Wie es um die »exakte Wissenschaft« der Ökonomie steht, zeigen die jüngsten Zahlen, die den Deutschen das Ende der Rezession verheißen: mit 0,3 Prozent Wachstum im zweiten Quartal. Im März hatten OECD und Weltwährungsfonds noch minus fünf Prozent für dieses Jahr geweissagt. Die frischen Daten aber flüstern: Dieser Abschwung hat nur zwölf Monate gedauert; er wäre, wenn nichts nachkommt, der kürzeste der Nachkriegszeit (die fünf davor währten im Durchschnitt 29 Monate).

Unsere Experten sehen also nicht viel besser aus als die Vogelschauer der Antike. Werfen wir einen Blick nach Amerika, auf Zentralbankchef Ben Bernanke. Wurde ihm nicht gestern noch die rasche Rückkehr nach Princeton angeraten, weil er, wie zuvor Alan Greenspan, mit Billig-Geld die Finanzblase dieses Jahrzehnts befördert habe?

Nun darf man in der Financial Times lesen: »Hoffentlich bekommt er den Nobelpreis für Ökonomie.« Und der Leitartikel feiert »Ben« als neuen Gott des Geldes, der Amerika und die Welt mit seiner »Entschlossenheit und Kreativität« gerettet habe: »Obama sollte ihn abermals ernennen, der Senat ihn rasch bestätigen.« Den ersten Schritt wird der US-Präsident nun machen.

»Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg«, heißt es, und der sprießt tatsächlich. Deshalb verdient »Chairman Ben« die Verlängerung. Auch in den USA war dies eine der kürzeren von den elf Rezessionen seit 1945. Also doch ein Triumph der Nationalökonomie? Nicht ganz. Die Experten haben weder diese noch eine andere Rezession voraussagen können, ebenso wenig wie ihr Ende, das wir (hoffentlich) gerade erleben.

Der Mantel des Schweigens möge sich also über alle Untergangsprognosen legen. Sozialwissenschaftler sind seit eh und je besser bei der »Voraussage der Vergangenheit«: der Erklärung, warum alles genau so kommen musste, wie es geschah.

Was lehrt uns das? Mehr, als hier anklingt. Zumindest in den USA haben sich die Aufschwünge seit 1945 stetig verlängert; der letzte dauerte märchenhafte zehn Jahre. Das heißt: Die Nationalökonomie ist klüger geworden, und Bernanke ist Teil dieser Erfolgsgeschichte. Keine Zentralbank hat so schnell so viel Geld gepumpt, und zwar lange bevor die Konjunkturspritzen wirken konnten.