Usain Bolt 41 Schritte

Usain Bolts Weltrekordlauf, als Kunstwerk betrachtet

Kein Mensch kann 100 Meter unter 9,60 Sekunden laufen? Doch, einer schon: Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Berlin

Kein Mensch kann 100 Meter unter 9,60 Sekunden laufen? Doch, einer schon: Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Berlin

Usain Bolt war nach seinem Sieg noch auf der Ehrenrunde, da nölten die deutschen Journalisten schon, sie wollten sich von dem jamaikanischen Sprintkomödianten nicht für dumm verkaufen lassen. Chicken McNuggets, Yamswurzelsuppe und ein bisschen Luggo, Luggo tanzen – damit allein könne niemand Weltrekord laufen.

So war das bei den Olympischen Spielen in Peking, und so ist es jetzt wieder, nachdem Bolt bei der Leichtathletik-WM seinen Weltrekord noch einmal um mehr als eine Zehntelsekunde unterboten hat. Das ist die größte Verbesserung, die diese Disziplin seit Einführung der elektronischen Zeitmessung vor mehr als vierzig Jahren erlebt hat. Kein Mensch könne 100 Meter unter 9,60 Sekunden laufen, hatten Biomechaniker ausgerechnet, da sonst Muskeln reißen und Knochen brechen würden. Bolt ist nun 9,58 Sekunden gelaufen. Und scheint gesund und munter.

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Was also tun mit so einer Leistung? Den simplen Dreisatz des Dopingzeitalters beherrscht ja inzwischen jeder Laie im Schlaf: Jeder zweite 100-Meter-Weltrekordler der letzten 20 Jahre war gedopt. Bolt läuft viel schneller als sie. Wie kann er da sauber sein? Und doch starren nicht nur Sportfans in aller Welt gebannt auf seine 41 Schritte in eine neue Dimension.

So perfekt wie Bolt das Laufen beherrscht das Publikum inzwischen jene Dialektik, die die einzig mögliche Haltung gegenüber dem modernen Spitzensport zu sein scheint: Man glaubt dem Helden nicht mehr – und bewundert ihn doch. Es gibt den unbändigen Willen zur romantischen Selbsttäuschung, dass der Lauf, diese einfachste Form der Fortbewegung, die den Menschen von allen anderen Spezies unterscheidet, etwas zutiefst Natürliches, Unentfremdetes sei.

Die Weltrekorde der Schwimmer wirken dagegen so technisch und kalt, wie sich ihre Hightechschwimmanzüge anfühlen. Laufen aber kann und versteht jeder, deshalb wird der andächtig bestaunte und zentimetergenau vermessene Körper Bolts zum Sinnbild dessen, wozu der Mensch fähig ist.

Letztlich funktioniert Bolts Lauf wie ein Kunstwerk, in dessen Rezeption man ein Leben buchstäblich durchläuft, das einem selbst nicht möglich ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Mir ist nicht ganz klar was der Artikel soll und was damit gesagt werden soll.

    (Oder ich bin einfach nicht ausreichend postmodern, um ihn zu verstehen ...)

    Bzgl. Dpoing-Debatter, noelender Journalisten, und pseudo-wissenschaftlicher 9.60-Sekunden-Grenze bleibt noch anzumerken: Auch im Sport gilt die Unschuldsvermutung. Der Mann wurde getestet, der Test kam negativ zurueck. Bis das Gegenteil bewiesen ist, war er nicht gedopt.

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    • ezoo
    • 20.08.2009 um 2:21 Uhr

    ... nicht aber in den Köpfen. Bis das Gegenteil bewiesen ist, war er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gedopt.

    Ein sehr schöner Artikel finde ich - trifft genauestens auf den Punkt. Ich bin aber auch in hohem Masse postmodernisiert.

    • ezoo
    • 20.08.2009 um 2:21 Uhr

    ... nicht aber in den Köpfen. Bis das Gegenteil bewiesen ist, war er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gedopt.

    Ein sehr schöner Artikel finde ich - trifft genauestens auf den Punkt. Ich bin aber auch in hohem Masse postmodernisiert.

    • ezoo
    • 20.08.2009 um 2:21 Uhr

    ... nicht aber in den Köpfen. Bis das Gegenteil bewiesen ist, war er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gedopt.

    Ein sehr schöner Artikel finde ich - trifft genauestens auf den Punkt. Ich bin aber auch in hohem Masse postmodernisiert.

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    Tjo, ich hoffe dass über all jene, die so schnell mit ihren Vorverurteilungen sind, ebenso schnell vorverurteilt wird.
    Ich halte das einfach nur für erbärmlich.

    Tjo, ich hoffe dass über all jene, die so schnell mit ihren Vorverurteilungen sind, ebenso schnell vorverurteilt wird.
    Ich halte das einfach nur für erbärmlich.

  2. Tjo, ich hoffe dass über all jene, die so schnell mit ihren Vorverurteilungen sind, ebenso schnell vorverurteilt wird.
    Ich halte das einfach nur für erbärmlich.

    • ezoo
    • 21.08.2009 um 13:02 Uhr

    Es bedarf einer Klarstellung: Ich habe gar nicht vorverurteilt, sondern lediglich in wenigen Worten auf den Glaubwürdigkeitsverlust (in den Köpfen) hingewiesen. Und der ist nun einmal unzweifelhaft und völlig zu Recht vorhanden.

    Die skeptische Haltung stützt sich auf die überaus glaubwürdige Gesetzgebung der Wahrscheinlichkeit (z. B. hier erläutert) im Verbund mit der Tatsache, dass Antidoping prinzipiell eine Geschichte des Mißerfolgs ist, zumal Dopingerzeugung immer einen Schritt voraus ist. Ich schlage deshalb vor, dieses Gespräch um einige hundert oder tausend Tage hinaus zu vertagen und dann fortzusetzen, wenn die künftigen Nachweisverfahren den Stand der heutigen Spritzmittel aufgeholt haben.

    Bis dahin bleibt mir nur noch @hülägü zu sagen: Ihre kraftmeierisch-moralingetränkten Anfeindungen, mit denen Sie Ihre naive Weltsicht und die heile Welt des Sports zu verteidigen versuchen, machen mich hoffen, es möge irgendwelche Mittelchen geben, die den kritischen Verstand zu reaktivieren helfen.

  3. [entfernt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Die Redaktion /ft]

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    • flavio
    • 25.08.2009 um 17:38 Uhr

    ...Erst 38 Minuten Mitglied der Community und schon ins Abseits gesprintet.

    • flavio
    • 25.08.2009 um 17:38 Uhr

    ...Erst 38 Minuten Mitglied der Community und schon ins Abseits gesprintet.

    • flavio
    • 25.08.2009 um 17:38 Uhr

    ...Erst 38 Minuten Mitglied der Community und schon ins Abseits gesprintet.

    Antwort auf "Lächerlich"
  4. 7. ...

    [entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft]

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