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Der Westen ist im Afghanistan-Einsatz an seine Grenzen gestoßen © Manan Vatsyayana/AFP/Getty Images

Die afghanische Regierung hat die Präsidentschaftswahlen massiv manipuliert, und in den westlichen Staatskanzleien herrscht dröhnendes Schweigen. Warum nimmt man die Wahlfälschung einer Regierung, die mit Milliarden aus dem Westen gefüttert wird, billigend in Kauf?

Die Antwort ist erschütternd schlicht: Man schweigt, weil man sonst sagen müsste, dass Nato-Soldaten in Afghanistan sterben, um eine korrupte, ineffiziente Regierung an der Macht zu halten, die noch dazu Wahlen fälscht. Diese Wahrheit will kein Politiker aussprechen. Die Legitimationsbasis für den Afghanistaneinsatz bräche augenblicklich weg. Darum sagt man lieber nichts, man flüchtet sich in Worthülsen, oder man redet von den Millionen Mädchen, die dank der Nato wieder zur Schule gehen können, von Brunnen, die gebohrt werden, von Bewässerungskanälen, die wieder instand gesetzt werden, von den Straßen, den Schulen, den Kraftwerken.

Und es ist ja alles auch richtig, nur wiegt das die Untaten der Kabuler Regierung und deren Duldung durch ihre westlichen Herren nicht auf. Es mögen noch so viele Brunnen gebohrt werden, der Kampf um Afghanistan entscheidet sich in den afghanischen Institutionen. Nur wenn sie das Vertrauen ihrer Bürger erwerben, kann der Krieg gegen die Taliban gewonnen werden. Aber wie sollen die Afghanen vertrauen, wenn sie sehen, wie ebendiese Institutionen zu Selbstbedienungsläden raffgieriger, mit Kalaschnikows bewaffneter Männer degradiert werden? Was sollen sie vom Westen halten, wenn der das Schauspiel teilnahmslos betrachtet?  Und es ist ja alles auch richtig, nur wiegt das die Untaten der Kabuler Regierung und deren Duldung durch ihre westlichen Herren nicht auf. Es mögen noch so viele Brunnen gebohrt werden, der Kampf um Afghanistan entscheidet sich in den afghanischen Institutionen. Nur wenn sie das Vertrauen ihrer Bürger erwerben, kann der Krieg gegen die Taliban gewonnen werden. Aber wie sollen die Afghanen vertrauen, wenn sie sehen, wie ebendiese Institutionen zu Selbstbedienungsläden raffgieriger, mit Kalaschnikows bewaffneter Männer degradiert werden? Was sollen sie vom Westen halten, wenn der das Schauspiel teilnahmslos betrachtet?

Die Front gilt es zu begradigen und den Blick auf uns selbst zu richten

Wie sehr die Politiker Afghanistan auch verdrängen wollen – es hilft nicht. Die Menschen merken, dass im fernen Kabul irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Zahlen sprechen für sich. Eine große Mehrheit der Deutschen ist für einen Truppenabzug. Da die Deutschen im Verdacht stehen, pazifistische Memmen zu sein, die sich moralisch erheben, während sie andere für sich kämpfen lassen, sollen Zahlen aus Ländern hinzugefügt werden, in denen es an hartgesottenen Kriegern nicht fehlt: In den USA und in Großbritannien ist zum ersten Mal seit Kriegsbeginn die Zustimmung zum Afghanistaneinsatz unter 50 Prozent gefallen. Wegducken ist keine Option, schon gar nicht in Wahlkampfzeiten.