Konstantin Wecker "Meine Lieder waren immer wahrer als ich"Seite 3/3

Wecker: Das des kleinen Jungen, der in der Eisenschmiedergasse arbeitete und mein Patensohn wurde. Seine Spur hat sich inzwischen verloren. Ich weiß nicht mal, ob er lebt. Oder das des Alten, der sagte: Wer Krieg gegen uns führt, öffnet das Tor zur Hölle.

ZEITmagazin: Als Schulabbrecher, Ausreißer, Künstler, Knacki, Aktivist, Frauenheld hatten Sie das Zeug zum Volkshelden. Haben Ihnen Ihre guten Absichten auch geschadet?

Anzeige

Wecker: Ach, ich war nicht kompatibel. Aber das macht nichts, die eigentlichen Künstler waren immer Nischenkünstler.

ZEITmagazin: Welche Freiheit lernt man im Knast?

Wecker: Die wichtigste: zu erkennen, dass man in der eingeschränktesten Situation nur dann frei ist, wenn man mit sich im Reinen ist. So widersprüchlich es klingt: Es gab Momente im Knast, da war ich glücklich wie nie in meinem Leben.

ZEITmagazin: Sie wollen eine bessere Welt, einverstanden. Und was sonst?

Wecker: Am Ende kommt etwas Poetisches, das ich auch als Vater sage: Alles läuft auf die Liebe hinaus. Die Liebe hält alles zusammen, wie die Schwerkraft.

Konstantin Wecker, 63, ist seit den siebziger Jahren Liedermacher. 1995 wurde er wegen Kokainmissbrauchs verhaftet. Er kam nach der U-Haft mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldbuße davon. Roger Willemsen stellt jede Woche die Frage: "Warum machen Sie das?"

 
Leser-Kommentare
  1. Wi: Sie kennen mich..
    We: Nein, ich kenne Sie nicht!
    Wi: Aber, Sie kennen mich doch?
    We: Ach so ja, ich kenne Sie.

  2. Mauern bröckeln,
    Schritte hallen,
    wo sie niemals jemals hallten.
    Prinzen stöckeln,
    Damen fallen
    neben Dir in Gletscherspalten.

    Das sind die Nächte der Dämonen,
    die in Dir wohnen.
    Sie schüren unentwegt das Feuer
    Deiner Paranoia.

    Sie tanzen Tango unergötzlich
    mit ihren viel zu kurzen Beinen,
    das sind die Stunden, wo Du plötzlich
    und ohne Grund beginnst zu weinen.

    Wie alte Kinder, ernst und traurig,
    gerad´ dem Grab entstiegen,
    pflegen sie teilnahmslos und schaurig
    auf Deiner Brust zu liegen.

    Mit ihren Blicken unerträglich
    schnüren sie Deine Kehle.
    Du fühlst Dich ausgesprochen kläglich,
    so plötzlich ohne Seele.

    Das sind die Nächte der Dämonen,
    die in Dir wohnen.
    Sie schüren unentwegt das Feuer
    Deiner Paranoia.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    war nie ein Fan von Wecker, aber das gefällt mir wirklich - und sein politisches Engagement sowieso sehr.

    war nie ein Fan von Wecker, aber das gefällt mir wirklich - und sein politisches Engagement sowieso sehr.

  3. Sage nein!
    Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
    wieder Nazi-Lieder johlen,
    über Juden Witze machen,
    über Menschenrechte lachen,
    wenn sie dann in lauten Tönen
    saufend ihrer Dummheit frönen,
    denn am Deutschen hinterm Tresen
    muß nun mal die Welt genesen,
    dann steh auf und misch dich ein:

    Sage nein!

    Meistens rückt dann ein Herr Wichtig
    die Geschichte wieder richtig,
    faselt von der Auschwitzlüge,
    leider kennt man's zur Genüge -
    mach dich stark und bring dich ein,
    zeig es diesem dummen Schwein:

    Sage nein!

    [...]

    aus: Konstantin Wecker (1994): Schon Schweigen ist Betrug. Die kompletten Liedtexte. Vorwort von Dieter Hildebrandt. Mit einem Interview von Georg Stein. Heidelberg: Palmyra, S. 381f.

    [Entfernt. Bitte wahren Sie Urheberrecht. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  4. 4. Gut

    war nie ein Fan von Wecker, aber das gefällt mir wirklich - und sein politisches Engagement sowieso sehr.

    Antwort auf "Nächte der Dämonen."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service