Unternehmen Zweiklassengesellschaft
Die steigende Zahl von unsicheren und schlecht bezahlten Arbeitsplätzen schadet der Konjunktur - und den Unternehmen
Es sind aufrüttelnde Zahlen, die das Statistische Bundesamt erhoben hat: Fast acht Millionen Menschen haben in Deutschland mittlerweile eine Teilzeitstelle oder einen befristeten Arbeitsvertrag und sind als Leiharbeiter oder in einem Minijob beschäftigt. Experten nennen solche Arbeitsformen "atypisch" und manchmal auch "prekär" – dann, wenn die Arbeit so wenig Geld einbringt, dass es zum Leben kaum reicht.
Vor zehn Jahren hatten noch fast drei Viertel der deutschen Erwerbstätigen eine ganz normale, unbefristete und sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. 2008 waren es nur noch zwei Drittel. Damit ist für viele Arbeitnehmer nicht nur die Unsicherheit gewachsen, wie lange sie überhaupt noch einen Arbeitsplatz haben. Gleichzeitig ist auch ihr Einkommen gesunken. Fast die Hälfte der Betroffenen bezieht einen Bruttostundenlohn unterhalb der Niedriglohngrenze, die derzeit bei 9,85 Euro liegt. Damit sind sie weitaus stärker armutsgefährdet als andere Arbeitnehmer.
Die Zahlen der Statistiker dokumentieren eine sich immer weiter auseinander bewegende Zweiklassengesellschaft auf dem deutschen Arbeitsmarkt: hier die Privilegierten mit festen Verträgen und Kündigungsschutz, dort die oft zur Flexibilität Gezwungenen, die nie sicher sein können, wann sie wieder auf Jobsuche gehen müssen. Es ist schon richtig, dass unter ihnen viele sind, die nur das Haushaltseinkommen aufbessern wollen. Und manch einer mag große Freude daran haben, sich beruflich immer neu zu orientieren. Andere müssen auch mehr gefordert denn gefördert werden. Aber viel zu viele Betroffene sind eben junge Berufseinsteiger und Arbeitnehmer, die unverschuldet ihren Arbeitsplatz verloren haben. Sie werden gezwungen, jeden Job zu nehmen, der sich ihnen bietet, auch wenn er weder ihrer Qualifikation noch dem früheren Einkommensniveau entspricht. Hinter den Zahlen des Bundesamtes verbergen sich viel Enttäuschung und Frust.
Diese Entwicklung ist ökonomisch bedenklich. Wie viel Verunsicherung, wie viele Niedrigverdiener verträgt eine Volkswirtschaft? Welche Spaltung in Privilegierte und Frustrierte verkraftet ein Unternehmen?
Stagnierende oder sinkende Löhne sind zwar eine Kostenentlastung für die Betriebe, aber sie begrenzen auch den privaten Verbrauch. Das ist schlecht in Zeiten, in denen der Export wegen der globalen Krise einbricht. Fakt ist ja, dass Deutschlands Ausfuhrerfolge der vergangenen Jahre auch der Bescheidenheit der Beschäftigten zu verdanken ist: Seit 2004 sind die Reallöhne gesunken, eine Entwicklung, die es in diesem Ausmaß nie zuvor in der Bundesrepublik gegeben hatte. Davon konnte die Industrie profitieren, sie wurde wettbewerbsfähiger.
Aber in der Krise hilft das wenig. Jetzt bleibt ganz überwiegend die Binnennachfrage als Stütze der Konjunktur. Doch diese Rolle kann sie nur bedingt übernehmen. Lediglich die niedrigen Energiepreise und die Konjunkturprogramme hielten jene Verbraucher bei Kauflaune, die ohnehin nicht jeden Cent dreimal umdrehen müssen.
- Datum 05.09.2009 - 17:39 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.08.2009 Nr. 36
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Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hat immer negative Begleiterscheinungen. Je nach Perspektive des Betrachters.
Bei Vollbeschäftigung und starker Nachfrage nach Arbeitskräften empfinden die Unternehmen die Flexibilität der Arbeitnehmer als Bedrohung. Diese Zeit ist in Deutschland nur zu lange her und niemand erinnert sich daran. Aber nur in dieser Phase war es möglich, die Mitbestimmungsgesetze und das Betriebsverfassungsgesetz durchzusetzen.
Bei Unterbeschäftigung ist die Flexibilisierung eine ständige Bedrohung für die wirtschaftliche Existenz der Arbeitnehmer. Deshalb ist das Arbeitnehmerarbeitsrecht an vielen vielerorts kaum noch das Papier wert, auf dem es geschrieben steht.
Gerne erinnert sich der Autor an die Hirngespinste des Patchworklebenslaufes, die sich inzwischen für die meisten Betroffenen als Fluch des Tagelöhnertums entpuppt haben.
passiert eben, wenn man so sehr wie Deutschland im ablaufenden Jahrzehnt dem neoliberalen/neoklassichen Glauben verfällt. Diese "liberalen" Volkswirte sollten sich lieber an ihren Theoriegebilden verausgaben, statt ein ganzes Land irgendwelchen Wahnvorstellungen anzupassen, die es in der Wirklichkeit niemals geben kann. Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren. Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung. Wer gegen dieses Verbot verstößt, dessen Firma sollte unverzüglich geschlossen werden - denn es geht um die Menschenwürde.
Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren. Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung. Wer gegen dieses Verbot verstößt, dessen Firma sollte unverzüglich geschlossen werden - denn es geht um die Menschenwürde.
Das wäre sicher das andere Extrem des von Ihnen genannten neoliberalen/neoklassischen Glaubens. Gehts auch `ne Nummer kleiner?
Es gab mal Zeiten, da galt für Zeitarbeit, dass diese nur bedingt verlängert werden durfte. Und das galt auch für befristete Beschäftigungsverhältnisse. Es wäre sicher viel gewonnen, wenn wir da wieder hin kämen. Aber das, was Sie fordern, wäre sicher nicht erstrebenswert.
Ich schlage z.B. vor, dass Zeitarbeit maximal auf ein Jahr befristet werden darf und der Zeitarbeiter dann entweder fest übernommen werden muss oder er von der Zeitarbeit anderweitig (anderes Unternehmen) vermittelt wird. Es ist grundsätzlich nichts gegen Zeitarbeit einzuwenden, solange sie dann eingesetzt wird, wenn es um Spitzen geht, von denen man nicht weiß, ob sie von Dauer sind.
Gleiches muss für befristete Arbeitsverhältnisse gelten. Maximal auf ein Jahr befristet und maximal eine Verlängerung von z.B. 6 Monaten. Und dann entweder Festanstellung oder eben nichts. Jedenfalls nichts für das Unternehmen, dass befristet. Das würde die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern auch wieder stärken und Zeitarbeiter wie befristete Arbeitnehmer könnten ihre Macht, die sie dann nämlich wieder haben, ausspielen. Aber mit den geltenden Regelungen sind sie faktisch machtlos.
* Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren.
Komisch - ich dachte glatt, in den 60ern wäre der Arbeitsmarkt noch vergleichsweise wenig reguliert gewesen, was ja auch die umfassenden arbeitsrechtlichen Regelungen, die seitdem eingeführt wurden, beweisen würden. Aber ich kann mich natürlich auch total irren.
* Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung.
Genau. Wer mit 16 als Schlosser eingestellt wird, hat einen lebenslangen Anspruch darauf, auch Schlosser zu bleiben. Wo kämen wir denn da hin?
* ... denn es geht um die Menschenwürde.
Na das ist klar. um die Menschenwürde und den Untergang des Okzidents gehts bekanntlich immer, wenn irgendwo ein Furz quergeht oder jemand nicht sofort und ohne Abstriche genau das bekommt, was er sich wünscht.
Absolute Zustimmung!!!
Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren. Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung. Wer gegen dieses Verbot verstößt, dessen Firma sollte unverzüglich geschlossen werden - denn es geht um die Menschenwürde.
Das wäre sicher das andere Extrem des von Ihnen genannten neoliberalen/neoklassischen Glaubens. Gehts auch `ne Nummer kleiner?
Es gab mal Zeiten, da galt für Zeitarbeit, dass diese nur bedingt verlängert werden durfte. Und das galt auch für befristete Beschäftigungsverhältnisse. Es wäre sicher viel gewonnen, wenn wir da wieder hin kämen. Aber das, was Sie fordern, wäre sicher nicht erstrebenswert.
Ich schlage z.B. vor, dass Zeitarbeit maximal auf ein Jahr befristet werden darf und der Zeitarbeiter dann entweder fest übernommen werden muss oder er von der Zeitarbeit anderweitig (anderes Unternehmen) vermittelt wird. Es ist grundsätzlich nichts gegen Zeitarbeit einzuwenden, solange sie dann eingesetzt wird, wenn es um Spitzen geht, von denen man nicht weiß, ob sie von Dauer sind.
Gleiches muss für befristete Arbeitsverhältnisse gelten. Maximal auf ein Jahr befristet und maximal eine Verlängerung von z.B. 6 Monaten. Und dann entweder Festanstellung oder eben nichts. Jedenfalls nichts für das Unternehmen, dass befristet. Das würde die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern auch wieder stärken und Zeitarbeiter wie befristete Arbeitnehmer könnten ihre Macht, die sie dann nämlich wieder haben, ausspielen. Aber mit den geltenden Regelungen sind sie faktisch machtlos.
* Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren.
Komisch - ich dachte glatt, in den 60ern wäre der Arbeitsmarkt noch vergleichsweise wenig reguliert gewesen, was ja auch die umfassenden arbeitsrechtlichen Regelungen, die seitdem eingeführt wurden, beweisen würden. Aber ich kann mich natürlich auch total irren.
* Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung.
Genau. Wer mit 16 als Schlosser eingestellt wird, hat einen lebenslangen Anspruch darauf, auch Schlosser zu bleiben. Wo kämen wir denn da hin?
* ... denn es geht um die Menschenwürde.
Na das ist klar. um die Menschenwürde und den Untergang des Okzidents gehts bekanntlich immer, wenn irgendwo ein Furz quergeht oder jemand nicht sofort und ohne Abstriche genau das bekommt, was er sich wünscht.
Absolute Zustimmung!!!
Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren. Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung. Wer gegen dieses Verbot verstößt, dessen Firma sollte unverzüglich geschlossen werden - denn es geht um die Menschenwürde.
Das wäre sicher das andere Extrem des von Ihnen genannten neoliberalen/neoklassischen Glaubens. Gehts auch `ne Nummer kleiner?
Es gab mal Zeiten, da galt für Zeitarbeit, dass diese nur bedingt verlängert werden durfte. Und das galt auch für befristete Beschäftigungsverhältnisse. Es wäre sicher viel gewonnen, wenn wir da wieder hin kämen. Aber das, was Sie fordern, wäre sicher nicht erstrebenswert.
Ich schlage z.B. vor, dass Zeitarbeit maximal auf ein Jahr befristet werden darf und der Zeitarbeiter dann entweder fest übernommen werden muss oder er von der Zeitarbeit anderweitig (anderes Unternehmen) vermittelt wird. Es ist grundsätzlich nichts gegen Zeitarbeit einzuwenden, solange sie dann eingesetzt wird, wenn es um Spitzen geht, von denen man nicht weiß, ob sie von Dauer sind.
Gleiches muss für befristete Arbeitsverhältnisse gelten. Maximal auf ein Jahr befristet und maximal eine Verlängerung von z.B. 6 Monaten. Und dann entweder Festanstellung oder eben nichts. Jedenfalls nichts für das Unternehmen, dass befristet. Das würde die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern auch wieder stärken und Zeitarbeiter wie befristete Arbeitnehmer könnten ihre Macht, die sie dann nämlich wieder haben, ausspielen. Aber mit den geltenden Regelungen sind sie faktisch machtlos.
Befristungen sollte es nur einmal geben und nicht verlängert werden dürfen. (um Schwangerschaftsvertretungen zu ermöglichen etc.) Probezeiten von mehr als 3 Monaten halte ich für versteckte Befristungen. Ein Arbeitgeber, der innerhalb dieser Zeit seinen Mitarbeiter nicht einschätzen kann, ist auf Personalebene unfähig.
Davon abgesehen, dass diese unsäglichen unsicheren Arbeitsbedingungen gesamtgesellschftlich Gift sind, würgen sie vor Allem die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter schlicht und ergreifend ab.
(btw - Ich als Arbeitgeber weiß, wovon ich hier schreibe.)
Zeitarbeit und befristete Beschäftigungsverhältnisse mögen durchaus sinnvolle Instrumente sein - warum also verbieten?
Zeitarbeiter und befristet Beschäftigte müssen einfach mehr kosten als regulär beschäftigte Mitarbeiter. Schließlich verzichten sie auf (geldwerte) Rechte. Risiken, die regulär beim Arbeitgeber angesiedelt sind werden in diesen Fällen den Arbeitnehmern übertragen. Dafür müssen sie höher entohnt werden als das Stammpersonal und zwar so, dass es am Monatsende auch auf ihrem Konto und nicht auf dem der Zeitarbeitsfirma landet.
Jedem Fussballtrainer gesteht man zu, das er sich den nicht vorhandenen Kündigungsschutz als Risikozuschlag bezahlen lässt.
Zeitarbeitern wird der Risikozuschlag vom Lohn abgezogen - das ist pervers, ist Ausbeutung!
Befristungen sollte es nur einmal geben und nicht verlängert werden dürfen. (um Schwangerschaftsvertretungen zu ermöglichen etc.) Probezeiten von mehr als 3 Monaten halte ich für versteckte Befristungen. Ein Arbeitgeber, der innerhalb dieser Zeit seinen Mitarbeiter nicht einschätzen kann, ist auf Personalebene unfähig.
Davon abgesehen, dass diese unsäglichen unsicheren Arbeitsbedingungen gesamtgesellschftlich Gift sind, würgen sie vor Allem die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter schlicht und ergreifend ab.
(btw - Ich als Arbeitgeber weiß, wovon ich hier schreibe.)
Zeitarbeit und befristete Beschäftigungsverhältnisse mögen durchaus sinnvolle Instrumente sein - warum also verbieten?
Zeitarbeiter und befristet Beschäftigte müssen einfach mehr kosten als regulär beschäftigte Mitarbeiter. Schließlich verzichten sie auf (geldwerte) Rechte. Risiken, die regulär beim Arbeitgeber angesiedelt sind werden in diesen Fällen den Arbeitnehmern übertragen. Dafür müssen sie höher entohnt werden als das Stammpersonal und zwar so, dass es am Monatsende auch auf ihrem Konto und nicht auf dem der Zeitarbeitsfirma landet.
Jedem Fussballtrainer gesteht man zu, das er sich den nicht vorhandenen Kündigungsschutz als Risikozuschlag bezahlen lässt.
Zeitarbeitern wird der Risikozuschlag vom Lohn abgezogen - das ist pervers, ist Ausbeutung!
* Der Arbeitsmarkt gehört wieder vollständig reguliert wie früher in den 60er-Jahren.
Komisch - ich dachte glatt, in den 60ern wäre der Arbeitsmarkt noch vergleichsweise wenig reguliert gewesen, was ja auch die umfassenden arbeitsrechtlichen Regelungen, die seitdem eingeführt wurden, beweisen würden. Aber ich kann mich natürlich auch total irren.
* Leiharbeit muss untersagt werden, ebenso wie befristete Beschäftigung.
Genau. Wer mit 16 als Schlosser eingestellt wird, hat einen lebenslangen Anspruch darauf, auch Schlosser zu bleiben. Wo kämen wir denn da hin?
* ... denn es geht um die Menschenwürde.
Na das ist klar. um die Menschenwürde und den Untergang des Okzidents gehts bekanntlich immer, wenn irgendwo ein Furz quergeht oder jemand nicht sofort und ohne Abstriche genau das bekommt, was er sich wünscht.
Absolute Zustimmung!!!
Befristungen sollte es nur einmal geben und nicht verlängert werden dürfen. (um Schwangerschaftsvertretungen zu ermöglichen etc.) Probezeiten von mehr als 3 Monaten halte ich für versteckte Befristungen. Ein Arbeitgeber, der innerhalb dieser Zeit seinen Mitarbeiter nicht einschätzen kann, ist auf Personalebene unfähig.
Davon abgesehen, dass diese unsäglichen unsicheren Arbeitsbedingungen gesamtgesellschftlich Gift sind, würgen sie vor Allem die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter schlicht und ergreifend ab.
(btw - Ich als Arbeitgeber weiß, wovon ich hier schreibe.)
* btw - Ich als Arbeitgeber weiß, wovon ich hier schreibe.
Sehr schön - dann wissen Sie ja, was zu tun ist, nicht wahr? Ganz ohne Gesetzgeber. Sollten nämlich Ihre Konkurrenten wirklich auf Personalebene alle unfähig sein und dieses Los ihnen nicht durch gesetzliche Zwangsbeglückung vorenthalten werden, haben Sie einen haushohen Wettbewerbsvorteil, mein Herr! Den würde ich an Ihrer Stelle nicht so leichtherzig aus der Hand geben!
Wär schön, wenn alle so denken würden wie Sie. Diese ausgedehnten Probeverträge gehören zu den Dingen, die es vor ca. 10 Jahren noch nicht gab. Früher, so zumindest nach meiner Beobachtung, reichten bei einer durchschnittlich qualifizierten Tätigkeit 3 Monate Probezeit aus. Heute höre ich von mind. 6 Monaten bis zu 1 Jahr – bei wesentlich geringerer Bezahlung als ein unbefristeter Vertrag und bei eingeschränktem Kündigungsschutz, versteht sich. Paradox dabei - und daran zeigt sich die ganze Verlogenheit dieser Praxis, die nur der Kostendrückerei dient - wird vom Mitarbeiter vom ersten Tag an 100% Leistung verlangt. Einarbeitung? Gibt's nicht, oder keine Zeit dafür. D.h. man leistet vom ersten Tag fast genau dasselbe wie die Kollegen, steht aber unter viel höherem Erfolgsdruck und wird über Monate hinweg wesentlich schlechter bezahlt. Ohne jede Sicherheit, dass man nach der Probezeit was Festes hat. Null Planbarkeit für die Zukunft. Für Zeitarbeiter gilt im Prinzip dasselbe. Eine Freundin von mir (Akademikerin) hat 2 Jahre Zeitarbeit (über Kettenverträge) bei einem Hamburger Großunternehmen durchgestanden, bis sie endlich gnädigerweise übernommen wurde. 2 Jahre Zitterpartie, und das als Alleinerziehende. Einfach nur abartig.
Es ist doch schon fast grotesk, was hier abläuft: Dies Land hat absolut keine Rohstoffe, kaum noch nennenswerten Vorsprung bei Zukunfts- und Hochtechnologien, Bildung, Forschung und Entwicklung sind kaputtgespart. Parasitäre multinationale Konzerne greifen Standortsubventionen ab, profitieren von großflächiger Dauer-Leiharbeit, geizen mit Ausbildungsplätzen, drohen dabei aber ständig mit Betriebsverlagerung ins Ausland. Und dann werden noch gut ausgebildete Facharbeiter verheizt und aus dem Land geekelt, möglichst noch direkt in die Arme der ausländischen Konkurrenz. Solche Unternehmen sägen sich den Ast ab, auf dem sie sitzen. Und immer mehr von den hiesigen Arbeitern können sich von ihrem Lohn immer weniger kaufen. Dümmer gehts doch gar nicht.
Ich begreife nicht, wohin diese irrsinnige Arbeitsmarktpolitik führen soll. Lesen Vorstände und Politiker keine Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung, oder sind die zu blöd, die Zahlen zu kapieren? Die Bevölkerung schrumpft, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter logischerweise ebenso, selbst unter der optimistischen Voraussetzung von jährlich mind. 200 000 Zuwanderern. Diese Zuwanderer müssen dann allerdings auch hinreichend qualifiziert sein! Wegen dieser unumkehrbaren demografischen Entwicklung werden im Laufe der nächsten 20, 30 Jahre auch diejenigen Großbetriebe, die vorwiegend Leiharbeit nutzen, und die als allererstes, zu einem ganz anderen Arbeitsverständnis gezwungen werden. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Ich denke auch so. Wenn ich richtig informiert bin, gibt es in Holland eine Sperrfrist, die es untersagt, einen Leiharbeiter länger als 6 Monate an einer Betriebsstätte / von einer Firma beschäftigen zu lassen.
Das verhindert auch, dass eingearbeitete Arbeitnehmer von einer "Otto-X GmbH" in die neue Firma "Otto-X Sklavenarbeit GmbH" verschoben werden, wo sie dieselbe Arbeit verrichten wie vorher, aber zum halben Lohn.
- - - - - - - - -
"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
Ich denke, Sie sind keiner dieser smarten Jünglinge dier frisch von der Uni kommen und den Spruch mit bringen: "10% gehen immer" (Arbeitslöhne senken).
Wenn Arbeitgeber nicht nur an kurzfrsitigen Gewinn denken, dann haben alle was davon, AG und AN. Ich erlebe aber in der Praxis fast nur noch die andere Einstellung.
Ich könnte nicht nur ein Buch schreiben, ich habe eines geschrieben. Einfach um den Frust irgendwie abzubauen der sich aufstaut wenn man in Sitzungen diese möchtegern Betriebswirte reden hört. Manche sind nichts weiter als Imitate von amerikianischen Managerdarstellern in schlechten Filmen.
* btw - Ich als Arbeitgeber weiß, wovon ich hier schreibe.
Sehr schön - dann wissen Sie ja, was zu tun ist, nicht wahr? Ganz ohne Gesetzgeber. Sollten nämlich Ihre Konkurrenten wirklich auf Personalebene alle unfähig sein und dieses Los ihnen nicht durch gesetzliche Zwangsbeglückung vorenthalten werden, haben Sie einen haushohen Wettbewerbsvorteil, mein Herr! Den würde ich an Ihrer Stelle nicht so leichtherzig aus der Hand geben!
Wär schön, wenn alle so denken würden wie Sie. Diese ausgedehnten Probeverträge gehören zu den Dingen, die es vor ca. 10 Jahren noch nicht gab. Früher, so zumindest nach meiner Beobachtung, reichten bei einer durchschnittlich qualifizierten Tätigkeit 3 Monate Probezeit aus. Heute höre ich von mind. 6 Monaten bis zu 1 Jahr – bei wesentlich geringerer Bezahlung als ein unbefristeter Vertrag und bei eingeschränktem Kündigungsschutz, versteht sich. Paradox dabei - und daran zeigt sich die ganze Verlogenheit dieser Praxis, die nur der Kostendrückerei dient - wird vom Mitarbeiter vom ersten Tag an 100% Leistung verlangt. Einarbeitung? Gibt's nicht, oder keine Zeit dafür. D.h. man leistet vom ersten Tag fast genau dasselbe wie die Kollegen, steht aber unter viel höherem Erfolgsdruck und wird über Monate hinweg wesentlich schlechter bezahlt. Ohne jede Sicherheit, dass man nach der Probezeit was Festes hat. Null Planbarkeit für die Zukunft. Für Zeitarbeiter gilt im Prinzip dasselbe. Eine Freundin von mir (Akademikerin) hat 2 Jahre Zeitarbeit (über Kettenverträge) bei einem Hamburger Großunternehmen durchgestanden, bis sie endlich gnädigerweise übernommen wurde. 2 Jahre Zitterpartie, und das als Alleinerziehende. Einfach nur abartig.
Es ist doch schon fast grotesk, was hier abläuft: Dies Land hat absolut keine Rohstoffe, kaum noch nennenswerten Vorsprung bei Zukunfts- und Hochtechnologien, Bildung, Forschung und Entwicklung sind kaputtgespart. Parasitäre multinationale Konzerne greifen Standortsubventionen ab, profitieren von großflächiger Dauer-Leiharbeit, geizen mit Ausbildungsplätzen, drohen dabei aber ständig mit Betriebsverlagerung ins Ausland. Und dann werden noch gut ausgebildete Facharbeiter verheizt und aus dem Land geekelt, möglichst noch direkt in die Arme der ausländischen Konkurrenz. Solche Unternehmen sägen sich den Ast ab, auf dem sie sitzen. Und immer mehr von den hiesigen Arbeitern können sich von ihrem Lohn immer weniger kaufen. Dümmer gehts doch gar nicht.
Ich begreife nicht, wohin diese irrsinnige Arbeitsmarktpolitik führen soll. Lesen Vorstände und Politiker keine Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung, oder sind die zu blöd, die Zahlen zu kapieren? Die Bevölkerung schrumpft, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter logischerweise ebenso, selbst unter der optimistischen Voraussetzung von jährlich mind. 200 000 Zuwanderern. Diese Zuwanderer müssen dann allerdings auch hinreichend qualifiziert sein! Wegen dieser unumkehrbaren demografischen Entwicklung werden im Laufe der nächsten 20, 30 Jahre auch diejenigen Großbetriebe, die vorwiegend Leiharbeit nutzen, und die als allererstes, zu einem ganz anderen Arbeitsverständnis gezwungen werden. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Ich denke auch so. Wenn ich richtig informiert bin, gibt es in Holland eine Sperrfrist, die es untersagt, einen Leiharbeiter länger als 6 Monate an einer Betriebsstätte / von einer Firma beschäftigen zu lassen.
Das verhindert auch, dass eingearbeitete Arbeitnehmer von einer "Otto-X GmbH" in die neue Firma "Otto-X Sklavenarbeit GmbH" verschoben werden, wo sie dieselbe Arbeit verrichten wie vorher, aber zum halben Lohn.
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"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
Ich denke, Sie sind keiner dieser smarten Jünglinge dier frisch von der Uni kommen und den Spruch mit bringen: "10% gehen immer" (Arbeitslöhne senken).
Wenn Arbeitgeber nicht nur an kurzfrsitigen Gewinn denken, dann haben alle was davon, AG und AN. Ich erlebe aber in der Praxis fast nur noch die andere Einstellung.
Ich könnte nicht nur ein Buch schreiben, ich habe eines geschrieben. Einfach um den Frust irgendwie abzubauen der sich aufstaut wenn man in Sitzungen diese möchtegern Betriebswirte reden hört. Manche sind nichts weiter als Imitate von amerikianischen Managerdarstellern in schlechten Filmen.
* btw - Ich als Arbeitgeber weiß, wovon ich hier schreibe.
Sehr schön - dann wissen Sie ja, was zu tun ist, nicht wahr? Ganz ohne Gesetzgeber. Sollten nämlich Ihre Konkurrenten wirklich auf Personalebene alle unfähig sein und dieses Los ihnen nicht durch gesetzliche Zwangsbeglückung vorenthalten werden, haben Sie einen haushohen Wettbewerbsvorteil, mein Herr! Den würde ich an Ihrer Stelle nicht so leichtherzig aus der Hand geben!
Am 28. Januar 2005 gab der damalige Bundeskanzler, Gerhard Schröder (SPD), vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos seine diesbezügliche Vollzugsmeldung ab: »Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. Ich rate allen, die sich damit beschäftigen, sich mal mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen, und nicht nur mit den Berichten über die Gegebenheiten. Deutschland neigt dazu, sein Licht unter den Scheffel zu stellen,
obwohl es das Falscheste ist, was man eigentlich tun kann. Wir haben also einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut, und wir haben dafür gesorgt, dass wir bei der Zahlung von Unterstützung Anreize dafür, Arbeit aufzunehmen, sehr, sehr stark in den Vordergrund stellen. Das hat erhebliche Auseinandersetzungen gegeben, mit starken Interessengruppen in unserer Gesellschaft. Aber wir haben diese Auseinandersetzungen durchgestanden.
Und wir sind ziemlich sicher, dass das System der Veränderung am Arbeitsmarkt, das im Grunde darauf basiert, die Menschen fit zu machen für den Wiedereintritt in den ersten Arbeitsmarkt, von ihnen aber auch fordert, dass jede in Deutschland zumutbare Arbeit akzeptiert wird – bei Strafe der Leistungskürzung oder ansonsten der Reduzierung – erfolgreich sein wird.
Das SGB II war von Anbeginn als Lohnsubvention für Arbeitgeber angelegt.
Und welche kümmerliche Ergebnisse hatte diese breite Lohnsubventionierung, zu der auch das Wohngeld gehört.
Es wurden Vollzeitarbeitsstellen im Handel zu mehreren Stellen aufgesplittet. Und so stieg die Erwerbstätigenzahl auf 40 Millionen.
Während die Lohnsumme aller Arbeitnehmer sank.
Die Autorin fordert netterweise den Mindestlohn. Das ist eine schöne Idee zur Verwirklichung der Menschenwürde in Deutschland.
Dem steht leider die Hartz-Gesetzgebung in unauslösbarem Widerspruch gegenüber. Wenn es Mindestlöhne gibt, dann wird das ganze Gesetzeswerk von Hartz und Co. überflüssig. Im Moment gibt es aber für diese ebenso logische wie gerechte Lösung in den herrschenden Parteien keine Basis. Hartz 4 hat sich in der Praxis als Lohndrückungsmaschine bewährt, vorhandene Arbeit wurde zu Lasten der Belegschaften billiger. Kein einziger neuer Arbeitsplatz entstand. Ein Mindestlohn würde all diese Wundereffekte in Luft auflösen.
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