ZEITmagazin: Sie waren lange Jahre in Berlin alles andere als besonders erfolgreich. Hatten Sie jemals das Gefühl, Sie packen es nicht in dieser Stadt – und müssen wieder weggehen?

Sven Regener: Nee, hatte ich nie. Ob ich es packe oder nicht, war für mich nie eine Kategorie. So habe ich nie gedacht. Ich habe immer sehr frei gelebt. Ich hatte nie so etwas wie einen Plan.

ZEITmagazin: Sie kennen den berühmten Satz aus New York: Wer es hier schafft, schafft es überall.

Regener: Ja, aber das ist eben in Berlin völlig anders. Schauen Sie, wenn Sie von Tulsa, Oklahoma, nach New York ziehen, wird es schon deshalb schwierig, weil alles richtig teuer wird. Wenn Sie von Hamburg nach Berlin ziehen, wird es erst mal richtig billig. Das nimmt eine Menge Druck weg. Das kann man für gut oder für schlecht halten, aber es ist so. Berlin ist eine Stadt, in der man sich ziemlich gut durchwursteln kann ohne viel Geld. Man kommt nicht nach Berlin, damit man es packt. Man kommt nach Berlin eher zum Abschlaffen. Oder jedenfalls, um die Freiheit dazu zu haben.

ZEITmagazin: Sie kamen 1982 aus Hamburg nach Berlin. Warum eigentlich?

Regener: Wegen einer Frau. Aber ich wollte immer schon in einer richtig großen Stadt leben mit einer U-Bahn. U-Bahn bedeutete für mich: groß. Dann fand ich es aber auch schade, dass es in West-Berlin keine Straßenbahnen gab. Ich halte das Ende der Straßenbahnen für eine schlimme Sünde der Westberliner Politik. Es ist für mich ein Glück, dass es in Ost-Berlin Straßenbahnen gab und gibt. Das ist dann doch die urbanste Art, sich fortzubewegen. In meinem Leben spielen Straßenbahnen eine große Rolle, sie bedeuten mir viel.

ZEITmagazin: Auf Ihrer neuen Platte, Entschuldigung, CD…

Regener: Sagen Sie ruhig Platte, es gibt sie ja auch auf Vinyl, und das ist ja auch wichtig. Ich weiß noch gut: 1991 waren es noch neunzig Prozent Platten, zehn Prozent CDs. 1993, bei unserem Album Weißes Papier, hieß es schon, kein Vinyl mehr, nur noch CDs. Nur bei Alben, die mehr als 50.000 Stück verkaufen, werden noch Platten gepresst. Aber dann ging Weißes Papier ab wie Schmidts Katze, und es wurden 60.000 verkauft, also gab es auch Vinyl. Und so war es dann mit jedem Album. Klar, das ist irgendwie auch reine Sentimentalität mit dem Vinyl, aber es sind eben für mich die einzig richtigen Schallplatten.

ZEITmagazin: Also, auf Ihrer neuen Platte Immer da wo du bist bin ich nie preisen Sie im ersten Song gleich die Kultur der Menschen, die an offenen Fenstern sitzen und auf die Straße schauen.