Nun also auch Nordrhein-Westfalen. Schulministerin Barbara Sommer (CDU) will ein Internetportal für die Bewertung von Lehrerleistungen durch ihre Schüler einführen. Vorher hatten Sachsen, Berlin und Thüringen ähnliche Angebote bereitgestellt. Das Ziel: Spickmich, eine von Studenten auf anarchische Weise gegründete und sehr erfolgreiche Bewertungsseite, zu schwächen. Der wichtigste Unterschied der staatlichen Sommer-Initiative zum privaten Konzept: Nur die Lehrer sollen sehen können, was die Schüler über ihren Unterricht sagen – und nicht, wie bei spickmich, die gesamte Schulöffentlichkeit.

Was Sommer und andere Kritiker an spickmich stört: dass die Schüler bei der Abgabe ihrer Benotungen anonym bleiben. Barbara Sommer sieht die Persönlichkeitsrechte der Lehrer gefährdet, doch der Bundesgerichtshof hat die Seite im Juni für zulässig erklärt.

Es ist ein ungleicher Kampf, den die Ministerin da aufnimmt, und sie wird ihn verlieren. Zunächst einmal ist spickmich in der Welt und funktioniert. Die Initiative aus dem NRW-Ministerium kommt daher wie so oft in Internetfragen ein paar Jahre zu spät. Sie wendet sich zudem an die Falschen: Denn dass solche von oben eingeführten Portale gegen Initiativen von der Basis bei den Nutzern auf wenig Gegenliebe stoßen, zeigen die Beispiele Sachsen und Thüringen. In diesen beiden Ländern beteiligen sich kaum Lehrer an dem staatlichen Angebot, gerade einmal 269 von ihnen haben bis Ende 2008 mitgemacht. Spickmich dagegen ist eine Initiative aus dem Kreis der Internetnutzer selbst und scheint die Bedürfnisse der Zielgruppe ziemlich gut zu kennen. Dafür sprechen unter anderem die abgefragten Eigenschaften der Lehrer: wie »gut vorbereitet« oder wie »menschlich« sie sind, jeweils auf einer Notenskala von 1 bis 6. Die Seite hat nach Angaben der Betreiber rund 1,3 Millionen registrierte Nutzer.

Warum die Lehrer wohl so wenig Interesse daran haben, bewertet zu werden? Fürchten sie die schlechten Ergebnisse und möchten sich der Bewertung darum nicht stellen – oder aber haben die meisten von ihnen – im Gegenteil – gar keine so große Angst vor spickmich, wie es die teils aufgeregte Diskussion um das Portal nahelegt? Ersteres wäre schade, Letzteres würde durchaus für die Lehrer sprechen. Dann wären sie nämlich entspannter, als es gelegentlich den Anschein hat – und der ganze Rummel um spickmich wäre aus der Sicht der meisten Pädagogen ziemlich übertrieben.