reicher werden.
Es gibt sogar Ökonomen, die argumentieren: Eine zu hohe Konzentration des Reichtums in wenigen Händen könne schädlich für das Wachstum sein. Je höher das Gehalt, sagen sie, desto mehr würde gespart und desto geringer sei die Nachfrage nach Konsumartikeln. Die "stärkere Spreizung der Einkommen", merkte die Bundesbank unlängst an, sei ein Grund für den jahrelangen Konsumverzicht in Deutschland.
Die Amerikaner haben versucht, den Konsum trotz niedriger Löhne aufrechtzuerhalten – die Bürger shoppten eben auf Kredit. Gut gegangen ist das nicht. Für den Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist die ungleiche Einkommensverteilung in den USA sogar eine der wichtigsten Ursachen für die globale Finanzkrise: Denn die begann, als viele US-Bürger erst ihre Immobilien beliehen, um weiter einkaufen zu können, und dann schließlich ihre Immobilienkredite nicht mehr bedienen konnten.
So fragen sich heute Wissenschaftler, ob der Großangriff auf den Sozialstaat aus ökonomischen Gründen wirklich notwendig war – und ob nicht stattdessen eine Korrektur der schlimmsten Exzesse der späten siebziger Jahre ausgereicht hätte. Ob gleich oder ungleich, der Kapitalismus kann offenbar mit beidem.
Die Frage der optimalen Verteilung ist deshalb keine an den Kapitalismus – sondern eine an die Politik. Emmanuel Saez, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität von Kalifornien, sieht es so: »Wir müssen uns als Gesellschaft entscheiden, ob wir die Zunahme der Ungleichheit akzeptabel finden – und wenn nicht, welche institutionellen Reformen nötig sind, um ihr zu begegnen.«
- Datum 05.09.2009 - 14:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.08.2009 Nr. 35
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Wohlstandsvermehrung basiert immer auf dem Anreiz, und Anreiz gibt es nur bei Ungleichheit - kommunistische Gleichheit wäre insofern auch ungerecht. Wie ja die Sozialdemokraten ganz zu Recht sagen: wer mehr leistet muss auch mehr bekommen, was für Rente oder Arbeitslosengeldbezugsdauer gilt, ist auch sonst richtig.
Das "Nein" kommt dann in's Spiel wenn es um Ungleichheit geht die sich nicht mehr annähernd mit Leistung, Qualifikation, Verantwortung und ja auch Glück (auch das ist natürlich ein Faktor im Leben, wer wollte das bestreiten) erklären lässt. Sondern nur mit Gier und einem modernen Feudalismus, Selbstbedienermentalität.
Das ist nicht nur für das Wachstum nicht notwendig, sondern schadet dem Wachstum. Denn was für das einzelne Unternehmen gilt, dass kurzfristige Managerentscheidungen die nur auf persönlichen Vorteil (Boni, Aktienoptionen, etc.) abzielen dem Unternehmen auf lange Sicht schaden, das gilt natürlich auch für die gesamte Wirtschaft.
Jeder der dies als Teil des Kapitalismus bezeichnet hat den Kapitalismus nicht verstanden. Es handelt sich dabei mitnichten um Anarchie sondern um das freie Spiel der Kräfte in einem festen Regelkorsett. So wie, wenn schon immer die Kasinovergleiche aufkommen, am Pokertisch Talent ebenso wie der "Bluff" zur rechten Zeit eine Rolle spielt aber sich dennoch jeder Spieler an die Regeln halten muss und schon gar nicht mit "gezinkten Karten" spielen darf. Sonst fliegt er raus.
Und wenn man sagt die Ungleichheit habe ich die letzten Jahre massiv vergrößert, dann heißt das im Umkehrschluss natürlich dass die Ungleichheit mal geringer war. Und in der Tat, das Steueraufkommen wurde vor 30 Jahren noch zu 2/3 von Unternehmen und Kapitaleinkommen getragen, nur zu 1/3 von Arbeitnehmern. Heute ist es umgekehrt. Der Abstand zwischen kleinstem und größtem Gehalt in den Firmen hat sich ver-x-facht. Die ohne Not zerschlagene "Deutschland AG" hat die Vorteile beider Welten vereinigt, wohl auch unter dem Erfolgsdruck beweisen zu müssen dass eine freie und kapitalistische Gesellschaft dennoch auch beim Sozialen dem "Sozialismus" überlegen ist - in der alten BRD hatte ja in der Tat jeder Sozialhilfe-Empfänger höheren Lebensstandard und Kaufkraft als ein durchschnittlicher DDR-Bürger mit noch so harter Arbeit je hätte erlangen können.
Mit dem Mauerfall, und der Hybris dass der Kapitalismus "gesiegt" habe (in Wahrheit ist er halt als einziges System übrig geblieben), fiel wohl auch dieser Antrieb die Balance zu halten weg. Individualismus und Globalisierung haben das Übrige geleistet..
ich bezeichne mich in der Hinsicht gerne als reaktionär, und möchte die Verhältnisse der alten Bundesrepublik zurück. Die war nicht so dynamisch wie das angelsächsische Modell, aber Dynamik heißt nicht automatisch "Aufstieg" sondern das geht eben in beide Richtungen.
wie meinen Sie diesen Satz?
"Wohlstandsvermehrung basiert immer auf dem Anreiz, und Anreiz gibt es nur bei Ungleichheit - kommunistische Gleichheit wäre insofern auch ungerecht."
Sie wollten wohl eher "einem Anreiz" schreiben? Ich dachte Wohlstandsvermehrung wäre an sich ein Anreiz für Leistung. Sicherlich gibt es auch noch andere Anreize. Wer hat eigentlich den Begriff "kommunistische Gleichheit" gebildet?
Ich stimme Ihnen zu, dass ein Sozialstaat wie er sich in den 70ern in Deutschland gebildet hat wünschenswert ist. Leider ist dies ein Wunschtraum, der nicht sich nicht erfüllen wird.
Sie schreiben, der Kapitalismus sei das freie Spiel der Kräfte in einem festen Regelkorsett. Das Regelkorsett wird aber immer dem Druck zur Kostenminimierung angepasst. Die Globalisierung schafft nämlich einen Zwang für nationale Regierungen sich dem Wettbewerb mit anderen Regionen in der Welt zu stellen. Ein Sozialstaat kann also nur durch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Regionen Bestand haben. Gibt es diesen nicht, müssen nationale Regierungen Zugeständnisse gegenüber der Wirtschaft machen, ob insgeheim gewollt oder nicht.
Besten Gruß, jj
ich halte ihren kommentar für nicht richtig. Wenn Sie es interessiert, dann informieren Sie sich über die 2/3-Drittel Gesellschaft.
wie meinen Sie diesen Satz?
"Wohlstandsvermehrung basiert immer auf dem Anreiz, und Anreiz gibt es nur bei Ungleichheit - kommunistische Gleichheit wäre insofern auch ungerecht."
Sie wollten wohl eher "einem Anreiz" schreiben? Ich dachte Wohlstandsvermehrung wäre an sich ein Anreiz für Leistung. Sicherlich gibt es auch noch andere Anreize. Wer hat eigentlich den Begriff "kommunistische Gleichheit" gebildet?
Ich stimme Ihnen zu, dass ein Sozialstaat wie er sich in den 70ern in Deutschland gebildet hat wünschenswert ist. Leider ist dies ein Wunschtraum, der nicht sich nicht erfüllen wird.
Sie schreiben, der Kapitalismus sei das freie Spiel der Kräfte in einem festen Regelkorsett. Das Regelkorsett wird aber immer dem Druck zur Kostenminimierung angepasst. Die Globalisierung schafft nämlich einen Zwang für nationale Regierungen sich dem Wettbewerb mit anderen Regionen in der Welt zu stellen. Ein Sozialstaat kann also nur durch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Regionen Bestand haben. Gibt es diesen nicht, müssen nationale Regierungen Zugeständnisse gegenüber der Wirtschaft machen, ob insgeheim gewollt oder nicht.
Besten Gruß, jj
ich halte ihren kommentar für nicht richtig. Wenn Sie es interessiert, dann informieren Sie sich über die 2/3-Drittel Gesellschaft.
Dafür verantwortlich ist die "politische Klasse", die nichts gegen diese Fehlentwicklung unternimmt, die Handlungen nicht an den Bedürfnissen der Masse ausrichtet und durch Lobbyarbeit im Repräsentativorgan Bundestag ungerechte ausschließliche Interessenpolitik für Vermögende betreibt.
Die Möglichkeiten der Macht werden nunmal genutzt. Die Politiker wären dumm es nicht zu tun - oder Idealisten.
allgemeinverständliche Sprache lautet:
Halbwahrheiten verbreiten
Lügen verbreiten
Abgeordnete erpressen
Abgeordnete bestechen (z.B. mit lukrativen Posten u.a. für Bundeskanzlerdarsteller nach deren jeweiliger Amtszeit)
Wenn doch endlich alle (oder mindestens viele) dazu übergingen, die Dinge bei ihren richtigen Namen zu nennen!
Das wäre sicherlich schon ein Teil der Problemlösung.
allgemeinverständliche Sprache lautet:
Halbwahrheiten verbreiten
Lügen verbreiten
Abgeordnete erpressen
Abgeordnete bestechen (z.B. mit lukrativen Posten u.a. für Bundeskanzlerdarsteller nach deren jeweiliger Amtszeit)
Wenn doch endlich alle (oder mindestens viele) dazu übergingen, die Dinge bei ihren richtigen Namen zu nennen!
Das wäre sicherlich schon ein Teil der Problemlösung.
...hat mal jemand geschrieben, dass ungleichheit ein politisches, und nicht wirtschaftliches problem ist, das dem kapitalismus innewohnt.
dass nicht alle gleich leistungsfähig/willig sind, ist ja eh klar, dass manche es sich richten können (weil sie an der richtigen stelle im wirtschaftsgefüge sitzen, reiche eltern haben, gute kontakte etc.), ebenfalls.
gerechtigkeit ist ein urbedürfniss der menschheit, das ist schon bei den affen so (gib jedem affen eine banane, aber einem affen zwei bananen und schon gibts rambazamba).
STEUERN FÜR REICHE RAUF, von mir aus auch auf 80%!!
hat ja früher anscheinend auch funktioniert. und ist die einzige lösung, um genug geld für staatsverschuldung, klimawandelbekämpfung und andere extrem drückende probleme aufzubringen...sollen sie schreien, wie sie wollen!
und dass mir keiner erzählt, er würde weniger arbeiten, wenn die steuern steigen, das wäre ja auch ziemlich dumm...kriegt man ja noch weniger.
Es gibt aus meiner Sicht schon nen Grund, warum der Arbeiter immer weniger verdient, die Nachfrage sinkt!
Dank Roboter etc. brauchen wir Jahr für Jahr weniger Arbeiter. Natürlich sinkt dann die Nachfrage und somit der Preis/Lohn.
Was die Politik und auch Teile der Wirtschaft (inklusive Gewerkschaft) noch nicht verstanden haben, dann dass wir in einem Strukturwandel sind, wo sich die klassische Teilung zwischen Arbeiter und Unternehmer auflößt.
Viele Arbeiter verdienen sich zu Hause mit Ebay was dazu oder machen sich gleich Selbstständig.
Ich würde mich freuen, wenn der Sozialstaat nicht mehr zwischen Arbeiter und Unternehmer unterscheidet, sondern den Selbstständigen die gleichen Pflichten und Rechte zubilligt!
Basis jeglicher Korrekturen um diese, teils gewollten Exzesse, zu verhindern/vermindern wird u.a. auch sein das in dem vorgesehenen Vertrag von Lissabon/EU Verfassung Kapitalverkehrskontrollen festgeschrieben werden.
Aktuell ist genau das Gegenteil der Fall.
Des weiteren gilt es die Prämisse des totalen Wettbewerbs zu zerschlagen und diese nun tatsächlich auf Unternehmersche Aktivitäten zu begrenzen. Die Arbeitnehmer sollten von diesem totalen Wettbwerb des niedrigsten Standards ausgeschlossen/geschützt werden. So ganz nebenbei schützt das auch die Arbeitgeber.
Die aktuelle, aber eigentlich nur erfundene und herbeigeredete, Ansicht das nur der Investor/Kapitalgeber/Aktionär der alleinige Anspruchshalter an ein Unternehmen ist gehört ebenso vom Tisch gewischt. Es ist ja nicht so das die Kapitalgeber automatisch noch verstehen würden was es heisst ein Unternehmen zu führen das, ja eben das mehrere Anspruchshalter vereinen muss. Im Kontext dazu sind mir die Mio. Boni einiger Angestellter eher egal, dies im vergleich zu den Mrd. die von den Investoren abgeschöpft werden.
Die weitvebreitete aber genauso falsche Ansicht das Unternhemen nur dem Profit und den Renditen verpflichtet sind muss der Abschied gegeben werden. Auch dies eine von etlichen komplett fehlgeleiteten Neoliberalen Dogmen die wenig positives aber viel negatives mitsich gebracht haben.
Die aktuelle und oft angebrachte Weisheit das die Profite privatisiert werden und die Verluste sozialisiert muss intensiv nachgengangen werden. es geht auch heir nicht mehr an das einfach passiv dabei zugesehen wird.
Der nationale und internationale Steuerwettbewerb muss ebenfalls geregelt werden. Die Schweiz ist ein aktuelles Beispiel wo sich so mancher Kanton auf Kosten der grösseren Nachbarn duch Steuersenkungen (für Holdings, Unternehmen, Investoren, reiche bis sehr reiche Individuen usw.) die Kassen saniert. Dies aber nur solange wie nicht der nächste mit noch tieferen Konditionen winkt... Schlicht und einfach eine Abwärtspirale bei der am Ende des Tages keiner ausser den Kapitalbesitzern etwas positivens abgewinnen kann.
Die Privatisierung der einst in gemeinschaftseigentum betriebenen Systeme muss gestoppt und von mir aus auch wieder zurückgewickelt werden. Auch da kommen auf wenige positive Aspekte (meist hohe Profite für die neuen besitzer) zuviele negative Aspekte für den Rest der Gesellschaft.
So oder so, wie im vorliegenden Artikel vermerkt. Die Lohn und vorallem auch die (Kapital) - Einkommensscheren in vielen Ländern müssen eh wieder geschlossen werden. Warum hat man blos mal progressive Steuern oder besteuerung nach oekonomischer Leistungsfähigkeit eingeführt? Aus heiterem Himmel... einfach so oder hatte dies damals doch tiefergehende Gründe?
...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Ernst August
Bei dieser "Analyse" von Mark Schieritz lachen die Hühner. Die Gewerkschaften seien Schuld und die Politiker, wenn die Schere zwischen Reich und Arm weiter auseinander ginge. Hat Mark Schieritz vergessen, mit welchem Druck und mit welchem Erfolg Unternehmer und ihre Verbände gearbeitet haben, um allein in Deutschland die Politik zu einer Umverteilung von Unten nach Oben zu zwingen? Deutschland zahle die höchsten Löhne, hätte die meisten Urlaubstage, der Sozialstaat mache die Wirtschaft kaputt, die Unternehmen müssten ihre Produktionsstätten verlagern und auf allen Ebenen soziale Leistungen zurückschreiben, um nicht unterzugehen. Eine meist willfährige Presse hat sich an dieser neoliberalen Angst- und Panikmache ohne jede kritische Distanz auf fast allen Kanälen beteiligt, sie gelegentlich begierig nachgebetet und am Ende haben die deutschen Sozialdemokraten durch die Agenda 2010 und die Hartzgesetzgebung dafür gesorgt, dass ca. 30 Prozent der deutschen Erwerbstätigen in einen Fahrstuhl geschoben und nach unten gefahren worden sind, um durch Rente ab 67, durch prekäre Arbeitsverhältnisse und durch allgemeinen Lohnverzicht die Umverteilung von oben nach unten zu relaisieren. Die SPD wird sich von diesem Bubenstück wahrscheinlich nicht mehr erholen. Der Prozess der Schwächung der sozialen Marktwirtschaft setzte in Europa ein mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme 1989/90. Auch darüber redet Mark Schieritz nicht. Wenn diese sozialen Erosionsprozesse weiter andauern, drohen der Stabilität und der Demokratie in Deutschland und in Europa ernste Gefahren. Auch über die Gefährlichkeit sagt Mark Schieritz nichts. Seine Analyse schont die Wohlhabenden und Besitzenden und das ist genau der Prozess, für den weder die Gewerkschaften, noch "die" Politik in Gänze verantwortlich sind.
Schieritz Fazit ist falsch, das Gegenteil ist der Fall.
Die Vergangenheit zeigt, dass das System der Marktwirtschaft prinzipiell funktioniert und uns Wohlstand bringt. Der Kapitalismus ist aber ein Gesellschaftssystem, nachdem jeder Mensch an seinem Kapital bemessen wird. Wenn die Politik das unterstützt, den Kapitalismus als Gesellschaftssystem unterstützt, dann macht sie den großen Fehler. Dann unterstützt sie Exzesse, Deregulierung und perverse Finanzprodukte. Deshalb: Kaptialismus Nein, Marktwirtschaft Ja.
Ich weiß, es ist inzwischen fast schon ein Mantra:
Kapitalismus schlecht, Marktwirtschaft gut.
In ihrer Stadt gibt es doch sicher ein Industriegebiet. Suchen sie sich eine Firma von dort aus. gehen sie auf www.bundesanzeiger.de, dort können sie die Jahresabschlüsse inklusive Bilanz dieser Firma anschauen. Betrachten sie die Kapitalseite der Bilanz, und sie werden feststellen, dass ein großer Prozentsatz des eingesetzten Kapitals unter "Fremdkapital" läuft! Andersherum, ohne dieses böse Fremdkapital, an dem sie vielleicht durch ihre Spareinlagen einen Anteil haben, würde es diese Firma nicht mehr geben, respektive hätte sie es nie gegeben!
Ich nehme an, wenn sie von "Kapitalismus" sprechen, dann meinen sie die Exzesse an den Finanzmärkten, aber das ist (an sich) nur ein kleiner Teil des Systems.
Ich weiß, es ist inzwischen fast schon ein Mantra:
Kapitalismus schlecht, Marktwirtschaft gut.
In ihrer Stadt gibt es doch sicher ein Industriegebiet. Suchen sie sich eine Firma von dort aus. gehen sie auf www.bundesanzeiger.de, dort können sie die Jahresabschlüsse inklusive Bilanz dieser Firma anschauen. Betrachten sie die Kapitalseite der Bilanz, und sie werden feststellen, dass ein großer Prozentsatz des eingesetzten Kapitals unter "Fremdkapital" läuft! Andersherum, ohne dieses böse Fremdkapital, an dem sie vielleicht durch ihre Spareinlagen einen Anteil haben, würde es diese Firma nicht mehr geben, respektive hätte sie es nie gegeben!
Ich nehme an, wenn sie von "Kapitalismus" sprechen, dann meinen sie die Exzesse an den Finanzmärkten, aber das ist (an sich) nur ein kleiner Teil des Systems.
An den entscheidenden Stellen lenkt der Artikel den Fokus ab von den wesentlichen Fragen. Wodurch etwa war die Privatisierungswelle in Amerika und England ab ca. 1970 bedingt - durch die Meinung, bei den Löhnen mit aufkommenden Billiglohnländern wie China konkurrieren zu müssen und sich deshalb schwergängige Staatswirtschaft und Gewerkschaftsapparate nicht mehr erlauben zu können.
Worin lag aber das begründet: Im kapitalistischen Wunsch der Firmen, dort zu produzieren, wo die Löhne niedrig, die Produktionsbedingungen ansonsten aber vergleichbar wären. Das, lieber Herr Schieritz, ist bestenfalls insofern Folge falscher Politik, als es Firmen ermöglicht wurde, ihre Standorte nach der Privatisierung zu verlagern.
Darüber hinaus verwickeln Sie sich in Widersprüche. Etwa dieser:
Zuerst: "Weniger gut ist es für die Ärmeren gelaufen. Der Jahreslohn eines mittleren, männlichen amerikanischen Arbeiters lag zuletzt bei 45.113 Dollar. Bereinigt um die Inflation, ist das sogar etwas weniger als in den siebziger Jahren. Damals hat so ein mittlerer Arbeiter 45.879 Dollar verdient."
Dann das: "Eine zu hohe Konzentration des Reichtums in wenigen Händen könne schädlich für das Wachstum sein. Je höher das Gehalt, sagen sie, desto mehr würde gespart und desto geringer sei die Nachfrage nach Konsumartikeln. Die "stärkere Spreizung der Einkommen", merkte die Bundesbank unlängst an, sei ein Grund für den jahrelangen Konsumverzicht in Deutschland."
Das passt doch nicht zusammen. Worauf im zweiten Zitat Bezug genommen wird, kann ganz offenkundig nicht der Durchschnittsverdiener gemeint sein, denn der hat über die Jahre weniger gehabt. Er aber ist der Massenkonsument. Das Zitat wird - man muss fast vermuten mutwillig - in seinem Sinn verzerrt, sind doch die Armen diejenigen die sparen.
Eingangs Ihres Artikels dokumentieren sie selbst, dass sich inzwischen in den Händen weniger so viel Reichtum versammelt, dass sie es gar nicht zum Konsum nutzen könnten. Selbst, wenn sie wollten!
Die Apologie fällt äußerst mager aus, wenn man diesen Punkt als widerlegt betrachtet. Ich bin fast versucht, Interesse zu unterstellen, die These, der Kapitalismus sorge für Einkommensunterschiede für widerlegt zu halten...
Ich zitiere, zur Beantwortung der Frage, Adam Smith:
"Some workmen, indeed, when they can earn in four days what will
maintain them through the week, will be idle the other three. This,
however, is by no means the case with the greater part. Workmen, on the
contrary, when they are liberally paid by the piece, are very apt to
overwork themselves, and to ruin their health and constitution in a few
years.“ (1st book, chapter 8)
Smith selbst hielt dies für eine gesetzmäßige Folge kapitalistischen Wirtschaftens und Ihr Artikel legt - wenn man denn die Globalisierung beachtet, was Sie sonst auch nicht so fahrlässig sein lassen - denselben Schluss nahe. Was nun, Herr Schieritz?
Smith spricht im Zitat von der Zeit des Aufschwungs, also vom Wirtschaftswachstum! Von stagnierenden oder schlechter werdenden ökonomischen Verhältnissen heißt es:
"The stationary is dull; the declining, melancholy."
Für die Arbeiter bedeutet der Zustand des Minuswachstums gar:
"Every year the demand for servants and labourers would, in all the different classes of employments, be less than it had been the year before. [...] The lowest class being not only overstocked with its own workmen, but with the overflowings of all the other classes, the competition for employment would be so great in it, as to reduce the wages of labour to the most miserable and scanty subsistence of the labourer. Many would not be able to find employment even upon these hard terms, but would either starve, or be driven to seek a subsistence either by begging, or by the perpetration perhaps of the greatest enormities. Want, famine, and mortality would immediately prevail in that class, [...]“ (1st book, chapter 8)
Dieser Status ist in einer kapitalistischen Weltwirtschaft der Dauerzustand. Es herrscht kein Mangel an Arbeitskräften, wenn in Indien, China und künftig Afrika produziert werden kann.
Smith spricht im Zitat von der Zeit des Aufschwungs, also vom Wirtschaftswachstum! Von stagnierenden oder schlechter werdenden ökonomischen Verhältnissen heißt es:
"The stationary is dull; the declining, melancholy."
Für die Arbeiter bedeutet der Zustand des Minuswachstums gar:
"Every year the demand for servants and labourers would, in all the different classes of employments, be less than it had been the year before. [...] The lowest class being not only overstocked with its own workmen, but with the overflowings of all the other classes, the competition for employment would be so great in it, as to reduce the wages of labour to the most miserable and scanty subsistence of the labourer. Many would not be able to find employment even upon these hard terms, but would either starve, or be driven to seek a subsistence either by begging, or by the perpetration perhaps of the greatest enormities. Want, famine, and mortality would immediately prevail in that class, [...]“ (1st book, chapter 8)
Dieser Status ist in einer kapitalistischen Weltwirtschaft der Dauerzustand. Es herrscht kein Mangel an Arbeitskräften, wenn in Indien, China und künftig Afrika produziert werden kann.
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