Der Vergleich mit Wiedeking und Piëch, den Porsche-Kontrahenten, fällt ihnen selber ein, und sie lachen ihn gleich wieder weg. Es wird überhaupt viel gelacht an diesem Nachmittag auf Burg Layen, wenn auch ein bisschen gezwungen. Armin Diel und Reinhard Löwenstein haben vieles gemein. Sie sind zwei der besten deutschen Winzer; der eine an der Nahe, der andere an der Mosel. Zwei studierte, sehr selbstbewusste Männer Mitte fünfzig, die mitbestimmen, wie deutscher Wein schmecken soll – Löwenstein als Vordenker eines naturnahen, ortstypischen Anbaus; Diel als langjähriger Chefredakteur des einflussreichsten Weinführers.

Beide haben manche Schlacht gemeinsam geschlagen, gegen irreführende Etiketten oder chemische Tricksereien. Und sie haben ihren Anteil daran, dass guter Riesling es vom Nischenprodukt zur begehrten Delikatesse gebracht hat. Nun wird das Revier neu verteilt; und dabei bröckelt manche Allianz.

Löwenstein und Diel wurden Gegner in einem Richtungsstreit, der sich zum Skandal ausweitete und erst damit endete, dass Armin Diel von seinem Chefredakteursposten zurücktrat. Sechs Wochen liegt das zurück, in denen beide über ihr Zerwürfnis schwiegen. Nun treffen sie zum ersten Mal für eine Aussprache zusammen.

"Was macht der Rücken, Reinhard?" Natürlich, sie duzen sich. Was denn sonst nach so vielen gemeinsamen Verbandssitzungen und Messen? Armin Diel hatte sich geweigert, den Kollegen auf seinem Gut zu besuchen. Nun empfängt er ihn bei sich so herzlich wie einen Cousin. Löwenstein, kürzlich an der Bandscheibe operiert, lässt sich auf dem Gartenstuhl nieder. Es gibt Champagner, wie um zu zeigen, was dies für ein Gespräch werden soll. Kein Streit mehr, keine schmutzige Wäsche, so hatten es beide gewollt.

Armin Diel ist ein Mann, der sich zu inszenieren weiß: leise Stimme, strenge Blicke, ein Hauch von Marlon Brando. Jeder, der in Deutschland Wein macht, kennt ihn oder hat zumindest von ihm gehört. Als unerschrockener Restaurantkritiker wurde er bekannt. Vor 16 Jahren gründete er gemeinsam mit dem Amerikaner Joel Payne den Gault Millau Weinguide, einen Ableger des Restaurantführers. Darin werden Jahr für Jahr die wichtigsten deutschen Weingüter getestet, gründlicher, aber auch strenger als irgendwo sonst.

Für Weinkäufer ist das Buch ein Glücksfall, ein kundiger, kritischer Begleiter durch den Wirrwarr der Stile und Lagen. Bei Winzern kommt es weniger gut an. Diel erzählt von einem Patenkind, das er nicht mehr sehen kann, weil er den elterlichen Betrieb zweimal herabstufen musste. Von Prozessen und Intrigen, die er durchgestanden hat. Manchmal, wenn man ihm widerspricht, schaut er argwöhnisch über die Brillengläser, als denke er: Du bist wohl auch einer von denen.

Warum er das auf sich genommen hat? "Mein Großvater verkaufte 1915 Spätlesen, die teurer waren als die großen Bordeaux. Ich möchte das Meine tun, damit der deutsche Wein da wieder hinkommt." Dass ein Interessenkonflikt bestehen könnte zwischen dem Winzer Armin Diel und dem Weinkritiker – dieser Einwand ist stets an ihm abgeprallt. Bis jetzt.

Ein Skandal in der Weinbranche beginnt meist damit, dass jemand schlechten Wein macht. Diesmal ist es umgekehrt. Die deutschen Weine werden immer besser und renommierter seit dem historischen Tiefpunkt in den siebziger, achtziger Jahren. Das Weingut Heymann-Löwenstein etwa exportiert ein Drittel seiner Rieslinge in alle Welt, die günstigste Flasche zu 12,50 Euro. Die neuen Jahrgänge sind schnell ausverkauft.