Politische Bewegung Vorsicht, Opposition!
Internetrebellen, Nichtwähler, junge Aktivisten – sie sind für die Politik zu gewinnen, aber nicht für die Parteien. Zu Besuch bei den Vorkämpfern eines neuen politischen Bewusstseins
Manchmal wünscht sich Franziska Heine ihr altes Leben zurück. Manchmal wünscht sie sich, dass alles vorbei sei und sie in Ruhe in ihrer Bob-Dylan-Autobiografie weiterlesen könne. Oder einen ganzen Samstag in der Kletterhalle verbringen. Aber es ist nie vorbei. Es hat alles erst angefangen.
Der Tag, der Franziska Heines Leben verändern sollte, war der 22. April dieses Jahres. Die 30-jährige Berlinerin hat gerade erst eine neue Arbeitsstelle in einer Softwareentwicklungsabteilung angetreten. In der Mittagspause klickt sie sich durch allerlei Foren im Internet. Sie quellen über vor wütenden Beiträgen zu den Plänen der Familienministerin Ursula von der Leyen, ein Gesetz zur Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie zu schaffen. Franziska Heine liest, dass schon andere Regierungen solche Gesetze erlassen hätten. Und dass die meisten Internetseiten, die auf solchen Sperrlisten erscheinen, gar nichts mit Kinderpornografie zu tun hätten. Dass die Seite einer australischen Zahnarztpraxis gesperrt worden sei, außerdem die Seiten von Schwulen- und Lesbenverbänden. Und sehr oft liest sie das Wort »Zensur«.
Sie hat sich nie sehr für Politik interessiert. »Aber da war einfach so ein Gefühl im Bauch«, sagt sie, »dass das zutiefst ungerecht ist, wenn eine Regierung sich herausnimmt, in einem öffentlichen Medium Sperrungen vorzunehmen.« Noch in der Mittagspause ruft sie die Seite des Bundestags im Internet auf und tippt eine Onlinepetition. Sie formuliert ein paar Sätze, lässt einige Kollegen darüberlesen, dann schickt sie das Formular ab.
Am nächsten Tag sieht sie auf der Internetplattform Twitter die Aufforderung: »Unbedingt diese Petition unterzeichnen.« Es ist ihre eigene. Eine Woche später erreicht sie ein Brief des Petitionsausschusses: »Ihre Petition ist jetzt online gestellt.« Wahnsinn, denkt sie, die schreiben noch auf Papier! Bis zum Ende der Frist unterschreiben mehr als 134.000 Menschen. Es ist eine der größten Massenpetitionen in der Geschichte der Bundesrepublik.
Aber es soll noch mehr sein, die Geburtsurkunde von etwas Neuem. Franziska Heine nennt es »die Bewegung«.
Eine neue Generation meldet sich zu Wort. Manche bezeichnen sie als »Digital Natives«, junge Menschen, die mit Internet und Computerspielen groß geworden sind. Und sie sind kaum zu bremsen. Die »Piratenpartei«, die für den freien Datenverkehr im Internet kämpft, wächst explosionsartig. Im Mai hatte sie noch weniger als 1000 Mitglieder, inzwischen sind es schon mehr als 6000. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid können sich sechs Prozent der Deutschen vorstellen, sie zu wählen. Und sie ist nur der sichtbare Teil einer Strömung, die viel gewaltiger ist. Am 12. September ist in Berlin eine Demonstration für »Freiheit statt Angst« angekündigt, zu der bis zu 100.000 Teilnehmer erwartet werden.
Franziska Heine wird dort sprechen, zu all diesen Leuten. Über die Freiheit, die es zu verteidigen gelte, über den Lebensraum Internet, der nicht beschnitten werden dürfe. Obwohl sie doch ein eher zurückhaltender Mensch ist. Man muss an das kleine Mädchen in Michael Endes Roman Momo denken, wenn man sie sieht: eine zierliche Frau mit ungebändigten dunklen Locken und scheuen braunen Augen. Diese Frau ist jetzt Sprecherin einer neuen Oppositionsbewegung.
Was ist bloß geschehen? Irrten sich all die Jugendstudien, die Jahr für Jahr feststellten, die neue Generation sei vernünftig, pragmatisch und angepasst? Woher kommt dieses neue, unerwartete Aufbegehren?
Einige Hundert Kilometer von Franziska Heine entfernt, in Köln, verschlechtert sich Max Ottes Laune, wenn er auf das Thema Wahl angesprochen wird. Die Stimme des Professors wird schneidend. Vor drei Jahren hat Otte das Buch Der Crash kommt veröffentlicht, das sich als geradezu hellseherisch erwies. Und wenn man ihn fragt, welcher der Parteien er seine Stimme geben wird, muss er nicht lange überlegen: keiner. Otte ist kein Querulant. Der 45-Jährige lehrt Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Worms, hat in Princeton studiert. Er gehört zu der geistigen Elite, auf die sich unsere Demokratie stützen sollte. Aber er nennt sich einen »überzeugten Nichtwähler«. »Wen soll man denn noch wählen?«, fragt er und schimpft über die »bestenfalls drittklassige Garde, die sich auf Ministerposten herumschlägt«. Der Professor sagt: »Ich sehe einfach keine Möglichkeit, dieses System von innen zu reformieren.« Aber was dann?
Die Piratenpartei gewinnt im August 80 neue Mitglieder pro Tag
In Berlin, auf der Wiese vor dem Reichstag, liegen Pärchen im Gras und küssen sich. Nur einer arbeitet hier: ein Mann in einem grauen C&A-Anzug, dem man den 97-prozentigen Polyesteranteil sofort ansieht. Es ist Martin Sonneborn, der Chef der Satirepartei DIE PARTEI. Er gibt eine Pressekonferenz. Der Bundeswahlausschuss hat seine Vereinigung nicht zur Wahl zugelassen. Und weil jene Partei, die nichts anderes im Sinn hatte, als sich über den Wahlkampf lustig zu machen, nun nicht wählbar ist, hat Sonneborn einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Sonneborn appelliert an die Richter, »ihren Auftrag ernst zu nehmen«. Fotokameras klicken, Journalisten schreiben mit ernster Miene mit.
- Datum 04.09.2009 - 22:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.08.2009 Nr. 36
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daaaas wundert mich jetzt aber - ich habe den eindruck , dass es sogar ein sehr starkes gemeinsames ziel gibt : alle wie sie da sind , diese neunen/jungen "oppositionellen" wollen nichts anderes als den alten lahmen politappartschik abloesen und loswerden , sie wollen und werden den generationswechsel vollziehen - aus der "apo" werden regierungsparteien entstehen , denn den traditionellen parteien sterben die waehler weg und der waehlerimport klappt auch nicht mehr wie frueher. absehbar sind also die konsequenzen der tatsache , das ein junger intelligenter deutscher nie CDUCSUNPDFDPSPD waehlen wird - was hat er mit denen schon zu tun - warscheinlich wird er nicht mal die gruenen oder die linke waehlen - ein anders selbstbewustsein wird gerade erwachsen.
konkrete themen sind gefragt und nicht altbackenes geschwurbel von der "freiheit" oder "sicherheit". illusionen werden nicht mehr geglaubt - die werden gekauft und konsumiert. im leben selbst scheint anderes zu zaehlen, wenn ich meinen kinder so zuhoere , die jetzt das erste mal waehlen gehen werden.
Bei der Piratenpartei geht es nicht nur um ein Revierverteidigung(Internet).
Bürgerrechte, Freiheit ,Demokratie und Menschenrechte sind die Grundlage um die Probleme unserer Zeit zu lösen.
Online wie Offline.
Ohne diese Grundlagen lassen sich weder Umweltprobleme, Wirtschaftsprobleme, die Probleme im Patentrecht wie im Urheberrecht oder auch in der Aussenpolitik beseitigen.
Ohne einen transparenten Staat kann eine Bürger Entscheidungen der Regierung oder staatlicher Institutionen nicht nachvollziehen.
Nochmal: hier geht es nicht um Online oder Offline.... hier geht es um beides.
Es mag sein, daß sich die Piratenpartei aus dem Internet schöpft, die Probleme die wir angehen wollen finden aber hier im realen Leben statt.
Gruß
Oli*Pirat*
aber wenn ihr; *die Piraten*, schon richtiger Weise nicht zwischen on- und offline trennt, warum macht ihr es dann beim Thema Wahlkampf? In meinen Augen begeht ihr einen fatalen Fehler. Ihr konzentriert euch zu sehr auf die technikaffinen Nerds und die Poweruser des www, aber zu wenig auf die Offliner. Denn die sind es, die mehrheitlich zur Wahl gehen. Irgendwelche Traumzahlen bei irgendwelchen Wahlbarometern (siehe Xing) taugen allenfalls zur Selbstbespiegelung und zum Verblenden von Tatsachen. In unserem LTW-Kampf zum Bleistift gab es lediglich in den großen Städten ein paar Plakate von euch, alles, was drumherum liegt, ging leer aus. Unser Landkreis hat 360.00 Einwohner, von denen die Mehrheit nie eine Wahlbotschaft von euch vernommen hat. So wird's mit der Wahl nichts. Da helfen auch keine guten Absichten. Wahlen entscheiden Wahlgänger, keine Nichtwähler. Verliert also aus lauter Begeisterung nicht die wirklichen Wähler aus den Augen.
Mit gemeldeten 6000 Mitgliedern hättet ihr auch die notwendige Manpower dafür, vorausgesetzt, ihr schafft's irgendwann die Anträge zu bearbeiten oder wenigstens eine Rückmeldung zum Eingang des Eintritts zu geben. Denn daran hapert es ja auch. Wenigstens eine kleine, freundliche Mail muss doch möglich sein.
Nichts desto trotz werdet ihr nach der Europawahl und der LTW auch zur BTW meine Stimme erhalten, aber es schmerzt schon, zu sehen, wie ihr im eigenen Saft verkocht.
Viel Erfolg
Setro
aber wenn ihr; *die Piraten*, schon richtiger Weise nicht zwischen on- und offline trennt, warum macht ihr es dann beim Thema Wahlkampf? In meinen Augen begeht ihr einen fatalen Fehler. Ihr konzentriert euch zu sehr auf die technikaffinen Nerds und die Poweruser des www, aber zu wenig auf die Offliner. Denn die sind es, die mehrheitlich zur Wahl gehen. Irgendwelche Traumzahlen bei irgendwelchen Wahlbarometern (siehe Xing) taugen allenfalls zur Selbstbespiegelung und zum Verblenden von Tatsachen. In unserem LTW-Kampf zum Bleistift gab es lediglich in den großen Städten ein paar Plakate von euch, alles, was drumherum liegt, ging leer aus. Unser Landkreis hat 360.00 Einwohner, von denen die Mehrheit nie eine Wahlbotschaft von euch vernommen hat. So wird's mit der Wahl nichts. Da helfen auch keine guten Absichten. Wahlen entscheiden Wahlgänger, keine Nichtwähler. Verliert also aus lauter Begeisterung nicht die wirklichen Wähler aus den Augen.
Mit gemeldeten 6000 Mitgliedern hättet ihr auch die notwendige Manpower dafür, vorausgesetzt, ihr schafft's irgendwann die Anträge zu bearbeiten oder wenigstens eine Rückmeldung zum Eingang des Eintritts zu geben. Denn daran hapert es ja auch. Wenigstens eine kleine, freundliche Mail muss doch möglich sein.
Nichts desto trotz werdet ihr nach der Europawahl und der LTW auch zur BTW meine Stimme erhalten, aber es schmerzt schon, zu sehen, wie ihr im eigenen Saft verkocht.
Viel Erfolg
Setro
... inständigst, dass wir genug sein werden im September (... entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion / tr)
...möchte man anhand solcher formulierungen feststellen:
Deshalb fühlt sich die neue Apo empfindlich verletzt, wenn Politiker die Handlungsfreiheit im Internet einschränken wollen. Politiker werden als Eindringlinge empfunden in eine Welt, die nicht ihnen gehört. In der sie sich nicht auskennen. Über die sie keine Macht ausüben dürfen. Die jungen Piraten sagen über sich, sie verteidigten die Bürgerrechte. Wahrscheinlich verteidigen sie aber vor allem sich selbst.
natürlich geht es um bürgerrechte und nicht um den anspruch auf die vorherrschaft in irgend so einem komischen freak-biotop namens internet.
die abgrenzung telefon/zeitung/fernsehen etc. auf der einen und internet auf der anderen seite ist schon seit einiger zeit obsolet. alle altbekannten kommunikationstechnologien gehen mit der digitalisierung im internet auf und das nicht erst seit gestern. warum ist das eigentlich so schwer zu begreifen?
welche konzerne sollen das denn bitte schoen sein ? da fehlen mir jetzt aber dann doch ein paar zahlen oder aehnliches - solche pauschalen lobbyistenbehauptungen koennen wir hier nicht durchgehenlassen - denn das ist polemik !!! liebe redaktion und die ist, wenn ich sie an ihre eigenen ansprueche erinnern darf, hier unerwuenscht .
..leider stimmt das nicht so ganz mit den "Lobbyistenbehauptungen".
Das Internet besteht aus zahlreichen Autonomen Systemen - und min. die Hälfte davon sind in der Hand großer Konzerne.
Ein kleines Schaubild dazu:
http://www.internet-siche...
Gruß DooOdu
==========================================
Wer meint, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.
..leider stimmt das nicht so ganz mit den "Lobbyistenbehauptungen".
Das Internet besteht aus zahlreichen Autonomen Systemen - und min. die Hälfte davon sind in der Hand großer Konzerne.
Ein kleines Schaubild dazu:
http://www.internet-siche...
Gruß DooOdu
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Wer meint, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.
Gruppen bilden, gegensteuern, anders sein, verachtet werden, denken, träumen, Mensch sein...
Ihr, die ihr regiert, werdet alles verlieren. Auf dem Shirt eines jungen Menschen, viel jünger als ich selbst,
ein Spruch: "Eines Tages wird ein Regen kommen, und den Schmutz von den Straßen waschen.". Er trägt es.
Ein junger Mensch. Wut. Wütend, der Hilflosigkeit wegen. Geblähte Nasenflügel, Tränen in den Augen.
Schreiender Mund: Ihr, die ihr regiert, betimmt mich nicht. Ihr weist mich nicht. Ihr zähmt mich nicht.
Ich werde euch überleben!
..leider stimmt das nicht so ganz mit den "Lobbyistenbehauptungen".
Das Internet besteht aus zahlreichen Autonomen Systemen - und min. die Hälfte davon sind in der Hand großer Konzerne.
Ein kleines Schaubild dazu:
http://www.internet-siche...
Gruß DooOdu
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Wer meint, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.
Nein, das Internet gehört nicht großen Konzernen, es gehört denen, die es bezahlen. Und das sind wir. Lassen, Sie sich nichts anderen einreden.
Uns gehört die Software, die wir kaufen, und die Musik. Die Kartoffeln, die wir pflanzen, und die Gene in unserer DNA sowieso. Uns gehört das Kulturerbe, an dem sich die Unterhaltungsindustrie gerne bedient, weil ihr nichts neues mehr einfällt. Und wenn wir Markenklamotten auf e-bay verkaufen, dann geht es den Hersteller auch nichts an, es sei denn, wir haben sie ihm aus dem Lager geraubt. Lassen sie nicht zu, dass die Konzerne im Namen des Eigentums das Eigentumsrecht abschaffen!
Nein, das Internet gehört nicht großen Konzernen, es gehört denen, die es bezahlen. Und das sind wir. Lassen, Sie sich nichts anderen einreden.
Uns gehört die Software, die wir kaufen, und die Musik. Die Kartoffeln, die wir pflanzen, und die Gene in unserer DNA sowieso. Uns gehört das Kulturerbe, an dem sich die Unterhaltungsindustrie gerne bedient, weil ihr nichts neues mehr einfällt. Und wenn wir Markenklamotten auf e-bay verkaufen, dann geht es den Hersteller auch nichts an, es sei denn, wir haben sie ihm aus dem Lager geraubt. Lassen sie nicht zu, dass die Konzerne im Namen des Eigentums das Eigentumsrecht abschaffen!
bei genauem hinsehen scheint der tenor des artikels zu sein : liebe opposition , sehr geehrte apo, bitte waehlt nicht die piratenpartei waehlt am besten garnicht ! hab ich das jetzt richtig verstanden?
Kurz und knapp: nein, hast du nicht. Wenn du auf den neun Seiten nichts anderes als das gefunden hast, solltest du wirklich nochmal gründlich nachlesen.
Kurz und knapp: nein, hast du nicht. Wenn du auf den neun Seiten nichts anderes als das gefunden hast, solltest du wirklich nochmal gründlich nachlesen.
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