Kursmanipulation Der Kriminalfall Porsche-VW
Hat Porsche den Markt für VW-Aktien manipuliert? Die Staatsanwaltschaft hat einen Verdacht, die Börsenaufsicht ist sich sicher
© Thomas Niedermüller/Getty Images

Vergangener Erfolg: Wendelin Wiedeking und Holger Härter im November 2008 auf der damaligen Porsche-Jahrespressekonferenz
Wenn in diesen Zeiten ein deutscher Topmanager seinen Rücktritt erklärt, kann man die Tage zählen, bis die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Mann einleitet. Ausnahmen von dieser Regel sind jene Fälle, in denen die Justiz schon vor dem Abtritt der Spitzenkraft ermittelt – wie beim früheren Postchef Klaus Zumwinkel.
Nun sind also auch der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein ehemaliger Finanzvorstand Holger Härter in das Visier der Ermittler geraten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat den Anfangsverdacht, dass sich die Manager der Manipulation des Aktienmarktes schuldig gemacht haben. Im Falle Härters wird zudem untersucht, ob er Insiderinformationen an den Chef der SPD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg gegeben hat. Vergangene Woche filzten Fahnder die Unternehmenszentrale in Stuttgart-Zuffenhausen und die Privathäuser der Exvorstände in Bietigheim-Bissingen. Ein Unternehmenssprecher erklärte, die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage, aber das stimmt nicht. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gründen auf einer Untersuchung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). »Nach unserer Prüfung handelte es sich um eine Kursmanipulation, sonst hätten wir keine Anzeige erstattet«, sagt BaFin-Sprecherin Sabine Reimer.
Die Aufsichtsbehörde war zuvor von der Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Börse alarmiert worden. Dieses Börsenorgan ist am nächsten dran. Es erfasst lückenlos sämtliche Handelsdaten und wertet sie systematisch aus. Bei Unregelmäßigkeiten wird die BaFin eingeschaltet.
Die Ermittlungen gegen das einstige Stuttgarter Führungsduo markieren eine neue Wendung in dem Wirtschaftskrimi um die Übernahmen von Porsche und VW, dessen Finale man schon hinter sich geglaubt hatte. Nachdem die Manager bei dem Versuch, drei Viertel am größten europäischen Autokonzern zu erwerben, gescheitert waren, verließen sie Porsche vor einem Monat. Nun sieht der Plan wie folgt aus: VW wird zunächst 42 Prozent der Sportwagenfirma Porsche übernehmen. Im Jahr 2011 sollen dann die Porsche Automobil Holding – eine Dachgesellschaft, die 51 Prozent von VW kontrolliert – und VW zu einem Unternehmen verschmelzen. Die Familien Porsche/Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar teilen sich künftig die Macht.
Während der Übernahmeschlacht waren die VW-Aktien immer wieder zum Spielball von Spekulanten geworden. Viele verbrannten sich an dem Papier die Finger, unter ihnen der Milliardär Adolf Merckle, Händler der WestLB und etliche Hedgefonds. Im Herbst 2008 verfünffachte sich der Kurs nach einer Porsche-Mitteilung, kurzzeitig galt VW als das wertvollste Unternehmen der Welt.
Der Höhenflug der VW-Aktien bescherte Porsche über Jahre hohe Bewertungsgewinne, die sogar den Umsatz aus dem Automobilgeschäft übertrafen. Als die Stuttgarter 2005 bei Volkswagen einstiegen, kosteten die Aktien um die 35 Euro. Bald durchbrachen sie die Kursschwellen von 100 und 200 Euro. Die Kursgewinne machten Wiedeking, dessen Gehalt an das Porsche-Ergebnis geknüpft war, zu einem sehr reichen Mann. Seit seinem Abgang fiel die VW-Aktie von 250 auf 140 Euro.
Mithilfe der Maple Bank soll Porsche den Kurs illegal beeinflusst haben
Hintergrund der laufenden Ermittlungen ist aber nicht dieser Kursverfall oder der spektakuläre Sprung vom Oktober 2008, sondern eine weitaus unauffälligere Geschäftspraxis im Frühjahr 2009. Der Verdacht einer Marktmanipulation macht sich an Deals fest, die Porsche mithilfe der weitgehend unbekannten Maple Bank in Frankfurt gemacht haben soll. Die Geschäfte sollen dem Zweck gedient haben, den hohen Kurs der VW-Aktie zu stützen.
Porsche war in diesen Monaten, in denen das Unternehmen mit den Banken über Kredite und mit Investoren über eine Beteiligung verhandelte, viel daran gelegen, dass die VW-Aktie nicht zu einem Sinkflug ansetzte. Diese Gefahr bestand: Manche Analysten taxierten den wahren Wert des Papiers auf 50 Euro – ein Viertel dessen, was an der Börse gezahlt wurde. Bei einem Kursrutsch hätten sich nicht nur die Bewertungsgewinne in Härters Bilanz in Luft aufgelöst. Eine Gefahr lauerte nach Einschätzung von Beobachtern auch in Verkaufsoptionen, die Porsche ausgegeben hatte. Für diese sogenannten Puts hatte Härter lange Zeit Prämien kassiert, die ihm halfen, die VW-Übernahme zu finanzieren. Sie berechtigten Banken aber umgekehrt, VW-Aktien zu einem festgelegten Preis an Porsche zu verkaufen, und hätten nach Einschätzung von Analysten hohe Barverluste nach sich ziehen können.
Von Anfang an versuchte der Finanzchef, seine Pläne zu verschleiern
Beim Blick auf Kurse und Umsätze der VW-Stammaktien fallen zwischen Februar und Juni immer wieder einzelne Tage ins Auge, an denen die Aktie nach hohen Handelsvolumina ihre Kursrichtung änderte – aufwärts statt zuvor abwärts. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz ist es nicht nur verboten, den Kurs einer Aktie durch falsche Angaben zu beeinflussen, es steht auch unter Strafe, durch bestimmte Aktiengeschäfte »falsche oder irreführende Signale« für das Angebot, die Nachfrage oder den Kurs eines Papiers zu geben.
Nicht erlaubt sind zum Beispiel wash trades, bei denen ein Anleger gleichzeitig bestimmte Aktien kauft und verkauft, sodass sich an seinem Vermögen nichts ändert. Verboten sind auch abgesprochene Aktiengeschäfte, mit denen andere Marktteilnehmer getäuscht werden sollen. Verdächtig sind Geschäfte, mit denen der Schlusskurs einer Aktie beeinflusst wird. Ob eine Manipulation vorliegt, kommt aber auf die Umstände des Einzelfalls an, es ist ein schwieriges Rechtsgebiet.
Porsches Verhalten bei der VW-Übernahme erregte von Anfang an die Kritik der Börsianer. Als die Porsche-Spitze vor vier Jahren den Einstieg bei VW vorbereitete, fand sie einen Weg an den gesetzlichen Meldepflichten vorbei. Statt Aktien sofort zu kaufen, vereinbarte Härter Optionsgeschäfte, bei deren Auslaufen die Aktien normalerweise nicht geliefert werden, sondern die Differenz zwischen dem ausgemachten Bezugspreis und dem aktuellen Börsenpreis in bar ausgezahlt wird. Wenn Porsche den Banken die Aktien dann doch abkaufte, hatte die Wertpapieraufsicht keine Einwände.
Manche Erklärungen, die das Unternehmen abgab, waren in dieser Zeit von beschränkter Haltbarkeit. Am 25. September 2005 kündigte Porsche an, sich »mit rund 20 Prozent« an VW beteiligen zu wollen, und behauptete: »Die Beteiligung wird auf keinen Fall die Schwelle erreichen, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsste.« Eineinhalb Jahre später, am 24. März 2007, erklärte Porsche, dass man doch auf mehr als 30 Prozent aufstocken wolle und den VW-Aktionären ein Übernahmeangebot machen werde. Am 10. März 2008 dementierte Porsche Berichte, »wonach das Unternehmen beabsichtige, seinen VW-Anteil auf 75 Prozent aufzustocken«. Am letzten Sonntag im Oktober 2008 teilte die Firma dann mit, dass Porsche jetzt doch auf 75 Prozent aufstocken wolle. Was wie ein Meinungswechsel daherkam, könnte ebenso gut ein Bluff gewesen sein.
- Datum 05.09.2009 - 17:41 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.08.2009 Nr. 36
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Ich kann aus Ihrer Darstellung zwar gut erkennen, dass die Gesetze schlampig gemacht sind nicht jedoch, worin Porsche einen Gesetzesbruch begannen haben soll. Es war doch jedem, der im Umfeld tätig war, dass Porsche die Puts geschrieben hatte. Es war auch klar, wie gross die Positionen sein mussten, weil die VW Kurse so grosse Spreads aufwiesen zu vergleichbaren Aktien. Nun wäre interessant, was genau geschehen ist. Wer hat was und wann gekauft und verkauft? Bei diesem Wissenstand aber ist das alles reine Spekulation. Die Darstellungen, die wir im Augenblick noch haben, sind einfach undurchsichtig. Das ist ähnlich wie die wochenlange Berichterstattung zu Opel, wo sich nun herausstellt, dass die Subventionen völlig anders sind, als die ganze Zeit dargestellt.
Das muss sich erst noch herausstellen. Tatsache ist, dass jeder, der mehr als 3% eines Unternehmens erwerben will, es vorab veröffentlich werden. Porsche hat sich mit einem Trick um die Veröffentlichung gedrückt. Jetzt muss geprüft werden, ob der Trick legal war.
Porsche hat bei seinen Ankündigungen auf Grund der Meldepflicht fast immer gelogen und damit lange Zeit hohe Gewinne erzielt. Auch das wird jetzt geprüft werden. Am Ende hat sich Porsche verzockt. Das ist kein Grund zur Strafminderung.
Porsche hat aus der Börse ein Spielkasino gemacht. Ich finde es gut, wenn ein Exempel statuiert wird, dass es so nicht geht.
Das muss sich erst noch herausstellen. Tatsache ist, dass jeder, der mehr als 3% eines Unternehmens erwerben will, es vorab veröffentlich werden. Porsche hat sich mit einem Trick um die Veröffentlichung gedrückt. Jetzt muss geprüft werden, ob der Trick legal war.
Porsche hat bei seinen Ankündigungen auf Grund der Meldepflicht fast immer gelogen und damit lange Zeit hohe Gewinne erzielt. Auch das wird jetzt geprüft werden. Am Ende hat sich Porsche verzockt. Das ist kein Grund zur Strafminderung.
Porsche hat aus der Börse ein Spielkasino gemacht. Ich finde es gut, wenn ein Exempel statuiert wird, dass es so nicht geht.
Das muss sich erst noch herausstellen. Tatsache ist, dass jeder, der mehr als 3% eines Unternehmens erwerben will, es vorab veröffentlich werden. Porsche hat sich mit einem Trick um die Veröffentlichung gedrückt. Jetzt muss geprüft werden, ob der Trick legal war.
Porsche hat bei seinen Ankündigungen auf Grund der Meldepflicht fast immer gelogen und damit lange Zeit hohe Gewinne erzielt. Auch das wird jetzt geprüft werden. Am Ende hat sich Porsche verzockt. Das ist kein Grund zur Strafminderung.
Porsche hat aus der Börse ein Spielkasino gemacht. Ich finde es gut, wenn ein Exempel statuiert wird, dass es so nicht geht.
...gehört, dass die Meldepflichten nach dem Text des Gesetzes eingehalten wurden. Aber, wie Sie sagten, wir werden (vielleicht) sehen. Jedenfalls wissen wir momentan nur ungefähr, was war.
...gehört, dass die Meldepflichten nach dem Text des Gesetzes eingehalten wurden. Aber, wie Sie sagten, wir werden (vielleicht) sehen. Jedenfalls wissen wir momentan nur ungefähr, was war.
...gehört, dass die Meldepflichten nach dem Text des Gesetzes eingehalten wurden. Aber, wie Sie sagten, wir werden (vielleicht) sehen. Jedenfalls wissen wir momentan nur ungefähr, was war.
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