Gesundheitspolitik Heilung möglichSeite 2/2

Die einzige Lösung für die Zukunft: Die gesetzlichen Kassen sichern nur noch ein Basisniveau ab, für höherwertige Leistungen steht der Patient selbst durch Zusatzversicherungen oder Zuzahlungen ein. Das müsse keinen Rückbau des heutigen Niveaus bedeuten, beteuert Felder, aber ein weiterer Ausbau müsse verhindert werden. Die ersten Schritte sind bereits getan. Bereits heute schreibt das Sozialgesetzbuch vor, dass Kosten und Nutzen von Arzneimitteln gegeneinander aufgewogen werden – ein teureres Medikament, das keinen höheren Nutzen bietet, wird nicht von der Versichertengemeinschaft getragen. »Ich bin sicher, dass es so möglich wäre, auch noch in ein paar Jahrzehnten Versicherungsleistungen auf dem Niveau von heute zu finanzieren«, sagt Greß. Und wer eine Zweiklassenmedizin fürchtet, der sei daran erinnert, dass auch heute gesetzlich und privat Versicherte unterschiedlich behandelt werden. Solidarisch ist ein System nicht, in dem sich junge, gesunde Menschen in die privaten Kassen verabschieden. Das Mindeste wäre ein Wettbewerbssystem mit gleichen Bedingungen. Doch ein Preiswettbewerb zwischen den gesetzlichen Kassen ist durch den seit Januar geltenden einheitlichen Beitragssatz ausgeschaltet. Und die Qualität kann der Patient aufgrund der asymmetrischen Informationsverteilung kaum beurteilen. Vergangene Woche hat die erste Kasse entschieden, einen Zusatzbeitrag zu erheben. Folgen weitere, dürften auch die Versicherten reagieren. Schließlich geht es immer darum, den »Zustand völligen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens« abzusichern. So definiert die WHO Gesundheit. »In dieser Form ist niemand gesund«, sagt Neubauer. »Das können wir nur anstreben, nicht erreichen. Wenn wir es erreichen könnten, wäre es nicht bezahlbar.«

 
Leser-Kommentare
  1. diese Frage, diese Behauptung der Überschrift, finde ich im Beitrag nicht beantwortet. (Sollte ich dies nur nicht erkannt haben?)
    Gleichwohl ist es gut, dass die Zeit sich diesem Thema auch mal so annimmt. Was hier -eigentlich- gesagt wurde, das hat man in dieser Zeitung bisher ja eher vermisst, da war eher der (DDR-) Tenor vorherrschend, dass das soziale, gesundheitliche und psychische Wohlbefinden für alle möglich ist und zu gewährleisten ist. Jetzt sagt man uns, dass dies nicht machbar und bezahlbar ist - die Zahlen von Alkoholikern und amputierten Diabetiker- und Raucher-Beinen zeigen dies ja all die Zeit ohnehin eindeutig.
    Ja, also Basisversorgung und Zusatzversicherungen, die nach oben quasi offen sind, das ist hier wohl (doch) die Lösung, die man uns hier aufzeigt, wobei die Basisversorgung in einigen Jahrzehnten dann also zu Kassenbeiträgen von bis zu 35 Prozent führen wird. Es bleibt nur die Frage, ob sich ein jeder denn nun diese Zusatzversicherungen leisten kann. Eine Einheitskasse könnte dann allerdings die Verwaltungskosten der Basisversicherung gering halten, oder höchstens fünf Kassen.
    Also ich bin durchaus für ein solches Modell, nur scheint mir das für einige (vielleicht ja auch mal für mich) dann durchaus eher nicht bezahlbar.

    • Marc_S
    • 31.08.2009 um 6:36 Uhr

    Es gibt in Deutschland eine preisgekrönte Doktorarbeit, welche verschiedene Gesundheitssysteme miteinander vergleicht. Das Ergebnis wird aber in der Presse totgeschwiegen.

    Singapur hat danach das effektivste System, und wendet weniger als die Hälfte des prozentualen Anteils seines BIPs dafür auf wie die USA, und ca. 75%-80% wie Deutschland - hat damit aber keine schlechtere Volksgesundheit und eine vergleichbare Lebenserwartung.

    Stichwort zum Recherchieren: "Medical savings" + Singapur.

    Aber das würde etliche in der medizinischen Industrie um ihre Pfründe bringen...
    Siehe Obama, der schafft seine Gesundheitsreform auch nicht, aufgrund des Widerstandes der Lobbyisten und Nutznießer des ungerechten amerikanischen Systems.

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